Besondere Aufmerksamkeit verdienen die umfangreichen Zugänge von unrechtmäßig erworbenem Bibliotheksgut in die Zentrale Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin während des Zweiten Weltkriegs. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die Dona/Tausch-Akzessionen für das Haushaltsjahr 1940 mit 1620 Einträgen beinahe dreimal so viel sind wie die Erwerbungen der vorangegangenen Jahre. Der immense Zuwachs ist hier vor allem auf einen Lieferanten zurückzuführen: die Deutsche Heeresbücherei. Die Einträge beginnen am 25. September 1940 und enden zwei Tage vor dem Abschluss des Haushaltsjahrs am 29. März 1941 bei der Akzessionsnummer D 1940.1620. Dabei scheint es, als seien ganze Seiten im Akzessionsjournal für die Verzeichnung dieses Zugangs reserviert worden. Insgesamt sind es 867 Titel, die die Herkunftsangabe „Deutsche Heeresbücherei“ aufweisen. Bemerkenswert ist, dass die Eintragungen bei der Akzessionsnummer 1620 mit dem Ende der Seite aufhören und im Haushaltsjahr 1941 nicht fortgeführt wurden, gerade so, als sei von dem zu bearbeitenden Buchbestand noch etwas übrig gewesen, die Akzession dann aber abgebrochen worden.


Die verzeichneten Titel betreffen Werke zu Geschichte, Kultur-, Kunst- und Literaturgeschichte mit dem Schwerpunkt Polen und in polnischer Sprache sowie polnische Belletristik, aber auch einige wenige Romane in französischer Sprache. Bei vielen Eintragungen sind die Akzessionsnummern und die Angaben zur Anzahl der zugehörigen Bände ausgestrichen. Bei manchen Titeln erscheint in der letzten Spalte die Notiz „zurückgegeben an poln. Militärmission“, bei einigen mit der Zeitangabe „Nov. 47“ oder mit einem exakten Datum „16.“ bzw. „18. X. 47“.
Diese Streichungen stellten die Provenienzforscherin an der Universitätsbibliothek und ihre Mitarbeiterinnen vor die Frage, ob sie nach den mutmaßlich ausgeschiedenen Büchern im Magazin bzw. zunächst im Bandkatalog überhaupt suchen sollten. Sie entschieden sich, anhand der Seite, auf der die Eintragungen mit der Akzessionsnummer D 1940.401 beginnen, eine Stichprobe zu machen. Dabei stellte sich heraus, dass der letzte Titel auf dieser Seite trotz ausgestrichener Akzessionsnummer und der Bemerkung „zurückgeg. an poln. Militärmiss.“ – es handelt sich um den Roman „Savarette“ von Jules Breton, Paris 1898, Akz.Nr. D 1940.420 – im historischen Bandkatalog verzeichnet und im Magazin vorhanden ist. Der vorangehende Titel mit der Akzessionsnummer D 1940.419, Henry Gréville: Céphise, Paris 1896, war ebenfalls vorhanden, im Akzessionsjournal aber auch nicht ausgestrichen. Nach diesem uneindeutigen Befund wurden sämtliche Titel überprüft. Von den 867 eingetragenen Titeln wurden 23 im Bestand – insgesamt 34 Bände – der Bibliothek aufgefunden.

Bei allem 34 Exemplaren lässt sich aufgrund von Stempeln und Exlibris auf ihre Herkunft schließen. Anhand dieser Merkmale können zwei verschiedene Provenienzen unterschieden werden. Die Mehrzahl der Bücher stammt aus einer oder vielleicht auch mehreren militärischen Ausbildungsanstalten in Polen. Gemeinsam ist ihnen das graphisch gestaltete Exlibris auf der Innenseite des vorderen Buchdeckels mit dem Schriftzug „Bibljoteka Wojskowa – Szkoły Podchorążych Piechoty“ und der kleine Stempel mit den Buchstaben „p.S.p“. In den Büchern mit diesem Exlibris finden sich mitunter noch weitere Stempel, die sich auf Ausbildungsstätten für Unteroffiziere, für Fähnriche oder auf die den Offizieren vorbehaltene Bibliothek beziehen. Der Zusammenhang zwischen den militärischen Strukturen und die eventuelle zeitliche chronologische Abfolge, die sich in diesen Stempeln manifestieren, konnte nicht aufgeklärt werden. Ebenso wenig ergibt sich daraus eine lokale Zuordnung. Dass die Bücher zu einer Militärbibliothek der Ausbildungsstätten für die Fähnriche der Infanterie gehörten, ist jedoch durch das oben erwähnte Exlibris verbürgt.


Eine andere Provenienz haben die Bände der zwischen 1930 und 1933 erschienenen, mit zahlreichen Abbildungen ausgestatteten allgemeinen Literaturgeschichte. Sie sind vielfach mit einem runden Stempel „14. P. P. BIBLIOTEKA WOJSKOWA“ (14. Pułk Piechoty) und einige Male mit einem Zeilenstempel „Koło T-wa Wiedzy Wojskowej we WŁOCŁAWKU“ [Towarzystwo Wiedzy Wojskowej] versehen. Offensichtlich gehörten sie zu der Regimentsbibliothek des in Włocławek nordwestlich von Warschau stationierten 14. Infanterieregiments. Das 14. Infanterieregiment kämpfte im September 1939 gegen die vorrückenden deutschen Truppen und wurde nach seiner militärischen Niederlage aufgelöst. Vermutlich sind die Bände Überbleibsel seiner geplünderten Bibliothek.


Soweit zu den Erkenntnissen durch die Autopsie. Ein Schriftwechsel zwischen der Universitätsbibliothek und der Deutschen Heeresbücherei bezüglich dieser Überstellung existiert nach jetzigem Kenntnisstand nicht. Doch erwähnt Johannes Asen, der als Stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek zugleich für die Erwerbungen zuständig war, in einem handschriftlichen Entwurf zum Verwaltungsbericht für das Haushaltsjahr 1940, dass die Bücher von der Heeresbücherei überstellt wurden. Er schreibt: „Die Heeresbücherei überwies eine große Menge erbeuteter Literatur, die aber z. T. wegen ihrer schlechten Erhaltung makuliert wurde. Es handelte sich hauptsächlich um die Bücher eines polnischen militärischen Instituts, darunter auch viele polnische schöne Literatur. Das ganze ist z. Z. in Bearbeitung.“ Mit dem polnischen militärischen Institut ist/sind wohl die Schule oder die Schulen der Fähnriche der Infanterie gemeint.


Weitere Kenntnisse über die polnischen Bücher lassen sich aus den historischen Akten der Staatsbibliothek zu Berlin gewinnen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs leitete der vormalige Direktor der Universitätsbibliothek Rudolf Hoecker, der 1933 wegen seiner Mitgliedschaft in der SPD seines Amts enthoben worden war, alle drei großen wissenschaftlichen Bibliotheken Berlins: die Preußische Staatsbibliothek (1946 in Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek umbenannt), die Universitätsbibliothek und die Bibliothek der Technischen Hochschule (seit 1946 Technische Universität). Daher war Hoecker auch mit den Rückgabeforderungen Polens hinsichtlich des geraubten Bibliotheksguts befasst. Diese Rückgabeforderungen wurden von der in den Akzessionsjournalen erwähnten Polnischen Militärmission gestellt, namentlich von deren Vertreter, dem Kunsthistoriker Jan Morawiński, und von der Sowjetischen Militäradministration genehmigt.
Erklärend schreibt Hoecker am 18. Juni 1946 an die SMAD zu den Hintergründen: „Gegen Ende des Jahres 1939 wurde durch die deutsche Polizei unverpackt in Lastkraftwagen eine grössere Anzahl Bücher, hauptsächlich aus polnischen Militärbibliotheken stammend, nach Berlin in die Staatsbibliothek gebracht. Die Generalverwaltung lehnte jedoch die Übernahme dieser Bücher in ihre Bestände ab. Infolgedessen wurden sie in die Kellerräume gebracht, um dort bis zur Beendigung des Krieges aufbewahrt zu werden. Zu gleicher Zeit wurden in den Keller der Universitätsbibliothek ca. 10 Kisten mit rund 2–3.000 polnischen Büchern derselben Herkunft eingelagert.“
Die eigentliche Rückgabe verzögerte sich jedoch noch um anderthalb Jahre. Erst am Ende des Jahrs 1947 wurden Materialien für die Anfertigung von 120 Kisten von der Öffentlichen Wissenschaftlichen Bibliothek (Staatsbibliothek) angefordert. Aufgrund der Eintragung „Nov. 1947“ im Akzessionsjournal der Universitätsbibliothek kann man davon ausgehen, dass die Bücher von da an für die gemeinsame Restitution von ÖWB und Universitätsbibliothek, die 1939 bzw. 1940 zweifellos den kleineren Teil der in Polen geraubten Bücher erhalten hatte, bereitgestellt waren. Auch wenn die Vorgänge soweit bekannt sind, bleiben viele Fragen hinsichtlich der beraubten militärischen Einrichtungen, der Umstände des Raubs, bis hin zur nachträglichen Nennung der deutschen Polizei durch Hoecker und der Nennung der Deutschen Heeresbücherei 1940 durch Asen offen.
Festzuhalten bleibt, dass Preußische Staatsbibliothek und Universitätsbibliothek mit Bibliotheksgut, welches in den von Deutschland besetzten Gebieten geraubt worden war, unterschiedlich umgingen. Gemäß der von ihrem Generaldirektor Hugo Andres Krüß vertretenen Richtlinie, solches Gut nicht in den Bestand aufzunehmen und die Entscheidung, was damit zu geschehen habe, eventuellen Friedensverhandlungen zu überlassen, wurde Kriegsbeute, gleich ob sie aus West- oder aus Osteuropa angeliefert wurde, nicht akzessioniert, sondern lediglich eingelagert. Die Universitätsbibliothek hingegen akzessionierte zahlreiche Bücher aus polnischen Militärbibliotheken, nachdem die schlecht erhaltenen ausgesondert worden waren, setzte aber die Akzessionierung im Haushaltsjahr 1941 nicht fort und katalogisierte letztendlich nur wenige. Warum die Universitätsbibliothek in dieser Weise – im Grunde inkonsequent – verfuhr, ist nicht bekannt.
Im Haushaltsjahr 1943 wurden dann weitere, möglicherweise früher eingelagerte Bücher der Provenienz „Deutsche Heeresbücherei“ akzessioniert, doch handelte es sich hierbei nur um ein halbes Dutzend. Bei einem von ihnen – D 1943.489 – wurde – wahrscheinlich irrtümlich – das Auswärtige Amt als Lieferant eingetragen.
Zu ergänzen ist, dass sich die Provenienzrecherchen während des Projekts 2022–2025 nicht auf die Erwerbungen von Periodika erstreckten. Deshalb sind diese bei den detaillierten Forschungen zu den Zugängen aus der Deutschen Heeresbücherei zwischen 1933 bis 1945 nicht berücksichtigt worden. Inzwischen wurden die eigens geführten Akzessionsjournale für Zeitschriften jedoch kursorisch durchgesehen. Dabei zeigte sich, dass auch hier ein Zugang aus der Deutschen Heeresbücherei, und zwar von 285 Titeln, verzeichnet wurde. Die Bemerkungen in den entsprechenden Zeilen lassen ebenso wie bei den Monographien auf Rückforderung und Rückgabe nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schließen. Wie bei den Monographien ist anhand der Bemerkungen im Akzessionsjournal nicht einwandfrei zu beurteilen, ob einzelne dieser Periodika im Altbestand noch vorhanden sind.
#Bücherwege – Die Universitätsbibliothek hat in einem Projekt zwischen 2023 und 2025 ihre zwischen 1933 und 1945 zugegangenen Bücher auf Erwerbungskontexte untersucht, die auf beschlagnahmte, geraubte und erpresste Bestände in der NS-Zeit hinweisen. Die Verdachtsmomente wurden flächendeckend erfasst, indem die erhaltenen Originalbestände und Erwerbungsakten systematisch durchgesehen wurden. Die unrechtmäßigen Erwerbungen wurden im Katalog und in der Datenbank LostArt dokumentiert. In den folgenden Schritten werden Anspruchsberechtigte und ihre Nachkommen kontaktiert, um Bücher zurückzugeben. Das Projekt wurde vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste gefördert.

Quellen:
- Akzessionsjournale der Universitätsbibliothek Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Donum, Tausch, Pflicht, 1940 ff. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:kobv:11-714803
- Akzessionsjournale der Universitätsbibliothek Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Zeitschriften 1940. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:kobv:11-749641
- Rudolf Hoecker an die Abteilung Volksbildung der Sowjetischen Militäradministration, 18.6.1946. SBB PK, Historische Akten, G I/A/10.
- [Johannes Asen: handschriftlicher Entwurf zum Verwaltungsbericht der Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin für das Haushaltsjahr 1940]. HU UA, Universitätsbibliothek.01, Nr. 0023.
- 14 Pułk Piechoty Ziemi Kujawskiej. Stand 5.11.2025.
- Cornelia Briel: Beschlagnahmt, erpresst, erbeutet. NS-Raubgut, Reichstauschstelle und Preußische Staatsbibliothek zwischen 1933 und 1945, Berlin: Akademie-Verlag 2013.
- Cornelia Briel: Raubgut aus Osteuropa in der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. Herkunft, Erwerbungszusammenhänge, unvollständige Rückgabe in den Nachkriegsjahren. In: Daniela Mathuber, Tilmann Tegeler (Hg.): Aktuelle Forschungen zum nationalsozialistischen Kulturgutraub im östlichen Europa, Berlin 2024, S. 125 – 144.
Verfasst von: Dr. Cornelia Briel
Gute Nachrichten für alle, die Räume für Gruppenarbeit suchen und verbindlich reservieren wollen. Unser Raumbuchungssystem BibRoomz wird erweitert! Nach erfolgreicher Pilotphase im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum und der Zweigbibliothek Campus Nord kommen nun die Zweigbibliothek Naturwissenschaften, die Zweigbibliothek Germanistik/Skandinavistik, die Zweigbibliothek Fremdsprachliche Philologien und die Zweigbibliothek Rechtswissenschaft hinzu.
Ab dem 24.03.2026 startet die Buchung über BibRoomz und ab dem 07.04.2026 erfolgt die Vergabe ausschließlich über BibRoomz. Die Buchung ist nur für HU-Angehörige, Studierende der Charité und registrierte Bibliotheksnutzer:innen mit Nachweis einer Behinderung möglich. Buchungen können bequem über https://bibroomz.ub.hu-berlin.de/ vorgenommen werden. Dort können Sie auch Ihre Belegung und Ihre Buchungskontingente einsehen. Haben Sie Fragen? Schauen Sie gerne in unsere FAQ oder kontaktieren Sie uns unter ub.bibroomz@ub.hu-berlin.de.
Verfasst von: Anja Müller
Es ist wieder soweit: Am Donnerstag, den 05.03.2026 findet die nächste „Lange Nacht der Hausarbeiten“ an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Von 17:00 – 22:00 Uhr wollen wir Sie mit Impulsvorträgen, Workshops, einer bewegten Pause sowie Raum zum Schreiben und Austauschen dabei unterstützen, Ihre Schreibprojekte zu realisieren.
In verschiedenen Kurzvorträgen erfahren Sie unter anderem, wie Sie ihr Thema eingrenzen und eine klare Forschungsfrage formulieren. Auch können Sie sich Tipps von unseren Recherche-Profis für eine effiziente Literatursuche in Fachdatenbanken oder zur Arbeit mit Literaturverwaltungsprogrammen wie Zotero und Co. holen. Darüber hinaus geben wir einen Einblick in KI-basierte Forschungsassistenten für die Literaturrecherche und die HU-eigenen KI-Tools. Ergänzt wird unser Programm durch einen Workshop vom KompetenzWERK des studierendenWERK BERLIN, in dem es um das wissenschaftliche Schreibjournal und dessen Möglichkeiten geht.
In diesem Jahr bieten wir auch wieder die Möglichkeit, im Rahmen einer SchreibZeit unter Verwendung der Pomodoro-Technik einige Stunden konzentriert am eigenen Schreibprojekt zu arbeiten und sich in den Pausen mit anderen Teilnehmenden auszutauschen.
Mit einer Tasse Kaffee und kleinen Snacks sorgen wir für das nötige Durchhaltevermögen und beantworten gerne Ihre Fragen.
Alle Veranstaltungen finden auf der Ostseite des Grimm-Zentrums im 1. Obergeschoss statt.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Weitere Informationen sowie das detaillierte Programm finden Sie auf unserer Webseite unter: https://link.ub.hu-berlin.de/lange-nacht
Wir freuen uns auf Sie!

Die Porträtsammlung der UB erhält mit der Darstellung des Theologieprofessors Dillmann einen Neuzugang als Geschenk. Die Schenkungsgeberin, die der Universitätsbibliothek ihr Fundstück dankenswerter Weise am 5. November diesen Jahresüberlassen hat, beschreibt die Zeichnung und ihre Geschichte.
Das Porträt, welchem folgende Überlegungen gewidmet werden, ist eine sorgfältige Bleistiftzeichnung auf weißem Papier und misst 14,5 x 20 cm. Es stellt einen jungen Mann in Halbfigur dar, Oberkörper bis zur Taille, gekleidet in Frack mit Weste und Halstuch über dem Hemd. Die dunklen, halblangen gewellten Haare sind auf seiner rechten Seite gescheitelt. Signiert, gleichfalls mit Bleistift, ist das Blatt links unten von J. Kull. Darunter steht eine handschriftliche Widmung, ebenfalls in Bleistift, aber verblasst und mit einem anderen Stift und anderem Schriftduktus als die Signatur des Künstlers:
Lapp seinem Dillman(n) zu tr. Erinnerung Tüb. 1845
„In des alten Bundes Schriften merke in der ersten Stell’
„Mose Josua und Richter Ruth und zwei von Samuel.“
(altdeutsche Poesie)
CfRv! (in Ligatur)
Der gereimte Zweizeiler ist offensichtlich eine ‚Eselsbrücke‘ – Pons Asini – für Studenten der Theologie, um sich die Reihenfolge der Bücher des Alten Testaments einzuprägen. Kleidung und Haartracht des Dargestellten passen zum Datum 1845. Über dem ‚n‘ im Namen von ‚Dillman(n)‘ ein Doppelungsstrich. Das Monogramm – aufzulösen als Circulus fratrum Regis vivat! – gehört zu der heute noch aktiven studentischen Verbindung „Königsgesellschaft Roigel“ in Tübingen. Die Jahreszahl – 1843, 1845 oder1848 – ist sehr verblasst und schwer lesbar, weitere Zahlen zum Vergleich sind nicht vorhanden.
Bei dem signierenden Künstler handelt es sich um Jakob (auch Jacob) Kull (1818 – 1880). Er war etwa ab 1841 als Zeichner und Lithograph in Tübingen tätig, wo er in der Hauptsache Porträts von Universitätsgelehrten und Studenten anfertigte, Brustbilder oder Halbfiguren, mit sorgfältig ausgearbeitetem Gesicht[i]. Kull befasste sich auch mit der Daguerreotypie, der um 1840 erfundenen Bildtechnik[ii]. Die mit dieser Technik geschaffenen Porträts waren naturgetreu, mehr als gezeichnete Miniaturen, und zudem Unikate. Die studentischen Verbindungen in Tübingen griffen diese neue Technik auf und legten Porträtgalerien an, zur Erinnerung, womit sie „…ortsansässige Zeichner und Lithographen wie Jacob Kull …“ beauftragten (Hesse 1989, S. 7). Ein beliebtes Schema waren eine sitzende Halbfigur oder Brustbilder, die sich auf das Gesicht konzentrierten. So wird für die Studentenverbindung Roigel ein Porträtalbum erwähnt, welches Johann Jacob Katz angelegt hatte (Hesse 1989, S. 23). In diesem Umfeld ist das vorliegende Porträt entstanden und zu betrachten.
Der Widmung zufolge ist hier Christian Friedrich August Dillmann dargestellt (* 25. April 1823 in Dillingen, Württemberg, † 4. Juli 1894 in Berlin), Theologe und Begründer der Äthiopistik[iii]. Dillmann studierte ab 1840 in Tübingen Theologie, Philosophie und Orientalistik. Er wurde am 22. Mai 1846 mit der Schrift „Der Märtyrerkampf des heiligen Georg, aus dem Äthiopischen übersetzt und erklärt“ und mit der Erlaubnis des Kanzlers Karl Georg Wächter zum Dr. phil. promoviert; seine Promotionsurkunde ist auf den 24. Mai 1846 datiert.[iv] Dillmann gehörte während seiner Studentenzeit in Tübingen der studentischen Verbindung „Königsgesellschaft Roigel“ an, deren Monogramm unter der Widmung steht. Der Stifter des Porträts, ‚Lapp‘, ist in dem Auswahlverzeichnis der Mitglieder[v] nicht zu identifizieren. Wahrscheinlich handelt es sich bei ‚Lapp‘ um einen Spitznamen, welcher in dieser Form nicht in den Verzeichnissen auftaucht. So berichtet M. Fischer[vi] in der Geschichte der Burschenschaft Roigel: „Nach einer anderen Richtung hin waren typische Repräsentanten des Roigels […] der schwäbisch gemütliche Köhler, vulgo Lapp (Pfarrer in Neuhausen, † 1886) […]“. Fischer setzte mehrfach den Spitznamen des jeweils Erwähnten mit dem Hinweis „vulgo“ hinter die Nennung des korrekten Namens. Der Familienname Köhler sowie der Ortsname Neuhausen sind sehr häufig. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um Ferdinand Köhler (* 17.11.1823, † 4.4.1886), welcher als Pfarrer in Neuhausen am Rheinfall (Schweiz) tätig war. Der Theologe Alfred Hegler[vii] aus Stuttgart, der auf Köhlers Beerdigung eine Rede hielt, war in seiner Studienzeit ebenfalls Mitglied der Königsgesellschaft[viii].
Während seines Studiums und seiner Mitgliedschaft in der Burschenschaft Roigel schloss sich Dillmann freundschaftlich an Carl Heinrich Weizsäcker[ix] (1822 – 1899) an, der gleichfalls Theologie studierte und Mitglied der Königsgesellschaft und später Universitätskanzler in Tübingen war. Nach seiner Promotion habilitierte sich Dillmann 1851 und nahm 1854 den Ruf an die Universität Kiel an. 1864 erfolgte der Ruf nach Gießen und 1869 der Ruf an die theologische Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin (heute Humboldt-Universität), wo er bis zu seinem Tod 1894 verblieb. Er hatte dort die Professur für Altes Testament und Orientalische Sprachen inne. Seine Stellung als Neubegründer der äthiopischen Philologie trug weiter zu seiner Bedeutung bei. Sein Grab auf dem Alten St. Matthäus-Friedhof in Tempelhof-Schöneberg ist nicht mehr nachweisbar.
Dillmann heiratete 1856 Mathilde Leo. Das Paar hatte drei Töchter, von denen die älteste, Eugenie Dillmann (*1865 in Kiel, †1940 in Berlin), sich einen Namen als Malerin erwarb[x]; sie blieb unverheiratet. Über ihre Schwestern, Julie und Elisabeth, ist nichts weiter bekannt. Es ist anzunehmen, dass sie heirateten und damit ihre Familiennamen und vielleicht auch den Wohnort änderten. Das kleine gezeichnete Porträt des Vaters verblieb wahrscheinlich bei Eugenie und mit ihr in Berlin und wurde bei ihrem Tod einem nahestehenden Menschen übergeben. Der weitere Weg ist nicht mehr nachvollziehbar, doch ist anzunehmen, dass der letzte Besitzer nicht lange vor 2009 verstarb. Die Wohnung wurde aufgelöst, das Porträt mit seinen schwer leserlichen Kritzeleien als wenig marktfähige Antiquität angesehen. Es wurde 2009 auf dem Flohmarkt erworben, wo es auf dem OBI-Parkplatz in der Goertzallee in einer Bananenkiste angeboten wurde.

Bildnachweis: Yong-Mi Rauch
Verfasserin: Antje Krug
Die Porträtsammlung Berliner Hochschullehrender wurde als eine der ersten Sammlungen der Universität überhaupt angelegt. Der Bildbestand reicht vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart und ist für Publikationen gefragt. Zudem wird er für wissenschaftshistorische Recherchen und in Seminaren eingesetzt. Ein Großteil besteht in Fotografien. Der Bildbestand wächst kontinuierlich an, sowohl durch Anfragen an Mitglieder der Universität als auch durch Übernahmen historischer Bildbestände. Aufgearbeitet wird beispielsweise derzeit der historische Porträtbestand aus dem Institut für Geographie. Der digitalisierte Bestand ist im Sammlungsportal der UB zugänglich. Der Gesamtbestand kann im Discovery System Primus recherchiert werden.
[i] Nach Wikipedia s.v. Jacob Kull, Stand Januar 2019.
[ii] W. Hesse, Ansichten aus Schwaben. Kunst, Land und Leute in Aufnahmen der ersten Tübinger Lichtbildner u. des Fotografen Paul Sinner (1838-1925) (Tübingen 1989).
[iii] Neue Deutsche Biographie 3 (Berlin 1973) s.v. Christian Friedrich August Dillmann, S. 721-722 (E. Littmann). – Wikipedia s.v. Dillmann. – Homepage der Studentenverbindung Roigel.
[iv] Archivar Stefan Fink M.A. vom Universitätsarchiv Tübingen ist sehr zu danken für seine Recherche und Auskünfte, Promotionsvorgang UAT 55/22b,3, Doktordiplom UAT 132/6-1846,9.
[v] Willy Nolte (Hrsg.), Burschenschafter-Stammrolle, Verzeichnis d. Mitglieder Sommersemester 1934 (Berlin 1934) 1098-1099.
[vi] Geschichte des Roigels 1838/1938 (Urach 1938) 37-38.
[vii] Neue Deutsche Biographie 8 (Berlin 1969) s.v. Alfred Wilhelm Hegler, S. 233-234 (E. Beyreuther).
[viii] Swisscollections s.v. Köhler, Zur Erinnerung an Ferdinand Köhler, Pfarrer in Neuhausen.
[ix] M. Wein, Die Weizsäckers (Stuttgart 1988) 26-74. Erst dessen Sohn Karl Hugo Weizsäcker erhielt 1896 den persönlichen Adel und die Familie 1916 den erblichen Freiherrenstand, Wikipedia s.v. Carl Friedrich von Weizsäcker.
[x] Thieme – Becker, Allgemeines Künstlerlexikon Bd. 9 (Leipzig 1913) 299 s.v. Eugenie Dillmann. – H. Vollmer, Allgemeines Lexikon d. bildenden Künstler Bd. 1 (Leipzig 1953) 567 s.v. Eugenie Dillmann.
Wir wünschen Ihnen eine fröhliche Weihnachtszeit und alles Gute für das neue Jahr.
Zum Jahrausklang möchten wir an der Universitätsbibliothek gerne nochmal zurückblicken:
Zu den Highlights 2025 zählt vor allem unser lang ersehntes neues Raumbuchungstool BibRoomz, mit dem unsere Räumlichkeiten jetzt endlich bequem digital buchbar sind. Vorerst gibt es den Service nur an den Standorten Grimm-Zentrum und Campus Nord, er soll aber sukzessive auf die anderen UB-Standorte ausgeweitet werden.
Neu sind zudem verschiedene Entspannungsorte an der UB: Im Grimm-Zentrum lädt die Biblounge zum Chillen, Spielen und Abschalten ein. Wer mag, kann dort natürlich auch in Gruppen arbeiten. Am Campus Nord gibt es nun eine ausgewiesene Nap-Zone für einen Power-Nap zwischendurch sowie eine überdachte Gartenlounge zum Arbeiten oder Pausieren im Grünen. In der Zweigbibliothek Naturwissenschaften lädt die Leselounge mit bequemen Sesseln und einem gemütlichen Sitzsack zum Entspannen ein. Während der Sommermonate kann man jetzt in der Zweigbibliothek Musikwissenschaft Kraft und frische Luft auf der Dachterrasse tanken.
Um Ihnen den Arbeitsalltag bei uns an der UB zu erleichtern, bieten wir jetzt neben schon länger etablierten Gerätschaften wie iPads und Konferenzkameras zusätzlich Laptopständer, Tastaturen, Mäuse, HDMI-Kabel und USB-C-Kabel für die Tagesausleihe an. Auch dieses Angebot wird sukzessive ausgebaut und kann von Standort zu Standort variieren. In Kürze wird diese Sammlung technischer Arbeitsutensilien als „Primus der Dinge“ über unser Suchportal Primus recherchierbar sein.
Über alle neuen Services und vieles mehr informieren wir laufend auf unseren Social-Media-Kanälen. Seit 2025 sind wir nun auch bei Instagram und LinkedIn aktiv. Wir freuen uns bei Instagram über mittlerweile fast 950 Follower:innen.
Neben diesen positiven Entwicklungen möchten wir aber nicht verhehlen, dass die vom Senat vorgegebenen Sparmaßnahmen uns zur Einschränkung, teils sogar zur Abschaffung bewährter Services zwingen: So muss die Kompetenzwerkstatt Digital Humanities (KDH) ihre Arbeit leider auf unbestimmte Zeit aussetzen. Unsere gerade erst aufgenommenen Angebote zur Schreibberatung (Workshops und Offener Schreibtreff), die auf sehr positive Resonanz stießen, müssen wir ebenfalls wieder auf Eis legen. Sehr bedauerlich ist zudem, dass wir im Grimm-Zentrum die Angebote zur Informationskompetenzvermittlung für Schülerinnen und Schüler vorerst nicht mehr anbieten können.
All diese Einschnitte sind nicht zuletzt auch für uns sehr schmerzhaft. Wir hoffen auf und arbeiten für positivere Entwicklungen im neuen Jahr, denn wir wissen: Auch in schwierigen Zeiten gibt es Raum für Innovation und Fortschritt.
Daher freuen wir uns besonders über die positive Resonanz auf unsere neuen Angebote – und bleiben motiviert, auch in herausfordernden Situationen stets kreative Lösungen zu finden.
Bitte beachten Sie unsere geänderten Öffnungszeiten zum Jahreswechsel sowie unsere Informationen zu unseren Bereitstellungen während der Feiertage.
Frohe Feiertage wünscht Ihre
Universitätsbibliothek

Abb.: Bernhard Ludewig, Gestaltung der Karte: Zeynep Sayman
Unter dem Titel UB2035 hat die Universitätsbibliothek (UB) eine Strategie für die nächsten zehn Jahre veröffentlicht. Darin steht, wie die Bibliothek in naher Zukunft aussehen soll und welche Schritte notwendig sind, um dieses Zielbild zu erreichen.
Lesen Sie gerne einmal rein. Zum Text der Strategie geht es hier.
Die Strategie macht noch einmal deutlich: Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die Bedarfe der Forschenden, Lehrenden und Studierenden der HU. Bereits während des Projekts zur Erarbeitung der Strategie hat die UB Forschende involviert, um herauszufinden, wie sie die Wissenschaftler:innen noch besser in ihrer Arbeit unterstützen kann. Auch viele Mitarbeitende der UB haben die Strategie mitentwickelt und in verschiedenen Workshops neue Formen der Zusammenarbeit ausprobiert.
Die Welt verändert sich rasant, und auch die Anforderungen an eine moderne UB wachsen stetig. Mit dem Strategieprojekt UB2035 hat sich die UB auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet und Schwerpunkte ihrer Arbeit für die kommenden Jahre festgelegt. „Unsere Strategie ist unser Kompass, der uns Orientierung dabei geben wird, wie wir unsere Aufgaben gewichten und Ressourcen angemessen verteilen“, so Martin Lee, der Direktor der UB.
In den nächsten Jahren geht es nun an die Bearbeitung der zehn strategischen Handlungsfelder.
Wer mehr über die Entstehung der Strategie erfahren möchte, findet Infos auf unserer Webseite.
Das diesjährige Motto „Wem gehört unser Wissen?“ wirft die Frage auf, wie Gemeinschaften – insbesondere in Wissenschaft und Bildung – in einer sich wandelnden Umgebung die Kontrolle über den Zugang zu und die Verantwortung für das von ihnen erzeugte Wissen zurückgewinnen können.
Das Thema regt zur Auseinandersetzung mit verschiedenen Aspekten des wissenschaftlichen Publizierens an: Wer hat Zugang zu Forschungsergebnissen? Wie und von wem wird Wissen produziert und verbreitet? Welche Strukturen fördern Offenheit und welche behindern sie?
Eine Übersicht über die angebotenen Veranstaltungen in Berlin und Brandenburg finden Sie auf dem Blog des Open Research Office Berlin.
Gerne berät das Open-Access-Team der UB – auch außerhalb der Open-Access-Woche – zu den verschiedenen Themen rund um das wissenschaftliche Publizieren und bietet Ihnen als Wissenschaftler:innen eine Vielzahl von Services an, wie
- die Unterstützung bei der Finanzierung von Open-Access-Publikationen über Publikationsfonds, sowie Sonderkonditionen bei zahlreichen Verlagen zur Übernahme von Open-Access-Publikationsgebühren
- die Möglichkeit zur Veröffentlichung wissenschaftlicher Publikationen aus HU-Forschung als Erst- oder Zweitveröffentlichung auf dem Open-Access-Publikationsserver EDOC.
Weitere Informationen zu Open-Access an der HU zu den vielfältigen Informations-, Finanzierungs- und Publikationsangeboten sowie Kontaktmöglichkeiten finden Sie unter: https://hu.berlin/open-access
Autor:in: Open-Access-Team der UB
Wir begrüßen alle neuen Studierenden an der Humboldt-Universität sehr herzlich zum Wintersemester 2025/26!
Der Semesterauftakt ist immer eine bunte und belebte Zeit – wir helfen mit dem idealen Einstieg in die Universitätsbibliothek als Ort zum Lernen, zum Aufenthalt zwischen Kursen und zum Austausch mit anderen während des Studiums!
…Aber wo fängt man an?
Um herauszufinden, welche Services die UB anbietet, empfehlen wir unser einstündiges Webinar „Rund um die Bib zum Studienstart“. Unsere gesamten Angebote rund um Studium und wissenschaftliches Arbeiten befinden sich auf unserer Website.
Eine Übersicht mit den wichtigsten Einstiegsinformationen zur Bibliotheksnutzung haben wir außerdem auf unserer Website zusammengestellt.
Noch mehr Fragen? Gar kein Problem – wir stehen immer als Ansprechpartner:innen zur Verfügung und beantworten gerne alle Anfragen rund um die Bibliotheksnutzung, Literaturrecherche, und vieles mehr.
Kontaktieren Sie uns gerne persönlich an unseren Servicetheken vor Ort, telefonisch – im Grimm-Zentrum übrigens auch von den Info-Punkten auf den Etagen 2 bis 5 aus – unter 2093 99370 oder auch per Mail an info@ub.hu-berlin.de.
Am „Dies academicus“ am 13.10.2025 sind wir übrigens auch dabei: Ab 14:00 Uhr sind wir vor und nach der Immatrikulationsfeier auf dem „Infomarkt“ im Schlüterhof des Humboldt Forums zu finden. Sprechen Sie uns einfach an!
Und im Zweifel? Einfach loslegen – am besten gleich einen unserer zehn Bibliotheksstandorte besuchen und die Arbeitsmöglichkeiten vor Ort erkunden. Es ist nie zu früh, einen Lieblingsplatz zu finden!
Last but not least gibt es noch das Willkommens-Video der HU zum Semesterstart – mit einer Gesamtschau der vielfältigen Beratungs- und Unterstützungsangebote an der HU, in der wir als UB natürlich auch vorkommen.
Wir wünschen einen erfolgreichen Semesterstart und freuen uns auf Ihren Besuch!
Ihre Universitätsbibliothek

Der Nachlass und die Bibliothek des Philosophen Wolfgang Heise werden im Lesesaal des Grimm-Zentrums anhaltend gefragt. Zum 8. Oktober 2025 erinnern wir an seinen hundertsten Geburtstag.
Wolfgang Heise begann 1946 sein Studium an der Humboldt-Universität, wo er später Professor für Philosophie wurde. Während der NS-Zeit hatte die Familie Heises vielfach unter den Repressionen des Regimes zu leiden, da seine Mutter jüdischer Abstammung war und Zwangsarbeit leisten musste und sein Vater als Kommunist unter Berufsverbot stand. Heise wurde 1944 zur Zwangsarbeit verpflichtet. Diese einschneidenden Erfahrungen waren für Heise Motivation, am gesellschaftlichen Aufbau in der DDR mitzuwirken. In seiner fortschreitenden universitären Laufbahn wurde er kurzzeitig Prorektor der Philosophischen Fakultät. Er verlor dieses Amt, als er für Robert Havemann eintrat. Im Folgenden wechselte er in den Fachbereich Ästhetik und Kulturtheorie.
Heise, der in einem zunehmend rigiden und destruktiven sozialen Umfeld seine wissenschaftliche und persönliche Integrität wahrte, wurde als Persönlichkeit hochgeachtet. Er war ein ungewöhnlicher Lehrer, dessen Vorlesungen sehr eindrucksvoll gewesen sein müssen und deren Einfluss bis heute nachwirkt. Zu seinem Umfeld und seinen Schülern gehören viele bekannte Persönlichkeiten wie Heiner Müller, Christa Wolf, Volker Braun, Rudolf Bahro, Wolf Biermann oder Roland Paris.
Sein Werk, das sich umfassend der historischen wie zeitgenössischen Ästhetik widmete, übt auf Forschende eine kaum verminderte Anziehungskraft aus, wozu nun das wissenschaftsgeschichtliche Interesse an seinem Wirken als mit bedeutendster Philosoph und Kulturhistoriker der DDR tritt.
Die Vorlesungen im Nachlass Wolfgang Heises werden nach und nach von Michael Schilar, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der BBAW und früherer Student Heises, ediert.
Seine im zeitgenössischen Kontext ungewöhnlich gut ausgestattete Studienbibliothek wurde von der Universität erworben und wird, wie auch sein Nachlass, weiterhin regelmäßig im Forschungslesesaal des Grimm-Zentrums genutzt.
Dr. Yong-Mi Rauch

Die Studienbibliothek Wolfgang Heises ist im Forschungslesesaal aufgestellt.
Foto: Yong-Mi Rauch
Buchkäufe, Schenkungen und Erwerbungen aus dem Büchertausch wurden in der Universitätsbibliothek akribisch in den Zugangsbüchern erfasst. Diese sogenannten Akzessionsjournale sind fast lückenlos erhalten und stellen eine wichtige Grundlage für die Provenienzermittlung dar. In ihnen wurden neben den Titeln auch die Lieferanten verzeichnet, wie Buchhandlungen, einliefernde Institutionen und Privatpersonen sowie die Partnereinrichtungen im Büchertausch. Bei manchen Einträgen fehlen jedoch diese Angaben, und an ihrer statt erscheint in der Lieferantenspalte „Herkunft unbekannt“ oder ähnliche Angaben. Dies kann ein Hinweis auf einen unrechtmäßigen Erwerb sein und somit zum Anlass für weitere Nachforschungen werden; weitaus öfter aber ist die Aussage „Herkunft unbekannt“ wohl Informationsverlusten in den Arbeitsabläufen geschuldet.
Bei den im folgenden vorgestellten Erwerbungen liegen die Umstände anders. Hier ist zu vermuten, dass die Schenkgeber ihrerseits Gründe hatten, ihre Namen nicht preiszugeben, dass sie jedoch daran interessiert waren, bestimmte Publikationen in einer öffentlichen Einrichtung wie der Universitätsbibliothek der Berliner Universität zu platzieren und so eventuell in deren Leserschaft wirksam zu werden.
Die Schrift Die Wahrheit über den Kampf um die Karls-Universität in Prag von Karol Domin, dem Rektor der tschechoslowakischen Prager Karlsuniversität, und dreier weiterer Autoren, steht in Zusammenhang mit dem seit 1918 virulenten Insignienstreit zwischen der tschechoslowakischen und der deutschen Universität in Prag. 1934 forderte die tschechoslowakische Universität von der deutschen die Herausgabe der Insignien (Gründungsurkunde, Amtskette und Szepter) als Bestätigung, dass sie die rechtmäßige Nachfolgerin der ursprünglichen, 1348 gegründeten Prager Universität sei. Herausgeber des Hefts mit dem eilenden schwertschwingenden Jüngling auf dem Umschlag – das Schwert trägt das Motto LEX CIVIUM DUX – war der Verein tschechoslowakischer Akademiker in Wien. Die Herkunft der Sendung ließ sich bis zu dem Wiener Postamt zurückverfolgen, wo sie von der Frankiermaschine mit dem Datum 29.3.1935 gestempelt worden war, weiter jedoch nicht. Der Eintrag vom 10. April 1935 in der Lieferantenspalte lautet folgerichtig: „Herkommen? Wien (s. Poststempel)“. Die Autoren und ihr Anliegen waren bekannt; wer die Sendung in Wien aufgegeben hatte, jedoch nicht ersichtlich.

Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten sahen ihre Parteigänger und Sympathisanten den Zeitpunkt gekommen, ihre Vorstellungen von Revanche und Annexion gegenüber den Nachbarstaaten kundzutun. Am 13. Juni 1933 verzeichnet das Akzessionsjournal Dona – Tausch eine Schrift mit dem Titel Speer-Ruf an Österreich. Darin fordert der Autor Helmuth Wolmes in altertümelnd gestelzter Rede – halb werbend, halb drohend – den „Anschluss“. Auf dem Umschlag seines sechzehnseitigen Appells steht vor mittelalterlicher Stadtkulisse ein jugendlicher Ordensritter, der traurig-entschlossen in die Ferne schaut.

Wer Wolmesʼ Schrift der Universitätsbibliothek zusandte, ob der Autor oder sein Verlag, die Danziger Verlagsgesellschaft von Paul Rosenberg, oder jemand anderes, lässt sich weder anhand des Akzessionsjournals noch der Akten der Universitätsbibliothek im Universitätsarchiv ermitteln. In der Lieferantenspalte vermerkt ein Fragezeichen, dass der Absender dieser Geschenkerwerbung den Eintragenden nicht bekannt war.

Die Universitätsbibliothek war indes nicht der einzige Adressat, an den Wolmesʼ Pamphlet verschickt wurde. Auch die Preußische Staatsbibliothek erhielt ein Exemplar des Speer-Rufs. Dieses wurde mit der Akzessionsnnummer D 1933.180 einige Tage zuvor, am 7. Juni 1933, im Akzessionsjournal Dona Deutsch verzeichnet. Auch hier war der Absender nicht bekannt. Die Kollegen in der Preußischen Staatsbibliothek beließen es bei der Aussage „eingesandt“ in ihrem Akzessionsjournal.

Ebenso wie in der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität ist auch in der Staatsbibliothek zu Berlin das entsprechende Exemplar noch vorhanden. Eine weitere, ebenfalls 1933 erschienene Schrift von Wolmes mit dem Titel Hammer-Wurf. Drei Freundesreden, welche nur die Preußische Staatsbibliothek besaß, ist im Katalog der Staatsbibliothek als Kriegsverlust angezeigt.
Mit einem zarten, mit spitzem Bleistift gesetzten Fragezeichen ist auch der Eintrag einer gänzlich anderen politischen Schrift versehen, der Anklage gegen die Ankläger. Die Widerlegung der geheimen Anklageschrift des Reichstagsbrand-Prozesses.


Die auf festem, nicht säurehaltigem Papier gedruckte Beweisführung war nach dem Beginn des Prozesses am 21. September 1933 erschienen, herausgegeben in Paris von der Komintern, der Kommunistischen Internationale. Am 29. November 1933 wurde der Titel mit einem „(F)“ für Fortsetzungswerk am Anfang der Zeile von der Universitätsbibliothek akzessioniert. Demzufolge erschien die Anklage gegen die Ankläger als die Fortsetzung der bereits vor Beginn des Prozesses – gleichfalls von der Komintern – herausgegebenen Streitschrift Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitlerterror.
Dieses sogenannte Braunbuch I ist indes im Akzessionsjournal Dona 1933 nicht nachweisbar. Bei dem in die Zeile gequetschten Verweis stellt sich die Frage, ob es den Eintragenden vorlag oder ob sie nur davon wussten, dass der Titel existierte. Jedenfalls weist der Eintrag vom 29. November 1933 am Ende der Zeile nur einen Band, also wohl das Braunbuch II, die Anklage gegen die Ankläger – und nicht zwei Bände – aus.
Das unter der Nummer D 1933.323 akzessionierte Exemplar mit der Signatur H 51815 Nachtr. befindet sich heute noch in der Universitätsbibliothek. Das Braunbuch I (Signatur H 51815) hingegen wurde im historischen Bandkatalog der Universitätsbibliothek bei einer Bestandsrevision (vermutlich 1949) als „Verlust“ vermerkt.


Den Autoren der Anklage gegen die Ankläger war die Anklageschrift als Photokopie zugespielt worden. Aufgrund der Rekonstruktion des Brandverlaufs bezweifeln sie in der „Widerlegung“, dass der beschuldigte Marinus van der Lubbe mit den von ihm benutzten Kohlenanzünder-Paketen einen derart verheerenden Brand überhaupt hätte auslösen können. Überdies heben sie hervor, dass Zeugenaussagen im Prozess unberücksichtigt blieben und dass einige Zeugen gar nicht erst vorgeladen wurden. Und sie verweisen auf jene Aussagen, die die Aktivitäten im Verbindungsgang (Heizungstunnel) zwischen dem Palais des Reichstagspräsidenten (Hermann Göring) und dem Reichstagsgebäude mehrere Tage zuvor betrafen und denen nicht nachgegangen wurde. Zweck ihrer Schrift war es dabei, die Anschuldigungen gegen die kommunistischen Funktionäre, den Deutschen Ernst Torgler und die drei Bulgaren Georgi Dimitrow, Blagoi Popow und Wassil Tanew, zu entkräften und van der Lubbe als Werkzeug der Nationalsozialisten hinzustellen.
Darüber, wie die Anklage gegen die Ankläger in die Universitätsbibliothek lanciert wurde, kann nur spekuliert werden. In den frühen Jahren des NS-Regimes wurden in den öffentlichen Bereichen mehrfach als „Handzettel“ bezeichnete Schreiben politischen Inhalts aufgefunden. Die Schreiben selbst sind in den Akten des Universitätsarchivs nicht überliefert, doch zog ihr Fund aktenkundige Meldungen nach sich, aus denen hervorgeht, dass sie der Direktion übergeben und an die Geheime Staatspolizei weitergeleitet wurden.

Sollte die Anklage gegen die Ankläger auf ähnlichem Wege wie die Handzettel in die Bibliothek gelangt sein, ist sie offenkundig nicht der Gestapo überantwortet worden, sondern ging – ein gedrucktes Werk – als Geschenk in die Bibliothek ein. Doch versteht es sich bei der Brisanz ihres Inhalts von selbst, dass sie – wie die in # 2 Bücherwege abgebildete Broschüre Das Jungbanner – sekretiert, d. h. in einem gesonderten Raum im Gebäude der Bibliothek aufbewahrt und der allgemeinen Benutzung entzogen wurde.
Eine Schrift, die in ihrer Wirkung weniger spektakulär sein mochte als die Braunbücher und deren Sekretierung offenbar nicht für nötig befunden wurde, ist die von Peter Bockemühl herausgegebene Materialsammlung Eine Stunde der Versuchung. Wohin gehören die Reformierten im gegenwärtigen Kirchenkampf. Mit dem Kirchenkampf ist der Konflikt zwischen der Bekennenden Kirche und dem NS-Regime gemeint. Die Broschüre war Ende 1934 in Wuppertal erschienen und wurde am 17. Dezember 1934 im Akzessionsjournal verzeichnet (Akzessionsnummer D 1934.826, Signatur Cq 21446). Wer sie einlieferte, ist nicht bekannt. Jedoch erweckt der Eintrag „Ungenannter Geber“ in der Lieferantenspalte den Eindruck, dass die Eintragenden den Geber kannten. Er war eben kein Unbekannter, sondern ein ungenannt bleiben wollender Geber.
Die Materialsammlung enthält Auszüge aus Briefen, Gutachten, Gesetzestexten, Stellungnahmen zum „Kirchenkampf“, vornehmlich im Rheinland. Mit der Versuchung, von der Bockemühl im Titel spricht, ist das Angebot der Reichskirchenregierung gemeint, den Angehörigen der Reformierten Kirche in dem Fall Sonderrechte in der Union mit den lutherischen Christen einzuräumen, wenn sie sich von der Barmer Theologischen Erklärung (31. Mai 1934) lossagten und auf die Seite der regime-konformen Deutschen Christen wechselten. Der Autor Peter Bockemühl, Pfarrer in einer evangelisch-reformierten Gemeinde, gehörte selbst der Bekennenden Kirche an und war in den späteren dreißiger Jahren Repressionen ausgesetzt.


Unter D 1937.217 wurde am 10. September 1937 eine großformatige engbedruckte, einer Zeitung ähnelnde Druckschrift mit dem Titel The Modern Line of Attack on Women’s Civil Rights. An Examination of Confused Thinking eingetragen. Herausgeberin war die in London beheimatete Organisation The Open Door International for the Economic Emancipation of the Woman Worker. Der Text wurde im September 1937 in Druck gegeben. Er muss also bereits kurz nach dem Erscheinen in der Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin eingegangen sein. Die Lieferantenangabe lautet auch hier „Herk. unbekannt.“

In dem mit vielen Zitaten angereicherten Text setzen sich die Autorinnen mit verschiedenen, Arbeitnehmerinnenrechte betreffenden Resolutionen und Bulletins auseinander, beginnend mit der Resolution der Arbeitsorganisation des Völkerbunds vom Juni 1937. In ihrer streng juristischen, ja legalistischen Argumentation kritisieren sie, dass die Bestimmungen zu Schutzrechten für arbeitende Frauen, wie z. B. das Verbot der Nachtarbeit, sich nicht zu deren Vorteil auswirken, sondern vielmehr dazu führen, dass Frauen aus bestimmten Berufen und Arbeitsprozessen hinausgedrängt werden. Da Frauen, zumindest in den demokratisch verfassten Staaten, jedoch dieselben Bürgerrechte haben wie Männer, bewerten die Autorinnen diese Praxis nicht allein als paternalistische Bevormundung, sondern bezeichnen sie auch als rechtswidrig, wenn die verfassungsmäßig garantierte Gleichheit von Frauen und Männern vor dem Gesetz gelten soll.
Es gibt bislang keine Anhaltspunkte, durch wen und auf welchem Wege dieser stringente Beitrag zu grundsätzlichen arbeits- und menschenrechtlichen Fragen in die Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität kam. Da der Text – laut dem Karlsruher Virtuellen Katalog – in Deutschland nur noch in einer weiteren Bibliothek, der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, vorhanden ist, ist er als Rarum gekennzeichnet. Wäre er der Bibliothek direkt aus London zugesandt worden, so fände sich wahrscheinlich ein entsprechender Zusatz in der Lieferantenangabe. So fragt sich, ob ein Unbekannter oder eine Unbekannte persönliche Kontakte zu der Londoner Organisation hatte. Oder war der Text abgefangen und beschlagnahmt worden? Aber wäre er dann so schnell an die Universitätsbibliothek abgegeben worden, und wäre seine Herkunft dann mit „Herkunft unbekannt“ verschleiert worden? Auch wenn die Argumentation von The Open Door International hinsichtlich der fürsorglichen und entrechtenden Schutzbestimmungen für berufstätige Frauen auf die Mitarbeiterinnen der Universitätsbibliothek nicht zutraf, so befanden sie sich doch ebenfalls in einer gegenüber ihren männlichen Kollegen benachteiligten Stellung. Wie der Verwaltungsbericht der Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität festhält, hatte die Bibliothek am 31. März 1937 78 Beschäftigte. Davon waren 35 Frauen. Frauen arbeiteten als Garderoben- und Reinigungsfrauen. Es gab eine Büroangestellte. Die 19 Hilfsarbeiterstellen der Bibliothek waren 1937 ausschließlich mit Frauen besetzt. Diese Hilfsarbeiterinnen übten vielfach bibliothekarische Tätigkeiten aus. Bei den Bibliotheksbeamten waren Frauen indes unterrepräsentiert: Waren unter den zwölf Bibliotheksinspektoren immerhin noch sechs Frauen, so gab es unter den vier Bibliothekaren nur eine Frau, unter den vier Bibliotheksräten keine. Anhand der Verwaltungsberichte der Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität lässt sich überdies nachweisen, dass aufgrund der bis in die Weimarer Republik zurückgehenden Doppelverdiener-Regelung Frauen, wenn sie heirateten, aus dem Berufsleben ausschieden.
#Bücherwege – Die Universitätsbibliothek untersucht ihre zwischen 1933 und 1945 zugegangenen Bücher auf Erwerbungskontexte, die auf beschlagnahmte, geraubte und erpresste Bestände in der NS-Zeit hinweisen. Die Verdachtsmomente werden flächendeckend erfasst, indem die erhaltenen Originalbestände und Erwerbungsakten systematisch durchgesehen werden. Ziel ist es, unrechtmäßige Erwerbungen zu dokumentieren und an die Anspruchsberechtigten und ihre Nachkommen zurückzugeben. Das Projekt wird bis 2025 durchgeführt und vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste gefördert.

Quellen:
- Akzessionsjournale der Zentralen Universitätsbibliothek
- Akzessionsjournal der Preußischen Staatsbibliothek Dona Deutsch 1933 https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht?PPN=PPN1870610482&PHYSID=PHYS_0013&DMDID=DMDLOG_0001
- Bandkatalog der Universitätsbibliothek
- Universitätsarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin
- Verwaltungsberichte der Universitätsbibliothek 1933 bis 1940
- Schwarz, C. (2010). Dokumente zur Geschichte des bibliothekarischen Frauenberufs im wissenschaftlichen Bibliothekswesen Deutschlands. Schriftenreihe der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin, 5/1969, https://doi.org/10.18452/5024
Verfasst von: Dr. Cornelia Briel
