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Öffentlicher FuReSH-Veranstaltungskalender verfügbar

Wir haben einen Kalender eingerichtet, in dem wir Veranstaltungen zu Themen rund um Makerspaces, Labs, Digital Humanities, Digital Methods and Research in den Geisteswissenschaften primär in Berlin und Brandenburg sammeln.

Dieser ist öffentlich verfügbar und kann von jeder/jedem Interessierten abonniert werden. Perspektivisch werden wir den Kalender auch auf der Website des Scholarly Makerspace zugänglich machen.

Der Kalender ist mit einem der folgenden Links einzubinden:

  • CalDAV-URL https://kal.hu-berlin.de/SOGo/dav/public/ub-furesh/Calendar/7FDF-624AD280-35-18EC6240/
  • WebDAV-ICS-URL https://kal.hu-berlin.de/SOGo/dav/public/ub-furesh/Calendar/7FDF-624AD280-35-18EC6240.ics

Welche URL zu benutzen ist, hängt von der verwendeten Kalender-App ab. Hier eine Auswahl:

  • Thunderbird: CalDAV- oder WebDAV-ICS-URL
  • Outlook, Apple, Google Kalender: WebDAV-ICS-URL
  • HU-SOGo-Kalender: WebDAV-ICS-URL

Wichtig beim Hinzufügen des Kalenders ist, diesen aus dem „Netzwerk“ (manchmal auch „Internet“, „Web“ oder „URL“) zu beziehen. Falls es Fragen zur Einrichtung gibt, bietet der Kalenderservice vom CMS Unterstützung.

Der Veranstaltungskalender darf gerne geteilt werden. Wir freuen uns auch über weitere Veranstaltungshinweise und -vorschläge.

Die UB richtet einen Scholarly Makerspace ein

Die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität richtet in den kommenden drei Jahren im Rahmen des DFG-geförderten Projekts “Future e-Research Support in the Humanities II” in Zusammenarbeit mit den Lehrstühlen für Digital History am Institut für Geschichtswissenschaften und für Information Processing and Analytics am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaften einen prototypischen Scholarly Makerspace ein. Inspiriert von der maker culture und der Idee der Makerspaces, die in einigen Bibliotheken bereits etabliert sind (Späth, Seidl, und Heinzel 2019), stellen wir das experimentierende “Machen” mit Computern und digitalen Artefakten in das Zentrum hermeneutischer und epistemologischer Zugänge (Sayers 2017). Der Scholarly Makerspace wird dafür die Infrastruktur aus Raum, computergestützten Werkzeugen und Erfahrungen in den Digital Humanities zur Verfügung stellen, um gemeinsam mit Forschenden in allen Phasen ihrer Karrieren die Herausforderungen der Digitalität für die Geistes- und Kulturwissenschaften experimentell anzugehen.

Einen experimentellen Scholarly Makerspace als physischen und virtuellen Raum entwickeln…


Im Zentrum steht dabei die Erarbeitung von tool literacy, die, ganz im Sinne Johanna Druckers (2021), in zwei Dimensionen gedacht wird. Zum einen geht es um das ganz konkrete Erlernen von Werkzeugen und computergestützten Verfahren: Wie kann ich Korpus von Digitalisaten mit Methoden des distant reading analysieren? Was ist eine Netzwerkanalyse? Was sind die Möglichkeiten der Datenvisualisierung? Wie kann ich die Disinformationskampagnien rechter Trollfarmen in Social Media sinnvoll analysieren? Zum anderen wird tool literacy aber mit dem Fokus auf Werkzeuge und Methoden als Gegenstand der Untersuchung weiter gedacht und mit Critical Code Studies (Marino 2020) und den Science and Technology Studies in Beziehung gesetzt: von der Reflexion über die hermeneutischen und epistemologischen Folgen bestimmter Werkzeuge und Zugänge zu digitalen Daten bis zu den ethischen und ökologischen Folgen im Bereich der künstlichen Intelligenz bzw. des maschinellen Lernens, wie z.B. dem massiven Einsatz endlicher natürlicher Resourcen und die verschiedenen Biases ihrer Schöpfer*innen perpetuierende Algorithmen und Modelle.

Damit adressiert der Scholarly Makerspace die zentralen Versprechen der Digitalität und der Digital Humanities: Teilhabe, kritische Reflexion über ein neues epistemisches Paradigma und genuin neue Erkenntnisse für die Geistes- und Kulturwissenschaften. Es soll ohne Zugangsbeschränkungen in den Maschinenraum der Digitalität geschaut und “Black Boxes” geöffnet werden, um Forschende und Lehrende in die Lage zu versetzen adäquate computergestützten Methoden für ihre je konkreten Forschungsfragen zu wählen und ihre Möglichkeiten für die Exploration und Darstellung um die Gestaltung physischer Artefakte und performante Aspekte zu erweitern (z.B. Staley 2017). Teil dieser vermittelnden Rolle des Scholarly Makerspaces ist es, die je verfügbare technische Infrastruktur für die Forschung nutzbar zu machen. Damit sollen auch die Wissens- und Serviceinfrastrukturen der Universitätsbibliothek und die Forschung an der HU noch stärker miteinander verzahnt werden.

…der transparent, offen, partizipativ und skalierbar ist.


Es ist uns dabei wichtig, dass die Auseinandersetzung mit der Digitalität ergebnisoffen und Community-orientiert in einem offenen sozialen Raum stattfindet, in dem die vorhandenen Hierarchien der Wissensproduktion so sie nicht aufgelöst werden können, transparent gemacht werden. Eine hierarchische Vermittlung von tool literacy durch die Betreiber*innen des Scholarly Makerspaces in Form von Lehrveranstaltungen ist deshalb explizit nicht unser Ziel. Vielmehr verstehen wir unsere Rolle als Vermittler*innen innerhalb und an den Schnittstellen zwischen Communities, die die Auseinandersetzung mit Methoden als einem zentralen Aspekt wissenschaftlichen Arbeitens experimentell anregen.

Dafür werden die Mitarbeiter*innen des Scholarly Makerspaces zum einen Konzepte und Materialien zur Schulung und Beratung der Zielgruppen in den Bereichen der tool literacy und Datenkritik entwickeln. Zum anderen werden wir Workflows digitaler Forschungswerkzeuge auf der Basis von konstant erhobenen User Stories kuratieren, die dann in einem flexiblen “Werkzeugkasten” der Community von Nutzer*innen zur Verfügung stehen.

Die unmittelbar Zielgruppen des Scholarly Makerspaces sind Lehrende und Forschende der Humboldt-Universität in allen Phasen ihrer wissenschaftlichen Karrieren. Erstere sollen durch den Ansatz von train-the-trainer in der Vermittlung von Digital Humanities in der Lehre, letztere im gesamten Prozess von der Konzeption eines Forschungsprojektes bis zur Umsetzung unterstützt werden.

Literatur

Drucker, Johanna. 2021. The Digital Humanities Coursebook: An Introduction to Digital Methods for Research and Scholarship. Abingdon: Routledge. https://doi.org/10.4324/9781003106531.

Marino, Mark C. 2020. Critical Code Studies. Cambridge: MIT Press. Sayers, Jentery, Hrsg. 2017. Making Things and Drawing Boundaries: Experiments in the Digital Humanities. Debates in the Digital Humanities 3. Minneapolis: University of Minnesota Press. https://dhdebates.gc.cuny.edu/projects/making-things-and-drawing-boundaries.

Späth, Katharina, Tobias Seidl, und Viktoria Heinzel. 2019. „Verbreitung und Ausgestaltung von Makerspaces an Universitäten in Deutschland“. o-bib. Das offene Bibliotheksjournal 6 (3): 40–55. https://doi.org/gpq4nw.

Staley, David. 2017. „On the ‚Maker Turn‘ in the Humanities“. In Making Things and Drawing Boundaries, herausgegeben von Jentery Sayers, 32–41. Experiments in the Digital Humanities. University of Minnesota Press. https://doi.org/10.5749/j.ctt1pwt6wq.5.

31. März 2022 | Veröffentlicht von Till Grallert | Kein Kommentar »
Veröffentlicht unter Allgemein

Scholarly Makerspaces als Reflexionsraum. Zu einer Fundstelle bei Joachim Metzner.

Eine Notiz von Ben Kaden (@bkaden)

Die Scholarly Makerspaces, die im Rahmen des FuReSH-Projektes noch bis Ende des Jahres konzeptionalisiert werden, stehen zunächst erwartbar vor allem als bibliothekswissenschaftliche Idee im Raum, auch wenn bestimmte Varianten von Library Labs stellenweise in diese Richtung weisen. Besonders interessant wird es daher zum aktuellen frühen Zeitpunkt der konzeptionellen Verfestigung, wenn an anderer Stelle entsprechende Überlegungen sichtbar werden. Eine Fundstelle, die uns bislang leider entgangen war, lässt sich in der unter dem Titel “Bibliotheksentwicklung im Netzwerk von Menschen, Informationstechnologie und Nachhaltigkeit” erschienenen Festschrift für Achim Oßwald (herausgegeben von Simone Fühles-Ubach und Ursula Georgy, Bad Honnef: BOCK + HERCHEN, 2019, PDF-Volltext) finden.

In seinen Beitrag “Bildung in den Zeiten der Digitalisierung und der Auftrag der wissenschaftlichen Bibliotheken” (S. 73-86) erwähnt Joachim Metzner den Begriff der “Scholarly Makerspaces”. Er übernimmt ihn aus der Perspektive “Wissenschaftliche Bibliotheken 2025” der  Sektion 4 „Wissenschaftliche Universalbibliotheken“ im Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv), die im Januar 2018 veröffentlicht wurde. (PDF-Volltext)

Joachim Metzner zieht eine Linie von dem im Perspektivpapier formulierten Szenario der Scholarly Makerspaces als

“physische  und virtuelle Arbeits- und Forschungsumgebungen in Bibliotheken, die digitale Ressourcen und Werkzeuge – auch von Anbietern  außerhalb des Campus – zusammenführen und zur Verfügung stellen.”

Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv): Wissenschaftliche Bibliotheken 2025. Berlin: Januar, 2018. Zitat: S. 21

Es kommt also eine betont explorative und von der Idee der Makerspaces im öffentlichen Bibliothekswesen inspirierte Idee zum Ausdruck. Diese enthält eine nicht zwingend zielgebundene und zugleich sehr heterogene Auseinandersetzungsmöglichkeit mit digitalen Technologien, Strukturen und Werkzeugen. Für die Scholarly Makerspaces sind sie, die Benennung deutet es an, hauptsächlich im Zusammenhang der digitalen Geisteswissenschaften zu sehen. In ihnen sollen vor dem Horizont wissenschaftlicher Erkenntnissuche Neugier, Reflexion, durchaus auch Kritik angeregt werden und zu einem bewussteren und kompetenteren Umgang mit den Elementen der jeweils aktuellen digitalen Wissenschaft, Forschung und Lehre führen. Diese betonte Zieloffenheit und die Integration einer reflexiven Meta- und Diskursebene unterscheidet Scholarly Makerspaces von den in der 2000er Jahren stark popularisierten so genannten “virtuellen Forschungsumgebungen”.

Entsprechend bewegt sich das Konzept der Scholarly Makerspaces in etwa auf halbem Weg zwischen den Vorarbeiten aus der Entwicklung dieser virtuellen Forschungsumgebungen (oder auch VFU) und einer aktuellen Forderung des Hochschulforums Digitalisierung, die in einem Dossier “Zukunftsfähigkeit Studierender für die digitale Transformation stärken!” von Kerstin Mayrberger und Ingrid Schirmer formuliert und von Joachim Metzner zitiert wurde. Die Autorin sehen den Bedarf für

“Reflexionsräume zur Erprobung und Auseinandersetzung anzubieten, die sie auf ein Handeln mit Unbestimmtheiten in einer digitalen Kultur vorbereiten”.

Kerstin Mayrberger, Ingrid Schirmer: Die Zukunftsfähigkeit Studierender für die digitale Transformation stärken! In: Synergie. 5, S. 28-33. https://www.synergie.uni- hamburg.de/de/media/ausgabe05/synergie05-beitrag04-mayrberger-schirmer.pdf

Scholarly Makerspaces engen dies wiederum ein Stück weit ein, in dem sie sich, wenn man so will, auf das Handeln in den Unbestimmtheiten einer digitalen Wissenschaftskultur und vor allem Forschungs- und Kommunikationspraxis konzentrieren. Da sich aber die Datafizierung der Gesellschaft unvermeidlich dahingehend niederschlägt, dass sich Verfahren – leider aktuell oft noch im Gegensatz zu den Werkzeugen – der Datenanalytik beispielsweise, in Wirschaft, Journalismus und Geistes- und Kulturwissenschaften annähern, sind Scholarly Makerspaces ohne Zweifel geeignet, digitale Kompetenzen auch über den akademischen Bereich hinaus zu vermitteln.

Der wissenschaftliche Zuschnitt der Scholarly Makerspaces ergibt sich vor allem aus der Notwendigkeit, den Ansatz für in der Komplexität des Angebots möglichst konkret an einen festen Anwendungszusammenhang rückbinden zu müssen, also in diesem Fall an Forschung und Lehre im Einzugsgebiet einer Universitätsbibliothek. Dies erscheint auch aus den Erfahrungen und Auseinandersetzungen bei der Konzeptentwicklung während des FuReSH-Projektes sehr sinnvoll. Parallel sind jedoch im Grundlayout Scholarly Makerspaces Schnittstellen zu digitalen Wissenskulturen und eventuellen Labs auch außerhalb der Wissenschaft unbedingt vorzusehen. Über diese wird ein Austausch mit der Bandbreite der Akteure im Bereich der digital geprägten Erkenntnis- und Wissensproduktion möglich, ohne die Kapazitäten und auch das Leitbild einer Universitätsbibliothek sofort zu sprengen. Ebenfalls im Grundlayout wird eine iterative Weiterentwickelbarkeit angelegt, die es ermöglicht den Zuschnitt des Angebots der Scholarly Makerspaces leicht an kommende, auch dezidiert Domänen übergreifende Entwicklungen anzupassen.

Daher bewegen sich die Überlegungen des FuReSH-Konzeptes der Scholarly Makerspaces durchaus auf der Linie, die Joachim Metz in seinem Beitrag für den Ansatz umreißt:

“Das Konzept könnte sich so weiterentwickeln lassen, dass solche Workspaces reale oder virtuelle Räume für Bildung im digitalen Zeitalter werden – zumal sie immer häufiger in wissenschaftlichen Bibliotheken angesiedelt  oder von dort aus betrieben werden. Bezöge sich  das Ausprobieren und Umfunktionieren, das dort ermöglicht wird und gewollt ist, auch auf Software, stünden die geforderten Werkzeuge mit offenen Programmierschnittstellen zur Verfügung, dann wäre die wissenschaftliche Bibliothek genau der richtige Ort, um zumindest jene „potenzielle[n] Reflexionsräume zur Erprobung und Auseinandersetzung anzubieten, die sie [die Studierenden] auf ein Handeln mit Unbestimmtheiten in einer digitalen Kultur vorbereiten.“

Joachim Metzner: Bildung in den Zeiten der Digitalisierung und der Auftrag der wissenschaftlichen Bibliotheken. In: Simone Fühles-Ubach, Ursula Georgy (Hrsg.): Bibliotheksentwicklung im Netzwerk von Menschen, Informationstechnologie und Nachhaltigkeit : Festschrift für Achim Oßwald. Bad Honnef: Bock + Herchen, 2019. S. 73-86 Zitat: S. 79

Und zwar eben in der oben beschriebenen Weise. Gleich im nächsten Satz benennt er aber auch ein Herausforderung, die wir bei FuReSH zunächst weitgehend exkludieren konnten, die sich aber bei einer möglichen Realisierung des Ansatzes als entscheidend erweisen wird:

“Es ist nicht leicht, sich ausgerechnet die wissenschaftliche Bibliothek als den Ort vorzustellen,  an dem die Auseinandersetzung  mit dem Unbestimmten stattfindet,  wird sie doch auch heute noch überwiegend als Hort der Ordnung verstanden.”

ebd.

Experimentelle und das Experimentieren unterstützende Angebote wie Scholarly Makerspaces benötigen einen Kulturwandel nicht mehr in allen, aber doch in vielen Bibliotheken und besonders auch bei deren Trägern. Sie werden nur eingeschränkt vorhersagbare und konkretisierbare Ergebnisse produzieren, können aber genau deshalb aus ihrem Freiraum her zu emergenten Resultaten führen, die man so gar nicht erwartet hat oder erwarten konnte. Scholarly Makerspaces entsprechen in dieser Hinsicht einer, wie wir heute wissen, Grundeigenschaft digitaler Kultur. Damit sie erfolgreich sein können, braucht es keine exakten Zielvorgaben sondern Vertrauen, wenn man so will, Commitment sowie einen stabilen Rahmen für Ausstattung, Betreuung und Moderation, der sich auch in Dauerstellen niederschlagen muss. Dies kann für die Personalentwicklung in den Bibliotheken also auch bedeuten, dass Anteile aus der traditionellen Arbeit aus dem “Hort des Ordnens” auf das offene Feld des freien Spiels übertragen werden.

(Berlin, 25.09.2019)