Malte Dreyer
Direktor Computer- und Medienservice
Sehr geehrte Leser:innen,
unsere Broschüre soll Ihnen wieder einen breiten Überblick zu den vielfältigen Herausforderungen und interessanten Projekten bieten, die unseren Alltag als IT-Zentrum ausmachen. Ein Thema möchten wir bewusst an den Anfang stellen, weil es für eine wachsende Kategorie von Aufgaben exemplarisch ist.
Der Entscheidungsdruck beim Umgang mit KI-Crawlern – GPTBot, ClaudeBot, PerplexityBot und Dutzenden weiteren – erreichte uns kurzfristig, als die Last auf den HU-Servern massiv anstieg und den Betrieb deutlich beeinträchtigte. Die technische Diagnose war rasch gestellt: etablierte Konventionen werden seitens der Crawler ignoriert, die User-Agents sind irreführend. Die Unterscheidung zwischen legitimer Indexierung, wie beispielsweise von klassischen Suchmaschinen und systematischer Datensammlung für Modelltraining, ist indessen methodisch anspruchsvoll.
Doch die eigentliche Herausforderung ist nicht nur technischer Natur. Sie liegt in der strategischen Positionierung einer öffentlichen Hochschule: Welche Inhalte sollen für welche Akteure zugänglich sein? Wie verhält sich Sichtbarkeit in neuen Rechercheumgebungen zu dem legitimen Interesse, Infrastruktur nicht für externe kommerzielle Zwecke bereitzustellen? Und wer im Haus trifft Entscheidungen, wenn Forschungsinteressen, Datenschutz, Kommunikationsziele und IT-Sicherheit divergieren?

Dieses Spannungsfeld zwischen technologischer Offenheit und institutioneller Souveränität steht exemplarisch für die aktuellen Herausforderungen der Hochschul-IT. Die offene Kultur des Wissenschaftssystems erfordert weitreichende Zugänglichkeit von Inhalten und Infrastrukturen; andererseits wächst das Bewusstsein für die Notwendigkeit strategischer Kontrolle – über Datenstandorte, Lieferketten und automatisierte Zugriffe. Die konkrete Verhandlung dieses Verhältnisses erstreckt sich auch auf die kooperativen Ebenen, von der Verbundplanung in der BUA bis zu gemeinsamen Policies von Hochschulen, wie eben für den Umgang mit KI-Crawlern.
Die Broschüre folgt wie gewohnt der Dreiteilung in Lehre, Forschung und Infrastruktur. Dass diese Bereiche zunehmend ineinandergreifen, ist keine neue Erkenntnis – aber eine, die sich in der Praxis ständig neu bewähren muss.
Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre und hilfreiche Anregungen für Ihre eigenen Arbeitsbereiche.
