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Archiv für Dezember 2014

Im Dienst des richtigen Lebens – Tagebuch eines verstellten Bibliothekars

Noch 35 Minuten bis Feierabend. Greta G. platzt in mein Büro. Trotz des großen, extra im Genitiv verfassten Zettels an der Tür: „Wegen des Umzugs geschlossen“, stürmt sie herein und fragt mich ernsthaft, ob ich ihren Spätdienst übernehmen könne? Ich muss mir unbedingt ein besseres Abwehrsystem überlegen. Aber fürs Erste wird die Luft ziemlich dünn. Lieber würde ich meine Katze einschläfern lassen, als ihren Dienst zu übernehmen. Bevor meine Gesichtszüge völlig entgleisen, verfalle ich in einen Hustenanfall. So schnell aber lässt sich eine Greta G. nicht abschütteln. Nicht umsonst wird sie auch Etiketten-Greta genannt. Um die folgende Lücke peinlichen Schweigens zu überbrücken, erwähnt Greta G. eine neue Dienstanweisung. Der Chef spendiert jedem ein ausgesondertes Buch, der solch unzumutbare Dienste übernimmt. Klar, Greta G. weiß ja immer alles ganz genau. Auch wie wichtig es ist, zu verschweigen, dass diese aussortierten Bücher thematisch meist so trocken sind wie ein drei Wochen alter Kuhfladen auf der Hochebene von Nazca. Andererseits hat die Frau im Nachbarbüro auf diese Weise erst letztens ein richtiges Schmuckstück abgestaubt. „Lebe ich richtig?“, Fragen zur Lebensführung entsprechend dem erreichten Niveau unserer entwickelten sozialistischen Gesellschaft, von 1980. Während unserer gemeinsamen Ausflüge in die Teeküche kann sie mir jetzt ständig Ratschläge geben wie: „die realistische Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens muss systematisch entwickelt werden“, oder „einem krankhaften Leistungsehrgeiz ist vorzubeugen“. Phantastische Erkenntnisse unserer Altvorderen. Ein Traum in Papier. Nach stundenlangen Diskussionen über effektive Relaxationsübungen fragten wir uns, wer so was bloß wegschmeißen will? Und die Vorgesetzten meinen, mit solchen Büchern kann man nicht mal schimmelige Kartoffelchips unter der Couch hervor grabbeln. Kulturbanausen. Dank dieses Buches kann meine Nachbarin jetzt wenigstens die Nachmittagsstunden sinnvoll füllen. Autogenes Training. Man vergisst völlig die Zeit, sagt sie.

Auf die erneut drängend vorgetragene Frage von Greta G., was denn nun mit dem Dienst sei, krame ich nervös nach einer Lösung. Doch endlich kommt mir meine jahrelange Erfahrung hinter Bibliothekstresen zu gute und ich kann mit einem breiten :-)) Antworten: „Geeanää“!

19. Dezember 2014 | Veröffentlicht von Torsten Ohst | Kein Kommentar »
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Neues Speichermagazin in Adlershof fast fertig

Foto: Anja Herwig
Foto: Anja Herwig

In Adlershof ist in der Wagner-Regeny-Straße in der Nähe des S-Bahnhofs ein neues Speichermagazin für die Universitätsbibliothek errichtet worden. Zukünftig werden dort auf 1400 qm knapp eine Million Bücher Platz finden.
Zur Zeit finden die Innenarbeiten statt und wir hoffen, dass wir Anfang des Jahres mit den ersten Vorbereitungsarbeiten beginnen können, so dass Anfang Februar dort erste Buchbestände der UB einziehen können. (siehe hierzu den Zeitplan)

Wieso ein neues Speichermagazin?

Nachdem wir für unser bisheriges, teuer angemietetes Lager eine Kündigung erhalten haben, wurde eine alternative Unterbringung dringend notwendig. Durch den Neubau können wir nun in vielen unserer Bibliotheken freie Stellflächen für neu hinzukommende Bücher und Zeitschriften schaffen, indem die weniger häufig gelesenen Medien dann nach Adlershof gebracht werden können.

Wieso mehr Platz für Bücher und nicht für Arbeitsplätze?

Gute Frage. Dort, wo man Regale abbaut, kann man in der Regel nicht ohne weiteres Arbeitsplätze einrichten. Dafür sind häufig teure Umbauarbeiten für Strom, Netzkabel und ggf. Belüftung notwendig, die wir uns derzeit nicht leisten können. Im Grimm-Zentrum z.B. können wir an vielen Stellen die Regale nicht abbauen, ohne die Frischluftzufuhr zu unterbrechen. Über die Luftschlitze an den äußeren Stirnseiten der Regale bekommen unsere Leser die notwendige frische Luft zugeführt.

Wann und wie gibt es Bücher aus dem Speicher?

Sobald dort alle Medien aus den verschiedenen HU-Bibliotheken eingezogen sind, geht es los. Voraussichtlich ab Mitte April können Bücher von dort bestellt werden. Bei vielen Büchern können Sie sogar wählen, wo Sie sie abholen und ausleihen wollen. Geplant ist, dass wir 3x pro Woche dort hinfahren und bestellte Bücher holen. Details hierzu werden wir dann rechtzeitig vor Bestellbeginn bekannt geben.

 

9. Dezember 2014 | Veröffentlicht von Andrea Kullik | Kein Kommentar »
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