Archiv für Dezember 2015

Student2Student Organisationsmodelle

Letzte Woche ging es um problemorientiertes Lernen. Dieses mal wollen wir zeigen, wie man dieses Konzept noch einen Schritt weiterführen kann. Am 30.09.2015 hielt Prof. Dr. Frank Bensberg auf der Lehr-Lern-Konferenz der FH Osnabrück einen Vortrag zum Thema „Student2Student Organisationsmodelle“. Eine Zusammenfassung:

Die Grundidee: Derzeit bieten hauptsächlich Unternehmen und Lehrpersonal E-Learning-Produkte an. Mann kann aber auch Student_innen in die Herstellung dieser Produkte für Student_innen einbeziehen. Daher der Name „Student2Student“.

Beispieldurchführung: Eine relativ kleine Gruppe von Studierenden (ca. 10-20 Leute) bekam die Aufgabenstellung, ein E-Learning-Produkt zu erstellen, mit denen Studienanfänger selbstständig Basiswissen über Programmierung in einer gegebenen Programmiersprache erwerben können. Die Umsetzung erfolgt innerhalb von Präsenzzeiten an der Hochschule, in gruppeninternen Treffen und in privater Bearbeitungszeit. Die Studierenden erstellten Texte mit Beispielen und Videos, die sie dann auf einer Website für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellten.

Beobachtete Probleme in studentischen Projektteams: 

  • Traditionell haben Projekte zur Erstellung von E-Learning-Materialien eine hohe Flop-Rate.
  • Hohes Potenzial für Überforderung (man nimmt sich zuviel vor etc.)
  • Zeitliche Begrenzung (ein Semester ist für manche Projekte zu knapp bemessen)
  • Rechtslage bezüglich immaterieller Güter (z.B. bei Verwendung von Logos etc.)
  • Gruppendynamiken in den Teams erfordern durchaus hohe soziale Kompetenzen (entsprechende Trainings können helfen)

 
Erfahrungen:

  • Die Student_innen verwenden eine für Student_innen verständlichere Form der Kommunikation.
  • Das Konzept kommt gut an bei den Studierenden.
  • Eine nachträgliche Qualitätssicherung ist allerseits erwünscht, mitunter sogar nötig.
  • Regelmäßige Zwischentreffen für Feedback erwiesen sich als sehr hilfreich.
  • Die erstellte Website wird vielfach genutzt und kann sogar im regulären Lehrbetrieb verwendet werden.
16. Dezember 2015 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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Problemorientiertes Lernen – Erfahrungen, Herausforderungen und Beispiele

Am 30.09.2015 hielt Prof. Dr. Johannes Hirata auf der Lehr-Lern-Konferenz der FH Osnabrück einen Vortrag zum Thema „Problemorientiertes Lernen – Erfahrungen, Herausforderungen und Beispiele“. Eine Zusammenfassung:

Die Idee ist die: Die Student_innen sollen sich aktiv und an einem konkreten Problem orientiert neues Wissen bzw. Kompetenzen erarbeiten.

Arbeitweise: Hierzu werden Kleingruppen mit 10 bis 12 Student_innen gebildet, die sich zu den Präsenzveranstaltungen (was normalerweise Vorlesungen, Übungen o.ä. wären) treffen. Von Treffen zu Treffen wechselt die gruppeninterne Moderator_in und die Protokollant_in. Die Dozent_in greift so wenig wie nötig ein. Der Input erfolgt über das Lesen von Texten, wobei mehr Zeit zum Lesen gegeben sein sollte als Anwesenheitszeit.

Arbeitsschritte: Zuerst liest die Gruppe gemeinsam das von der Dozent_in gegebene Problem. Dieses wird direkt im Anschluss diskutiert, sodass jede_r das Problem und die Aufgabenstellung verstanden hat. Darüber hinaus soll diskutiert werden, was für Wissen bzw. Kompetenz zur Lösung des Problems fehlen. Darauf aufbauend wird eine Lernfrage formuliert, welcher dann im einzelnen außerhalb der Präsenzzeit mittels Literaturrecherche nachgegangen wird. Zum Schluss trifft man sich wieder zum kritischen Abgleich der Ergebnisse und löst das Problem. Die Anzahl der Sitzungen und die Zeit für Literaturrecherche variieren mit Problem und Gruppen.

(Notwendige) Anpassungen

  • an die Lehrperson: Die Dozent_in verliert ihre Rolle als Wissende, die hauptsächlich den Input vorgibt. Vielmehr wird sie zum Coach, der begleitend zur Seite steht und hier und da Tipps und Hinweise gibt, wenn es denn nötig ist.
  • an die Gruppe: Protokolle sind selten nötig und hilfreich. Können also u.U. weggelassen werden.
  • an die Gruppen: Hinzufügen von großen Plena, in denen die Ergebnisse der Gruppendiskussionen zusammengetragen werden, gemeinsame Lernfragen formuliert werden und eine Ergebnissicherung als PDF durch die Dozent_in erfolgt.
  • an die Zeit: Keine vollständig selbstständige Literaturrecherche. Lieber weniger und dafür auch oft vorgeben, wo man was findet bzw. welche Literatur sinnvoll ist.
  • an die Wünsche der Studierenden nach Qualitätssicherung: Zusätzliche Übungen und Zusammenfassungen, teilweise mit Vorlesungscharakter.

Erfahrungen: 

  • Die Hemmschwelle der Student_innen, Fragen an die Dozent_in zu stellen, geht herunter, wenn sie sich zuerst gegenseitig Fragen stellen und diskutieren.
  • Die Diskussionen werden sehr engagiert und diszipliniert betrieben. Mehr noch von Bachelor- als von Master-Student_innen
  • Sehr positives Feedback von den Student_innen
  • Nicht zu viele Nebenschauplätze in die Probleme einbauen, da diese ablenkend wirken.
  • Insgesamt mehr aktive Teilnahme an den Veranstaltungen.
9. Dezember 2015 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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Lesen und Fragen in den MINT-Fächern

Am 30.09.2015 hielt Prof. Dr. Andreas Faatz auf der Lehr-Lern-Konferenz der FH Osnabrück einen Vortrag über das „Lesen formaler Texte in den MINT-Fächern“. Eine Zusammenfassung:

Prof. Faatz hat in seinen Mathematikvorlesungen folgendes Konzept konsequent ausprobiert. Die Student_innen bekommen ca. 10 mal pro Semester einen Schwung Seiten zum jeweils aktuellen Stoff per Mail von der Dozent_in zugesendet. Diese sollen in der jeweiligen Woche gelesen werden und auf deren Grundlage sollen noch in jener Woche insgesamt ca. 10 Fragen bei der Dozent_in per Mail eingehen. Das heißt, nicht jede_r Einzelne ist zum Nachdenken und Fragenstellen angeregt, sondern das Kollektiv! Faatz stellt überdies die Bedingung, dass die Fragen nicht zu leicht sein dürfen. Es muss klar werden, dass sich die Student_in Gedanken gemacht und intensiv mit dem Stoff auseinandergesetzt hat. Die Dozent_in beantwortet ca. ein Drittel der Fragen per Mail. Der Rest der Fragen wird gebündelt und in der Vorlesung kollektiv beantwortet. Ansonsten wird auch weiterhin Input in der Vorlesung vermittelt. Insgesamt erhöht sich also der Anteil des aktiven bzw. interaktiven Lernens im Rahmen der Lehrveranstaltung, was modernen Erkenntnissen der Lernpsychologie entgegen kommt.
Die Fragen werden nicht bewertet. Nur die Klausur zählt für die Note, die die Student_innen am Ende des Semesters bekommen.
Zusätzlich stellt Faatz folgende Rahmenbedingungen auf:

  • Wenn keine Fragen gestellt werden, wird der Stoff des zu lesenden Stoffs nicht noch einmal in der Vorlesung wiederholt, denn dann muss man ja davon ausgehen, dass alle alles so gut verstanden haben, dass keine Fragen offen blieben. Das heißt die Studis können durch die Anzahl der Fragen das Tempo der Vorlesung bestimmen.
  • Wenn die geforderten 10 Fragen bei der Dozent_in eingehen, dann werden sich Teile der Klausur an den gestellten Fragen orientieren (Schwierigkeitsgrad, Umfang, …).

Für Faatz hat es sich als sinnvoll erwiesen, aus den Emails die explizite und die impliziten Fragen herauszulesen und diese explizit als solche zu beantworten. Dadurch lernen die Student_innen, wie man ausreichend konkrete Fragen stellt.
Die Nutzung der Fragen in der Vorlesung kann ganz verschieden gestaltet werden. Z.B. kann man vier Fragen vorstellen und fragen, welche von diesen die leichteste ist. Anhand dessen kann man auch klarmachen, was man als zu leichte Fragen erachtet. Es sollen ja auch die Kompetenzen vermittelt werden, die eigene Fähigkeit, sich selbst Fragen zu beantworten, auszuschöpfen und wissenschaftlich wertvoll kommunizieren zu können.

Faatz hat im Vergleich zu seinen vorher konventionell gehaltenen Vorlesungen folgende Erfahrungen gemacht:

  • Konzeptionelle Fragen können von den Studierenden besser beantwortet werden.
  • Das Konzept kommt gut bei den Student_innen an.
  • Bei gleichbleibender Zahl an zu lesenden Seiten aber höherer Anzahl an Veranstaltungen pro Woche steigt die Rate an Fragen, die bei der Dozent_in eingehen.
  • Speziell in Mathematik sinkt die Gefahr von „Kochrezept-Lernen“ (Student_innen können nach der Vorlesung zwar rechnen, haben aber nur wenig vom tatsächlichen Stoff samt Zusammenhängen mitgenommen)
  • Die individuelle Interaktion mit der Dozent_in steigt, man lernt sich kennen.
  • Als Dozent_in hat man mit ca. 50 Fragen pro Semester zu rechnen.
  • Wünsche von Seiten der Studierenden: Noch mehr ins Detail gehen, was eine „gute“ Frage ist und die Möglichkeit der Selbstevaluation für zuhause.
2. Dezember 2015 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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