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Originaldokument von Karl Marx wieder im Universitätsarchiv

Karl Marx gehört zweifellos zu den berühmtesten Studenten der Berliner Universität. Sein Studium der Jurisprudenz trat er 1836 an und besuchte acht Semester lang die Alma Mater Berolinensis, bevor er am 30. März 1841 sein Abgangszeugnis erhielt.

Dieses Zeugnis, zusammen mit weiteren Studienunterlagen, befand sich an der Humboldt-Universität zu Berlin, bevor 1952 die Originale auf Veranlassung des Rektors Friedrich dem Marx-Engels-Lenin-Institut (später Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED) in Berlin übergeben wurden. Zehn Jahre später kam das Konvolut zurück, die Originale waren durch Faksimiles ersetzt worden und befanden sich nunmehr im Besitz des 1963 gegründeten Zentralen Parteiarchivs. Das Institut war unter anderem für die historisch-kritische Herausgabe des Marx-Engels-Gesamtwerkes zuständig, das Archiv sammelte zahlreiche Memorabilien, die mit seinen Namensgebern und der Arbeiterbewegung allgemein in Verbindung standen, und verwaltete sie bis zur Auflösung nach 1989. Danach wanderten die Unterlagen ins zuständige Bundesarchiv (Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR), wo sie sich bis vor wenigen Wochen befanden.

Schon damals bedeutete die Herauslösung der Marx’schen Dokumente aus einem fadengehefteten Konvolut des Universitätsarchivs einen Bruch der archivischen Grundsätze. Nach 66 Jahren konnte dieser Bruch wieder behoben werden. Das restaurierte Abgangszeugnis ist aus dem Bundesarchiv ins Archiv der HU zurückgekehrt und gibt Auskunft über Karl Marx und seine Studien an der Berliner Universität.

Marx‘ Erinnerungen an seine Berliner Zeit sind eher spärlich: nicht auf Jura habe er den Fokus seines Interesses gerichtet, obwohl er einige rechtswissenschaftliche Veranstaltungen besuchte, sondern vor allem auf Philosophie und Geschichte. Aus seinen Studienunterlagen geht der Besuch vereinzelter Vorlesungen hervor – unter anderem zur Logik oder zur Allgemeinen Geographie -, doch muss sein Philosophie-Studium vorwiegend ein Selbststudium gewesen sein. Die Testate seiner Universitätsbesuche bescheinigten ihm größtenteils eine regelmäßige Teilnahme bzw. Belegung von Vorlesungsreihen. Lediglich bei Juristen mit stark rechtsphilosophischer Ausrichtung, Eduard Gans und Georg Andreas Gabler, erhielt er eine „vorzüglich fleißige“ bzw. „ausgezeichnet fleißige“ Teilnahme bestätigt.

Zwar waren diese Informationen bereits den Faksimiles zu entnehmen, doch können Kopien die Originale nicht ersetzen. Und es ist erfreulich, dass die Dokumentation des Studiums eines der bekanntesten deutschen Philosophen nun wieder dort aufbewahrt wird, wo sie hingehört.

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/das-zeugnis-des-karl-marx-auf-der-suche-nach-den-wurzeln-des-revoluzzertums-31229196
http://www.fr.de/kultur/karl-marx-in-disziplinarischer-hinsicht-nichts-besonders-nachtheiliges-a-1579207
https://www.kulturradio.de/programm/schema/sendungen/kulturradio_am_vormittag/archiv/20180907_0905/wissen_0910.html

Kontakt:

Dr. Aleksandra Pawliczek

Humboldt-Universität zu Berlin

– Universitätsarchiv –

Tel. +49(0)30-2093 99747

 

Universitätsarchiv

Wagner-Régeny-Str. 5

12489 Berlin

archiv@ub.hu-berlin.de

19. September 2018 | Veröffentlicht von Ulrike Schenk | Kein Kommentar »
Veröffentlicht unter Allgemein, Universitätsarchiv

Hochschulschriftensammmlung der UB der HU jetzt in großen Teilen online zu recherchieren

Hochschulschriftensammlung der UB – jetzt zu einem großen Teil online zu recherchieren

Die Universitätsbibliothek (UB) der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Hochschulschriften, beginnend mit dem 16. Jhd. bis 1998. Nun ist ein großer Teil dieser Sammlung das erste Mal online in Primus nachgewiesen und bestellbar.

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Dissertation aus der Sammlung

Hintergrund: Gegen Ende des zweiten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts entstand der Akademische Austauschverein, dem die Berliner Universität und ihre Bibliotheken angehörten, und der Tauschbeziehungen begründete, die bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts für die Erwerbung von Hochschulschriften von großer Bedeutung blieben. Pflichtexemplarregelungen zugunsten der Berliner Universität kamen später hinzu: 1838 für alle preußischen Schul- und Universitätsschriften, 1885 für alle deutschen Hochschulschriften. Aus diesen Quellen speiste sich die Sammlung, zu der neben Dissertationen, Habilitationsschriften und Schulprogrammen auch Rektoratsreden und andere akademische Gelegenheitsschriften zählen. Der Bestand beinhaltet nicht nur deutsche Hochschulschriften, sondern auch internationale Bestände aus z.B. Frankreich, den Niederlanden, den USA, der Schweiz sowie den skandinavischen Ländern.

Mit seinem Beschluss vom 15.9.1998 legte der Akademische Senat der HU fest, dass der „historisch gewachsene Bestand der Hochschulschriften der Universitätsbibliothek der HU ergänzt, bibliothekarisch und konservatorisch betreut sowie in den elektronischen Katalogen erschlossen und im Kooperativen Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) verzeichnet [werden soll].“[1] Gleichzeitig legte er fest, dass die deutschen Dissertationen inklusive des Promotionsjahres 1998 zur Sammlung gehören. Ab diesem Zeitpunkt sammelt die HU nur noch die eigenen Hochschulschriften als Pflichtexemplar.

Die Pflege und Erschließung ist nach wie vor eine große Aufgabe. Der weitaus größte Teil dieser Sammlung ist zwar formal erschlossen – Autor, Titel, Ort usw. sind also erfasst -, allerdings nicht mehr den heutigen Nutzungserwartungen gemäß zu finden, sondern nur über verschiedene Zettelkataloge. Hinzu kommt: Wie damals üblich und modern, wurden die Katalogisate nach den „Instruktionen für die alphabetischen Kataloge der preußischen Bibliotheken“ – kurz „Preußischen Instruktionen“ (PI) erstellt. Diese heute fremdartig wirkende Verzeichnung will die UB nach und nach in die Neuzeit übertragen.

Die Sammlung ist in drei Katalogen verzeichnet, die folgende Zeitabschnitte abdecken:

  • Teil 1 umfasst den Zeitraum von den Anfängen im 16. Jahrhundert bis 1816 (ca. 53.500 Katalogkarten)
  • Teil 2 umfasst den Zeitraum von 1817 bis 1907 (ca. 176.000 Katalogkarten)
  • Teil 3 umfasst den Zeitraum von 1908 bis 1974 (ca. 610.000 Katalogkarten)
  • Teil 4 umfasst die Bestände von 1975 bis 1998 und ist seit Jahren im Online-Katalog bzw. Primus zu finden

Alle drei Teile des Zettelkatalogs sind schon lange über Mikrofiche-Lesegeräte zu konsultieren. Aber die Erfahrung zeigt, dass nur Spezialisten und Ahnenforscher sich diese Art der Suche und Inanspruchnahme zumuten.

Nun ist in einem ersten Schritt der dritte und umfangreichste Teil von 1908 bis 1974 digitalisiert, mit Hilfe von Schrifterkennungssoftware (OCR) soweit es ging erschlossen und in unser PRIMUS-Suchsystem eingespielt worden. Ab sofort kann es also passieren, dass Sie bei Ihrer Recherche auf Hochschulschriften stoßen, die wenig bekannt und häufig auch falsch geschrieben sind. Ein besonders unschönes Beispiel sehen Sie hier:

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Trefferanzeige in Primus

 

Der Vergleich mit der Originalkatalogkarte zeigt die Schwächen der Schrifterkennungssoftware:

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Katalogkarte im Zettelkatalog

 

Die Problematik der Arbeit mit OCR-Software ist hier besonders eindrücklich – und vielleicht verständlich angesichts der vielen Unterstreichungen, farbigen Zusätze, Absätze und Klammern auf der Katalogkarte. Das ist aber überhaupt nicht die Regel. Häufig sind nur einzelne Buchstaben falsch erkannt und übertragen worden, so dass die Chance, den Titel zu finden, recht hoch ist. Wichtig aber bleibt: Der gefundene Titel sollte geprüft werden, indem man sich in Primus unter den „Details“ die digitalisierte Katalogkarte selbst einmal anschaut.

Die Bestellung solcher Bestände, die im Forschungslesesaal des Grimm-Zentrums bereitgestellt werden, erfolgt dann nach dem üblichen Verfahren.

Ist eine solche Dissertation einmal gefunden und bestellt worden, wird sie nicht einfach zurückgestellt, sondern nach aktuellem Regelwerk im elektronischen Bibliothekskatalog erschlossen, so dass sie zukünftig schneller und zuverlässiger in Primus gefunden wird.

Wenn Sie Fragen zur Sammlung oder zum Sachverhalt haben, wenden Sie sich gerne an: christian.rueter@ub.hu-berlin.de

Und wen es interessiert, es gibt auch Literatur zum Thema:

  • Rudi Möbus, Der Bestand der Hochschulschriftensammlung der Universitätsbibliothek Berlin, in: Irmscher, Waltraud. Die Bestände der Universitätsbibliothek und ihrer Zweigstellen : Wissenschaftliches Kolloquium anläßlich des einhundertfünfzigjährigen Bestehens der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin am 20. Februar 1981; Diskussionsbeiträge. Hrsg. von Waltraud Irmscher, Berlin 1982 (Schriftenreihe der Universitätsbibliothek Berlin 40), S.71-74. (https://edoc.hu-berlin.de/bitstream/handle/18452/5713/40.pdf)
  • Rudi Möbus, Die Arbeit mit Hochschulschriften in der Universitätsbibliothek Berlin in Vergangenheit und Gegenwart, in: Beiträge zur Arbeit der Universitätsbibliothek in Vergangenheit und Gegenwart, Berlin 1980, S. 83-97
  • Erich Stietz, Die Schulprogrammsammlung in der Universitäts-Bibliothek Berlin, in: Aus der Arbeit der Universitätsbibliothek, Berlin 1971 (Schriftenreihe der Universitätsbibliothek Berlin 7), S. 23-33 (https://edoc.hu-berlin.de/handle/18452/5678)

 

[1] Siehe dazu das „Beschlussprotokoll der 90. Sitzung des Akademischen Senates (…) der Humboldt-Universität zu Berlin vom 15.9.1998“, TOP 5. Grundlage dafür ist die Beschlussvorlage Nr. 111/98. Zitat Seite 5.

3. September 2018 | Veröffentlicht von Christian Rueter | Kein Kommentar »
Veröffentlicht unter Allgemein

Hilfe für Bücherriesen

Die Universitätsbibliothek erhält Fördermittel zur Restaurierung von großformatigen Bild- und Tafelwerken

Großformatige Druckwerke und Bücher waren im 19. und frühen 20. Jh. wichtige Medien für die Vermittlung wissenschaftlicher Ergebnisse und zentral für die universitäre Lehre:  Durch große Bildtafeln wurden naturkundliches Wissen, Architekturpläne, Kunstwerke oder archäologische Funde anschaulich. Die oft monumentalen Werke, etwa große Mappen mit losen Tafeln oder gewichtige Bücher im Tischformat, sind in der Bibliothek Sorgenkinder – sie benötigen eine spezielle Lagerung, eigene große Leseplätze und können schlecht transportiert werden. Aufgrund der sperrigen Handhabung  und ihres Eigengewichts sind die Werke häufig stark beschädigt und ihre Erhaltung gefährdet.

Die Universitätsbibliothek führt ein Modellprojekt zur Erhaltung dieser besonderen Materialien durch und wird von der „Koordinierungsstelle für den Erhalt des schriftlichen Kulturguts (KEK)“ aus Mitteln der Bundesregierung und der Kulturstiftung der Länder gefördert.

Für viele Wissenschaften sind historische Tafelwerke auch heute eine wichtige Quelle, denn sie dokumentieren beispielsweise inzwischen verschwundene Kunstwerke oder zeigen, wie historische Orte – etwa das Hohenzollernschloß – ursprünglich ausgesehen haben.  Auch medien- und kulturgeschichtlich sind die Tafelwerke aufschlussreich, denn im 19. Jahrhundert entwickelte sich auf dem Gebiet der Fotografie eine Vielfalt von Druck- und Reproduktionstechniken, die bei  hochwertigen Bildtafeln zum Einsatz kamen. Im Mittelpunkt des Projekts stehen seltene Werke, die im Bezug zur Geschichte Berlins und Preußens stehen und deren kulturelle Identität dokumentieren –  etwa historische Gebäude oder die großen öffentlichen Kunstsammlungen.

Exemplarisch werden etwa zehn herausragende historische Objekte restauriert sowie die Lagerung der „Riesen“ neu geplant.  Auch erhalten 100 Objekte eine Verpackung aus speziellem Archivkarton, welche vor Staub und weiteren Schäden schützt. Bei den Arbeiten müssen mindestens zwei Personen zusammenarbeiten – alleine können viele Werke kaum bewegt werden. Die fachgerechte Restaurierung erfolgt durch externe Spezialisten. Der Modellcharakter des Projekts besteht darin, dass unterschiedliche Materialarten, z.B. gebundene, gefaltete oder lose Blätter, exemplarisch ausgewählt werden und die jeweils beste Lösung erarbeitet wird. Ein Workshop zum Abschluss des Projekts wird das Bibliothekspersonal auf den neuesten Wissensstand bringen, wie die Großformate  langfristig erhalten werden können.

Dr. Yong-Mi Rauch

© Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. Fotos: Yong-Mi Rauch

Kontakt

Frau Dr. Yong-Mi Rauch

Universitätsbibliothek

yong-mi.rauch@ub.hu-berlin.de

030-2093-99280

31. August 2018 | Veröffentlicht von Ulrike Schenk | Kein Kommentar »
Veröffentlicht unter Historische Sammlungen

110 Jahre Frauenstudium in Preußen – Listen der ersten Studentinnen werden mit Mitteln der KEK restauriert

HU-Archiv erhält 7.000 Euro Förderung für Restaurierung

Vor genau 110 Jahren wurden erste Frauen in Preußen offiziell zum Studium zugelassen. Die Zahl der immatrikulierten Studentinnen wuchs danach kontinuierlich an, besonders in den Jahren 1914-1918 nahm ihr prozentualer Anteil an der Gesamtzahl aller Studenten auffällig zu – zu der Zeit befanden sich viele männliche Kommilitonen an der Front.

Berlin war als Studienort damals schon sehr beliebt. Doch waren die ersten Studentinnen nicht die ersten Frauen, die in der deutschen Hauptstadt an Vorlesungen teilnehmen konnten. Bereits seit 1895 sind Listen der so genannten „Gasthörerinnen“ geführt worden, die in Ausnahmefällen und mit besonderem ministeriellem Dispens am akademischen Leben teilnehmen konnten und teilnahmen, um Lehrerinnen oder Ärztinnen zu werden.

Diese Listen sind erhalten geblieben und werden im Archiv der Humboldt-Universität aufbewahrt. Ihr Alter und auch die Benutzung haben an den wertvollen Dokumenten Spuren hinterlassen. Einige dieser Spuren, die das Material schädigen, können nun fachmännisch beseitigt werden, um die historischen Unterlagen zu schützen und ihre Aufbewahrung und Benutzung auch in Zukunft zu ermöglichen. Ein Projekt des Archivs wurde im Rahmen des Programms „Caring & Sharing“ der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts bewilligt, um die Restaurierung der 15 vorhandenen Bände durchzuführen.

Eine zeitnahe Digitalisierung und elektronische Verfügbarmachung der Dokumente ist im Anschluss geplant.

13. August 2018 | Veröffentlicht von Ulrike Schenk | Kein Kommentar »
Veröffentlicht unter Allgemein, Universitätsarchiv

Geschichte der Universität bis 1945 online recherchierbar – das Universitätsarchiv präsentiert seine Findbücher im Netz

Für Besucher von Archiven ist die Suche nach Dokumenten, die Auskunft zu wissenschaftlichen Fragen, Biographien und historischen Zusammenhängen geben, oft verschlungen und mit Hürden verbunden: In welchen Beständen und Kontexten befinden sich thematisch passende Stücke? Auskunft dazu geben die Findbücher, welche Archivarinnen und Archivare erarbeiten, wenn sie Bestände ordnen, bewerten und verzeichnen. Bislang waren diese Findbücher im Universitätsarchiv nur analog vor Ort am Standort Adlershof nutzbar; wer seinen Archivbesuch vorbereiten wollte, war auf eine individuelle Auskunft angewiesen.

Am Archiv der Berliner Universität, einer der wichtigsten Universitäten Preußens und Deutschlands, kommt niemand vorbei, der sich für die deutsche Bildungsgeschichte der letzten zwei Jahrhunderte interessiert. Geschichte von institutionellen und personellen Verknüpfungen, Unterlagen von Professoren und Nobelpreisträgern, von Studenten und Instituten liegen hier zur Einsicht bereit. Ob ein Besuch im Lesesaal des Archivs für die eigene Forschungsfrage lohnend ist, kann nun im Vorfeld am eigenen PC entschieden werden.

Seit kurzem  präsentiert das Archiv der HU die Verzeichnisse seiner Bestände bis 1945, die nahezu 2000 Regalmeter Akten umfassen, online unter www.archiv-hu-berlin.findbuch.net.

Diese Verzeichnisse, Findbücher genannt, ermöglichen den Zugang zu Informationen einzelner Aktenkonvolute und Dokumente und sind in ihrem Inhalt ebenso einmalig wie die Akten selbst. Findbücher werden nach Kontexten erstellt, von Archivarinnen und Archivaren, die jedes einzelne Konvolut in die Hand nehmen, um seinen Inhalt zu ermitteln, den kontextuellen Zusammenhang herzustellen, ihm einen Titel, eine Datierung und einen Inhaltsüberblick zuzuordnen. Da jede Akte unikal ist, d.h. nur in einem einzigen Exemplar existiert, kann bei der Abfassung eines Findbuchs nicht auf bereits existierende Daten zurückgegriffen werden. Die Grundlage der Ordnung bilden der chronologische und der administrative Zusammenhang, die sich aus der Entstehung der Akten in einzelnen Verwaltungseinheiten der Universität ergeben. Diese unterliegen Veränderungen, sie werden reformiert, umstrukturiert, neu definiert und neuem Personal zugeordnet. Auch diese Vorgänge fließen in die Findbücher des Archivs mit ein.

Denn historische Erkenntnisse erwachsen nicht zuletzt aus den Entscheidungszusammenhängen. Der Inhalt eines Dokuments ergibt oft erst Sinn, wenn man seine Provenienz erkennen kann: wenn nachvollziehbar wird, von wem es stammt, bei welchem Vorgang und mit welchem Ziel es entstanden ist. Darum werden im Archiv der Universität längst vergangene universitäre Strukturen rekonstruiert und verwaltet, die für das Verstehen ihrer Geschichte notwendig sind.

Die Unterlagen bis 1945 unterliegen keinen Schutzfristen mehr. Sie sind ins historische Gedächtnis der Universität übergegangen und für alle wissenschaftlich oder privat Interessierten einsehbar.

Die Findbücher sind frei im Internet über die Webseite des Universitätsarchivs zugänglich ­– für die Akteneinsicht gilt aber immer noch der herkömmliche analoge Weg, nämlich der Gang in den Lesesaal.

 

Kontakt:
Dr. Aleksandra Pawliczek
Leiterin des Archivs der Humboldt-Universität zu Berlin
Wagner-Régeny-Str. 5
12489 Berlin

Mail: archiv@ub.hu-berlin .de

Geöffnet:
Montag und Mittwoch von 9 bis 15 Uhr
Dienstag 11 bis 17 Uhr

5. Juli 2018 | Veröffentlicht von Ulrike Schenk | Kein Kommentar »
Veröffentlicht unter Universitätsarchiv

Rückgabe eines „Beutebuches“

Immer wieder tauchen in Bibliotheken Bücher auf, die anhand ihres Besitzstempels als „fremde“ Bücher identifiziert werden. Dies geschah vor einiger Zeit auch in der Nationalen Wissenschaftlichen Bibliothek in Tiflis: ein Band der schwedischen Zeitschrift „Ymer“ wurde entdeckt und anhand des Stempels „Geographisches Institut der Universität Berlin“ der Humboldt-Universität zu Berlin zugeordnet. Es gelangte nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion und kam so in den Besitz der Nationalen Wissenschaftlichen Bibliothek von Tiflis (Georgien).

In diesem speziellen Fall fand nun ein einzelner Band seinen Weg zurück in die ursprünglich besitzende Bibliothek, insgesamt wurden allerdings seit den Abkommen zur Rückgabe von „Beutebüchern“ 1993 über 76.000 Bücher aus Georgien zurück nach Deutschland gebracht, darunter auch viele Bände der „Fortschritte der Physik“, die 2008 der UB in feierlichem Rahmen übergeben wurden.

 

15. Mai 2018 | Veröffentlicht von Anja Herwig | Kein Kommentar »
Veröffentlicht unter Allgemein, Historische Sammlungen

Subito: kostenfreie Aufsatzlieferung innerhalb von drei Werktagen für HU-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter

Kennen Sie schon unser exklusives Angebot für HU-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter zur Aufsatzlieferung?

Wenn gewünschte Aufsätze aus Zeitschriften nicht bei uns an der UB der HU verfügbar sind, da wir keine Lizenz auf diese Zeitschrift besitzen bzw. sie nicht angeschafft haben, so haben Sie die Möglichkeit, auf Kosten der UB über den Dienstleister Subito verfügbare Zeitschriftenaufsätze innerhalb kürzester Zeit zu erhalten. In der Regel bekommen Sie die gewünschten Aufsätze noch am selben Tag, spätestens nach drei Werktagen.      

Was ist Subito?
Subito – Dokumente aus Bibliotheken e.V. ist ein Dokumentlieferservice wissenschaftlicher Bibliotheken aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und China. Aufsatzkopien aus über 1,5 Mio. Zeitschriften können hier bestellt werden. Subito ist ein kostenpflichtiges Angebot, für HU-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter werden die Kosten jedoch durch die UB übernommen.

Wie funktioniert es?
Sie müssen sich einmal bei uns an der UB über ein Formular registrieren, dann können Sie direkt bei Subito bestellen – über die Subkunden-Seite der HU. Weitere Informationen sowie das Registrierungsformular finden Sie unter: http://www.ub.hu-berlin.de/subito-hu-mitarbeiter

Für alle weiteren Fragen wenden Sie sich gerne an: fernleihe@ub.hu-berlin.de

 

 

 

 

 

Abb.: Subito

2. Mai 2018 | Veröffentlicht von Ulrike Schenk | Kein Kommentar »

DFG-Projekt zur langfristigen Sicherung digitaler wissenschaftlicher Veröffentlichungen

Digitale Daten und Veröffentlichungen sind für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler komfortabel und schnell verfügbar. Sie sind aber nur dann verlässlich nutzbar, wenn der Zugriff der Inhalte dauerhaft gesichert ist. Ausfälle von Verlagsservern oder das komplette Ausscheiden von Verlagen aus dem Markt können zum Beispiel diese Verlässlichkeit gefährden.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert darum 2018-2021 das Projekt „Nationales Hosting Elektronischer Ressourcen (NatHosting II)“, an dem auch die Humboldt-Universität beteiligt ist.

Um den Zugriff auf digitale wissenschaftlichen Inhalte, die von wissenschaftlichen Fachverlagen angeboten und zum Beispiel von den Bibliotheken lizenziert werden, störungsfrei sicherzustellen, ist eine deutschlandweit anwendbare Gesamtstrategie notwendig. Das DFG- Projekt NatHosting II stellt den dauerhaften und störungsfreien Zugriff auf lizenzierte, digitale Publikationen sicher – unabhängig von Verlagsplattformen. Sollte die Verlagsplattform ausfallen, springt über einen doppelten Boden („Hosting“) „NatHosting“ ein und ermöglicht den Zugriff.

In einer ersten Projektphase (2014 – 2016) wurde dafür bereits ein zweigleisiges Hosting-Konzept entwickelt. Es umfasst einerseits einen bundesweiten Konsortialvertrag mit dem Hosting-Anbieter Portico. Dieses soll nun mit einem zweiten System ergänzt werden, dem die an der Universität Stanford entwickelte Software LOCKSS zugrunde liegt. Nach der Bewilligung des Fortsetzungsantrags durch die DFG startet nun für den Zeitraum bis 2021 dessen inhaltliche und technische Realisierung sowie die Entwicklung einer Organisations- und Finanzierungsstruktur für den nachhaltigen Betrieb der Hosting-Lösung.

Projektpartner sind die Bayerische Staatsbibliothek, das FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur, die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft sowie die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin und die Universitätsbibliothek der FAU Erlangen-Nürnberg.

Ansprechpartner an der HU für das Projekt:

  • Prof. Michael Seadle, PhD; Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft
    seadle@hu-berlin.de
  • Prof. Dr. Andreas Degkwitz, Direktor der Universitätsbibliothek
    andreas.degkwitz@ub.hu-berlin.de

 

Nationales Hosting elektronischer Ressourcen
Hosting-Anbieter Portico
Software LOCKSS

27. April 2018 | Veröffentlicht von Ulrike Schenk | Kein Kommentar »
Veröffentlicht unter Allgemein

Herzlich willkommen zum Sommersemester 2018!

Wir begrüßen alle, die zum Sommersemester neu an der Humboldt-Universität zu Berlin sind, ganz herzlich.

Die Bibliothek bietet Ihnen an verschiedenen Standorten ein umfangreiches Angebot an Führungen und Schulungen, um sich mit den Örtlichkeiten und den Nutzungsmodalitäten vertraut zu machen.

Neu ist unser zweistündiges Angebot „UB kompakt“, das sowohl eine Führung durch das Grimm-Zentrum als auch eine Einführung in die Literaturrecherche umfasst.  Falls Sie nur etwa 30-40 Minuten investieren möchten, können Sie gerne unsere Primus-Kurzeinführung an den Standorten Grimm-Zentrum und Campus Nord besuchen. Und natürlich bieten wir zum Semesterauftakt auch verstärkt ca. einstündige Führungen an den einzelnen Standorten an.

Nicht zuletzt umfasst unser Schulungsangebot auch die Einführung in Datenbankrecherchen und in die Literaturverwaltungsprogramme Citavi, EndNote und Mendeley. Für Citavi und EndNote erhalten Sie als HU-Angehörige kostenlose Campus-Lizenzen.

Auf unserer Website finden Sie die wichtigsten Informationen für Ihren ersten Bibliotheksbesuch.

Falls Sie Fragen haben, kontaktieren Sie uns gerne persönlich an den Auskunftstheken, per Mail (info@ub.hu-berlin.de) oder telefonisch (2093-99370 / -99371). Die Auskunfts- und Servicetheken im Grimm-Zentrum sind regulär von Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr besetzt sowie samstags von 10 bis 18 Uhr. Bitte informieren Sie sich an den jeweiligen Standorten über die dort geltenden Öffnungs- und Servicezeiten.

Ihnen allen einen guten Semesterstart!

Ihre Universitätsbibliothek

13. April 2018 | Veröffentlicht von Ulrike Schenk | Kein Kommentar »

„Weniger ist mehr“ und „Je mehr, desto besser“ – Ergebnisse unserer Umfrage zu Suchportalen

Erinnern Sie sich noch an unseren Aufruf vom Sommer 2017, an unserer Umfrage zu den Anforderungen an ein bibliothekarisches Suchportal mitzuwirken? Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, ca. 30-40 Interviews mit Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Professorinnen und Professoren zu führen. Daraufhin meldeten sich 37 Personen aus den verschiedensten Fachbereichen, mit denen wir von Juli bis Oktober ca. einstündige Gespräche zu ihren persönlichen Nutzungsgewohnheiten und Bedarfen führten. In den Gesprächen stellten wir zunächst zwei offene Fragen nach den Anforderungen an die Inhalte und Medienarten einerseits und an die Such- und Weiterverarbeitungsmöglichkeiten andererseits. Anschließend legten wir den Interviewpartner/innen einen strukturierten Fragebogen mit skalierten Antwortmöglichkeiten vor. Diese Fragebögen werteten wir statistisch mit Excel aus, während wir aus den Antworten auf die freien Fragen in einem mehrstufigen Verfahren die wesentlichen Kernaussagen herausdestillierten. Die wesentlichen Ergebnisse möchten wir Ihnen an dieser Stelle präsentieren.

Sehr deutlich wurde, dass es eine große Spannbreite der Nutzungsszenarien gibt. Während manche sich möglichst schnell und präzise lediglich über die Verfügbarkeit eines bestimmten Buches oder Artikels informieren möchten, nutzen andere ein Suchportal auch für thematische Entdeckungen und wünschen sich daher ein breites inhaltliches und mediales Ergebnisspektrum.

Wenig überraschend besteht der kleinste gemeinsame Nenner darin, dass ein Suchportal die Funktion eines klassischen Bibliothekskatalogs haben, also zunächst einmal den gesamten gedruckten und elektronischen Bestand an Büchern und Zeitschriften verzeichnen sollte. Ebenso hoch fiel die Zustimmung zum Nachweis elektronischer Artikel aus. Stärker auseinander gingen die Meinungen bei der Frage, ob auch AV-Medien, Inhalte von Fachdatenbanken und Forschungsdaten in einem Suchportal enthalten sein sollen. Stark befürwortet wurde der Nachweis von nicht an der Bibliothek vorhandener Literatur mit Fernleihoption. Damit einher ging der häufig geäußerte Wunsch, den Weg zur Fernleihe zu vereinfachen.

Beim Thema Gestaltung der Recherche zeigte sich, dass es den Befragten – entgegen aller Vorurteile gegenüber der Generation Google – wichtig ist, Suchen präzise durchführen zu können. Unsere Gesprächspartner/innen wünschten, bibliographische Kategorien festlegen, Suchfelder kombinieren oder den Suchraum durch formale Kriterien eingrenzen zu können. Als sehr wichtig wurden in diesem Zusammenhang auch die Angebote zum Filtern und Sortieren umfangreicher Ergebnislisten eingestuft. Positiv gesehen wurde die Einbindung von Inhaltsverzeichnissen und Abstracts.

Bezüglich der Ergebnisanzeige wünschten viele Befragte, schon in der Kurztrefferliste Informationen zur Verfügbarkeit vorzufinden. Die Veröffentlichungsform (Buch, Artikel, Rezension, etc.) soll schnell ersichtlich sein, z.B. über eindeutige sprechende Icons. Einen hohen Stellenwert hatte die rasche Orientierung für die Interviewpartner/innen auch bei der Anzeige der Einzeltreffer: rasche und präzise Informationen zum Standort und den Ausleihbedingungen bzw. der unmittelbare Zugriff auf Online-Ressourcen gehörten zu den am häufigsten genannten Aspekten. All dem liegt das Bedürfnis zugrunde, ohne Umwege zu übersichtlichen, relevanten Ergebnissen zu kommen. Dies implizierte durchaus eine Kritik an den aktuellen Möglichkeiten unseres Suchportals.

Gefragt nach der Relevanz angebundener Services, legten die Befragten fast einhellig großen Wert auf die Möglichkeit, Daten in Literaturverwaltungsprogramme zu exportieren. Die Optionen, Treffer in gewünschter Zitierform anzeigen zu lassen, Suchanfragen zu speichern und Ergebnislisten per Mail zu verschicken wurden ebenfalls weitgehend positiv bewertet.

Zu guter Letzt fragten wir danach, wie sehr erwartet wird, dass ein Nutzerkonto in das Suchportal eingebettet ist. Hierfür sprachen sich fast alle Befragten aus, ebenso für die Möglichkeit, persönliche Einstellungen vornehmen zu können (z.B. die Oberflächensprache des Portals festzulegen).

Zusammenfassend unterstützt die Umfrage unsere Einschätzung, dass eine leistungsfähige Portalsoftware für die Nutzung der Bibliotheksressourcen unverzichtbar ist. Als Herausforderung erwies sich, dass ein Suchportal ganz unterschiedlichen Bedürfnislagen gerecht werden muss. Seine Gestaltung ist daher eine Gratwanderung zwischen den Anforderungen nach Informationsfülle einerseits und Präzision andererseits. Daher sollten beispielsweise einfache, intuitive Möglichkeiten zum Ein- und Ausblenden gewünschter bzw. nicht gewünschter Inhalte und Funktionen zur Verfügung stehen. Nicht zuletzt zeigte sich, wie stark die Akzeptanz der Funktionalitäten eines Suchportals von dessen übersichtlichem Design abhängig ist. So wurden mehrfach Funktionen als Desiderate angemahnt, die in unserem Suchportal eigentlich bereits jetzt angeboten werden – allerdings offenbar zu versteckt.

Die gewonnenen Erkenntnisse werden in die weitere Gestaltung unseres Suchportals einfließen.

Wer mehr wissen möchte, findet unseren ausführlichen Projektbericht auf dem E-Doc-Server der HU.

23. März 2018 | Veröffentlicht von Ulrike Schenk | Kein Kommentar »
Veröffentlicht unter Nutzerumfrage, Primus, UB