Das Dragoner Areal: Zweiter Etappen-Sieg für Berlin – doch wie geht es weiter?

Im November 2016 kam die freudige Botschaft/Nachricht, nach Jahren des Stillstands der nächste Erfolg: der Verkauf des Dragoner Areal wird rückgängig gemacht! Wolfgang Schäuble musste dem Druck aus Berlin widerwillig nachgeben und sich nun um die Auslösung des Kaufvertrages bemühen [1].

Das Dragoner Areal in Kreuzberg hinter dem Finanzamt gilt als eines der letzten ‚Filet-Stücke‚ [2] Berlins. Als der Bund das Gebiet zum Verkauf anbot, wollte das Land Berlin das Gebiet erwerben, um darauf bezahlbaren Wohnraum zu errichten. Das Grundstück wurde für 36 Millionen Euro an den Höchstbietenden, einem Wiener Investor, verkauft. Die Stadt Berlin musste mit ihrem Angebot von 18 Millionen leider den Kürzeren ziehen. Seitdem kämpft Berlin jedoch auf unterschiedlichen Ebenen gegen diesen Verkauf, gegen die Privatisierung des Dragoner Areals und für 100% bezahlbare Mieten.

Engagement für das Dragoner Areal lässt sich auf unterschiedlichen Ebenen finden. Es formte sich die Initiative ‚Stadt von Unten’, in welcher sich Kreuzbergs Bewohner_innen und Mieter_innen zusammengeschlossen haben um sich gegen Eigentum, für Teilhabe und 100% dauerhaft bezahlbare und abgesicherte Mieten einzusetzen [3] [4].

Aber auch aus dem Berliner Abgeordnetenhaus kam Gegenwind. Auf Initiative von Stadt von Unten und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen stoppte der Bundesrat das Verkaufsverfahren. Dann passierte über ein Jahr lang gar nichts. Nun die tolle Nachricht: der Verkauf wird rückgängig gemacht. Ein großer Erfolg für Berlin – doch wie geht es jetzt weiter?

Viele hoffen nun, dass es schnell zu einem neuen Verkaufsverfahren kommen wird. Hierzu fordert Stadt von unten, dass jetzt das Land Berlin in die Pflicht genommen werden muss das Areal zu kaufen und dass die BImA das Areal an die Stadt Berlin übertragen soll. Die Grünen weisen auf die Signalwirkung eines Verkaufs an die Stadt Berlin hin. Das entscheidende Merkmal für einen Verkauf von Stadtraum sollte nicht das Höchstpreisverfahren sein, sondern die Stadtverträglichkeit.

Doch erneute Verkaufsabsichten auf Seiten des BImA bestehen derzeit nicht [1]. Sie denkt momentan nicht daran ein weiteres Mal zu verkaufen und will das Dragona-Areal vorerst behalten [5].

Wie geht es also weiter mit dem Dragona-Areal, es bleibt zu hoffen und zu bangen. Wichtig ist, nicht in Spekulationen zu verfallen, aber dennoch Möglichkeiten aufzuzeigen – was bspw. mit dem Gebiet passieren kann und soll.

Während die Stadt von Unten zwar konkrete inhaltliche Ziele verfolgt, bleibt sie mit Bebauungsplänen noch relativ vage. Konkrete Bebauungspläne haben Studierende der TU Berlin und Cornell University, Ithaca, NY im WS 2014/15 in einem Projekt entworfen [6]. Dieses ‚Berlin Projekt- Dragoner Areal’ wurde 2015 im Architekturmuseum der TU Berlin ausgestellt [7]. Dort schlummern die Entwürfe im Archiv und warten darauf, dass sie vielleicht eines Tages ausgegraben werden und das Dragoner Areal in einen solidarischen Kiez mit Freiräumen, selbstverwalteten Wohn- und Arbeitsprojekten und Kleingewerbe und Ateliers umgestaltet werden kann.

Dafür muss das Dragoner Areal jedoch zunächst an Berlin verkauft werden. Grund zur Hoffnung bleibt und die bereits erzielten Errungenschaften verweisen darauf, dass die Handlungsmacht weiterhin besteht:

„Wir haben gezeigt, politischer Druck von Unten lohnt sich! Über zwei Jahre Arbeit, aber jetzt konnten wir Schäubles Sparpolitik eine Ohrfeige erteilen. Nun geht es weiter: das Gelände muss an das Land übergeben werden und Berlin muss hier 100% wirklich bezahlbaren, dauerhaft abgesicherten Wohn- und Gewerberaum ermöglichen. Das Gelände kann von einem Spekulationsobjekt zu einem Modellprojekt für eine ganz andere Stadtentwicklung werden!“ (Stadt von Unten) [3]


Links:

[1] http://www.tagesspiegel.de/berlin/grundstueck-in-berlin-kreuzberg-bund-will-dragoner-areal-erstmal-behalten/14912908.html

[2] http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2016/08/gesetzesinitiative-spd-dragoner-areal.html

[3] https://stadtvonunten.de/pressemitteilung-vom-25-11-2016-dragonerareal-schaeuble-lenkt-ein-steht-rueckabwicklung-kurz-bevor-folgt-die-uebertragung-ans-land-berlin/

[4] http://www.wem-gehoert-kreuzberg.de/index.php/stadt-von-unten

[5] http://www.berliner-zeitung.de/berlin/kreuzberg-bund-macht-verkauf-des-dragoner-areals-rueckgaengig-25193170

[6] http://www.german-architects.com/architektur-news/meldungen/The_Berlin_Project_5131

[7] http://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=603

16. Januar 2017 | Veröffentlicht von senkelpx
Veröffentlicht unter Allgemein

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