Text und Fotos: Elena Carrara

Gemeinsam mit einer Gruppe von Studierenden besuchte ich die Ausstellung „Emilio Vedova. Mehr als Bewegung um ihrer selbst Willen“ im Kunsthaus Dahlem. Die Exkursion fand im Rahmen eines Italienischkurses für Studierende der Kunstgeschichte statt und wurde durch eine vom Italienischen Kulturinstitut organisierente Führung auf Italienisch ergänzt, die nicht nur sprachlich forderte, sondern auch kulturell und künstlerisch anregte.
Solche praxisnahen Lernformate bieten wertvolle Gelegenheiten, Sprachvermittlung über den Klassenraum hinaus zu denken. Wenn Sprache im Dialog mit Expert:innen und im Gespräch mit Kommiliton:innen in authentischen Kontexten eingesetzt wird, entsteht ein verankerter und lebendiger Zugang.

Aus didaktischer Sicht erweist sich das Museum als ein besonders reicher Lernort, da es mehrere zentrale pädagogische Prinzipien vereint und Lernprozesse auf unterschiedlichen Ebenen anregt. Das Museum ermöglicht ein multisensorisches Lernen: Originale Kunstwerke, räumliche Inszenierungen und atmosphärische Eindrücke sprechen mehrere Sinne gleichzeitig an. Lerninhalte werden dadurch sowohl kognitiv, aber auch emotional und körperlich erfahren.
Für die Teilnehmenden war die Exkursion eine Art angewandte Praxis: Vokabular zur Kunstbeschreibung, zuvor im Unterricht erarbeitet, konnte nun in einem realen Kommunikationskontext eingesetzt werden. Fragen zur Ausstellung, spontane Reaktionen, Diskussionen über Eindrücke, all das förderte Spontanität, Hörverstehen und Ausdruckssicherheit.

Der Museumsbesuch ist zudem ein soziales Ereignis und fördert kollaborative Lernprozesse. Das gemeinsame Erleben außerhalb der gewohnten Seminarstruktur stärkt die Gruppendynamik und verändert Rollenbilder: Lernende tauschen sich offener aus und unterstützen sich gegenseitig beim sprachlichen Handeln. Diese soziale Dimension wirkt sich positiv auf Motivation und Lernbereitschaft aus.
Nicht zuletzt ist das Museum Teil des urbanen Raums und damit eingebettet in die Stadt als Lernumgebung. Die Verbindung von Sprache, Bewegung und Raum unterstützt ein situatives Lernen, das nachhaltiger wirkt als rein abstrakte Wissensvermittlung. Viele Studierende äußerten im Nachgang, wie sehr sie es schätzen, ihre Sprachkenntnisse in einem „echten“ Kontext anzuwenden, und berichteten, dass Inhalte stärker im Gedächtnis bleiben, wenn Lernen mit Emotion, Neugier und persönlicher Erfahrung verknüpft ist.
