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Seltene Bücher aus dem Besitz der Brüder Grimm wiedergefunden

Bei den aufgetauchten Werken handelt sich um eine Ausgabe des satirischen Schelmenromans Simplicissimus von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (um 1622–1676) und die Unvorsichtige Heb-Amme (Leipzig 1715) von Johann Christoph Ettner (1654–1724)

In dieser Woche sind zwei seltene barocke Drucke aus dem Vorbesitz von Jacob und Wilhelm Grimm, welche seit 1945 als Verlust galten, an die Universitätsbibliothek zurückgekehrt. Sie gehören zu den kulturell wertvollen Beständen, die ab 1943 aus der Berliner Universität an Orte außerhalb Berlins verlagert wurden, um sie vor Bombenangriffen und Plünderungen in Sicherheit zu bringen. Etwa 20.000 Bände gingen jedoch nach Kriegsende verloren oder wurden zerstört.

Bei den aufgetauchten Werken handelt sich erstens um eine Ausgabe des satirischen Schelmenromans Simplicissimus von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (um 1622–1676), eines der erfolgreichsten Werke der Barockzeit überhaupt, in einer reich illustrierten Fassung von 1685.

Widmungsseite aus dem Simplicissimus/von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen mit Eigentumsstempel. Foto: Universitätsbibliothek der Humboldt Universität zu Berlin, Historische Sammlungen: Yo 82101.
Widmungsseite aus dem Simplicissimus/von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen mit Eigentumsstempel. Foto: Yong-Mi Rauch, Universitätsbibliothek der Humboldt Universität zu Berlin, Historische Sammlungen: Yo 82101.

Das zweite Werk, die Unvorsichtige Heb-Amme (Leipzig 1715) ist ebenfalls eine Besonderheit, nämlich ein medizinischer Lehrroman des Dichter-Arztes Johann Christoph Ettner (1654–1724), der detaillierte Einblicke in die medizinische, insbesondere die gynäkologische Praxis seiner Zeit gewährt. Beide Exemplare tragen zahlreiche handschriftliche Anmerkungen ihrer Vorbesitzer

Pergamentbände wurden einem Münchener Auktionshaus angeboten

Die wegweisenden Gelehrten Jacob und Wilhelm Grimm waren kenntnisreiche Büchersammler, die in ihrer Privatbibliothek viele alte und seltene Ausgaben zusammentrugen. Dass sie auch intensiv mit ihren Büchern arbeiteten, zeigen die zahlreichen handschriftlichen Notizen und Vermerke, die oft direkt auf ihre Arbeitsvorhaben wie die Kinder- und Hausmärchen oder das Wörterbuch der deutschen Sprache hinweisen. Durch diese Arbeitsspuren ist die Grimm-Bibliothek eine wissenschaftliche Quelle ersten Ranges. 1865 wurde die Privatbibliothek vom Preußischen Staat erworben und zu großen Teilen der Berliner Universitätsbibliothek übergeben, wo heute noch über 6.000 Bände erhalten sind.

Über das Schicksal der beiden Grimm-Bücher seit ihrer Auslagerung in ein Salzbergwerk in Sachsen-Anhalt gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Offenbar wechselten die Pergamentbände aus dem späten 17. und frühen 18. Jh. mehrmals den Besitzer und wurden kürzlich einem Münchener Auktionshaus angeboten, welches die Universitätsbibliothek wegen eindeutiger Besitzkennzeichen wie Bibliothekssignatur und Eigentumsstempel kontaktierte.

Frühere Kriegsverluste aus öffentlichem Besitz erscheinen immer wieder im Antiquariatshandel. Aufgrund der rechtlichen Verjährungsfristen ist die Rückgabe häufig umstritten und erfordert umfassende Verhandlungen, die in diesem Fall zu einer Einigung führten.

Pressebilder

Für Ihre Berichterstattung stellen wir Ihnen zwei Bilder zum kostenfreien Download zur Verfügung. Bitte beachten Sie, dass der Abdruck dieser Bilder lediglich im Rahmen der aktuellen Berichterstattung und unter vollständiger Angabe des Copyrights gestattet ist.

Weitere Informationen

Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin

Wer waren Jacob und Wilhelm Grimm? – Wissenschaftler als Namensgeber des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum

Offizielle Pressemitteilung der HU

Kontakt

Dr. Yong-Mi Rauch
Humboldt-Universität zu Berlin
Leiterin der Historischen Sammlungen

Tel.: 030 2093-99280
yong-mi.rauch@ub.hu-berlin.de

Keep rolling, rolling, rolling – in Adlershof….!

Nichts für daheim: zu schwer, zu teuer und zu klobig. Aber für uns goldrichtig, um Platz zu sparen: rollende Regale. Die meisten unserer Bücher im Außenmagazin lagern in sogenannten Kompaktanlagen. Das sind rollende Bücherregale, die man zusammenschieben kann. Statt der üblichen Platzverschwendung – Regal / Freiraum / Regal / Freiraum / Regal… – sparen wir immensen Platz im Magazin. Erst wenn man ein Buch benötigt, wird der entsprechende Gang „aufgekurbelt“.

 

             Adlershof Umzugsbeginn 066

 

Nur mit intelligenten technischen Helferlein wie jenen Kompaktanlagen können wir die wachsende Masse der gedruckten Forschungsergebnisse mittel- und langfristig bewältigen, sie platzsparend aufbewahren und für Sie – wenn gewünscht – jederzeit zur Verfügung stellen.

 

Kompaktanlage
Hier gerade im Aufbau befindlich – der Unterbau einer solchen Kompaktanlage in Adlershof

 

Fotos: Jürgen Polinske/ Sabine Kunze

 

25. Februar 2015 | Veröffentlicht von Birgit Stumm | Kein Kommentar »
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Sind Sie nicht gerade erst umgezogen? Das Grimm-Zentrum steht doch erst seit fünf Jahren!

Ja, fragt sich der eine oder die andere vielleicht: Das Grimm-Zentrum steht doch erst seit fünf Jahren, müssen da wirklich jetzt schon wieder Bücher ins Außenmagazin verlagert und andere gerückt werden? Fahren die Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Grimm-Zentrum denn so „auf Sicht“, hätte man nicht von vornherein mehr Zuwachs einberechnen können? „Das war doch wohl klar, dass Sie nach ein paar Jahren neuerlich an die Grenzen kommen würden, da sorgt man doch bitteschön vor und baut sich so eine Bibliothek bzw. Zuwachsflächen gleich für 20 oder 30 Jahre im Voraus!“

Ja, das wäre vernünftig, aber um es auf den Punkt zu bringen: Auch wir drucken das Geld nicht selbst. Wir erhalten unsere Mittelzuweisung durch unseren Unterhaltsträger, das Land Berlin. Und nicht allein in Berlin, sondern überall im Bibliothekswesen finanziert kein Forschungs- oder Kultursenator Bibliotheksgebäude, Depots und Magazine, die auf Jahre und Jahrzehnte hinaus erst einmal leer stehen. Denn auch Flächen oder Lagergebäude, die leer stehen, verursachen Kosten, und keine ganz geringen: für Reinigung und Instandhaltung, für Klimatisierung und Bewachung. Mehr als fünf Jahre im Voraus wird kaum einer Bibliothek jemals irgendwo zugestanden.

Diese fünf Jahre sind nun um, die freien Regalmeter im Grimm-Zentrum und in den anderen Zweigbibliotheken werden immer knapper. Man mag das alles für eine Milchmädchenrechnung halten, für eine kurzsichtige und auch in Frage zu stellende Politik, aber aktuell sind die Dinge halt so. Und für uns Bibliothekarinnen und Bibliothekare sieht die Sache ohnehin ein wenig anders aus: Wir setzen uns ein für unsere bzw. Ihre Belange und sind erfreut und dankbar für das, was man uns zugesteht. Zunächst mal also für das neue Außenmagazin in Adlershof (auch wenn wir in der Tat jetzt schon wissen, dass das neue Depot bereits bei Einzug fast voll ist ;-)…) und für die Tatsache, dass wir als UB für Forschung und Lehre jährlich über 80.000 Bücher kaufen können. Nur wer keinen Zuwachs an Büchern verzeichnen kann, braucht nicht umzuziehen. Wäre das nicht ungleich trauriger? Also, Kopf hoch!

3. Februar 2015 | Veröffentlicht von Birgit Stumm | Kein Kommentar »
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