Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst „Wir müssen es ausbaden“

Erneut wird in öffentlichen Einrichtungen gestreikt. Dabei geht es nicht nur um mehr Geld. Drei Streikende berichten – und eine betroffene Mutter. Maria-Mercedes Hering

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/tarifverhandlungen-im-oeffentlichen-dienst-wir-muessen-es-ausbaden/24038184.html

Lehrer Jurik Stiller
Jurik Stiller Foto: privat

Jurik Stiller (32), Lehrkraft für besondere Aufgaben in der Lehrkräftebildung an der Humboldt-Universität sowie Teil des Leitungsteams der Abteilung Wissenschaft der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin:

„An Universitäten arbeiten natürlich auch viele Menschen in niedrigen Entgeltgruppen, zum Beispiel in Sekretariaten. Dafür bekommen sie jeweils eine halbe Stelle aus der Entgeltgruppe E6 bezahlt. Daher sind sie oft für zwei Professuren tätig, um eine ganze Stelle zu haben. Diese Konstellation erzeugt aber oft Überlastung beziehungsweise Überlastungsgefühle. Aus gewerkschaftlicher Sicht fordern wir daher eine deutliche Anhebung der Entlohnung innerhalb der Universitäten.

Die HU hat über viele Sparrunden beim Personal extrem an Substanz verloren, die Überlastung ist enorm. Hohe Krankheitsstände vertiefen das Problem, aber die Grundproblematik ist immer da. Wenn wir viele Menschen mobilisieren, stünde die HU still. Als Gewerkschafter will ich an der Uni mobilisieren, aber der Streikaufruf kommt oft nicht an oder geht unter. Wir haben hier ein Mobilisierungsproblem.

Doch wenn nur wenige Personen streiken, ist der Leidensdruck für die Unis relativ gering. Die Streikenden wollen zwar nicht, dass der Streik den Studierenden schadet, aber es ist unvermeidbar, dass jetzt Prüfungen und Beratungstermine ausfallen und Hausarbeiten nicht kontrolliert werden. Allerdings erhöht das nicht unbedingt den Druck auf die Arbeitgeber.

Der Warnstreik erfolgt vor der nächsten Verhandlungsrunde. Er zeigt die Solidarität vor allem mit den Streikenden des Sozial- und Erziehungsdienstes und Unterstützung für die Verhandlungsführer. Aufgrund der gut gefüllten Steuersäckel und des hohen Drucks, den unsere Streiks aufbauen, hoffe ich auf eine baldige Lösung. Wir wollen ja nicht primär, dass die Studierenden leiden, Unterricht ausfällt oder Kinder nicht betreut werden. Unsere Berufe machen uns Spaß. Solche Streiks lassen sich aber selten komplett vermeiden. Wir hoffen zwar, dass schnell ein Ergebnis vorliegt. Doch die Gesprächsbereitschaft der Gegenseite ist natürlich ein einschränkender Faktor. Sonst gibt es eben weitere Streiks.“

27. Februar 2019 | Veröffentlicht von Uta Hoffmann
Veröffentlicht unter Allgemein
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