Malte Dreyer
Direktor Computer- und Medienservice
Uwe Pirr
Computer- und Medienservice, Digitale Medien und Clients
Ein Universitätsrechenzentrum operiert im permanenten Spannungsfeld zwischen breiter Digitalisierung, Compliance-Anforderungen und technischen Entwicklungen. Einerseits muss es den spezifischen Bedarfen in Forschung, Lehre und Verwaltung gerecht werden. Andererseits sind IT-Dienste längst zu einer grundlegenden Infrastruktur geworden: Lernmanagementsysteme, Identitätsmanagementsysteme oder auch Forschungsdatenrepositorien sind nicht nur technisch komplex, sondern unterliegen auch Veränderungen und Trends, die möglichst frühzeitig aufgegriffen werden sollten, um den Dienst leistungsfähig und aktuell zu halten. Hinzu kommen die Komplexität sicherheitsrelevanter Systeme, der Fachkräftemangel und zunehmende regulatorische Anforderungen, von der DSGVO bis hin zu Zertifizierungen. In diesem Feld sind Hochschulen isoliert handelnd vor große Herausforderungen gestellt – technisch wie finanziell. Vereine und Verbände bieten deshalb einen Hebel, um ökonomische Skaleneffekte zu realisieren, ohne die digitale Souveränität vollständig an externe Anbieter zu verlieren. Sie fungieren als dezentrale Koordinationsmechanismen, über die sich die ähnlich strukturierten Einrichtungen zu virtuellen Teams zusammenschließen, um gemeinsam zu entwickeln, gemeinsam einzukaufen und gemeinsam politisch zu agieren. Für den CMS bedeutet dieses Engagement keine zusätzliche repräsentative Last, sondern eine strategische Notwendigkeit: Wer nicht partizipiert, verliert den Anschluss. Wer thematisch nicht hervorragend vernetzt ist, kann die aktuellen Herausforderungen mit den begrenzten Ressourcen nicht meistern.
Vorteile des Engagements in Vereinen
- Ressourcenbündelung statt Einzelabschlüsse
Im DFN-Verein, dem Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes, und beim ZKI, der Vereinigung der IT-Servicezentren der Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen, geht es daher auch um Rahmenverträge für Open Clouds for Research Environments (OCRE), Software-Lizenzen und betriebskritische Dienste (AAI, IdM), die für einzelne Hochschulen wirtschaftlich nicht vertretbar wären. Hier agiert die HU als Nutznießerin, aber auch als Mitgestalterin betrieblicher Standards. - Souveränität durch gemeinsame Entwicklung
Proprietäre Systeme binden Ressourcen dauerhaft. Die Beteiligung am Verein Moodle an Hochschulen e.V. oder an DINI e.V., dem Zusammenschluss von Serviceeinrichtungen an Hochschulen, wie Rechenzentren, Bibliotheken, Medieneinrichtungen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, im Vorstand und verschiedenen Arbeitsgruppen dienen der digitalen Souveränität: Statt abhängig von externen Roadmaps zu sein, werden Funktionen wie etwa das E-Prüfungs-Plugin in Moodle kollektiv spezifiziert und finanziert. Ähnlich verhält es sich in der Research Data Alliance (RDA-DE e.V.) beim Forschungsdatenmanagement, wo die HU über den Verein Trends im internationalen Kontext einordnet und Standards mitgestaltet. - Early Awareness und Policy-Arbeit
Verbände wie European University Information Systems (EUNIS) und die European University Foundation (EUF) erlauben auch auf europäischer Ebene den frühzeitigen Blick auf Entwicklungen, wie z. B. die europäische Campus-Card-Initiative. Didaktisch-technische Innovationen werden von der Arbeitsgemeinschaft der Medieneinrichtungen an Hochschulen (AMH e.V.) aufgegriffen und behandelt. Hierdurch kann sehr früh Anschlussfähigkeit sichergestellt werden und eine zu späte Migration zum Standard verhindert werden. Die Vernetzung mit dem ZKI sichert zudem eine enge Anbindung an die IT-Bereiche von Hochschulen und Forschungseinrichtungen im deutschsprachigen Raum. - Kontakt zu Politik und Governance-Erstellenden
Bei Veranstaltungen und in Gremien der Vereine und Verbände sind häufig auch Vertreter:innen aus Politik und von Fördergebern vertreten. Durch diesen Kontakt können die Hochschulen gemeinsame Bedarfe an Unterstützung artikulieren und so auch Förderprogramme, die allen nutzen, initiieren.
Fazit
Die Mitgliedschaften sind keine repräsentative Nebenaufgabe, sondern strategischer Vorteil. Sie ermöglichen es dem CMS und der HU, IT- und Medienservices aktuell, sicher und kosteneffizient zu betreiben, ohne überwiegend auf externe Abhängigkeiten angewiesen zu sein.
