Archiv für Kategorie News und Erfahrungen

MOOCs und Hochschullehre

Im Studienprogramm von Vielfalt der Wissensformen am bologna.lab der HU findet man einiges an innovativer Lehre vor. In diesem Beitrag wollen wir das in diesem Wintersemester abgeschlossene Seminar „Nachhaltigkeit von allen Seiten oder: MOOCst Du schon? Klimawandel und seine Folgen“ von Tina Harms (Referentin für digitale Bildung beim WWF) und Dr. Michael Lüken (Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim DKK) genauer unter die Lupe nehmen.

In diesem Seminar wurde versucht die Potentiale des interaktiven Lernens (z.B. höhere Motivation und Lerneffekte) mit denen der digitalen Medien (z.B. individuelles Lernen, große Reichweite) zu verbinden und Bachelorstudierenden ein Lernangebot zu machen, wo sie inter- und transdisziplinäres Denken, sich Austauschen und Diskutieren lernen konnten. Hierbei waren sie dazu angehalten, am Thema „Klimawandel und seine Folgen“ über die Methode von MOOCs und die Methoden der eigenen Disziplin zu reflektieren und zu diskutieren. Am Ende sollte eine Antwort auf die Frage gegeben werden, ob MOOCs für die Hochschullehre geeignet sind.

Konkret nutzte das Seminar den MOOC Klimawandel und seine Folgen, um Input in den dortigen Onlineveranstaltungen abzuholen und diesen dann in den Präsenzveranstaltungen zu nutzen. Abgerundet wurde das ganze mit einer Reihe von Gastreferent_innen, die die Präsenzveranstaltungen bereicherten. In der Erstellung dieses professionellen MOOCs steckt natürlich ein enormer Aufwand, aber Michael Lüken bemerkte in unserem Interview, dass dieser im Prinzip nicht zu Lasten der Seminarleiter_innen zu rechnen ist, da die Produktion des MOOCs im Rahmen eines extern finanzierten Projekts erfolgt ist, und damit außerhalb bzw. unabhängig von der eigentlichen Seminarvorbereitung. Der Aufwand für die Seminarleiter_innen sei relativ gering gewesen und belief sich auf das Organisieren der Präsenzveranstaltungen (Gastreferent_innen, Konzept etc.) und der Prüfungsleistungen. Das lag vor allem auch daran, dass die Student_innen eine große Diskussionsfreudigkeit an den Tag legten, das Seminar also oft wie von selbst lief.

Das ausgeklügelte Konzept und die Aktualität des Themas kam prima bei den Student_innen an. Sie waren begeistert, hoch motiviert und zeigten eine hohe Beteiligungsquote und ein hohes Engagement. Dabei kamen aber auch konstruktive bis kritische Einwände nicht zu kurz. Selbst die Lehrenden, wie Tina Harms bemerkte, konnten viel in dem Seminar lernen. Ein zweiter Durchlauf des MOOC startet am 9. Mai auf iversity, wo eventuell schon einige Erkenntnisse und Ergebnisse integriert werden können. Insgesamt hat dieser innovative Ansatz allen Beteiligten Spaß gemacht. Wie viele Student- und Dozent_innen können das am Ende des Semesters von ihren Veranstaltungen behaupten?

25. Februar 2016 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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Good-Practice-Forum is Good-Practice

Am 16.09.2015 fand das Good-Practice-Forum im Berliner Zentrum für Hochschullehre (BZHL) statt. Es lohnt nicht nur die vielfältigen Weiterbildungsangebote für alle Lehrenden an Berliner Hochschulen zu nutzen, nein auch das Good-Practice-Forum hat es in sich. Bei der öffentlichen Veranstaltung kamen neben Dozent_innen, Student_innen und Coaches verschiedenste Interessengruppen zusammen. Zuerst stellte der Erwachsenenpädagoge und Mitarbeiter des BZHL Björn Kiehne seine soeben abgeschlossene Dissertation über den Einfluss der Lernbiografie auf die eigene Lehre vor. Danach stellten vier Lehrende die Ergebnisse ihrer individuellen Lehrprojekte vor. Die Ansätze erstreckten sich über

  • Problem-orientiertes Lernen gepaart mit ganzheitlichem Lernen,
  • Schreibwerkstätten, die auf Peer-Reviewing basieren,
  • interaktives Lernen mit digitalen Medien, um trockene Themen lebendig zu gestalten und
  • Rollenspiele zum Erlangen diplomatischer und interkultureller Kompetenzen.

 
Es war hochinteressant und auch der Austausch mit den anderen Gästen war sehr aufschlussreich. Das nächste Good-Practice-Forum findet am 22. Juni 2016 von 17 bis 20 Uhr, so Save The Date!

12. Februar 2016 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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Erfahrungen mit digitalen Medien in der Hochschullehre von Jörn Loviscach

Am 12. November 2015 richtete der „Berliner Mathematische Gesellschaft e.V.“ (BMG) den ersten BMG-Tag aus unter dem Titel „Spaßfaktor Mathematik!?“. Neben Prof. Dr. Norbert Henze war auch Prof. Dr. Jörn Loviscach vertreten, der einen Vortrag über seine Erfahrungen mit digitalen Medien in der Hochschullehre hielt. Dieser Vortrag soll hier einmal kritisch zusammengefasst werden.

Zunächst kritisierte Loviscach die Aufmachung vieler Bücher und Videos, die derzeit in der Hochschullehre kursieren. Ihr oftmals perfektionistischer und eleganter Charakter zementiert das alte Bild der Wissenskluft zwischen Dozent_in und Lerner_in. Das wirke abschreckend auf viele Studierende und trage nicht grundsätzlich zu höherem Verständnis bei. Eben auf Verständnis, Begründungen, Ideen und Konzepte komme es an und diese kommen auch seiner Erfahrungen nach bei den Studierenden an. Weiter sei auch Überblickswissen in Form von Querverweisen, historischen Einbettungen, Verweise auf zugehörige Debatten in der Literatur etc. wichtig. Ebenso die Vernetzung von Wissen: Was ist ähnlich? Was weicht ab?

Im Grunde sprach sich Loviscach für Reduktion aus. Weg von übervollem Detailwissen, hin zum Erfassen von Strukturen und Konzepten, wobei die Details ggf. danach eingeführt werden können. Hierbei können Lehrvideos eine Hilfestellung sein. Er selbst lasse sich für Visualisierung von Informationen z.B. von Comics inspirieren: Speedlines für Bewegungen, Schatten für Schweben, Glanzstriche zum Hervorheben. Als Literaturempfehlung gab er „Multimedia Learning“ von Mayer an. Direkt zum Aufnehmen von Videos rät er dazu, frei zu sprechen, ja sogar, wenn möglich, zu improvisieren, da das einen freundlicheren und offenen Charakter hat. Die Fehler, die dabei passieren, helfen dabei die Kluft zwischen Dozent_in und Student_in zu schließen. Am besten soll man die Aufnahmen vor Publikum machen. Das mache einen selbst konzentrierter, die Präsentation authentischer und das Publikum korrigiere viele der Fehler.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Illusionen in der Hochschullehre. Man sollte sich zum einen als Dozent_in einer Reihe von Effekten bewusst sein: Dem Hawthorne-Effekt, dem Neuheitseffekt (der Einsatz neuer Medien kann kurzfristig durch deren Neuheit begünstigt werden) und dem Dunning-Kruger-Effekt (schwache Leistungen gehen mit größerer Selbstüberschätzung einher). Zum anderen sprach er einige oftmalige Irrtümer an: Schnelles Lernen sei häufig nicht nachhaltig (vgl. „desirable difficulties“ von R.Bjork); das Frontal-Format wirke so, als ob die Dozent_in lehrt und die Student_innen lernen; eine jede Lehrmethode wirke für irgendjemanden schlecht, man könne nicht immer alle begeistern. Weiter sehen sich viele Studierende einem gefühlten Zeitmangel gegenüber. Dem hielt Loviscach eine Studie von R. Schulmeister entgegen, die besagt, dass die Studierenden im Schnitt nur 25 Stunden pro Woche in ihr Studium investieren. So als ob man den Studierenden deshalb ruhig einen höheren Workload zumuten könne. Was Loviscach hierbei übersieht ist, dass ein Großteil der Studierenden erwerbstätig ist: Briedis kam 2007 darauf, dass 96% der Bachelorstudent_innen in ihrem Studium erwerbstätig waren, 40-50% arbeiteten durchweg. Das Berliner Studentenwerk zeigte 2010, dass die erwerbstätigen Student_innen durchschnittlich 14 Stunden in der Woche arbeiteten. An der Universität Hildesheim hatten 2013 5% der Student_innen ein Kind unter 14 Jahren. Hinzu kommen Ehrenamt, Freunde, Familie und vielleicht will man auch noch ein bisschen Zeit für sich haben.

Zuletzt sprach sich Loviscach für neue Lernformen aus, wie z.B. Capira (Eine Plattform zum Erstellen von Lehrvideos mit interaktiven Inhalten wie Fragen etc.) und Cognitive Apprenticeship, und lobte auch alte Bekannte, wie die unscharfen Aufgaben, welche sich dadurch auszeichnen, dass sie offen und nicht eindeutig sind oder sich auf konkurrierende Modelle beziehen.

14. Januar 2016 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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Musterlösungen als Videos

Am 30.9.2015 hielt Prof. Dr. Hirata auf der Lehr-Lern-Konferenz in Osnabrück einen Vortrag zum Thema „Videogestützte Musterlösungen für Klausuraufgaben“. Ein Zusammenfassung seiner wichtigsten Punkte.

Zunächst zur Arbeitsweise: Die Videos gebrauchte er begleitend zur Vorlesung. Ein Skript gab es parallel auch. Zur Erstellung der Videos nutzte er die Software Fantasia, mit der er für eine Filmminute ca. das vierfache an Produktionszeit brauchte. Inhaltlich stellte er in den Videos Musterlösungen von Altklausuren vor.

Dieses Konzept der Vorlesung kam bei den Student_innen enorm gut an. Dass die Aufgaben der Altklausuren die aktuellen Übungsaufgaben wurden und diese in den Videos verständlich erklärt wurden, verhalf bei gleichem Schwierigkeitsgrad in der Endklausur zu großem Studienerfolg. Weiter stellte sich heraus, dass die Qualität der Videos nicht „atemberaubend“ sein muss, wie Hirata sagt, sondern die Inhalte verständlich dargelegt werden müssen.

Vorteil dieses Konzepts ist, dass bei gleichbleibenden Modulen die Videos wiederverwendet werden können und man somit Zeit spart. Hirata gibt jedoch zu bedenken, dass man nicht zu viel Stoff in die Videos auslagern soll. Die Student_innen sollen weiterhin zum Selbstdenken und zur Präsenz in der Vorlesung angeregt sein. Speziell der Punkt, dass das Skript auch nebenbei vorhanden war, wurde von vielen Student_innen sehr begrüßt. Ein Kommentar bezüglich Flipped Classroom war, dass aufgenommene Vorlesungen unbedingt in Sinnblöcke unterteilt werden sollten – nicht zu groß und nicht zu klein, weil sonst die Nutzungsschwelle zu hoch ist.

8. Januar 2016 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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Student2Student Organisationsmodelle

Letzte Woche ging es um problemorientiertes Lernen. Dieses mal wollen wir zeigen, wie man dieses Konzept noch einen Schritt weiterführen kann. Am 30.09.2015 hielt Prof. Dr. Frank Bensberg auf der Lehr-Lern-Konferenz der FH Osnabrück einen Vortrag zum Thema „Student2Student Organisationsmodelle“. Eine Zusammenfassung:

Die Grundidee: Derzeit bieten hauptsächlich Unternehmen und Lehrpersonal E-Learning-Produkte an. Mann kann aber auch Student_innen in die Herstellung dieser Produkte für Student_innen einbeziehen. Daher der Name „Student2Student“.

Beispieldurchführung: Eine relativ kleine Gruppe von Studierenden (ca. 10-20 Leute) bekam die Aufgabenstellung, ein E-Learning-Produkt zu erstellen, mit denen Studienanfänger selbstständig Basiswissen über Programmierung in einer gegebenen Programmiersprache erwerben können. Die Umsetzung erfolgt innerhalb von Präsenzzeiten an der Hochschule, in gruppeninternen Treffen und in privater Bearbeitungszeit. Die Studierenden erstellten Texte mit Beispielen und Videos, die sie dann auf einer Website für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellten.

Beobachtete Probleme in studentischen Projektteams: 

  • Traditionell haben Projekte zur Erstellung von E-Learning-Materialien eine hohe Flop-Rate.
  • Hohes Potenzial für Überforderung (man nimmt sich zuviel vor etc.)
  • Zeitliche Begrenzung (ein Semester ist für manche Projekte zu knapp bemessen)
  • Rechtslage bezüglich immaterieller Güter (z.B. bei Verwendung von Logos etc.)
  • Gruppendynamiken in den Teams erfordern durchaus hohe soziale Kompetenzen (entsprechende Trainings können helfen)

 
Erfahrungen:

  • Die Student_innen verwenden eine für Student_innen verständlichere Form der Kommunikation.
  • Das Konzept kommt gut an bei den Studierenden.
  • Eine nachträgliche Qualitätssicherung ist allerseits erwünscht, mitunter sogar nötig.
  • Regelmäßige Zwischentreffen für Feedback erwiesen sich als sehr hilfreich.
  • Die erstellte Website wird vielfach genutzt und kann sogar im regulären Lehrbetrieb verwendet werden.
16. Dezember 2015 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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Problemorientiertes Lernen – Erfahrungen, Herausforderungen und Beispiele

Am 30.09.2015 hielt Prof. Dr. Johannes Hirata auf der Lehr-Lern-Konferenz der FH Osnabrück einen Vortrag zum Thema „Problemorientiertes Lernen – Erfahrungen, Herausforderungen und Beispiele“. Eine Zusammenfassung:

Die Idee ist die: Die Student_innen sollen sich aktiv und an einem konkreten Problem orientiert neues Wissen bzw. Kompetenzen erarbeiten.

Arbeitweise: Hierzu werden Kleingruppen mit 10 bis 12 Student_innen gebildet, die sich zu den Präsenzveranstaltungen (was normalerweise Vorlesungen, Übungen o.ä. wären) treffen. Von Treffen zu Treffen wechselt die gruppeninterne Moderator_in und die Protokollant_in. Die Dozent_in greift so wenig wie nötig ein. Der Input erfolgt über das Lesen von Texten, wobei mehr Zeit zum Lesen gegeben sein sollte als Anwesenheitszeit.

Arbeitsschritte: Zuerst liest die Gruppe gemeinsam das von der Dozent_in gegebene Problem. Dieses wird direkt im Anschluss diskutiert, sodass jede_r das Problem und die Aufgabenstellung verstanden hat. Darüber hinaus soll diskutiert werden, was für Wissen bzw. Kompetenz zur Lösung des Problems fehlen. Darauf aufbauend wird eine Lernfrage formuliert, welcher dann im einzelnen außerhalb der Präsenzzeit mittels Literaturrecherche nachgegangen wird. Zum Schluss trifft man sich wieder zum kritischen Abgleich der Ergebnisse und löst das Problem. Die Anzahl der Sitzungen und die Zeit für Literaturrecherche variieren mit Problem und Gruppen.

(Notwendige) Anpassungen

  • an die Lehrperson: Die Dozent_in verliert ihre Rolle als Wissende, die hauptsächlich den Input vorgibt. Vielmehr wird sie zum Coach, der begleitend zur Seite steht und hier und da Tipps und Hinweise gibt, wenn es denn nötig ist.
  • an die Gruppe: Protokolle sind selten nötig und hilfreich. Können also u.U. weggelassen werden.
  • an die Gruppen: Hinzufügen von großen Plena, in denen die Ergebnisse der Gruppendiskussionen zusammengetragen werden, gemeinsame Lernfragen formuliert werden und eine Ergebnissicherung als PDF durch die Dozent_in erfolgt.
  • an die Zeit: Keine vollständig selbstständige Literaturrecherche. Lieber weniger und dafür auch oft vorgeben, wo man was findet bzw. welche Literatur sinnvoll ist.
  • an die Wünsche der Studierenden nach Qualitätssicherung: Zusätzliche Übungen und Zusammenfassungen, teilweise mit Vorlesungscharakter.

Erfahrungen: 

  • Die Hemmschwelle der Student_innen, Fragen an die Dozent_in zu stellen, geht herunter, wenn sie sich zuerst gegenseitig Fragen stellen und diskutieren.
  • Die Diskussionen werden sehr engagiert und diszipliniert betrieben. Mehr noch von Bachelor- als von Master-Student_innen
  • Sehr positives Feedback von den Student_innen
  • Nicht zu viele Nebenschauplätze in die Probleme einbauen, da diese ablenkend wirken.
  • Insgesamt mehr aktive Teilnahme an den Veranstaltungen.
9. Dezember 2015 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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Lesen und Fragen in den MINT-Fächern

Am 30.09.2015 hielt Prof. Dr. Andreas Faatz auf der Lehr-Lern-Konferenz der FH Osnabrück einen Vortrag über das „Lesen formaler Texte in den MINT-Fächern“. Eine Zusammenfassung:

Prof. Faatz hat in seinen Mathematikvorlesungen folgendes Konzept konsequent ausprobiert. Die Student_innen bekommen ca. 10 mal pro Semester einen Schwung Seiten zum jeweils aktuellen Stoff per Mail von der Dozent_in zugesendet. Diese sollen in der jeweiligen Woche gelesen werden und auf deren Grundlage sollen noch in jener Woche insgesamt ca. 10 Fragen bei der Dozent_in per Mail eingehen. Das heißt, nicht jede_r Einzelne ist zum Nachdenken und Fragenstellen angeregt, sondern das Kollektiv! Faatz stellt überdies die Bedingung, dass die Fragen nicht zu leicht sein dürfen. Es muss klar werden, dass sich die Student_in Gedanken gemacht und intensiv mit dem Stoff auseinandergesetzt hat. Die Dozent_in beantwortet ca. ein Drittel der Fragen per Mail. Der Rest der Fragen wird gebündelt und in der Vorlesung kollektiv beantwortet. Ansonsten wird auch weiterhin Input in der Vorlesung vermittelt. Insgesamt erhöht sich also der Anteil des aktiven bzw. interaktiven Lernens im Rahmen der Lehrveranstaltung, was modernen Erkenntnissen der Lernpsychologie entgegen kommt.
Die Fragen werden nicht bewertet. Nur die Klausur zählt für die Note, die die Student_innen am Ende des Semesters bekommen.
Zusätzlich stellt Faatz folgende Rahmenbedingungen auf:

  • Wenn keine Fragen gestellt werden, wird der Stoff des zu lesenden Stoffs nicht noch einmal in der Vorlesung wiederholt, denn dann muss man ja davon ausgehen, dass alle alles so gut verstanden haben, dass keine Fragen offen blieben. Das heißt die Studis können durch die Anzahl der Fragen das Tempo der Vorlesung bestimmen.
  • Wenn die geforderten 10 Fragen bei der Dozent_in eingehen, dann werden sich Teile der Klausur an den gestellten Fragen orientieren (Schwierigkeitsgrad, Umfang, …).

Für Faatz hat es sich als sinnvoll erwiesen, aus den Emails die explizite und die impliziten Fragen herauszulesen und diese explizit als solche zu beantworten. Dadurch lernen die Student_innen, wie man ausreichend konkrete Fragen stellt.
Die Nutzung der Fragen in der Vorlesung kann ganz verschieden gestaltet werden. Z.B. kann man vier Fragen vorstellen und fragen, welche von diesen die leichteste ist. Anhand dessen kann man auch klarmachen, was man als zu leichte Fragen erachtet. Es sollen ja auch die Kompetenzen vermittelt werden, die eigene Fähigkeit, sich selbst Fragen zu beantworten, auszuschöpfen und wissenschaftlich wertvoll kommunizieren zu können.

Faatz hat im Vergleich zu seinen vorher konventionell gehaltenen Vorlesungen folgende Erfahrungen gemacht:

  • Konzeptionelle Fragen können von den Studierenden besser beantwortet werden.
  • Das Konzept kommt gut bei den Student_innen an.
  • Bei gleichbleibender Zahl an zu lesenden Seiten aber höherer Anzahl an Veranstaltungen pro Woche steigt die Rate an Fragen, die bei der Dozent_in eingehen.
  • Speziell in Mathematik sinkt die Gefahr von „Kochrezept-Lernen“ (Student_innen können nach der Vorlesung zwar rechnen, haben aber nur wenig vom tatsächlichen Stoff samt Zusammenhängen mitgenommen)
  • Die individuelle Interaktion mit der Dozent_in steigt, man lernt sich kennen.
  • Als Dozent_in hat man mit ca. 50 Fragen pro Semester zu rechnen.
  • Wünsche von Seiten der Studierenden: Noch mehr ins Detail gehen, was eine „gute“ Frage ist und die Möglichkeit der Selbstevaluation für zuhause.
2. Dezember 2015 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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TeachMatics – Erfahrungen mit einer App

Am 30.09.2015 stellte Prof. Dr. Theodor Gervens auf der Lehr-Lern-Konferenz der FH Osnabrück seine Erfahrungen mit dem Einsatz der App „TeachMatics“ in seinen Mathematikveranstaltungen vor. Eine Zusammenfassung seines Vortrags:

Die üblichen Probleme in Mathematikvorlesungen sind dreierlei.

  1. Die mathematischen Grundwerkzeuge, die in den Klassen 7 – 10 (Sekundarstufe I) vermittelt wurden, sind bei den Studierenden oft unsicher bzw. defizitär.
  2. Die Fähigkeit zu studieren, d.h. sich hinzusetzen und selbstständig zu lernen, ist bei den Studierenden oft schlecht ausgeprägt.
  3. Die Studierenden sind mitunter auf ganz verschiedenen Wissensständen (heterogene Gruppen).

 

Diese Probleme können durch Wiederholung, aktives Lernen, Eigenverantwortung und Individualisierung gelöst werden. Die App „TeachMatics“ greift diesen Ansatz auf: Sie bietet Förderung von Selbstständigkeit, individuelles Lernen, Erfolgskontrollmöglichkeiten mit Nutzungsstatistiken und die Möglichkeit Fragen zustellen. Die App stellt im Prinzip einen großen Aufgabenpool dar, den man nach Bedarf durcharbeiten kann. Die Aufgaben sind in Kurse gegliedert und mit Tipps, Feedback und Zwischenschritten versehen. Es existieren u.a. bereits Kurse für Mathematik, insbesondere Statistik und Physik. Weitere Aufgaben können durch den Dozenten hinzugefügt werden. Der Zugang erfolgt über individuelle passwortgeschützte Logins und Nummern für die jeweiligen Kurse.

Prof. Gervens nutzte die App im Sandwichprinzip, d.h. er baute sie in die Präsenzveranstaltungen seiner Lehrveranstaltungen ein, sodass diese eine Mischung aus Frontalunterricht und selbstständigen Verarbeitungsphasen wurden. Die Studierenden fanden dieses Konzept gut und nutzten es gern. Die Tutoren mussten sich umgewöhnen vom üblichen Frontalunterricht hin zur Rolle von Coaches, die die selbstständige Arbeit der Studierenden betreuen und unterstützen.

Als Dozent hat man unterschiedlich großen, aber immerhin überschaubaren Aufwand, um die App einzusetzen. Nutzt man bereits erstellte Kurse von anderen Hochschulen oder entsprechenden Firmen ist der Eigenaufwand natürlich sehr gering. Entscheidet man sich jedoch wie Prof. Gervens auch eigene Kurse zu erstellen, investiert man im Schnitt ein bis zwei Stunden, um eine Aufgabe zu erstellen. Alles in allem empfiehlt Prof. Gervens (natürlich je nach Lerngegenstand) TeachMatics als zeitgemäßes Mittel für Hochschullehre weiter.

25. November 2015 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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Preis für gute Lehre 2015 der Humboldt-Universität an PD Dr. Thomas Klose

Mit Freuden dürfen wir uns dem Medienecho anschließen, das auf die Verleihung des Preises für gute Lehre an unseren Projektleiter Thomas Klose folgte. Herzlichen Glückwunsch! Er erhielt diesen Preis für sein interaktives Vorlesungskonzept mit Onlinematerialien in der Theoretischen Physik im Kombi-BSc Studiengang. Weitere Details, wie z.B. die 10.000€ Preisgeld, finden Sie in dem offiziellen PR-Artikel der HU Berlin.

28. Oktober 2015 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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Website vorerst fertiggestellt!

Nach einiger Überarbeitung ist unsere Website nun fertiggestellt. Viel Spaß beim Anschauen! Bei Fragen oder ähnlichem klicken Sie auf Kontakt und lassen Sie es uns wissen.

28. Oktober 2015 | Veröffentlicht von Konstantin Krenz | Kein Kommentar »
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