Allgemein

#18 SCIENCE WORKS / Jour fixe: Liberal Epistemologies, Participatory Initiatives, and the Current Existential Crisis of Democracy

Justo Serrano Zamora (Departamento de Filosofía, Universidad de Málaga)

In my talk, I explore two main responses to democracy’s current existential crisis and their mutual relation. On the one hand, many argue that we should address the phenomenon of post-truth and its negative effects on democratic politics by cultivating citizens’ capacity to build their own, autonomous, judgements. On the other hand, many defend the need of participatory initiatives as a way of bringing citizens to identify with their political institutions. I argue that participatory initiatives are often jeopardized by the epistemological assumptions that draw from the current liberal struggle against post-truth. Instead of promoting liberal epistemological orientations among citizens, we need to draw on socialist or cooperative epistemologies, which make sure that citizens cultivate the necessary (social) conditions to sustain and expand projects of political participation.

*recorded and presented on 13.12.2023

7. Mai 2025 | Veröffentlicht von Beatrice Yefimov
Veröffentlicht unter Allgemein, Jour Fixe: WiSe 23/24, SCIENCEWORKS

#17 SCIENCE WORKS/ Jour fixe: Umwelt-Engagement: Meeresforschung zwischen Wissenschaft und Aktivismus

Sarah Schönbauer (STS Department, Technische Universität München)

Der Klimawandel führt zu vielschichtigen und komplexen Veränderungen. Diese Veränderungen bringen unter anderem soziale, epistemische, ökonomische und politische Auswirkungen mit sich. In diesem Vortrag konzentriere ich mich insbesondere auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wissenschaftswelt und die Positionierungsarbeit von Wissenschaftler*innen. Ich frage: wie nehmen Wissenschaftler*innen Umweltveränderungen wahr und was sind die sozialen und erkenntnistheoretischen Dimensionen dieser Wahrnehmung? In meiner Fallstudie, finanziert durch ein Erwin-Schrödinger Postdoc Stipendium (FWF Austria), beschäftige ich mich mit Meeresforscher*innen und ihren Umgang mit auf den Klimawandel zurückzuführenden Umweltveränderungen in Meeres- und Polarregionen.
Das Meer ist geprägt von rapiden und vielfältigsten Umweltveränderungen. Die Meereswissenschaftler*innen die ich porträtiere, sind meist tief berührt, wenn nicht sogar erschüttert von dem, was sie untersuchen. Diese emotionalen Erfahrungen fließen in ihre Forschungen sowie in die wissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit und in Protestaktionen ein. Meeresforscher*innen untersuchen Umweltveränderungen im Rahmen ihrer Feldforschung, publizieren ihre Ergebnisse in wissenschaftlichen Veröffentlichungen und teilen ihre Forschung als öffentliche Fürsprecher*innen. Darüber hinaus protestieren sie für die Einführung politischer Regulierungsmaßnahmen zur Bewältigung dieser Umweltveränderungen.
Meeresforscher*innen positionieren sich daher sowohl als traditionelle Wissenschaftler*innen als auch als Aktivist*innen. Ich konzeptualisiere die Erfahrungen und Handlungen der Forscher*innen als Umwelt-Engagement (engl. environmental engagement) und stelle entlang dieses Konzepts zwei Formen des Umwelt-Engagements vor, in der Forschung und in Protestaktivitäten. Ich zeige, dass Umwelt-Engagement sowohl kollektivierende Effekte haben und coping Mechanismen bedienen kann, dass es aber ebenso in eine wettbewerbsorientierte wissenschaftliche Arbeitsrealität eingebettet ist. Meine Studie liefert neue Erkenntnisse über die Beziehung zwischen Umweltveränderungen, wissenschaftlicher Arbeit und Protestaktivitäten in Zeiten des Klimawandels. Meine Ergebnisse werde ich als Blaupause für andere Disziplinen weiterdenken. Nicht nur die Meereswissenschaft, sondern auch die Wissenschafts- und Technikforschung muss sich fragen wie eine Positionierung in sich ständig wandelnden Klimawelten gelingen kann und welche Formen des Umwelt- Engagements es dafür braucht.

*recorded and presented on 10.01.2024

30. April 2025 | Veröffentlicht von Beatrice Yefimov
Veröffentlicht unter Allgemein, Jour Fixe: WiSe 23/24, SCIENCEWORKS

#11 SCIENCE WORKS/ Jour fixe: Cultures of no-feeling? Ethnografische Gefühlswelten im deutschen akademischen Arbeitsalltag

Julia Baumann (Sozial- und Kulturanthropologie, Freie Universität Berlin)

„Die akademische Kultur ist eine Kultur, in der Gefühle abwesend sind – eine Kultur des ‚Nicht-Gefühls‘. […], aber Gefühle sind in der Wissenschaft reichlich vorhanden“ (Bloch, 2012: 140, übersetzt aus dem Englischen von JB), schließt Charlotte Bloch ihre ethnografische Studie Passion and Paranoia zu akademischen Emotionskulturen in Dänemark.

Auf der Grundlage meiner ethnographischen Feldforschung (2019-2022) werde ich darlegen, wie eben diese „academic cultures of no-feeling“ den Alltag von Forscher*innen beeinflussen und die Wissensproduktion auch hier in Deutschland prägen. Historisch gewachsen zu einem emotionsgebundenen Wertesystem, das Gefühle als das Gegenteil von Rationalität und Wissenschaftlichkeit versteht, wird die Fähigkeit Gefühle zu regulieren oder sogar gänzlich zu unterdrücken zu einer Form von Kapital (Bourdieu 1986). Innerhalb dieser akademischen Emotionsregime ist es Kennzeichen der academic cultures of no-feeling Emotionen als nicht-existent anzunehmen. Trotzdem prägen sie das durch diese Kulturen manövrierende Individuum und die Wissensproduktion in hohem Maße.

Im Jour fixe werde ich diese vermeintliche Diskrepanz, mein Promotionsprojekt, die Methoden der Datenerhebung, meine eigene Rolle im Feld und die Ergebnisse und Analysen vorstellen, reflektieren und diskutieren. Anhand meines empirischen Materials (Grounded Theory) werde ich individuelle Gefühlswelten und Umgänge mit dem „Nicht-Gefühl“ darstellen und darlegen, welche Emotionen und Affekte den akademischen Arbeitsalltag meiner Gesprächspartner*innen prägten und inwiefern Fühlen und affektive (Re)Aktionen als systemisch eingebettet betrachtet werden können. Anhand Mut, Angst, Verzweiflung, Wut und Liebe stelle ich dar, wie eine Gefühlsunterdrückung zwar als Basis akademischer Professionalität verstanden wird, Ethnograf*innen aber hierdurch ebenso in einer affective community miteinander verbinden sind; ich zeige gleichermaßen den Umgang akademischer Institutionen mit Emotionen in Bezug auf mentale Belastungen auf; erläutere wie Diskriminierungserfahrung und Machtmissbrauch zu einer stetigen moral injury sowie (emotionalen) Widerständigkeiten führen können und führe aus, wie agencies, Identitäten und belongings innerhalb dieser akademischen Emotionsregime ausgehandelt werden.

Reference: Bloch, C. (2012). Passion and Paranoia. Emotions and the Culture of Emotion in Academia, New York/London: Routledge.

*recorded and presented on 17.04. 2024

26. Februar 2025 | Veröffentlicht von Beatrice Yefimov
Veröffentlicht unter Allgemein, Jour fixe: SoSe 24