Viel zu kurz: Mohammed Hanif in der Rebel English Academy
Nadja-Christina Schneider
Gerne hätten die Zuhörenden Mohammed Hanif mit seinem unterhaltsamen Humor noch länger auf der Studiobühne des Hauses der Berliner Festspiele erlebt. Und vor allem noch etwas mehr aus seinem neuen Roman Rebel English Academy gehört, denn die wenigen von ihm daraus vorgelesenen Passagen machten sofort Lust auf dieses Buch.

A Political Literary Novel on Dissent, Surveillance, Education Resistance in Modern Pakistan by Mohammed Hanif
When a major Pakistani political figure is hanged, OK Town erupts in protest.
A few miles away, Sir Baghi is surprised by a knock at the door of the Rebel English Academy, his tuition center that offers affordable English lessons. An unexpected visitor, Sabiha, seeks refuge at the Academy – but she has a gun, her parents are political prisoners, her husband has just died in a suspicious fire, and she’s clearly hiding something. Baghi encourages Sabiha to write, and throughout the book her life unspools on the page.
Meanwhile Captain Gul, disgraced intelligence officer, has been banished to OK Town, where he aims to silence protesters by any means necessary. But his duties – and romantic desires – begin to overlap, and his already-dubious power is further threatened. (https://www.instagram.com/p/DVLLZoIAV7H/)
Hasnain Kazim schien mitunter einige Mühe zu haben, zu seinen vorbereiteten Gesprächsfragen zurückzukehren, denn Hanif zeigte sich als verschmitzter Autor, der sich mit Freude auf den einen oder anderen längeren Exkurs begab. Er wollte sich keinesfalls nur befragen lassen, sondern erkundigte sich selbst interessiert nach Kazims werdendem Roman über dessen frühere Tätigkeit als Offizier der deutschen Marine (Hanif seinerseits war vor seinem Schriftstellerleben Offizier der Pakistan Air Force). Einige Fragen Kazims wirkten etwas unbeholfen in ihrem erkennbaren Bemühen, einem Publikum Südasien zu „erklären“, das dieser Übersetzung wohl nicht bedurfte. Viele der Anwesenden dürften mit der Region und auch mit Hanif und seinem Werk gut vertraut gewesen sein.
Spannend wurde es beim Thema Übersetzung und Mehrsprachigkeit. Hanif erzählte, wie anders sein bislang bekanntester Roman A Case of Exploding Mangoes in der Urdu-Übersetzung wirkte und wie diese ihm in Pakistan weitaus mehr Gegenwind einbrachte als die englische Originalfassung, die dort bereits seit zehn Jahren munter zirkulierte. Er sprach darüber, was es bedeutet, Punjabi als erste Sprache in der Familie zu erlernen, in der Schule dann nur noch auf Urdu unterrichtet zu werden und die nächsten Stufen der Ausbildung schließlich auf Englisch zu erklimmen. Ob Humor und Sprachwitz auch in Übersetzungen seiner Werke funktionieren könne, lautete eine Frage. Bestens, war darauf aus dem Publikum zu vernehmen.

Hanif scherzte und unterhielt sein aufmerksam lauschendes Publikum hervorragend. Vielleicht haben sich manche gefragt, ob ihm das Changieren zwischen leichter Ironie und tiefem Ernst selbst immer so bewusst ist, gerade wenn es um das Thema Humor und Politik geht. Hanif sieht hierfür inzwischen weltweit immer weniger Spielraum, was ihn mit Sorge erfüllt. Dass er seine vielen jungen Leser:innen mühelos erreicht, zeigte sich ebenfalls an diesem Abend. Literaturinteressierte, die ihn zuvor noch nicht kannten, verließen die Studiobühne mit dem festen Vorsatz, bald einen seiner Romane zu lesen. Viel mehr lässt sich von einer solchen Veranstaltung kaum wünschen.
