Future e-Research Support in the Humanities

Wissenschaftsblog zum DFG-Projekt FuReSH an der Universitätsbibliothek

Scholarly Makerspaces – Bibliotheken als Kooperationspartner der Digital Humanities – Zu einem Workshop

Eine Zusammenfassung von Ben Kaden (@bkaden)

Der Abschlussworkshop des FuReSH-Projektes zeigte, dass er eigentlich keiner sein sollte. Denn die Idee einer niedrigschwelligen Vermittlungsinstanz für die Angebote, Möglichkeiten und notwendig auch Grenzen digitaler Forschung in den Geisteswissenschaften ist auf der Höhe der Zeit. Zumindest sahen es die Teilnehmenden so. Interessant ist dabei, dass sich die Sicht auf die Funktionen der Scholarly Makerspaces während der Diskussionen noch einmal stärker erweiterte. Im Idealfall sollten sie nämlich, wie deutlich wurde, erheblich mehr sein, als ein reines Unterstützungsangebot, mit dem die Universitätsbibliothek Lehrenden, Forschenden und Studierenden den aktuellen Stand im Bereich digitaler Werkzeuge für die Kultur- und Geisteswissenschaften näher bringt. 

Mittlerweile ist offensichtlich, wie sehr sich mit der digitalen Forschung und den Digital Humanities und weiteren Transformationsphänomenen wie u.a. der offenen Wissenschaft grundsätzlich etwas verschiebt, das lange stabil abgegrenzt schien. Das Funktionssystem Wissenschaft und seine Schnittpunkte zu weiteren gesellschaftlichen Bereichen werden unter diesen Vorzeichen neu, und zwar stetig neu, definiert. Bestimmte Elemente – Faktenorientierung, Systematizität, Verfahrenstransparenz – und Prinzipien bleiben stabil. Aber oft scheint es, als rückten gerade die diskursiv- und deutungsorientierten Communities zunehmend in die Rolle einer Qualitätssicherung des Wissens, dessen Produktion an anderen Stellen erfolgt. In jedem Fall finden eine Vielzahl von ebenfalls verständnis- und erkenntnisgerichteten Prozessen und insbesondere solche der Problemlösung an anderen Stellen als der akademisierten Wissenschaft statt. Wissenschaftliche Expertise wird im Zweifel hinzugezogen, wissenschaftliche Strenge je nach Bedarf angewandt. Aber das Ziel solcher Wissensprozesse ist nicht mehr auf einen generellen Wissenszuwachs an sich gerichtet. Wissenschaft als Institution und Praxis arbeitet zunehmend projektbasiert und damit auf sehr konkrete und bestimmbare Ergebnisse hin. Allgemeinere Einsichten sind eine Art Nebenprodukt, das die Best-Practice-Erfahrungen begleitet. In welcher Form dies dokumentiert wird, ist eine Aufgabe für das wissenschaftliche Publikationswesen. Projektblogs wie dieses sind ein Weg. Zugleich wäre aber ein differenziertes Wissensmanagement notwendig, da ein Großteil solcher Expertise nur teilweise kontinuierlich in den Laufzeitzyklen der Projekte, also in Rahmen von zwei bis drei Jahren entsteht. Danach, auch darüber wurde im Workshop gesprochen, beginnt für die Akteure ein im Idealfall inhaltlich ähnliches, im konkreten Bezug aber oft doch anderes Kapitel. Wo also ließe sich so ein Wissen strukturiert und nachnutzbar abgebildet akkumulieren? Für den Bereich der digital geprägten Geisteswissenschaften könnte einer dieser Ort der sein, der bereits traditionell publiziertes Wissen sammelt – also die Bibliothek. Entsprechend notwendig ist es für die Scholarly Makerspaces, ein System für die Sammlung, Strukturierung und Bereitstellung entsprechender Expertise vorzuhalten. Für die Implementierung ist dieser Aspekt daher ausdrücklich mit beantragt. Und überhaupt bewegt man sich mit einem DFG-Projekt aus dem LIS-Bereich in einem für diese Entwicklung im Prinzip genau richtigen Wirkungszusammenhang. Wir wissen schon aus eigener Erfahrung sehr gut, welche besonderen Anforderungen sich in vorwiegend über Drittmittel finanzierten Forschungszusammenhängen ergeben. An engen Zeiträume und konkreten Umsetzungszielen ausgerichtete Forschung ist unabweislich auch Teil des Kulturwandels. Es bietet sich an, dies im Zusammenhang zu sehen und im Gegenzug entsprechende zeitgemäße und nachhaltige Infastrukturangebote aufzusetzen. Für ihren Wirkungsradius gehören die Scholarly Makerspaces in diesen Funktionsrahmen für die Wissenschaft, vielleicht auch besser Wissensarbeit der Gegenwart.

Rolle und Abgrenzung der Scholarly Makerspaces

Die Grundidee der Scholarly Makerspaces, nämlich die Vermittlung von Kompetenzen, Entwicklungen, möglicherweise Ressourcen und in jedem Fall Vernetzungen für die digitale Forschung in den Kultur- und Geisteswissenschaften enthält grundständig die Möglichkeit, die Begleitung und Moderation eines solchen Kulturwandels institutionell einzubetten. Scholarly Makerspaces sind im besten Umsetzungsfall eine niedrigschwellig nutzbare und agile Lösung für eine konzentrierte und aufgeklärte Auseinandersetzung mit den jeweils relevanten Fragestellungen. Mit ihrem Dienst der Forschungs- und Antragsberatung helfen sie bei den jeweiligen und oft zeitkritischen Entscheidungsfindungen. Als Begegnungsraum führen sie unterschiedliche Akteure, die in dieser Transformation aber unbedingt im Dialog stehen sollten, zusammen. Im besten Fall entstehen dadurch neue Ideen, Konzepte, Forschungsfragen und Umsetzungspläne. Für alle Beteiligten bis hin zur anbietenden Institution eröffnen sie die Möglichkeit, die entsprechenden Entwicklungen kennenzulernen, zu verstehen, zu bewerten und insgesamt selbst zu partizipieren. Dazu zählt ebenfalls, Vorstellungen von der eigenen Rolle regelmäßig konstruktiv zu hinterfragen, etwas, das gerade auch für wissenschaftliche Bibliotheken unerlässlich ist. 

Scholarly Makerspaces sind daher zwar an einigen Stellen ähnlich, aber keinesfalls identisch mit funktionsorientierten (Library) Labs. Die Bereitstellung von Werkzeugen, Workflows, Methoden, Materialien und einer ganze Palette von kleinen praxistauglichen Lösungen, die man im Workshop als Hacks bezeichnet und die im Sinne des Wissensmanagements auch formalisiertes Erfahrungswissen genannt werden könnten, bildet nur eine Facette der Scholarly Makerspaces. Die begleitete, in der Komplexität überschaubare und auf individuelle Anforderungen und Kompetenzen Rücksicht nehmende Vermittlung markiert eine zweite Facette. Die dritte ist schließlich die, wofür man Scholarly Makerspaces trotz aller Digitalität unbedingt als Raum benötigt: Die eines Ortes für den Kontakt und wechselseitigen Austausch von unterschiedlichen Akteuren. Die Scholarly Makerspaces sollen in Addition der Angebotsfacetten ihren unmittelbaren Zielgruppen ermöglichen, die Anbindung zu aktuellen Entwicklungen, Möglichkeiten und Diskussionen zu halten, vielleicht auch mitzugestalten. Dadurch jedoch, dass dies nur über die Integration Akteure gelingt, die die jeweiligen Entwicklungen, Möglichkeiten und Diskussionen selbst prägen, verschiebt sich möglicherweise in der Zeit auch das, was die Zielgruppe darstellt. Für den Anfang sollen in den Scholarly Makerspaces lokale Akteure jeweils bedarfsgerecht mit den für ihre Ansprüche relevanten Werkzeugen, Verfahren, Informationen und Kontakten zusammengeführt werden.

Der Einstieg über und eine Verankerung von konkreten (technischen) Lösungen – z.B. über Workstations mit vorinstallierten Ready-to-Use-Werkzeugen – und begleitenden Schulungen zum Kompetenzerwerb für die lokalen Communities ist sicher zielführend, auch um Akzeptanz für das Angebot zu schaffen. Zugleich empfiehlt sich jedoch, die Rolle der Scholarly Makerspaces als Organisations- und Vermittlungsort für die digitale Transformation und den Kulturwandel in der Wissenschaft von Beginn an offensiver zu denken. Vermittlung heißt in diesem Fall auch aktive Moderation, Kanalisieren, zielgruppengerechtes Aufbereiten, bei Bedarf geduldiges Erklären und vor allem ein Im-Blick-Behalten und Verstehen, also Monitoring, dessen was generell in den einschlägigen Bereichen geschieht. 

Eine umfassende technische Grundversorgung für die Breite möglicher Anforderungen scheint aus diversen Gründen unmöglich. In den Gesprächen zur Konzeptentwicklung wurden wir aus guten Gründen regelmäßig vor einem solchen Anspruch gewarnt. Er wäre im Prinzip für die Scholarly Makerspaces auch wenig sinnvoll. Denn wo es Lösungen gibt, gibt es bereits Expertise und wenn sie bei den Entwickler*innen liegt. Es kristallierte sich auch während des Workshops heraus, dass die zentrale Rolle der Betreibenden eines Scholarly Makerspaces neben einer Grundberatung die des Community-Managements sein muss. Genaugenommen handelt es sich um Communities, also den Plural, die je nach Anforderung, Bedarf oder Szenario zueinandergeführt und so moderiert werden müssen, dass sie sich verstehen und konstruktiv kommunizieren können. Das Angebot konkreter Werkzeuge sollte sich auf besonders attraktive, grundständige und reife Lösungen konzentrieren. Für alle Materialien liegt der Schwerpunkt nicht im Sammeln auf Vollständigkeit, sondern in einer an konkreten Kriterien ausgerichteten Kuratierung. Die beiden Schwerpunkte für den Betrieb der Scholarly Makerspaces sind also diese Kuratierung und die Anregung, Koordination, Pflege und Unterstützung von entsprechenden Nutzungscommunities, also konkreter Programmarbeit, beginnend bei Schulungen und bis hin zu Symposien und Hackathons. Wie komplex sich diese Aufgaben darstellen, ist nicht pauschal bestimmbar. Bei relativ homogenen Gruppen reicht es vielleicht, den Raum als eine Art Bühne bereitzustellen. In anderen Fällen bedarf es einer ausgeprägten Moderation und gegebenenfalls auch Übersetzungsleistung. 

Scholarly Makerspaces als Bühne – das Beispiel Hackathons und Coding-X

Während es bislang noch keine Scholarly Makerspaces im Sinn des FuReSH-Projektes gibt, gibt es doch durchaus eine Reihe von Erfahrungen mit der Aktivierung und Lenkung von community-basierter Aktivierung und Auseinandersetzung mit Forschungsmaterialien und digitalen Lösungen. Ein großer Appeal und sehr gute Erfahrungen werden so genannten Hackathons bzw. “Coding X”-Veranstaltungen zugeschrieben. Die Rolle der Betreibenden des Makerspaces läge in diesem Zusammenhang vorwiegend auf der Kuration und Organisation solcher Veranstaltungen. Zugleich wären sie Ansprechpartner für ein akutes Desiderat: Wo und in welcher Form werden die Ergebnisse solcher Veranstaltungen dauerhaft verfügbar gehalten. Wie auch in anderen Fällen – zum Beispiel beim technischen Support – erweist sich die Einbettung der Scholarly Makerspaces in das institutionelle Gefüge der Hochschule als Vorteil. Nach Möglichkeit sollten an diesem Punkt bestehende Angebote wie Repositorien aktiv eingebunden werden. 

Nach dem Konzept der “Scholarly Makerspaces als Bühne” würden zudem unterschiedliche Akteure den Ort in regelmäßigem Wechsel bespielen können. Dies ist bis hin zu einer weitgehend eigenverantwortlichen Ausgestaltung und Nutzung denkbar. Die Aktivitäten konzentrierten sich auch hier weniger auf die technische Expertise als auf die Vernetzung. Ein Vorteil des Ansatzes wäre, dass die Aktualisierung gewissermaßen Community-getrieben erfolgte und sich die Betreibenden stärker auf die Dokumentation bzw. das Wissensmanagement konzentrieren könnten. Dies setzt jedoch zunächst entsprechend motivierte Communities voraus. Die Betreibenden müssen im Gegenzug aufgeschlossen und anschlusswillig, möglicherweise sogar aktiver Teil einer solchen Community sein. 

Anwendungsfälle

Das SBB-Lab, vorgestellt durch Clemens Neudecker, ist ein gutes Beispiel für den Ansatz, digitalisierte Ressourcen für eine ergebnisoffene Nachnutzung verfügbar zu machen. Dabei ist diese Offenheit auch 2019 oft noch eine Herausforderung und muss – auch im eigenen Haus – als Idee vermittelt werden. Das Lab stellt aktuell Datensätze bereit, die als Testdaten auch für Scholarly Makerspaces genutzt werden könnten. Zugleich ist es mit seinem Auftritt und der Datenpräsentation ein Anwendungsfall für die Datenvermittlung, der entsprechend als Orientierung für den Aufbau von Scholarly Makerspaces betrachtet werden könnte. Zu beachten wären jedoch die Besonderheiten der Trägereinrichtung, also der Staatsbibliothek zu Berlin.

Beim Austausch zu den Erfahrungen mit Hackathons wie Coding Gender wurde zudem eine weitere mögliche Angebotsfacette für Scholarly Makerspaces sichtbar. Neben den Werkzeugen (und der Hardware), den Beständen und Verfahren stellen auch Ablaufdokumentationen für die Entwicklung von Nutzungslösungen einen wichtigen Vermittlungsaspekt dar, wie Michael Müller von der Mosse Art Research Initiative (MARI) betonte. Eine Sammlung von nachvollziehbar dokumentierten “Hacks” zur Annäherung an Kulturdaten bleibt bisher ein Desiderat, das vergleichsweise leicht bei entsprechenden Sessions bedient und aufgefangen werden könnte. Die Aufbereitung, Ergänzung und Weiterentwicklung solcher Erfahrungsdokumentationen könnte in einer Wikistruktur über die Community erfolgen und in das Wissensmanagementsystem der Scholarly Makerspaces intergriert werden. Die Aufgabe des Labs bzw. der Scholarly Makerspaces wäre demnach auch hier die Bereitstellung und Sicherung der Infrastruktur, die Moderation und die kuratierende Gestaltung. Auf diesem Weg ließen sich nebenbei auch die Use Cases sichtbar machen, die für eine erfolgreiche Ausgestaltung und Vermittlung des digitalen Kulturwandels so notwendig sind.

Anna Busch vom Theodor-Fontane-Archiv Potsdam und dem dortigen TFA.Lab berichtete ebenfalls von sehr guten Erfahrungen mit Hackathons. Die von ihr beschriebenen Erfahrungen demonstrierten besonders anschaulich, wie digitale Werkzeuge vor allem ein Mittel zum Zweck darstellen und es neben der Bereitstellung der Tools auch darauf ankommt, digitale Forschung auch als eine besondere Form der Auseinandersetzungspraxis mit Kultur zu sehen. Mit der Betonung des Prinzips der Agilität und der sehr breiten Vernetzung dekonstruiert digitale Wissenschaft in gewisser Weise auch klassische disziplinäre Abgrenzungen. Das Archiv stellt den Gegenstandsbereich, der aus diversen, auch unerwarteten, nicht zwingend primär literaturwissenschaftlichen Blickwinkeln adressiert, beforscht und genutzt wird. Im Zweifel orientiert man sich an einem für Veranstaltung gesetzten Oberthema oder einem verbindenden Motto (wie bei Coding Gender). Eine deckungsgleiche Anpassbarkeit an die traditionelle Binnenstrukturierung von Wissenschaftsdomänen wird dagegen nicht angestrebt, ist in vielen Fällen sogar gerade nicht gewünscht.

Im Fall des Fontane-Archivs wurden die Textkorpora zum Werk Theodor Fontane also nur als Beispielmaterial zu Erprobung unterschiedlicher Auseinandersetzungsformen mit solchen Daten benutzt. Im Ergebnis standen weniger neue Erkenntnisse zur Fontane-Forschung als zu digitalen Verfahren, die auch für die Fontane-Forschung bedeutsam sein können. Die Idee von Hackathons ist die aktive und offene Erprobung des Möglichen, zu der auch das Scheitern und Lernen aus diesem Scheitern gehören. Kurioserweise hält über solche Umwege eine Freiheit der Auseinandersetzung mit Forschungsmaterialien wieder Einzug, die in den eng gesetzten Arbeitsplänen drittmittelfinanzierter Projektforschung nur noch sehr begrenzt Raum findet.

Das hat auch wiederum Folgen für die Wissenschaft und ihr Selbstverständnis. Für einen Hackathon wie den des TFA.Lab sind die Korpora stärker exemplarisch als strukturierte Datafizierungen literarischer Werke als dass sie als Bezugsgegenstand einer unmittelbaren Fontane-Forschung mit konkreten Erkenntniszielen verarbeitet werden. Dies leitet auf eine Grundbedingung datenbasierter geistes- und kulturwissenschaftlicher Forschung über: es gibt eine Fluidität zwischen zwei Ebenen. Auf der einen Seite steht eine Datenstruktur, die idealerweise standardisiert und als Linked-Open-Data offene Kontextualisierungen eröffnet und Verfahren wie eine Distant Reading ermöglicht. Auf der anderen die, wenn man so will, ästhetische zu rezipierende Ausprägung, die für die Nahlektüre, hermeneutische Auslegungen und natürlich auch den sinnlichen Werkgenuss essentiell ist. Abstrakt gesehen bedeutet digitale Wissenschaft eine genuin doppelte Sicht auf Forschungsobjekte. Wenigstens für die aktuelle Transformationsphase kollidiert diese Konsequenz oft mit traditionelleren Vorstellungen. Sie entspricht aber der spezifischen Medialität und dem Potential des Digitalen, also Datafizierung, Verknüpfung, Re-Visualisierung u.ä. Die Scholarly Makerspaces können und sollen durchaus ein Ort sein, um diese Spannung zwischen verschiedenen Formen der Auseinandersetzung mit Kulturobjekten und damit einhergehenden Deutungsansprüchen konstruktiv und verständnisorientiert zu verhandeln.

Neue Partner

Maxim Kupreyew von der BBAW ergänzte eine weitere, in klassischeren akademischen Kulturen vermutlich eher noch unerwartetere Kooperation. Für die Entwicklung des Computerspiels Assassin’s Creed Origins kooperierte die Produktionsfirma Ubisoft Entertainment SA mit Ägyptolog*innen im Rahmen einer so genannten Hieroglyphen-Initiative. Die Firma hatte die Ressourcen, um breit aufgestellt mit maschinellem Lernen eine Übersetzungswerkzeug für Hieroglyphen zu entwickeln.  Die technischen und inhaltliche Ergebnisse werden, so die Ankündigung, Open Source zur Verfügung gestellt. Kulturelle Ergebnisse dieser Kooperation sind neben einem authentischeren Spieleerlebnisse auf der Höhe der Ägyptologie auch eine Popularisierung des Thema Hieroglyphen und damit der Ägyptologie. Für die einschlägige digitale Forschung wird zudem eine Lösung zur semantischen Identifikation solcher Schriftzeichen entwickelt, für die in der akademischen Ägyptologie ohne eine solche Partnerschaft kaum adäquate Ressourcen in einem so kurzen Zeitraum bereitgestanden hätten. Durch die Kooperation wurden die Werkzeug- und Korpusentwicklung also entsprechend erheblich beschleunigt, wovon auch die Disziplin profitiert. Scholarly Makerspaces können an dieser Stelle als Showroom und Vernetzungsraum eine besondere Rolle spielen und vielleicht auch helfen, möglicherweise noch existierende Berührungsängste abzubauen. Wichtig ist aber sicher auch, dass sie die Frage spiegeln, was es eigentlich, auch für das Selbstverständnis von Wissenschaft, bedeutet, dass bestimmte Innovationen perspektivisch vermutlich nur in Partnerschaften mit außerakademischen, möglicherweise auch kommerziell orientierten Akteuren und mit entsprechend auch weniger wissenschaftlich ausgerichteten Zielstellungen realisiert werden können?

Wissenschaft und Öffentlichkeit sowie andere Bereiche der Gesellschaft nähern sich sehr offensichtlich zumindest dort an, wo mit ähnlichen Werkzeugen und Apparaturen agiert wird. Das die Datenanalytik in Unternehmensberatungen ebenso, wenn auch mit anderen Erkenntniszielen, auf semantische Analysen und die Modellierung sowie Visualisierung von Netzwerken setzt, überrascht wenig. Unklar ist jedoch, wie sich solche Entwicklungen und die beispielsweise in den Digital Humanities zueinander verhalten können und sollen.

Abgesehen davon sind auch inner- bzw. interdisziplinär sind gerade in den Geistes- und Kulturwissenschaften enge Verschränkungseffekte zu beobachten und zu erwarten. Wo sich Materialformen und Verfahren ähneln, drängt es sich auf, weitere Entwicklungen im engen Austausch zu betreiben und möglicherweise bewusster als bisher nach Ähnlichkeiten zu suchen. Dass Scholarly Makerspaces eine Rolle im Feld der Wissenschaftskommunikation und dies auch im Sinne eines Public Understanding of Scholarhip spielen können, das vielleicht besser sogar um eine “Innovationskommunikation” erweitert werden muss, liegt nah.

Mit den Hackathons, an denen gerade nicht nur Fontane-Expert*innen oder Gender Scholars teilnehmen, zeigt sich ebenso eine deutliche Erweiterung des Kommunikationsradius wie mit Online-Wörterbüchern wie dem Coptic Dictionary. Je digitaler die Ergebnisse, Erkenntnisse, Fragestellungen und das Material einer Wissenschafts-Community vorliegen, desto größer ist auch ihr Potential, eine Wirkung außerhalb der eigenen Domänen zu entfalten. Ein Merkmal dieser Entwicklung ist eine Pluralität der Zugänge. Der Datenbestand des Coptic Dictionary wird beispielsweise über eine Online-Plattform für eine Nutzung im Browser bereitgestellt und zugleich als Rohdatensatz, mit dem andere Forschende direkt in eigenen Lösungen weiterarbeiten können oder mit dem beispielsweise Entwickler*innen neue Lösungen und Anwendungen erarbeiten können. Wo eine standardisierte Datengrundlage und eine entsprechende Offenheit (Schnittstellen, Lizenzen) gegeben ist, eröffnen sich potentiell unbegrenzt neue Zielgruppen, woraus sich zugleich besondere Anforderungen an die Beschreibungen, Metadaten und Dokumentationen ergeben. Diese müssen in solchen Szenarien auch eine allgemeinere Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit vorbereiten, woraus sich möglicherweise gleich ein neues bibliothekswissenschaftliches Zukunftsthema ergibt. Denn dass neben der bloße Bereitstellung über GitHub oder Zenodo besondere Aufbereitungen auch redaktioneller Art und möglicherweise eingängigerer Plattformstrukturen notwendig sind, liegt auf der Hand. Für die Transformationsphase hin zu einer allgemeinen Niedrigschwelligkeit der Zugänge, sind Scholarly Makerspaces, jedenfalls aus unserer Sicht, passende Moderations- und Vermittlungsorte. Interessanterweise sahen wir diese Rolle zu Beginn des Projektes weniger stark gewichtet und gingen von einer deutlich konservativeren Ausrichtung des Angebotes aus. Besonders die Interviews und Workshops haben die Perspektive aber deutlich in diese Richtung erweitert. Sie spiegeln zugleich etwas, was an vielen Stellen in der Luft liegt.

Mit den Scholarly Makerspaces ergibt sich ein Vermittlungsort für die digitale Auseinandersetzung mit Kulturdaten und zwar sowohl für Lehre und Forschung als auch für die Schnittstelle, über die eine Vernetzung mit außerakademischen Akteuren erreicht wird, insbesondere auch hinsichtlich der Entwicklung von Werkzeugen, Algorithmen und Darstellungsmodi (Stichwort: Appifizierung).

Ausblick

Die Entwicklung und geplante Implementierung von Scholarly Makerspaces erfordert naturgemäß zugleich immer eine Balance zwischen dem Wünschbaren und dem Realisierbaren. Dies stellt sich lokal jeweils unterschiedlich dar. Im Zweifel muss man aber mit weniger Ressourcen rechnen und von einer stärkeren Zurückhaltung der Trägerinstitution ausgehen, als man es mit dem Schwung konstruktiver Workshop-Diskussionen gerne hätte. Die Scholarly Makerspaces als Produkt sind daher möglichst generisch und überschaubar zu denken. Der Baustein der Community-Entwicklung und -pflege ist ebenfalls von den lokalen Bedingungen abhängig und wird sich hinsichtlich des Potentials vermutlich erst während der ersten Betriebsphasen belastbar abschätzen lassen

Das stabile Basisprofil umfasst zwei Komponenten: Einerseits die Sammlung, Kuratierung, Bereitstellung und Erklärung von Anwendungen und Lösungen für die digitale Arbeit in den Geistes- und Kulturwissenschaften, also Werkzeuge (auf Workstations), beforschbare digitale Materialien, dokumentierte Workflows, Best-Practice-Use-Cases und ein Basiswissen sowie bei Bedarf Schulungen und Weiterbildungen. Der zweite Baustein liegt im Bereich der Beratung für den Einsatz digitaler Elemente in Lehre und Forschung sowie der Antragsplanung.

Ein Raum, Hardware, Software, eine Informationsplattform (Stichwort: Wissensmanagement) sind also die Grundelemente. Große Teile der Informationen können auch an zentral organisiert Stelle für mehrere Scholarly Makerspaces, beispielsweise in einer Art Verbund-Wiki oder auch einem anderen Wissensmanagementsystem gesammelt werden. Vor Ort kämen noch organisatorische Aufgaben (Betrieb, Veranstaltungen und Schulungen) sowie das Bedarfsmonitoring und die Erfahrungsdokumentation dazu. Dies würde einen Grundbetrieb (ausgenommen die Frage der Aufsicht) mit vergleichsweise überschaubaren Betreuungskapazitäten zum Beispiel durch eine/n DH-Librarian ermöglichen.

Dieses Basisausstattung setzte zugleich voraus, dass entweder über Projekte oder auch über eine höhere Dauerausstattung regelmäßig und begleitend ein Trendmonitoring, eine auch redaktionelle Materialaufbereitung, der Aufbau und die Pflege des Expert*innen-Netzwerks (Ansprechpartner*innen für spezifischere Fälle) sowie die Entwicklung von Kommunikationsstrategien abgesichert werden. Darin eingeschlossen wären ein Branding und die Leitbildentwicklung sowie das Erfassen und Adressieren von unterschiedlichen Anforderungs- und Erwartungsstufen mit ein.

Das tatsächliche Innovationspotential der Scholarly Makerspaces zeigt sich jedoch dort, wo sie über eine Ausrichtung eines Beratungs- und Supportdienstes hinausgehen, wie man ihn in vielen Einrichtungen von der Open-Access-Publikationsberatung und dem Forschungsdatenmanagements kennt. Als Prozessbegleiter (Facilitator) und -beschleuniger (Incubator), zugleich als Ort auch des institutionellen Lernens eröffnen die Scholarly Makerspaces buchstäblich einen Entfaltungsraum für den digitalen Kulturwandel in der Wissenschaft und mittelbar auch darüber hinaus. Sie sind damit mehr als ein zusätzlich Menüpunkt im Serviceprofil der Einrichtung, denn sie ermöglichen unterschiedlichen Communities und den angeschlossenen Einrichtungen die Möglichkeit, sich aktiv und kollaborativ in die digitalen Transformation von Wissenschaft, Wissensarbeit und Wissenskulturen einzubringen und sie damit wirksam mitzugestalten.

(Berlin, 20.11.2019)

Workshop Scholarly Makerspaces – Bibliotheken als Kooperationspartner der Digital Humanities – Programm

Am Dienstag den 12.11.2019 findet von 13-17 Uhr der Workshop Scholarly Makerspaces – Bibliotheken als Kooperationspartner der Digital Humanities im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin statt. (Besprechungsraum 9. Etage)

Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin
Das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin / Foto: Ben Kaden,

Wir fragen nach den Kooperationsmöglichkeiten von Universitätsbibliotheken mit den Digital Humanities und den Funktionen und Möglichkeiten von Scholarly Makerspaces. Wir beziehen uns dabei auf drei Themenkomplexe, die jeweils eine Perspektive auf die titelgebende Wechselbeziehung zwischen den Digital Humanities und Bibliotheken aufgreifen:

1) eine technische Perspektive
2) eine geistes- und kulturwissenschaftliche Perspektive
3) eine gesellschaftliche Perspektive

Uns interessiert, welche Perspektiven und Chancen sich im jeweiligen Komplex ergeben. Zum Einstieg in den Austausch haben wir Leitthesen formuliert.

Die technische Perspektive bezieht sich auf die Bereitstellung und Vermittlung von DH-Tools und digitalen Ressourcen inklusive der relevanten Nutzungs- und Bewertungskompetenzen. Die These zur Diskussion lautet:

Die begleitende Vermittlung von digitalen Forschungswerkzeugen und der Zugang zu digitalen Forschungsmaterialien bilden den Grundgedanken der Scholarly Makerspaces. Die damit verbundenen Fragen zu Umsetzung und Ausrichtung sind regelmäßig neu zu verhandeln, da es sich naturgemäß um dynamische Entwicklungen handelt. Eine reine Bereitstellung von Hard- und Software und digitalen Ressourcen ist jedoch nicht ausreichend.

Die geistes- und kulturwissenschaftliche Perspektive bezieht sich auf Digital Humanities als Forschungsfeld mit eigenen Theorien, Methoden und Fragestellungen und/oder Digital Humanities im Sinne von “Digital X” also der digitalen Transformation traditioneller Fach- und Forschungskulturen. Unsere Thesen in diesem Zusammenhang lauten:

a) Die Digital Humanities als eigenes Forschungsfeld erreichen mittlerweile einen hohen Konsolidierungsgrad. Ursächlich sind dafür die entsprechenden Studiengänge, Curricula und Forschungsprojekte. Scholarly Makerspaces bieten auf lokaler Ebene einen stabilen Anlauf- und Vernetzungspunkt für die Verbindung von Akteuren aus der Digital-Humanities-Community mit Akteuren aus den Hochschulen sowie lokalen Forschenden und Studierenden.

b) Nahezu alle geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschungsfelder erfahren aktuell eine Transformation durch digitale Verfahren, Werkzeuge, Kommunikationswege sowie die Integration des Digitalen als Forschungsgegenstand. Dies bedeutet jedoch gerade nicht, dass sie zwangsläufig den Digital Humanities ähnlich werden. Die Scholarly Makerspaces sind der Ort für die Auseinandersetzung mit dem Spannungsverhältnis zwischen digital geprägten Fachwissenschaften und den Digital Humanities und für die Unterstützung der Profilierung und Abgrenzung der Forschungskulturen

Die gesellschaftliche Perspektive greift schließlich die Öffnung und Verbindung akademischer und nicht-akademischer Wissensakteure und –bereiche aufgrund der Möglichkeiten und Rahmenbedingungen der digitalen Transformation auf. Für die Diskussion präsentieren wir diese These:

Mit Initiativen wie Coding Da Vinci und Zugang Gestalten entstehen Ansätze einer systematischen digital geprägten Auseinandersetzung mit Wissen, Materialien und Kulturdaten in außerakademischen Wissenskulturen. Für die vermittelten Institutionen insbesondere im GLAM-Bereich (Galleries, Libraries, Archives, Museums) sowie im Bereich der Citizen Science eröffnen sich offene und inklusive Zugänge für eine vielfältige Adressierung und Auseinandersetzung mit digitalen bzw. digitalisierten Objekten, Kultur- und anderen Forschungsdaten. Die Herangehensweise erfolgt weniger einer Forschungsagenda wie in den Wissenschaften, sondern anderen Kriterien wie beispielsweise einer offenen Neugier. Scholarly Makerspaces spiegeln diesen explorativen Charakter und unterstützen eine multiperspektivische und offene Nutzung ihrer Angebote.

In Übereinstimmung mit der Idee der Scholarly Makerspaces soll der Workshop ergebnisoffen und dialogisch jeweils relevante Aspekte und Positionen erheben. Die Resultate werden wir dokumentieren und an dieser Stelle publizieren.

Es gibt noch ein kleine Zahl von Plätzen. Anmeldungen sind daher nach wie vor möglich. Bitte per E-Mail an: Michael Kleineberg (michael.kleineberg@ub.hu-berlin.de)

7. November 2019 | Veröffentlicht von Ben Kaden | Kein Kommentar »
Veröffentlicht unter Allgemein

Scholarly Makerspaces als Reflexionsraum. Zu einer Fundstelle bei Joachim Metzner.

Eine Notiz von Ben Kaden (@bkaden)

Die Scholarly Makerspaces, die im Rahmen des FuReSH-Projektes noch bis Ende des Jahres konzeptionalisiert werden, stehen zunächst erwartbar vor allem als bibliothekswissenschaftliche Idee im Raum, auch wenn bestimmte Varianten von Library Labs stellenweise in diese Richtung weisen. Besonders interessant wird es daher zum aktuellen frühen Zeitpunkt der konzeptionellen Verfestigung, wenn an anderer Stelle entsprechende Überlegungen sichtbar werden. Eine Fundstelle, die uns bislang leider entgangen war, lässt sich in der unter dem Titel “Bibliotheksentwicklung im Netzwerk von Menschen, Informationstechnologie und Nachhaltigkeit” erschienenen Festschrift für Achim Oßwald (herausgegeben von Simone Fühles-Ubach und Ursula Georgy, Bad Honnef: BOCK + HERCHEN, 2019, PDF-Volltext) finden.

In seinen Beitrag “Bildung in den Zeiten der Digitalisierung und der Auftrag der wissenschaftlichen Bibliotheken” (S. 73-86) erwähnt Joachim Metzner den Begriff der “Scholarly Makerspaces”. Er übernimmt ihn aus der Perspektive “Wissenschaftliche Bibliotheken 2025” der  Sektion 4 „Wissenschaftliche Universalbibliotheken“ im Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv), die im Januar 2018 veröffentlicht wurde. (PDF-Volltext)

Joachim Metzner zieht eine Linie von dem im Perspektivpapier formulierten Szenario der Scholarly Makerspaces als

“physische  und virtuelle Arbeits- und Forschungsumgebungen in Bibliotheken, die digitale Ressourcen und Werkzeuge – auch von Anbietern  außerhalb des Campus – zusammenführen und zur Verfügung stellen.”

Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv): Wissenschaftliche Bibliotheken 2025. Berlin: Januar, 2018. Zitat: S. 21

Es kommt also eine betont explorative und von der Idee der Makerspaces im öffentlichen Bibliothekswesen inspirierte Idee zum Ausdruck. Diese enthält eine nicht zwingend zielgebundene und zugleich sehr heterogene Auseinandersetzungsmöglichkeit mit digitalen Technologien, Strukturen und Werkzeugen. Für die Scholarly Makerspaces sind sie, die Benennung deutet es an, hauptsächlich im Zusammenhang der digitalen Geisteswissenschaften zu sehen. In ihnen sollen vor dem Horizont wissenschaftlicher Erkenntnissuche Neugier, Reflexion, durchaus auch Kritik angeregt werden und zu einem bewussteren und kompetenteren Umgang mit den Elementen der jeweils aktuellen digitalen Wissenschaft, Forschung und Lehre führen. Diese betonte Zieloffenheit und die Integration einer reflexiven Meta- und Diskursebene unterscheidet Scholarly Makerspaces von den in der 2000er Jahren stark popularisierten so genannten “virtuellen Forschungsumgebungen”.

Entsprechend bewegt sich das Konzept der Scholarly Makerspaces in etwa auf halbem Weg zwischen den Vorarbeiten aus der Entwicklung dieser virtuellen Forschungsumgebungen (oder auch VFU) und einer aktuellen Forderung des Hochschulforums Digitalisierung, die in einem Dossier “Zukunftsfähigkeit Studierender für die digitale Transformation stärken!” von Kerstin Mayrberger und Ingrid Schirmer formuliert und von Joachim Metzner zitiert wurde. Die Autorin sehen den Bedarf für

“Reflexionsräume zur Erprobung und Auseinandersetzung anzubieten, die sie auf ein Handeln mit Unbestimmtheiten in einer digitalen Kultur vorbereiten”.

Kerstin Mayrberger, Ingrid Schirmer: Die Zukunftsfähigkeit Studierender für die digitale Transformation stärken! In: Synergie. 5, S. 28-33. https://www.synergie.uni- hamburg.de/de/media/ausgabe05/synergie05-beitrag04-mayrberger-schirmer.pdf

Scholarly Makerspaces engen dies wiederum ein Stück weit ein, in dem sie sich, wenn man so will, auf das Handeln in den Unbestimmtheiten einer digitalen Wissenschaftskultur und vor allem Forschungs- und Kommunikationspraxis konzentrieren. Da sich aber die Datafizierung der Gesellschaft unvermeidlich dahingehend niederschlägt, dass sich Verfahren – leider aktuell oft noch im Gegensatz zu den Werkzeugen – der Datenanalytik beispielsweise, in Wirschaft, Journalismus und Geistes- und Kulturwissenschaften annähern, sind Scholarly Makerspaces ohne Zweifel geeignet, digitale Kompetenzen auch über den akademischen Bereich hinaus zu vermitteln.

Der wissenschaftliche Zuschnitt der Scholarly Makerspaces ergibt sich vor allem aus der Notwendigkeit, den Ansatz für in der Komplexität des Angebots möglichst konkret an einen festen Anwendungszusammenhang rückbinden zu müssen, also in diesem Fall an Forschung und Lehre im Einzugsgebiet einer Universitätsbibliothek. Dies erscheint auch aus den Erfahrungen und Auseinandersetzungen bei der Konzeptentwicklung während des FuReSH-Projektes sehr sinnvoll. Parallel sind jedoch im Grundlayout Scholarly Makerspaces Schnittstellen zu digitalen Wissenskulturen und eventuellen Labs auch außerhalb der Wissenschaft unbedingt vorzusehen. Über diese wird ein Austausch mit der Bandbreite der Akteure im Bereich der digital geprägten Erkenntnis- und Wissensproduktion möglich, ohne die Kapazitäten und auch das Leitbild einer Universitätsbibliothek sofort zu sprengen. Ebenfalls im Grundlayout wird eine iterative Weiterentwickelbarkeit angelegt, die es ermöglicht den Zuschnitt des Angebots der Scholarly Makerspaces leicht an kommende, auch dezidiert Domänen übergreifende Entwicklungen anzupassen.

Daher bewegen sich die Überlegungen des FuReSH-Konzeptes der Scholarly Makerspaces durchaus auf der Linie, die Joachim Metz in seinem Beitrag für den Ansatz umreißt:

“Das Konzept könnte sich so weiterentwickeln lassen, dass solche Workspaces reale oder virtuelle Räume für Bildung im digitalen Zeitalter werden – zumal sie immer häufiger in wissenschaftlichen Bibliotheken angesiedelt  oder von dort aus betrieben werden. Bezöge sich  das Ausprobieren und Umfunktionieren, das dort ermöglicht wird und gewollt ist, auch auf Software, stünden die geforderten Werkzeuge mit offenen Programmierschnittstellen zur Verfügung, dann wäre die wissenschaftliche Bibliothek genau der richtige Ort, um zumindest jene „potenzielle[n] Reflexionsräume zur Erprobung und Auseinandersetzung anzubieten, die sie [die Studierenden] auf ein Handeln mit Unbestimmtheiten in einer digitalen Kultur vorbereiten.“

Joachim Metzner: Bildung in den Zeiten der Digitalisierung und der Auftrag der wissenschaftlichen Bibliotheken. In: Simone Fühles-Ubach, Ursula Georgy (Hrsg.): Bibliotheksentwicklung im Netzwerk von Menschen, Informationstechnologie und Nachhaltigkeit : Festschrift für Achim Oßwald. Bad Honnef: Bock + Herchen, 2019. S. 73-86 Zitat: S. 79

Und zwar eben in der oben beschriebenen Weise. Gleich im nächsten Satz benennt er aber auch ein Herausforderung, die wir bei FuReSH zunächst weitgehend exkludieren konnten, die sich aber bei einer möglichen Realisierung des Ansatzes als entscheidend erweisen wird:

“Es ist nicht leicht, sich ausgerechnet die wissenschaftliche Bibliothek als den Ort vorzustellen,  an dem die Auseinandersetzung  mit dem Unbestimmten stattfindet,  wird sie doch auch heute noch überwiegend als Hort der Ordnung verstanden.”

ebd.

Experimentelle und das Experimentieren unterstützende Angebote wie Scholarly Makerspaces benötigen einen Kulturwandel nicht mehr in allen, aber doch in vielen Bibliotheken und besonders auch bei deren Trägern. Sie werden nur eingeschränkt vorhersagbare und konkretisierbare Ergebnisse produzieren, können aber genau deshalb aus ihrem Freiraum her zu emergenten Resultaten führen, die man so gar nicht erwartet hat oder erwarten konnte. Scholarly Makerspaces entsprechen in dieser Hinsicht einer, wie wir heute wissen, Grundeigenschaft digitaler Kultur. Damit sie erfolgreich sein können, braucht es keine exakten Zielvorgaben sondern Vertrauen, wenn man so will, Commitment sowie einen stabilen Rahmen für Ausstattung, Betreuung und Moderation, der sich auch in Dauerstellen niederschlagen muss. Dies kann für die Personalentwicklung in den Bibliotheken also auch bedeuten, dass Anteile aus der traditionellen Arbeit aus dem “Hort des Ordnens” auf das offene Feld des freien Spiels übertragen werden.

(Berlin, 25.09.2019)

Save the date (12.11.19): FuReSH-Workshop „Scholarly Makerspaces – Bibliotheken als Kooperationspartner der Digital Humanities“

Im Februar 2019 fand der erste von zwei geplanten Workshops des FuReSH-Projektes statt. Er widmete sich unter der Überschrift „Scholarly Makerspaces – Bibliotheken als Vermittlungsplattform für Digital-Humanities-Tools“ konzeptionellen Fragen der Gestaltung von Scholarly Makerspaces.

In einem zweiten Workshop möchten wir einen zentralen Aspekt des Ansatzes vertiefen und dafür die Perspektive wechseln. Während im ersten Workshop vor allem die Anforderungen aus Sicht der Bibliotheksnutzer*innen im Mittelpunkt standen, soll nun der Blickwinkel der DH-Community betont werden. Scholarly Makerspaces werden dabei als dezidierter Interaktionsort bzw. als Schnittstelle zwischen den Digital Humanities einerseits und den lokalen geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschungs- und Lehrcommunities andererseits verstanden.

Uns interessiert in diesem Zusammenhang in welchen Rollen, mit welcher Reichweite und in welcher Konkretisierung Scholarly Makerspaces und damit auch Universitätsbibliotheken als Kooperationspartner der Digital Humanities und weiterer digitaler Forschungsfelder im Sinne einer Schnittstelle zu lokalen Zielgruppen aktiv werden können.

Wir orientieren uns dabei an den von Patrick Sahle herausgearbeiteten vier Bereichen der Digital Humanities und betrachten entsprechend folgende Schwerpunkte:

  1. Digitale Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft
  2. DH als Forschungsfeld mit eigenen Theorien, Methoden und Fragestellungen
  3. DH im Sinne von “Digital X” also der digitalen Transformation traditioneller Fach- und Forschungskulturen
  4. DH als technische Perspektive im Sinne der Bereitstellung und Vermittlung von Werkzeugen und Ressourcen inklusive der dazu gehörigen Nutzungs- und Bewertungskompetenzen.

Wir sehen für alle vier Bereiche klare Bezugspunkte zur Konzeption der Scholarly Makerspaces:

  1. Mit Initiativen wie “Coding DaVinci” oder “Zugang Gestalten” entstehen Methoden der digitalen Auseinandersetzung mit Kulturdaten auch in außerakademischen Wissenskulturen und eröffnen betont offene und inklusive Zugänge für die vielfältige Adressierung von digitalen bzw. digitalisierten Objekten. Scholarly Makerspaces greifen diesen stark explorativen Aspekt auf und unterstützen eine multiperspektivische und offene Nutzung des Dienstes.
  2. Die Digital Humanities als eigenes Forschungsfeld haben mittlerweile besonders dank der entsprechenden Studiengänge einen hohen Konsolidierungsgrad erreicht, was sich auch in entsprechenden Curricula und Forschungsprojekten zeigt. Scholarly Makerspaces können auf lokaler Ebene einen stabilen Anlauf- und Vernetzungspunkt auch für die Verbindung der Akteure in der Hochschule und denen der Fachcommunity schaffen.
  3. Parallel befinden sich nahezu alle geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschungsbereiche im Prozess der Transformation durch den Einfluss digitaler Verfahren, Werkzeugen, Kommunikationsformen bis hin zur Integration als Forschungsgegenstand. Dies bedeutet jedoch gerade nicht, dass sie zwangsläufig den Digital Humanities ähnlich werden. Die Scholarly Makerspaces können der Ort für die Auseinandersetzung mit diesem Spannungsverhältnis werden.
  4. Die Vermittlung von Werkzeugen und der Zugang zu Forschungsmaterialien, die sich für eine digitale Beforschung optimal eignen, bilden den Ausgangspunkt des Konzeptes der Scholarly Makerspaces. Die damit verbundenen praktischen Fragen sind regelmäßig neu zu verhandeln, da es sich naturgemäß um dynamische Entwicklungen handelt. An dieser Stelle wollen wir besonders Aspekte der Erwartungen an Vermittlungs- und Zugangsformen betrachten.

Vor dem Hintergrund einer möglichen Implementierung möchten wir frühzeitig die jeweiligen Anforderungen auf allen vier Ebenen in der Planung berücksichtigen. Das Ergebnis des Workshops soll daher eine Art Anforderungskatalog sein. In diesem werden die für die Gestaltung der Scholarly Makerspaces als Schnittstelle im oben benannten Sinn relevanten Elemente nach Akteuren, Zielstellungen und Ansprüchen differenziert abgebildet.

Zielgruppen: Vertreter*innen der DH-Community sowie der Informationsinfrastruktur

Wann: 12. November 2019 von 13-17 Uhr

Wo: Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum (HU Berlin)

Weitere Informationen folgen demnächst.

Bei Interesse können Sie sich gern zum Workshop per Email anmelden:

Ben Kaden (ben.kaden@ub.hu-berlin.de)

Michael Kleineberg (michael.kleineberg@ub.hu-berlin.de)

24. September 2019 | Veröffentlicht von Michael Kleineberg | Kein Kommentar »
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FuReSH in der DH-Werkstatt

von Michael Kleineberg und Ben Kaden

Gern sind wir einer Einladung in die Digital-Humanities-Werkstatt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gefolgt, um Ende April die Zwischenergebnisse unserer Konzeptstudie vorzustellen. Zugleich hatten wir großes Interesse an dem neu eingerichteten Digital-Humanities-Lab in den Räumen der dortigen Universitätsbibliothek.

Die Veranstaltung vom 30. April 2019 diente also vor allem dem gegenseitigen Austausch von Ideen und Erfahrungen. Während unsere Konzeptstudie eher einen theoretisch-systematischen Ansatz verfolgt, entschied man sich an der FAU für einen pragmatischen Ansatz, um zunächst einmal die grundlegenden infrastrukturellen Bedürfnisse des ebenfalls neu eingerichteten Studienganges „Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften“ zu adressieren.

Als „Interdisziplinäres Zentrum“ versucht das IZdigital (FAU) die digitalen Methoden aus mehr als zehn geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern zu bündeln und gemeinsam mit der Universitätsbibliothek und der Philosophischen Fakultät der FAU mit Infrastrukturangeboten und Beratungen zu unterstützen. Insbesondere das DH Lab kommt dabei unserer Idee der Scholarly Makerspaces bereits sehr nahe, da es sich als eine Kombination aus Helpdesk, Werkstatt und Open Space versteht. Das DH Lab nutzt einen Schulungsraum der Universitätsbibliothek mit 20 Computerarbeitsplätzen und vorinstallierten DH-Anwendungen und bietet einen festen wöchentlichen Termin zur Beratung und Schulung insbesondere für Studierende an.

In der Diskussion wurde deutlich, dass durchaus einige Hürden bei der Etablierung eines solchen Angebotes zur Vermittlung digitaler Forschungswerkzeuge bestehen. Dazu zählen unter anderem:

  • die zeitlich beschränkte Nutzungsmöglichkeit des Raumes als DH Lab, zumal dessen Platzanordnung eher auf Frontalunterricht als auf Gruppenarbeit und sozialen Austausch zugeschnitten ist;
  • die knappen personellen Ressourcen bei der Betreuung des DH Labs sowie die Schwierigkeit, Stellen mit enstprechenden IT-Kompetenzen zu besetzen;
  • die fehlenden finanziellen Mittel zur Lizenzierung einschlägiger digitaler Werkzeuge und der Rechtfertigungszwang für deren Relevanz besonders in der Einführungsphase;
  • die offenbar unzureichende Kommunikation des Angebotes in die Fakultäten und Institute, da es bislang eine nur geringe Kenntnis und Nutzung des DH Labs gibt;
  • die Namensgebung „Digital-Humanities-Lab“ scheint einige potenzielle Nutzerinnen und Nutzer eher abzuschrecken, die sich nicht dezidiert der DH-Community zugehörig fühlen.

Diese Herausforderungen decken sich durchaus mit Einsichten unserer Anforderungs- und Bedarfsanalyse, wie wir sie in unserem Zwischenbericht vorgestellt haben. Einige weitere Aspekte unserer Konzeptstudie wurden dann auch aufgegriffen und intensiv diskutiert sowie als Anregung verstanden – zum Beispiel die Einbindung solcher Infrastrukturangebote in E-Learning-Plattformen oder die Ausweitung der Zielgruppen über die Studierenden hinaus.

Eine weitere sehr wichtige Erkenntnis ergab sich aus der Veranstaltung selbst, deren Publikum eine Bandbreite von Hintergründen – Informatik, Bibliothek, Digital Humanities, Studierende – repräsentierte: Die Perspektiven auf ein Angebot wie das DH Lab sind sehr unterschiedlich und müssen zunächst auch kommunikativ aufeinander zugeführt werden. Denn erst im wechselseitigen Verständnis erschließt sich das Potential einer inklusiven bedarfsgerechten Ausgestaltung derartiger Angebote.

Naturgemäß etwas selbstbezüglich erwies sich die Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen eines solchen Angebots selbst als ein Anliegen der Scholarly Makerspaces: dem Zusammenführen heterogener Sichtweisen und die aktive Verständigung über Themen der digitalen Forschung bzw. in unserem Fall der entsprechenden Infrastruktur. Das DH Lab der FAU Erlangen-Nürnberg ist aber auch darüber hinaus ein für unsere Studie sehr willkommener Use Case, weshalb wir den Austausch auch zukünftig unbedingt pflegen möchten.

8. Mai 2019 | Veröffentlicht von Michael Kleineberg | Kein Kommentar »
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Zwischenbericht „Scholarly Makerspaces“ in LIBREAS veröffentlicht

In der neuen Ausgabe von LIBREAS. Library Ideas #35 (2019) ist unser Artikel „Scholarly Makerspaces – Ein Zwischenbereicht zum DFG-Projekt FuReSH“ erschienen.

Abstract:

An der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin wird aktuell eine Konzeptstudie zur Idee der sogenannten Scholarly Makerspaces erarbeitet. Mit diesem Ansatz soll die Vermittlung von Bausteinen der digitalen Forschung in den Kultur- und Geisteswissenschaften auch über den Kernbereich der Digital Humanities hinaus auf lokaler Ebene verbessert werden. Aus bibliothekarischer Sicht versteht sich die Idee zugleich als ein Angebot, um die Rolle von Universitätsbibliotheken in ihrem jeweiligen Bedingungs- und Wirkungsrahmen explizit als Partner der Forschung zu untersuchen und Möglichkeiten einer differenzierten Vermittlung so genannter digitaler Literarizitäten über den sehr allgemeinen Begriff der Informationskompetenz hinaus auszuloten. Aus Sicht der Entwicklung von digitalen Forschungswerkzeugen ermöglichen Scholarly Makerspaces einen besseren Zugang zu Zielgruppen in der Breite und damit neue Vermittlungs- und Kommunikationsmöglichkeiten für Anbietende. Der Bericht dokumentiert den Zwischenstand anhand ausgewählter Aspekte. Die Gesamtstudie wird Ende des Jahres 2019 vorgelegt.

8. Mai 2019 | Veröffentlicht von Michael Kleineberg | Kein Kommentar »
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Bericht zum Workshop „Scholarly Makerspaces – Bibliotheken als Vermittlungsplattform für Digital-Humanities-Tools“

Im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin fand am 27. Februar 2019 ein Workshop zur Konzeption von Scholarly Makerspaces statt. Ziel der Veranstaltung waren die Vertiefung und Spezifizikation konkreter Aspekte für die angestrebte Umsetzung des Dienstes an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität. Aus diesem Grund wurden Expertinnen und Experten zu unterschiedlichen Einzelthemen eingeladen, die mit vier Impulsvorträgen die Basis für eine konstruktive Diskussion lieferten

Im ersten Beitrag, “Digitale Bilder in Forschung und Lehre: Praktiken und Aufgaben”, stellte Dr. Georg Schelbert, Leiter der Mediathek des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte an der Humboldt-Universität, die Anforderungen und Herausforderungen für den Umgang mit digitalen Bildern in Forschung und Lehre heraus. Neben Textmaterialien sind Bildmaterialien eine der zentralen Quellen für die Geisteswissenschaften. Mit Texten teilen sie bei der digitalen Forschung die Anforderung einer konsistenten strukturellen Erschließung. Aus wissenschaftlicher Sicht ist es notwendig, digitale Werkzeuge nicht für sich allein, sondern grundsätzlich in Beziehung zu den konkreten Forschungsobjekten mit ihren Metadaten und den Repräsentationsplattformen zu betrachten. So wie Forschungsdaten ohne Kenntnis der Werkzeuge und des Erhebungszusammenhangs nicht eindeutig verstanden und eingeordnet werden können, so wichtig ist es, auch Werkzeuge in ihrem konkreten wissenschaftlichen Anwendungsfeld zu verstehen und ihre Funktionsweise und Anwendungsgrenzen zu kennen. Ein funktionale Trennung und die Fokussierung der Scholarly Makerspaces allein auf Werkzeuge scheint daher nicht zielführend. Scholarly Makerspaces sollten dementsprechend nicht Werkzeuge ODER Forschungsdaten ODER Plattformen vermitteln, sondern infrastrukturelle Forschungskontexte generell.

Ein typisches Forschungsobjekt: Digitalisiertes Dia aus der Glasdia-Sammlung der Mediathek der Humboldt-Universität. (Quelle: Imeji- Sammlung / Arbeitsdatenbank von Georg Schelbert)

Für bildorientierte Wissenschaften wäre es aktuell bereits eine erhebliche Hilfe, niedrigschwellige, funktional stabile und langfristig verfügbare Angebote für die Erfassung wissenschaftlich nutzbarer digitaler Bildstrukturen anzubieten. Am Beispiel der Plattform imeji präsentierte Georg Schelbert wie eine solche Lösung aussehen könnte: Objekt, Beschreibungsdaten und eine Bearbeitungs- und Interaktionsoberfläche liegen auf einer Nutzungsebene und ermöglichen eine eigenständige Bildverarbeitung, -auszeichnung und -annotation. Zugleich zeigt das Beispiel, dass selbst eine vermeintlich einfache Lösung im aktuellen Zuschnitt von Mediatheken kaum nachhaltig zu pflegen ist. Wie so oft liegt die Herausforderung hier weniger in der Technik selbst als in der personellen Betreuung, für die zumeist nur Mittel auf Projektbasis eingeworben werden können. Auch die Scholarly Makerspaces werden sich ganz elementar mit der Frage, wie die personelle Grundausstattung dauerhaft abzusichern ist, befassen müssen. Indirekt sehen sie sich auch der Erwartung ausgesetzt, für bestehende Dienste eine Art Kümmererfunktion zu übernehmen, die gezielt nach Lösungen für eine Absicherung der Bereitstellung sucht. Auch diese Rolle, also die gezielte Zusammenführung, Vermittlung und nach Möglichkeit auch Unterstützung lokal bestehender Dienste für die digitale geisteswissenschaftliche Forschung wird in einem Umsetzungsmodell zu berücksichtigen sein.

Dass das Problem des nachhaltigen Betriebs von Diensten der digitalen Forschung nahezu chronisch für das Bibliothekswesen ist, zeigt das Beispiel der Staatsbibliothek zu Berlin und ihres geplanten SBB Labs, das Clemens Neudecker in seinem Vortrag “Digitale Kuratierungstechnologien und ein Lab: der richtige Weg vom Bücherspeicher zur Informationsinfrastruktur?“ präsentierte. Selbst bei einer ausdrücklichen Orientierung in Richtung digitale Innovation ist die Gestaltung des optimalen Weges hin zu einem komplexen Zugang zu digitalen und digitalisierten Beständen ein eher mittel- bis langfristiges Vorhaben. Die Herausforderungen liegen nicht allein in den Ideen, individuellen Motivationen und Lösungen an sich, sondern vor allem in der langfristigen Verfügbarhaltung und der Einbindung in das organisationale Gefüge.

Ähnlich zu den Anforderungen bei den bildorientierten Wissenschaften zeigt sich auch hier, dass der zentrale Mehrwert eines entsprechenden Bibliotheksangebotes in der Bereitstellung und der Schaffung von Optionen für eine multiperspektivische Annäherung an die bereitgestellten Inhalte der Kern solcher Lab-Strukturen sein sollte. Die wissenschaftliche Rezeption digitaler Bestände erfolgt nicht mehr zwingend durch händische Erschließung und die intellektuellen Analyse der Einzelobjekte, sondern mit wachsenden Anteilen im maschinellen Auslesen und der Aufbereitung über Algorithmen. Das Ziel an der Staatsbibliothek ist folglich, Dienste für eine Tiefenerschließung der Bestände beispielsweise über Deep-Learning-Verfahren und weitere Technologien zur digitalen Kuratierung anzubieten. Dabei geht es zunächst um eine digitale Texterschließung und -anreicherung beispielsweise mittels Disambiguierung, Auszeichnung von Entitäten, Geolokalisierung und Linked-Open-Data-Einbindung. Darüber hinaus sollen Tutorials für die Möglichkeiten und Anforderungen digitaler Textanalytik sensiblisieren. Für die Einrichtung selbst besitzt das SSB Lab zugleich einen großen Wert als Schaufenster in die Tiefe der Bestände und als Anschlusspunkt an aktuelle Entwicklungen in die digitale, auch bibliothekswissenschaftlich relevante, Forschung.

Wie vielgestaltig die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit digitalen Forschungsstrukturen für die Geisteswissenschaften ist, zeigte sich im Vortrag “Human-Centered Data Laboratory@FU Berlin” von Prof. Dr. Claudia Müller-Birn von der Freien Universität Berlin. Sie und ihr Team beforschen diese Strukturen aus Perspektive der Informatik. So wie die Geisteswissenschaften reflexiv das Digitale durchdringen müssen, um zu verstehen, was das aktuelle Transformationsgeschehen für sie bedeutet, so sehr hilft es der Informatik, nachzuvollziehen, wie Geisteswissenschaften an sich arbeiten und wie ihr Gebrauch der digitalen Möglichkeiten aussieht.

Beispielsweise handelt es sich bei Software keinesfalls um eine Black-Box, die einfach eine Aufgabe erfüllt, sondern um ein konstruiertes technisches UND epistemisches Objekt. Akteure an den Schnittstellen der Softwarevermittlung, also insbesondere auch der Informationsinfrastruktur, müssen beide Dimensionen kennen und die Bedingungen und Auswirkungen nachvollziehen können. Im Gegenzug sollte Software so geschrieben und distribuiert werden, dass diese auch für Anwender nachvollziehbar bleibt. Wo Forschungstransparenz eingefordert wird, gehört beispielsweise die Offenlegung verwendeter Algorithmen hinter einer Visualisierung konsequent auf eine Ebene mit einer Forschungsdatendokumentation.

Schließlich präsentierte Christian Thomas von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften mit seinem Vortrag “CLARIN-D/CLARIAH-DE – ‘Digital-Humanities-Tools’ und weitere  Angebote für ‘Scholarly Makerspaces’ in Bibliotheken” eine Art Synopse der Erwartungshaltungen aus der Fachwissenschaft an Scholarly Makerspaces. Er bestätigte weitgehend die bisherige konzeptionelle Schwerpunktsetzung, das heißt die Betonung der Vermittlung von digitalen Ressourcen, Methoden und Tools. Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal wäre aus seiner Sicht, ein systematisierter Überblick und Zugang zu Angeboten für die digitale Forschung, wozu ausdrücklich auch eine Evaluation gehört. Die Entwicklung von digitalen Werkzeugen selbst ist jedoch eine Aufgabe der Fach-Communities und ausdrücklich nicht Bestandteil von Scholarly Makerspaces.

Bei der Auswahl der digitalen Werkzeuge sollte der Fokus nicht unbedingt auf der jeweiligen Avantgarde der technischen Entwicklung liegen, sondern auf dem Bewährten und dem Funktionierenden, also auf bestehenden Best-Practice-Lösungen. Dies steht in Übereinstimmung mit den erwartbaren Anforderungen und Kompetenzen der Zielgruppen des Dienstes, denen es vor allem darum geht, einen Anschluss an mehr oder weniger standardisierte, in jedem Fall etablierte Forschungsverfahren und digitale Lösungen zu finden. Entsprechend betonte er den “Mut zur Bodenständigkeit”, bei dem nichts Neues erfunden, sondern soviel wie möglich an externen Angeboten (z.B. Tools, Tutorials, Demos) nachgenutzt und kuratiert werden sollte. Aus seiner Sicht besteht die Kernaufgabe von Scholarly Makerspaces darin, bestehende DH-Angebote niedrigschwellig und zielgruppengerecht zu vermitteln und dabei digitale Quellenkritik anzuregen. Zudem wird der Aspekt der Vernetzung betont, bei dem Scholarly Makerspaces als Mediatoren fungieren können zwischen Tool-Entwicklern und Tool-Nutzern. Ein Ansatz wären  regelmäßig angebotene Kolloquien, die konkret auch gut in die Veranstaltungszusammenhänge der Berliner DH-Community eingebettet werden können.

In der anschließenden Diskussion wurden weitere Aspekte hervorgehoben. Beispielsweise sollten Scholarly Makerspaces bereits bestehende Serviceangebote der eigenen Hochschule in ihrem Webauftritt integrieren, so dass Infrastrukturlösungen (z.B. Cloud-Speicher, Umgebungen zum kollaborativen Arbeiten, Medienrepositorien, Mediatheken, Publikationsserver) und weitere digitale Werkzeuge (z.B. Literaturverwaltungsprogramme) bis hin zu physischen Werkzeugen (z.B. 3D-Drucker, Plotter) in einem größeren Zusammenhang sichtbar werden.

Ein weiterer angesprochener Aspekt ist die Orientierung an den Curricula mit Schnittmengen zu digitaler Forschung an der jeweiligen Hochschule. Da die Kompetenzvermittlung zur digitalen Forschung in den Geisteswissenschaften vornehmlich die Aufgabe der Fach-Communities und damit der einzelnen Fakultäten und Institute ist, sollten die Infrastrukturangebote darauf zugeschnitten werden. An der Humboldt-Universität könnten beispielsweise für Studierende der digitalen Geschichtswissenschaft entsprechende Annotations- und Analysewerkzeuge auf arbeitsfähigen Workstations bereitgestellt werden, die eine seminarbegleitende Methodenvermittlung ermöglichen.

Desweiteren wurde darauf hingewiesen, dass verschiedene Konzeptionen von sogenannten Labs (z.B. Library Lab, DH Lab, Data Lab) zwar der Idee von Scholarly Makerspaces ähneln, aber doch andere Schwerpunkte aufweisen und daher eher arbeitsteilig verstanden werden sollten. Während es zum Beispiel bei dem SBB Lab vorrangig um die Kuratierung des eigenen digitalen Bestandes geht, und bei dem Human-Centered Data Laboratory um die kritische Reflexion über die Mensch-Maschine-Interaktion, steht bei den Scholarly Makerspaces vor allem ein forschungsbegleitender und didaktischer Ansatz im Vordergrund.    

In diesem Zusammenhang wurde auch erwogen, ob für die angebotenen Schulungen in den Scholarly Makerspaces nicht auch ECTS-Punkte vergeben werden könnten, um einen höheren Anreiz für Studierende zu schaffen. Allerdings gab es hierbei unterschiedliche Meinungen. Da es nicht Aufgabe von Hochschulbibliotheken ist, über Studienordnungen und Kreditierungen zu entscheiden, können solche Erwägungen nur im Gespräch mit den entsprechenden Fakultäten und Instituten angeregt und allenfalls mittel- oder langfristig umgesetzt werden. Der Schwerpunkt der Scholarly Makerspaces sollte nicht die Übernahme einer Methodenausbildung sein, sondern ein Beratungs- und Motivationsangebot für die reflexive und im Ergebnis forschungsorientierte Beschäftigung mit digitalen Werkzeugen, Daten und Verfahren.

Einigkeit bestand jedoch darüber, dass sich die Umsetzung von Scholarly Makerspaces an Universitätsbibliotheken in einem Spannungfeld zwischen personellen Ressourcen und der Komplexität der Aufgaben befindet. Allgemein wurde die Betreuung eines Scholarly Makerspace mit ein bis zwei Vollzeitstellen als realistisch angesehen. Allerdings erfordern diese Stellen ein entsprechendes Kompetenzprofil und können nicht ohne weiteres aus dem bestehenden Bibliothekspersonal rekrutiert werden. Neben den bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Aspekten eröffnen möglicherweise auch Digital-Humanities-Studiengänge einen weiteren Qualifikationshintergrund.

In der Implementierungsphase sollten schon aus pragmatischen Gründen Arbeitsschwerpunkte klar definiert und priorisiert werden. Für das Umsetzungsmodell ist eine Differenzierung zwischen festen Aufgaben im Sinne der Grundidee und variablen Schwerpunkten in Abstimmung mit den jeweiligen lokalen Bedingungen und Anforderungen vorgesehen. Zu den festen Diensten zählt neben  der Kuratierung digitaler Angebote und der Bereitstellung eines Raumes mit anwendungsbereiten Workstations, der zugleich Schulungs-, Explorations-, Kommunikations- und Reflektionsraum sein soll, vor allem der Schwerpunkt Vernetzung und Kooperation mit weiteren Partnern. Somit muss im Idealfall gerade bei Beratungen keine vollumfassende Expertise vor Ort vorhanden sein. Wichtig ist, den Beratungsbedarf eindeutig zu bestimmen und die passenden Expertinnen und Experten vermitteln zu können.

In der Gesamtschau fühlen wir uns durch den Workshop grundlegend bestärkt. Die Idee der Scholarly Makerspaces wird allgemein als sehr vielversprechend angesehen. Detailfragen werden je nach individueller Interessen- und Forschungsperspektive unterschiedlich gewichtet, was für uns die Herausforderung einer Integration der vielschichtigen Perspektiven und Anforderungen mit sich bringt. Aber genau diese offene und flexible Ausrichtung entspricht schließlich der Idee von Scholarly Makerspaces.

12. März 2019 | Veröffentlicht von Michael Kleineberg | Kein Kommentar »
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Scholarly Makerspaces – eine Kurzbeschreibung

Aufgrund häufigerer Anfragen und auch als Vorbereitung des FuReSH-Workshops am 27.02.2019 stellen wir in diesem Blogbeitrag eine kurze Übersicht zur Idee der Scholarly Makerspaces anhand von drei für das Konzept maßgeblichen Aspekten vor. Rückmeldungen und Anmerkungen sind selbstverständlich sehr willkommen.

Herausforderungen

Die besonders durch das Feld der “Digital Humanities” getriebene Entwicklung digitaler Forschungs-, Kommunikations- und auch Lehrpraxen in den Geisteswissenschaften führen unbestreitbar zu einer Transformation der wissenschaftlichen Arbeit. Diese stellt wie jede Transformation eine erhebliche Herausforderung für die betroffenen Bereiche dar

Drei Felder spielen dabei aus unserer Sicht eine besondere Rolle:

  • Methodologische Verschiebungen (Forschungstheorie)
  • Werkzeug- und Technologiebindung (Forschungspraxis)
  • Datafizierung des Forschungsmaterials (Forschungsdaten)

Diese drei Bereiche stehen notwendig in Wechselwirkung zueinander.

Als Folge sind konkrete Veränderungen auch auf dem Feld der Forschungsagenden und damit zusammenhängend der Forschungsfragen und Erkenntnisziele einerseits und der wissenschaftlichen Kommunikation andererseits zu beobachten

Für die von dieser Transformation berührten Bereiche der Wissenschaft, zu denen die Fachkulturen, die Lehre sowie die Wissenschaftsinfrastrukturen und dabei insbesondere das wissenschaftliche Bibliothekswesen gehören, müssen auf verschiedenen Ebenen Lösungen gefunden werden, um den Gestaltungsanspruch einlösen zu können. Bei diesen geht es in der Regel um eine Integrierbarkeit der neuen digitalen Facetten in der Wissenschaftspraxis mit den bestehenden Strukturen und akademischen Handlungsformen bzw. -zielen. Vier Aspekte scheinen uns dabei besonders wichtig:

  1. wissenschaftliche Kommunikation – Es zeichnet sich ab, dass die etablierten und sich als sehr stabil erweisenden Kommunikationsstrukturen der wissenschaftlichen Communities kaum mit einem Forschungsoutput in Übereinstimmung bringen lassen, wie er für die digitale Forschung typisch, teils auch wesentlich ist. (strukturierte Daten, Enhanced Publications, Mikropublikationen, offene Publikationen)
  2. Wissenschaftsorganisation – Organisationsstrukturen der Wissenschaft, beispielsweise auch innerhalb der Hochschulen, unterstützen bisher häufig nicht die Durchlässigkeit, organisatorische Flexibilität und Interdisziplinarität, die im Zuge der Transformation erforderlich werden und die für deren gezielte Gestaltung und Steuerung notwendig erscheinen.
  3. wissenschaftliche Anerkennung – Forschungsformen insbesondere der Digital Humanities können oft nur schwer mit bestehenden Reputationszuschreibungsstrukturen der Fachdisziplinen harmonisiert werden. Häufig ist ein zusätzlicher Übersetzungs- und Anpassungsschritt erforderlich, der jedoch im Gegenzug die Potentiale digitaler Forschung weitgehend abschwächt bis ausblendet.
  4. Lehre – Studierende werden in der Regel nicht oder nicht systematisch mit den Anforderungen und Möglichkeiten digitaler geisteswissenschaftlicher Forschung vetraut gemacht. Eine Auseinandersetzung mit digitalen Forschungsmethoden erfolgt daher nur punktuell und ist häufig vor allem aus einem individuellen Interesse Studierender und Lehrender motiviert.

Lösungsansatz

Wir schlagen das Konzept der Scholarly Makerspaces vor, um die oben benannten Herausforderungen zu adressieren und damit einen so niedrigschwelligen wie wirksamen Gestaltungsansatz für die Transformation im der digitalen Forschung in den Geisteswissenschaften anzubieten. Die Scholarly Makerspaces werden als Erweiterung der Angebote einer Hochschulbibliothek verstanden. Im Kern stehen die Prinzipien der Zugänglichkeit, der Systematisierung und der Vernetzung

Zugänglichkeit bedeutet, dass die Scholarly Makerspaces ein offener Raum für alle Nutzer*innen der Universitätsbibliothek, also vor allem Studierende, Lehrende, Forschende, mit der Hochschulorganisation befasste sowie zum Teil auch externe Interessierte (Stichwort Bürgerwissenschaft) sein sollen. Die allgemeine Nutzung ist nicht an Auflagen oder konkrete Zielstellungen gebunden und betont explorative Ansätze und das Konzept der Serendipität. Die Scholarly Makerspaces werden als physischer Raum mit Workstations, Kommunikations- und Schulungsmöglichkeiten, als Kontakt- und Beratungsstelle sowie als digitale Materialsammlung angeboten.

Die Systematisierung bezieht sich auf den inhaltlichen Kern des Angebotes. In einem auf Verfahren des Wissensmanagements und der bibliothekarisch-dokumentarischen Erschließung aufsetzenden Ansatz werden alle Kompenenten der digitalen geisteswissenschaftlichen Forschung erfasst, erschlossen und vermittelt, also rezipierbar präsentiert. Dies umfasst Zugänge

  • zum Material,
  • zu Verfahren und Werkzeugen zur Organisation des Materials (z.B. als Forschungsdatenmanagement,
  • zu Methoden,
  • zu methodologischen Grundlagen,
  • zu Analyse- und Verarbeitungswerkzeugen und Nutzungskompetenzen,
  • zu Aufbereitungs- und Darstellungslösungen für Forschungsergebnisse und -materialien,
  • zu Weiterbildungs- und Schulungsmöglichkeiten,
  • zu Publikationsstrukturen,
  • zu Peers und anderen Akteuren.

Das Angebot wird als navigier- und erweiterbare Wissensbank mit kuratorischer und redaktionaller Aufbereitung geplant. Es wird digital bereitgestellt und soll ausdrücklich eigenständig als Orientierungshilfe, Nachschlageangebot und zur Weiterbildung genutzt werden können. Bestehende Angebote werden erschlossen, verknüpft, vermittelt und nach Möglichkeit integriert.

Dies leitet auf das Prinzip der Vernetzung hin. Scholarly Makerspaces sollen lokale Anlaufpunkte für die digitale geisteswissenschaftliche Forschung und Lehre sein. Sie werden daher selbst aktiv und dienen den unterschiedlichen Stakeholdern – Nutzer*innen, Fachcommunities, Publikationswesen etc. – als Verknüpfungspunkt und als Schnittstelle zwischen den lokalen Aktivitäten und denen im übergeordneten Feld der digitalen geisteswissenschaftlichen Forschung. Damit wird es auch den entsprechenden Forschungscommunities und Akteuren ermöglicht, bei Bedarf über diese Schnittstelle in die lokalen Communities zurückzuwirken. Zugleich können lokale Erfahrungen systematischer in einen übergreifenden Diskurs zur digitalen Geisteswissenschaft eingebracht werden.

Warum lokal?

Die Einrichtung eines entsprechenden Anlaufspunktes, Kompetenzzentrums und Arbeitsbereiches innerhalb einer Hochschulbibliothek ergibt sich aus den benannten Grundprinzipien der Scholarly Makerspaces. Es soll auf der Ebene der einzelnen Einrichtung ein direkter Anschluss an die Lehre und Forschung vor Ort sowie lokale Anforderungen und Bedarfe ermöglicht werden. Die Scholarly Makerspaces bündeln dabei auch entsprechende Beratungsmöglichkeiten z.B. zum fachspezifischen Forschungsdatenmanagement, elektronischen Publizieren, Einbindung digitaler Elemente in die Lehre oder auch der Vorbereitung und Unterstützung von Förderanträgen und Forschungsplanungen.

Darüberhinaus sind Hochschulbibliotheken traditionell Kompetenzzentren für die Bereitstellung von Forschungsmaterial. Dazu unterstützt sie bereits jetzt beispielsweise im Bereich der Open-Access-Beratung Publikationsaktivitäten. Mit den Scholarly Makerspaces kann dies von der organisatorisch-konzeptionellen Ebene auch auf die der technischen Kompetenzen erweitert werden. Während traditionell die Vermittlung von Publikationen und wissenschaftlicher Kommunikation im Mittelpunkt stand, wird dies nun auch auf Forschungsdaten, Werkzeuge sowie Nutzungs- und Verständniskompetenzen, also in Richtung Data- und Tool-Literacy ausgedehnt. Je spezifischer die Ansprüche, desto wichtiger wird es, Vermittlungsstrategien in Kooperation mit den jeweiligen Fächern, also den Instituten und Fakultäten und abzustimmen. Mit den Scholarly Makerspaces ergeben sich dadurch Möglichkeiten einer verstärkten Wechselwirkung zwischen Lehre, Forschung und Bibliothek im jeweiligen konkreten Hochschulzusammenhang.

Gerade über die Integration mit der Lehre wird ein übergreifende Kompetenzvermittlung zum Verständnis und der Beurteilungsfähigkeiten in Bezug auf digitale Forschung angestrebt. Die Scholarly Makerspaces zielen ausdrücklich nicht etwa nur auf unmittelbare Nutzungsfähigkeiten für bestimmte Werkzeuge, sondern zugleich betont auch auf die Vermittlung von Metawissen und die Anregung methodologischer Reflexion bei den Studierenden, Promovierenden und Lehrenden sowie wo nachgefragt und sinnvoll auch Forschenden und Akteuren der Hochschulorganisation. Beides ist für ein erfolgreiches Navigieren und Entscheiden im Zuge der beschriebenen Transformation notwendig und hilft im Idealfall, entsprechende Entwicklungen der digitalen Wissenschaft systematisch und damit wissenschaftsadäquat hochschulweit und auch darüber hinausreichend zu fördern und zu prägen

(Berlin, 19.02.2019)

19. Februar 2019 | Veröffentlicht von Ben Kaden | Kein Kommentar »
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Workshop „Scholarly Makerspaces – Bibliotheken als Vermittlungsplattform für Digital-Humanities-Tools“ am 27.02.2019

Digitalansicht Doppelseite Notizen der Brüder Grimm in der "Geschichte der Hofnarren" aus der Grimmbibliothek Digitale Forschungsdaten: Notizen der Brüder Grimm aus der Grimmbibliothek der Humboldt-Universität. Aber das Bild allein ist nur der erste Schritt für die digitale Auseinandersetzung mit solchen Materialien. Zur Unterstützung aller weiteren Beforschungsstufen können Scholarly Makerspaces einen Rahmen bieten. (Quelle: Flickr / Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität. Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

Wie bereits vorangekündigt wird das FuReSH-Projekt am 27. Februar 2019 einen Workshop im Grimmzentrum der Humboldt-Universität zu Berlin durchführen. Das Anliegen der Veranstaltung ist die Diskussion und Vertiefung von Fragen, die sich für die Ausgestaltung von Scholarly Makerspaces für wissenschaftliche Bibliotheken ergeben. Gegenstand des FuReSH-Projektes ist bekanntlich eine Konzeptstudie, in der Idee, Ansatz und Umsetzung solcher Räume für die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Bedingungen digitaler geisteswissenschaftlicher Forschung systematisch untersucht und abgebildet werden. Wir laden daher Expert*innen und interessierte Personen sowohl aus dem Infrastrukturbereich als auch aus den Fachbereichen ein, mit uns folgende Fragen zu vertiefen:

  1. Wie können wissenschaftliche Bibliotheken die Vermittlung von digitalen Werkzeugen in den Geisteswissenschaften unterstützen?
  2. Welche Funktionen können Scholarly Makerspaces übernehmen?
  3. Welche Zielgruppen können und sollen erreicht werden?
  4. Welche Nutzungsszenarien sind vorgesehen?
  5. Wie können Kooperationen zwischen Bibliotheken und Fachwissenschaften gestaltet werden?
  6. Wie gehen wir mit dem Spannungsverhältnis Tools – Kompetenzen – Methodologie – Forschungsprogramm um?
  7. Wie können Scholarly Makerspaces nachhaltig in die Organisationsstruktur von Bibliotheken eingebunden werden?
  8. Wo sind die Grenzen einer sinnvollen Umsetzung von Scholarly Makerspaces?

Zielgruppe: Vertreterinnen und Vertreter von Infrastruktureinrichtungen sowie aus dem Bereich der Digital Humanities mit Interesse an der Vermittlung von digitalen Werkzeugen bzw. an der Konzeption von Library Labs bzw. Scholarly Makerspaces

Wann: 27. Februar 2019 von 13 bis 17 Uhr

Wo: Jacob-und-Wilhelm-Grimmzentrum, Geschwister-Scholl-Straße 1-3, 10117 Berlin, Großer Besprechungsraum 9.538, 9. Etage (erreichbar über den Aufzug am Personaleingang Planckstraße)

Anmeldung: Da die Anzahl der Teilnehmenden begrenzt ist, wird um vorherige Anmeldung per Email gebeten: michael.kleineberg@hu-berlin.de


PROGRAMM

13:00-13:20     Begrüßung und Vorstellungsrunde

13:20-13:40     Scholarly Makerspaces – Ideen und offene Fragen (Ben Kaden, HU Berlin; Michael Kleineberg, HU Berlin)

13:40-14:00    Digitale Bilder in Forschung und Lehre: Praktiken und Aufgaben (Dr. Georg Schelbert, HU Berlin)

14:00-14:20    Digitale Kuratierungstechnologien und ein Lab: der richtige Weg vom Bücherspeicher zur Informationsinfrastruktur? (Clemens Neudecker, SBB)

14:20-14:40    Human-Centered Data Laboratory@FU Berlin (Prof. Claudia Müller-Birn, FU Berlin)

14:40-15:00    Pause

15:00-15:20    CLARIN-D/CLARIAH-DE – „Digital-Humanities-Tools“ und  weitere  Angebote für „Scholarly Makerspaces“ in Bibliotheken (Christian Thomas, BBAW) (Abstract)

15:20-16:50    Zur Umsetzung von Scholarly MakerspacesDiskussion anhand von Leitfragen und ausgewählten Aspekten

16:50-17:00     Zusammenfassung und Verabschiedung

30. Januar 2019 | Veröffentlicht von Ben Kaden | Kein Kommentar »
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Save the date: FuReSH-Workshop „Scholarly Makerspaces – Bibliotheken als Vermittlungsplattform für Digital-Humanities-Tools“

Das DFG-Projekt Future e-Research Support in the Humanities (FuReSH) führt am 27. Februar 2019 an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin einen Workshop zum Thema “Scholarly Makerspaces” mit Experteninnen und Experten durch. Der Workshop dient einer vertiefenden Diskussion des Konzeptes der Scholarly Makerspaces als Plattform zur Vermittlung von digitalen Werkzeugen und Methodenkompetenz im Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften sowie einer Konkretisierung des Organisations- und Servicemodells am Beispiel der Universitätsbibliothek der HU. Die Erkenntnisse der Veranstaltung finden Eingang in die vom FuReSH-Projekt zu erstellende Konzeptstudie zur Implementierbarkeit von Scholarly Makerspaces in das Dienstleistungsangebot von Universitätsbibliotheken.

Weitere Informationen zum Programm folgen Anfang Januar 2019.

Da die Teilnehmeranzahl begrenzt ist, wird um Anmeldung per Email gebeten: michael.kleineberg@hu-berlin.de

Termin: 27. Februar 2019

Ort: Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum (HU) | Geschwister-Scholl-Straße 3 | 10117 Berlin

 

11. Dezember 2018 | Veröffentlicht von Michael Kleineberg | Kein Kommentar »
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