Last Friday’s Lab Talk

Die Online-Vortragsreihe „Last Friday’s Lab Talk“ (LFLT) findet jeweils am letzten Freitag des Monats von 12-13 Uhr statt.

Inhaltlich geht es um digitale Tools und Methoden im Kontext der Bildungsgeschichte, aber auch darüber hinaus in der Digital History. Das Repertoire reicht von Projektvorstellungen, konkreten Workflows, Vermittlungsformaten bis hin zu reflexiven Ansätzen.

Der Zoom-Link zu allen Vorträgen ist: https://hu-berlin.zoom-x.de/j/64817937483.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


Programm 2026

(wird laufend aktualisiert)

Januar

Termin: 30.01.2026, 12-13 Uhr 

Almut Leh (Fern-Universität Hagen) und Peter Kompiel (Freie Universität Berlin): Open.Oral-History: Herausforderungen und Möglichkeiten der Anonymisierung von biographischen Interviews 

Die Anonymisierung qualitativer Interviews wird unterschiedlich gehandhabt: Sozialwissenschaften anonymisieren bereits bei der Archivierung, Oral-History-Archive bewahren Originale und anonymisieren erst bei Publikation. Letztere priorisieren den Quellenwert, kontrollieren aber den Zugang streng.
Online-Infrastrukturen erschweren diese Zugangskontrolle erheblich. Zudem erfordern rechtliche und ethische Vorgaben oft Anonymisierung. Ziel ist eine minimale, aber ausreichende Veränderung der Interviews.
Die technisch aufwändige Anonymisierung audiovisueller Medien ist nicht überall leistbar. Das Projekt „Open.Oral-History“ entwickelt deshalb KI-gestützte Werkzeuge zur Anonymisierung und digitalen Bereitstellung narrativer Interviews.
Der Vortrag präsentiert die veränderten Bedingungen der Online-Bereitstellung und stellt den entwickelten Workflow vor: automatische Transkription (ASR), halbautomatische Identifikation anonymisierungspflichtiger Entitäten via Named Entity Recognition (NER) sowie Anonymisierung von Transkripten und audiovisuellen Medien.

Februar 

Termin: 27.02.2026, 12-13 Uhr 

Marco Lorenz (BBF): Little Helpers: Spezialisierte KI-Tools für historische Forschung 

Während große Chatbots mit dem Versprechen universeller Antworten auftreten, liegt der tatsächliche Nutzen für die historische Forschung häufig woanders: bei kleinen, spezialisierten KI-Werkzeugen, die unscheinbare, aber zentrale Aufgaben der Quellenarbeit übernehmen. Der Vortrag stellt solche „Little Helpers“ aus der eigenen Forschungspraxis vor und zeigt, wie sie ohne technisches Spezialwissen eingesetzt werden können. Die Beispiele reichen von der automatisierten Texterkennung über die strukturierte Erfassung von Personen und Orten bis zur Vorbereitung historischer Netzwerkanalysen. 

Anstatt auf eine allumfassende Lösung zu setzen, plädiert der Vortrag für einen modularen Werkzeugkasten und gibt einen Überblick über aktuelle Möglichkeiten jenseits der bekannten Chatbots. KI wird dabei nicht als Ersatz historischer Interpretation verstanden, sondern als Infrastruktur, die hilft, Zeit für das Wesentliche zu gewinnen. 

März 

Termin: 27.03.2026, 12-13 Uhr 

Max Zeterberg (SUB Göttingen) und Lasse Clausen (Georg-August-Universität): Klaus-Mollenhauer-Gesamtausgabe: Entstehung – Verwendung – Erforschung 

Wie entsteht eine digitale Edition, wie lässt sie sich für die Erziehungswissenschaft nutzen und welche Möglichkeiten bieten digital verfügbare Texte? Am Beispiel der Klaus Mollenhauer Gesamtausgabe (KMG) werden diese Fragen diskutiert. Die Referenten werden Mollenhauer und die Arbeiten an der KMG kurz vorstellen. Im Mittelpunkt des Vortrags stehen danach zwei Themen: Zum einen die Nutzungsmöglichkeiten im Webportal der KMG. Zum anderen werden die Referenten Einblicke in ihr aktuelles Forschungsprojekt geben, bei dem sie die digital verfügbaren Texte von Klaus Mollenhauer mit Methoden des Text- und Data-Mining untersuchen


Archiv

November 2025

Termin: 28.11.2025

Dr. Florian Windhager (Universität für Weiterbildung Krems, Österreich): Attention Pening – Kulturelle Vermittlungsstrategien im postdigitalen Raum

Digitale Medienökologien prägen heute maßgeblich, wie Aufmerksamkeit ausgerichtet, generiert und gehalten wird. Plattformlogiken, algorithmische Kuratierung und interaktive Interface-Designs greifen dabei tief in Lern-, Bildungs- und Rezeptionsprozesse ein. Kulturinstitutionen wie Museen stehen exemplarisch für ein Feld, in dem sich historische Formate der Vermittlung mit neuen digitalen Erwartungshaltungen überlagern. Der Vortrag zeichnet nach, wie sich im Kontext einer fortschreitend „dopaminisierten“ Medienkultur Gestaltungsfragen stellen, die für die Bildungsforschung ebenso relevant sind wie für die Museums- und Sammlungspraxis. Zur Strukturierung der assoziierten Debatte werden digitale, hybride und analoge Ansätze kartiert, die zwischen Aktivierung, Personalisierung, Visualisierung, Storytelling, Entschleunigung und kritischer Selbstreflexion variieren. Ziel ist eine begrifflich und historisch informierte Verortung der Frage, wie Bildungserfahrungen im Rahmen postdigitaler Aufmerksamkeitsregime aufgesetzt und gestaltet werden können. 

16. Januar 2026 | Veröffentlicht von l.freyberg@dipf.de