Jour Fixe: WiSe 23/24

#35 SCIENCE WORKS/ Jour fixe: Memories Are Made of This: Materielle Erinnerung in Biobanken

Veit Braun (Soziologie mit dem Schwerpunkt Biotechnologie, Natur und Gesellschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Biobanken werden mehr und mehr zu einer allgegenwärtigen Infrastruktur in der Zoologie und anderen Biowissenschaften. Sie versprechen, materielle Forschungsdaten auf unbestimmte Zeit für künftige, noch offene, aber dennoch zu erwartende Zwecke aufzubewahren. Am Beispiel der Einrichtung einer physischen und digitalen Infrastruktur für gefrorene Proben tierischen Materials geht dieser Vortrag der Frage nach, wie die Zukunft die Vergangenheit vorwegnimmt und wie gefrorene Objekte entsprechend gestaltet werden. Indem ich die Biobank zwischen den alltäglichen Routinen der Konservierung in einem Forschungslabor und den „trockenen“ und „nassen“ Sammlungen von Naturkundemuseen verorte, argumentiere ich, dass eingefrorene Forschungsobjekte auf zwei verschiedene Arten konserviert werden müssen: Die Nichtverfügbarkeit von Kryo-Objekten in Kühllagern zwingt Forscher*innen dazu, physische Proben („Inhalte“) unabhängig von Metadaten („Kontext“) zu behandeln. Gleichzeitig aber müssen sie eine Verbindung zwischen ihnen aufrechterhalten, die ihre Wiedervereinigung nach dem Auftauen ermöglicht. Das Ergebnis ist ein gespaltenes Objekt, das ein Doppelleben zwischen Minusgraden und Raumtemperatur führt und nur durch die Oberfläche spezieller Kunststoffbehälter verbunden ist. Indem er der Herstellung von Kryo-Objekten nachgeht, versucht sich dieser Vortrag an einer Reflexion über Joanna Radins „geplanten Rückblick“ als Praxis.

*recorded and presented 29.11.2023

4. März 2026 | Veröffentlicht von Beatrice Yefimov
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#28 SCIENCE WORKS/ Jour fixe: BUA-Seminar/ Questionable Research Practices, what are they and so should we worry?

Jesper W. Schneider (Aarhus University, Denmark)

The talk by Professor Jesper W. Schneider (Aarhus University, Denmark) will introduce and discuss the concepts of questionable research practices and misconduct. Examples will be given, and we will end by discussing suggested remedies to the challenges.

Prof. Jesper W. Schneider (Aarhus University, Denmark) will introduce and discuss the concepts of questionable research practices and misconduct. We will discuss their alleged widespread use, the suggested reasons why, and the presumed effects they have on the science system, not least their role in the so-called replication crisis. Examples will be given, and we will end by discussing suggested remedies to the challenges. The talk is based on the preprint „Is something rotten in the state of Denmark? Cross-national evidence for widespread involvement but not systematic use of questionable research practices across all fields of research.“ (https://osf.io/preprints/metaarxiv/r6j3z/)

Jesper W. Schneider will speak at the BUA-seminar ‚So geht Wissenschaft – Aktuelle Diskussionen zu Open Science und Forschungsqualität‘, hosted by Professor Martin Reinhart (Humboldt-Universität Berlin/Robert Merton Center for Science Studies).

*recorded and presented 27.11.2023

12. November 2025 | Veröffentlicht von Beatrice Yefimov
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#25 SCIENCE WOKRS/ Jour fixe: Orientierung und Überlastung: Postdocs im multiplen Wettbewerb

Julian Hamann (Erziehungswissenschaften, Arbeitsgruppe Hochschulforschung, Humboldt Universität)

Der Postdoc-Phase wurde als zentraler Qualifizierungsphase zuletzt auch wissenschaftspolitisch viel Aufmerksamkeit zuteil. Doch die Rolle von Postdocs ist offen und unterbestimmt. Die Aufgaben, mit denen Postdocs betraut werden, sind vielfältiger und komplexer als in der Promotionsphase, gleichzeitig erfahren sie weniger Orientierung und Anleitung. Der Vortrag befasst sich mit der Frage, wie Postdocs lernen was es heißt, „ein Postdoc“ zu sein. Dabei wird auf eine bisher vernachlässigte Funktion wissenschaftlicher Wettbewerbe verwiesen: Verschiedene Wettbewerbe um Stellen, Drittmittel und Publikationen sind nicht nur Mechanismen zur Verteilung knapper Ressourcen. Sie haben auch eine bislang wenig berücksichtigte sozialisierende Funktion, weil sie Postdocs die an sie gestellten Erwartungen und Anforderungen vermitteln. Anhand von Interviews mit 60 Postdocs in Physik und Geschichtswissenschaft wird in einem ersten Schritt rekonstruiert, welche Wettbewerbe Postdocs welche Erwartungen und Anforderungen vermitteln. In einem zweiten Schritt wird gezeigt, inwiefern diese unterschiedlichen Erwartungen und Anforderungen bei Postdocs zu Zielkonflikten führen, die schließlich zu einer systemischen Überlastung der Postdoc-Rolle führen.

*recorded and presented on 18.10.2023

1. Oktober 2025 | Veröffentlicht von Beatrice Yefimov
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#24 SCINECE WORKS/ Jour fixe: Meereswissen explorieren. Heterogene Kollaborationen an der Station Marine Concarneau

Tanja Bogusz (Center for Sustainable Society Research, Universität Hamburg)

Biologische Stationen wurden in den STS bislang maßgeblich als „Grenzobjekte“ (Star & Griesemer) zwischen Feld und Labor (Kohler) untersucht. Im Gegensatz zu zeitlich begrenzten Expeditionen, oder zur „reinen“ Laborforschung praktizieren Meeres-Stationen folglich „Wissenschaft mit den Füßen im Wasser“ und sind zugleich in konkreten lokalen Gesellschaften verortet. Durch ihren spezifischen Standort befinden sie sich somit am Kreuzpunkt zwischen zwei Gebieten, die in der modernen Wissenschaftsorganisation als voneinander getrennt verstanden wurden – Meer und Gesellschaft. Meeresstationen verbinden diese nicht nur epistemisch, sondern auch physisch und temporal. Entsprechend ermöglichen Meeres-Stationen multiple Formen der Organisation von Meer-Gesellschafts-Beziehungen und marinen Wissens. Nach einer Schätzung der World Association of Marine Stations (WAMS) existieren rund tausend Meeres-Stationen weltweit. In einer Zeit jedoch, in der nachhaltige Zukünfte für Küstenbevölkerungen häufig Anlass für öko-soziale und politische Polarisierungen sind, handelt es sich bei der Integration multipler Formen von Meereswissen um eine hochkomplexe Angelegenheit. Auf der Grundlage einer rund drei-monatigen Ethnographie an der ältesten aktiven Meeres-Station der Welt, der Station Marine Concarneau, Bretagne, reflektiert mein Vortrag spezifische Modi heterogener Kollaborationen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Zunächst stelle ich die Station vor, d.h. ihr spezifisches Forschungsprofil, sowie ihre lokale und länderspezifische Exposition. Nach einer kurzen Einführung in die methodologischen Grundlagen meiner Studie (Pragmatismus, STS, Marine Social Sciences) diskutiere ich drei Typen dort beobachteter heterogener Kollaborationen a) sozio-material, b) sozio-epistemisch und c) sozio-disziplinär. Abschließend diskutiere ich daran anschließende Überlegungen zur systematischen und strategischen Bedeutung von Meeres-Stationen für inter- und transdisziplinäre Kollaborationen vor dem Hintergrund der globalen Transformation von Meer-Gesellschaft-Beziehungen.

*recorded and presented on 15.11.2023

20. August 2025 | Veröffentlicht von Beatrice Yefimov
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#18 SCIENCE WORKS / Jour fixe: Liberal Epistemologies, Participatory Initiatives, and the Current Existential Crisis of Democracy

Justo Serrano Zamora (Departamento de Filosofía, Universidad de Málaga)

In my talk, I explore two main responses to democracy’s current existential crisis and their mutual relation. On the one hand, many argue that we should address the phenomenon of post-truth and its negative effects on democratic politics by cultivating citizens’ capacity to build their own, autonomous, judgements. On the other hand, many defend the need of participatory initiatives as a way of bringing citizens to identify with their political institutions. I argue that participatory initiatives are often jeopardized by the epistemological assumptions that draw from the current liberal struggle against post-truth. Instead of promoting liberal epistemological orientations among citizens, we need to draw on socialist or cooperative epistemologies, which make sure that citizens cultivate the necessary (social) conditions to sustain and expand projects of political participation.

*recorded and presented on 13.12.2023

7. Mai 2025 | Veröffentlicht von Beatrice Yefimov
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#17 SCIENCE WORKS/ Jour fixe: Umwelt-Engagement: Meeresforschung zwischen Wissenschaft und Aktivismus

Sarah Schönbauer (STS Department, Technische Universität München)

Der Klimawandel führt zu vielschichtigen und komplexen Veränderungen. Diese Veränderungen bringen unter anderem soziale, epistemische, ökonomische und politische Auswirkungen mit sich. In diesem Vortrag konzentriere ich mich insbesondere auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wissenschaftswelt und die Positionierungsarbeit von Wissenschaftler*innen. Ich frage: wie nehmen Wissenschaftler*innen Umweltveränderungen wahr und was sind die sozialen und erkenntnistheoretischen Dimensionen dieser Wahrnehmung? In meiner Fallstudie, finanziert durch ein Erwin-Schrödinger Postdoc Stipendium (FWF Austria), beschäftige ich mich mit Meeresforscher*innen und ihren Umgang mit auf den Klimawandel zurückzuführenden Umweltveränderungen in Meeres- und Polarregionen.
Das Meer ist geprägt von rapiden und vielfältigsten Umweltveränderungen. Die Meereswissenschaftler*innen die ich porträtiere, sind meist tief berührt, wenn nicht sogar erschüttert von dem, was sie untersuchen. Diese emotionalen Erfahrungen fließen in ihre Forschungen sowie in die wissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit und in Protestaktionen ein. Meeresforscher*innen untersuchen Umweltveränderungen im Rahmen ihrer Feldforschung, publizieren ihre Ergebnisse in wissenschaftlichen Veröffentlichungen und teilen ihre Forschung als öffentliche Fürsprecher*innen. Darüber hinaus protestieren sie für die Einführung politischer Regulierungsmaßnahmen zur Bewältigung dieser Umweltveränderungen.
Meeresforscher*innen positionieren sich daher sowohl als traditionelle Wissenschaftler*innen als auch als Aktivist*innen. Ich konzeptualisiere die Erfahrungen und Handlungen der Forscher*innen als Umwelt-Engagement (engl. environmental engagement) und stelle entlang dieses Konzepts zwei Formen des Umwelt-Engagements vor, in der Forschung und in Protestaktivitäten. Ich zeige, dass Umwelt-Engagement sowohl kollektivierende Effekte haben und coping Mechanismen bedienen kann, dass es aber ebenso in eine wettbewerbsorientierte wissenschaftliche Arbeitsrealität eingebettet ist. Meine Studie liefert neue Erkenntnisse über die Beziehung zwischen Umweltveränderungen, wissenschaftlicher Arbeit und Protestaktivitäten in Zeiten des Klimawandels. Meine Ergebnisse werde ich als Blaupause für andere Disziplinen weiterdenken. Nicht nur die Meereswissenschaft, sondern auch die Wissenschafts- und Technikforschung muss sich fragen wie eine Positionierung in sich ständig wandelnden Klimawelten gelingen kann und welche Formen des Umwelt- Engagements es dafür braucht.

*recorded and presented on 10.01.2024

30. April 2025 | Veröffentlicht von Beatrice Yefimov
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