Archiv für November 2015

Neue Liegenschaftspolitik?

Nach Kritik, Ankündigungen, neuer Kritik und mittlerweile drei „Bündnissen“ des Senats für Stadtentwicklung, die auch irgendwie mit Liegenschaftspolitik zu tun haben: Wie ist eigentlich der Stand in Sachen Berliner Liegenschaftspolitik? Passiert da langsam was?

Seit Jahren ist die Liegenschaftspolitik Berlins, die in erster Linie in der Privatisierung landeseigener Grundstücke bestand, in der Kritik. 2001 bis 2012 verkaufte das Land über den Fonds ca. 16 km² landeseigene Grundstücke und nahm dabei über 2,4 Mrd. € ein [1]. Wie in der Privatisierungspolitik der 1990er Jahren war auch hier die Haushaltskonsolidierung – also höchstmögliche Preise – das zentrale Thema der Vergabepraxis, die im wesentlichen über Versteigerungen und Höchstbieterverfahren ablief [2]. In den Liegenschaftsfonds wurden nicht nur Grundstücke, sondern direkt auch Landesschulden ausgelagert, so dass die Einnahmen ohne parlamentarische Verzögerungen direkt in den Schuldendienst fließen konnten [3]. Der akzeptable Preis für die Grundstücke ist für diejenigen, die seine wirtschaftlich intensivste Nutzung beabsichtigen, am höchsten. Kurz: Dieses Verfahren führte ziemlich zuverlässig die landeseigenen Grundstücke ohne viele Zwischenschritte Akteuren zu, deren Projekte die stärksten Aufwertungs- und Verdrängungseffekte haben. Ein Nebenschauplatz war außerdem die Abgabe gegenwärtig ungenutzter Grundstücke und Immobilien der Bezirke an das Land, von dem die Bezirke nun ihre Gebäude mieten mussten. Unter dem Schlagwort „Kosten- und Leistungsrechnung“ war die Einrichtung des Liegenschaftsfonds so Teil einer Verschiebung von Eigentum und Macht [4] im Arrangement zwischen Bezirken und Land. Ein Steuerungsausschuss des Senats [5], in dem die Senatsverwaltung für Finanzen den Vorsitz hatte und neben VertreterInnen der Senatsverwaltungen auch der betroffene Bezirk am Tisch saß, beriet über die einzelnen Grundstücke, die zum Verkauf standen.

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18. November 2015 | Veröffentlicht von senkelpx | Kein Kommentar »
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Warum steigt der Anteil von Eigentumswohnungen in Berlin?

Der Autor Ulrich Paul berichtet in seinem Artikel in der Berliner Zeitung von einer aktuellen Studie des Immobilienvermarkters ‚Vendomo Deutschland‘:“Wohnungssuche in Berlin – Mehr Kaufangebote als Mietwohnungen“ [1]. Die Untersuchung beschränkt sich auf neun ausgewählte Stadtteile im Zentrum Berlins und basiert auf allen Angeboten an einem einzelnen Tag. Damit handelt es sich um eine begrenzte Stichprobe, die darüber hinaus auch nicht alle Fälle der Grundgesamtheit an diesem Tag abbildet. Auf dieser Datenbasis kann aber von einem Trend gesprochen werden, der einen Ansatz für weitere Überlegungen zur Ergründung von Ursachen und Wirkungen des Berliner Wohnungsmarktes bietet.

„Mehr Kaufangebote als Mietwohnungen“ – veröffentlicht in der Berliner Zeitung (21.10.2015) [1]
Die konkrete Frage, weshalb Hausbesitzer*innen fast doppelt so viele Wohnungen zum Kauf wie zur Miete anbieten, wird vom Artikel nicht weiter ausgeführt. Anhand von Beispielen und Vergleichen zwischen mehreren Stadtteilen präsentiert er lediglich einige ausgewählte Ergebnisse der Studie. So werden große Eigentumswohnungen nicht nur zu deutlich höheren Quadratmeterpreisen verkauft als Angebote mit geringerer Fläche. Sie waren zum Untersuchungszeitpunkt auch in der Mehrheit (3 zu 1) gegenüber den zur Miete angebotenen großen Wohnungen. Der Geschäftsführer von ‚Vendomo Deutschland‘ [2] spricht mit Blick auf diese Ergebnisse eine besondere Kauf-Empfehlung für Familien aus, die jedoch nicht weiter begründet wird. Der Artikel schließt mit der Beobachtung, dass die Kaufpreise in Berlin in der gegenwärtigen Situation prozentual stärker ansteigen als die Mietpreise.

In der Diskussion im Kolloquium haben wir die hohen Mietpreise, ein verändertes Investitions-Verhalten und die rückläufige Binnenmobilität in Berlin als mögliche Erklärungen für den hohen Anteil an Eigentumswohnungen herausgearbeitet.

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14. November 2015 | Veröffentlicht von senkelpx | Kein Kommentar »
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Ein Blog zu wohnungspolitischen Aspekten und Diskussionen

Die von den Teilnehmer*innen recherchierten Artikel und die daran anknüpfenden Diskussionen im Kolloquium sollen an dieser Stelle in Form eines gemeinschaftlichen Blogs dokumentiert werden.

Dieses Blog dokumentiert Diskussionen des  Interdisziplinäre Kolloquiums „Wohnen in Berlin“ am Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung. Seit dem Sommersemster 2015 bietet das Kolloquium ein Forum für den Austausch über die Arbeitsfortschritte der einzelnen Abschlussarbeiten, fachliche und methodische Herausforderungen und übergreifenden Fragestellung zum Thema „Wohnen in Berlin“. Das Kolloquium richtet sich an Studierende aller Berliner und Brandenburger Hochschulen, die eine Abschlussarbeiten zu wohnungsbezogenen Fragestellungen schreiben. Im laufenden Semester füllen Studierenden von sechs verschiedenen Fachrichtungen (Ethnographie, Historische Urbanistik, Immobilienökonomie, Politikwissenschaften, Sozialwissenschaften und Stadtplanung) den Anspruch einer interdisziplinären Veranstaltung mit Leben. Zu Beginn einer jeden Sitzung werden aktuelle Presse-Artikel und Veröffentlichung ausgetauscht. Ausgewählte Meldungen und Diskussionen werden von den Studierenden des Kolloquiums hier im Blog dokumentiert. Wir freuen uns über Fragen, Hinweise und kommentare!

12. November 2015 | Veröffentlicht von senkelpx | Kein Kommentar »
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