Zum Ende des Sommersemesters und zum Auftakt der Hausarbeitenphase findet im Grimm-Zentrum am Donnerstag, den 09.07.2026 von 17-21 Uhr wieder ein Schreibabend statt.
Holen Sie sich Tipps zur Themeneingrenzung, zur Literaturrecherche mit professionellen Recherche-Tools und zum Auffinden Ihrer benötigten Quellen. Zudem stellen wir Ihnen Literaturverwaltungsprogramme und KI-Tools für die Literaturrecherche vor. Darüber hinaus erhalten Sie Hinweise zur Organisation des Schreibprozesses und zur Überwindung von Schreibblockaden. Parallel zum laufenden Programm können Sie im Rahmen der betreuten „Schreibzeit“ in Ruhe an Ihren Texten arbeiten.
Unter Anleitung einer Kollegin, die eine Zusatzausbildung als Yogalehrerin hat, bieten wir mit „Schreibtisch-Yoga für Schulter und Nacken“ eine kleine, aktive Pause an.
Natürlich gibt es bei einem Tässchen Kaffee und kleinen Snacks auch wieder die Möglichkeit zum Austausch.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Weitere Informationen sowie das detaillierte Programm finden Sie auch auf unserer Webseite unter: https://link.ub.hu-berlin.de/schreibabend-gz
Alle Veranstaltungen finden im PC-Saal auf der Ostseite des Grimm-Zentrums im 1. OG statt.
Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!
Die Bibliothek des Institutum Judaicum Berolinense gehört zu den Vorgängereinrichtungen der Zweigbibliothek Theologie an der Humboldt-Universität. Den folgenden Beitrag erarbeiteten die Studentinnen Lilly von Berg und Siya Aleksandrova Stoyanova im Rahmen eines Seminars am Institut für Kulturwissenschaft. Das Seminar fand im Wintersemester 2025/26 unter Leitung von Prof. Liliana Feierstein in Kooperation mit mehreren Einrichtungen statt, unter anderem mit dem Bereich Provenienzforschung der Universitätsbibliothek.
Geschichte des Institutum Judaicum
Die Geschichte des Institutum Judaicum beginnt in den 1880er Jahren. In dem Zeitraum entstanden im deutschsprachigen Raum an zahlreichen Universitäten sogenannte Instituta Judaica, deren Ziel es war, umfassende Kenntnisse über das Judentum zu erwerben, zu systematisieren und weiterzuvermitteln. Das Institutum Judaicum in Berlin wurde 1883 von Hermann Leberecht Strack gegründet und bestand, neben dem in Leipzig, als einziges über das Jahr 1900 hinaus fort. Während das Leipziger Institut 1935 aufgelöst wurde, existierte das Berliner Institut bis zum Jahr 1956.
In dem Leipziger Institut lag der Fokus auf der Ausbildung von Berufsmissionaren, während in dem Berliner Pendant die Ausrichtung auf der Vermittlung von Wissen über das Judentum lag, zugleich aber Verständnis für die Judenmission bestand. Die judenmissionarischen Ziele stießen außerhalb der involvierten Missionskreise auf keine Resonanz und wurden kritisch bewertet. Nach Stracks Tod wurde im Jahr 1923 die Judenmission im Institutum Judaicum aufgegeben.1
Hermann Leberecht Strack wurde am 6. Mai 1848 geboren, studierte in Berlin und Leipzig und promovierte 1872 zum Dr. phil. Daraufhin war er ein Jahr als Lehrer in Berlin tätig und unternahm 1876 eine Reise nach Russland, um hebräische Handschriften zu erforschen. Strack publizierte viel, und seine herausgegebenen Textausgaben wurden auch noch lange nach seinem Tod für das Studium der rabbinischen Literatur herangezogen.2

Stracks Tod am 5. November 1922 setzte nicht nur den Schlussstrich unter die judenmissionarische Ausrichtung, sondern markierte auch ein Ende einer beständigen Institutsleitung, die sich bis dato immerhin über die Hälfte des Bestehens des Instituts erstreckte. Die Leitung des Instituts wurde in den weiteren drei Jahrzehnten mehrfach neu besetzt und wird im Folgenden kurz umrissen:
Hugo Greßmann übernahm von 1923–1927 die kommissarische Leitung des Instituts; er setzte sich für eine geschichtlich-wissenschaftliche Betrachtungsweise des Judentums ein.3 Sein Spezialgebiet war der hellenistisch-römische Zeitraum des Judentums.4 Er starb im April 1927.
Ernst Sellin war 1927/28 der stellvertretende Direktor.
Joachim Jeremias war 1928/29 für ein Semester Direktor, bevor er nach Greifswald wechselte.
Alfred Bertholet erhielt in seiner Zeit als Direktor von 1929–1937 große Unterstützung durch den Privatdozenten Leonhard Rost.5
Johannes Hempel, im Amt von 1937–1945, war als Direktor an die nationalsozialistische Weltanschauung gebunden, mit entsprechenden Konsequenzen nach 1945.6 Es fanden während seiner Leitung keine Lehrveranstaltungen statt, und ab 1940 war Hempel als Kriegspfarrer im Einsatz.7 Sein Versuch, nach dem Krieg wieder in die Theologische Fakultät einzutreten, scheiterte an seiner “nach 1933 zunehmend engagierten Haltung im Sinne des Nationalsozialismus, die nicht verborgen bleiben konnte.”8
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges leitete Leonhard Rost von 1946–1956 das Institut.
Im Wintersemester 1936/37 wurde der Lehrbetrieb im Institut vorläufig beendet und nach dem Krieg mit der Neueröffnung 1946 wieder aufgenommen.
Zehn Jahre später wurde die Lehr- und Forschungseinrichtung Institutum Judaicum in Berlin allerdings nach 73 Jahren endgültig geschlossen und nach Rosts Weggang kein neuer Leiter mehr berufen.
Zu der Geschichte des Instituts wird nun schlussendlich ein Überblick über die Teilnehmerzahlen gegeben, wobei allerdings nur Aufzeichnungen für die Anfangsjahre und für den Zeitraum von 1928 bis 1936 existieren. In den ersten Jahren belief sich die Zahl der Teilnehmer auf um die 10 Personen, 1889/90 stieg die Zahl dann auf das Doppelte.10 Neben den Vorlesungen wurden Spezialseminare und Übungen angeboten, die zwischen 1929/30 und 1933 von bis zu 16 Personen besucht wurden, ansonsten nahmen durchschnittlich unter 10 Personen teil.11
Die Bibliothek
Die wissenschaftliche und kulturgeschichtliche Bedeutung der Bibliothek des Institutum Judaicum ist ebenso beachtlich. Die Bibliothek hat ihren eigenen Werdegang und ist heutzutage ein Teil der Zweigbibliothek Theologie der Humboldt-Universität zu Berlin.
Die Geschichte der Bibliothek des Berliner Institutum Judaicum beginnt mit der Gründung des Instituts im Jahr 1883 und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer bedeutenden Sammlung für nachbiblisches Judentum, rabbinische Texte sowie jüdische Literatur- und Kulturgeschichte sowie Missionsforschung. Besonders unter dem Begründer und erster Leiter des Instituts Hermann L. Strack wurde der Bestand kontinuierlich erweitert.12 Durch Schenkungen verschiedener Stiftungen sowie durch Stracks eigene Zuwendungen wuchs die Bibliothek so schnell, dass der ursprünglich vorgesehene Bücherschrank bald nicht mehr ausreichte.13 1918 übergab Strack schließlich seine komplette private Büchersammlung an die Theologische Fakultät, die dann den bedeutendsten Teil der Institutsbibliothek bildete.
Unter der Leitung von Hugo E. W. Greßmann ab 1923 erhielt die Bibliothek des Institutum Judaicum erneut einen Zuwachs.15 Greßmann erweiterte den Bestand auf rund 3.000 Bände. Zudem wurde nach seinem Tod auch seine Privatbibliothek für das Institut käuflich erworben.16 Im Jahr 1930 zog die Einrichtung in das Gebäude des Theologischen Seminars in die damalige Dorotheenstraße 3 (Abb. 2), die Bestände wurden neu aufgestellt und in einem Realkatalog neu erfasst.17

Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg hinterließen auch in der Bibliothek des Institutum Judaicum deutliche Spuren. Zum einen nahm der damalige Leiter Hempel einen Teil des Bestands „unter Verschluss”, da die Bücher nach seiner Einschätzung nicht mit der nationalsozialistischen Ideologie vereinbar waren.18 Zum anderen war die Stadt und somit die Bibliothek durch Bombenangriffe akut gefährdet. Die Bibliothek zog in dieser Zeit mehrmals um, teilweise wurde sie an ungeeigneten Orten untergebracht, was zu Schäden und Verlusten führte. Konkrete Angaben dazu fehlen jedoch. Nach dem Zweiten Weltkrieg lässt sich unter neuer Leitung erneut ein kontinuierliches Anwachsen des Bibliotheksbestands feststellen.19
Nach der Schließung des Instituts im Jahre 1956 war niemand mehr unmittelbar für die Bibliothek zuständig, sie wurde aber trotzdem aufgrund ihrer inhaltlichen Bedeutung weiter gepflegt.20 Mit der Hochschulreform in der DDR nach 1967 folgte eine Zentralisierung und Vereinheitlichung der Instituts- und Seminarbibliotheken und damit auch des Bestandes des Institutum Judaicum. Damals entstand die Zweigbibliothek Theologie, die organisatorisch zur Zentralen Universitätsbibliothek gehört.21
Heute befindet sich der Bestand als Sondersammlung in der Abteilung Judaica in der Zweigbibliothek Theologie der Humboldt-Universität in der Anna-Louisa-Karsch-Straße 1. (Abb. 3) Er umfasst rund 4.000 Bände mit Literatur zur Auslegung des Alten Testaments, zu Mischna und Talmud sowie zur jüdischen Geschichte, Kultur und Religion – und bewahrt damit ein wichtiges Erbe der wechselvollen Geschichte des Institutum Judaicum Berolinense.

Verfasst von Lilly von Berg & Siya Aleksandrova Stoyanova
Entstanden im Seminar „Bücher als Raubgut“ von Prof. Dr. Liliana Feierstein (Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin), 10.11.2025.
Literaturverzeichnis
1. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 17.
2. Ebd., S. 19–20.
3. Ebd., S. 97.
4. Ebd., S. 101.
5. Ebd., S. 109.
6. Ebd.
7. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 117.
8. Ebd.
9. Humboldt-Universität zu Berlin: An-Institute, Online: 15.04.2025. https://www.hu-berlin.de/de/forschung/exzellente-forschung/kooperationen/an-institute/an-institute. Letzter Zugriff: 10.11.2025.
10. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 76.
11. Golling, Ralf: Das ehemalige Institutum Judaicum in Berlin und seine Bibliothek. Schriftenreihe der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. Berlin, 1993, Nr. 57, S. 14.
12. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 123.
13. Ebd., S. 124.
14. Humboldt-Universität zu Berlin: Geschichte der Universitätsbibliothek. Online: 15.01.2023. https://www.ub.hu-berlin.de/de/ueber-uns/geschichte. Letzter Zugriff: 07.11.2025.
15. Freuling, Georg: Greßmann, Hugo. Online: 2009. http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/20120/Greßman. Letzter Zugriff: 08.11.2025.
16. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 125.
17. Ebd.
18. Hempel: Mitteilung an den Universitätskurator vom 4.11.1937 über die Sperrung von Büchern. In: Universitätsarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin. UK-Nr. 795/1, B1.44., zit. n. Golling, Ralf: Das ehemalige Institutum Judaicum in Berlin und seine Bibliothek. In: Schriftenreihe der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. Berlin, 1993, Nr. 57, S. 20.
19. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 128.
20. Institut Kirche und Judentum: Unsere Bibliothek. https://www.ikj-berlin.de/ueber-uns/unsere-bibliothek. Letzter Zugriff: 09.11.2025.
21. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 129.
Indien steht dieser Tage stark im Fokus. In Krisenzeiten und in Anbetracht globaler Zerwürfnisse, in denen alte Partnerschaften nicht mehr verlässlich erscheinen, blicken Deutschland und die EU zunehmend nach Südasien und bemühen sich offensiv um eine engere Zusammenarbeit mit der sogenannten größten Demokratie der Welt.
Umso gewichtiger wirkte daher der hohe Staatsbesuch, den die Zweigbibliothek Asien-/Afrikawissenschaften und Islamische Theologie am 21. April empfing. Noch vor dem Treffen mit seinem deutschen Amtskollegen besuchte der indische Verteidigungsminister, Seine Exzellenz Rajnath Singh, in Begleitung seiner Delegation und des indischen Botschafters, Seiner Exzellenz Ajit Gupte, die Bibliothek, um in einer zeremoniellen Geste Blumen an der dort stehenden Büste Rabindranath Tagores niederzulegen.
Tagore – Philosoph, Dichter, Maler, Komponist, Musiker und erster asiatischer Nobelpreisträger (Literatur) überhaupt – war eine zentrale Figur des intellektuellen Austauschs zwischen Südasien und Europa. Schon 1921 war er an die damalige Friedrich-Wilhelms-Universität gekommen, um eine eindrückliche Rede zu halten. Deren zum Teil erhaltene Tonaufnahme liegt heute im Universitätsarchiv; sie wurde während des Staatsbesuchs abgespielt und dem Gast überreicht.
Die europäische Indologie nahm hier in Berlin ihren Anfang und besteht auch heute noch als Fachgebiet Südasien am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften fort. Die dort wirkende Professorin Dr. Anette Schmiedchen, Expertin für die Geschichte des vormodernen Indiens und Sanskrit-Epigraphik, war bereits 2015 von der indischen Regierung für ihre Verdienste um die Sanskrit- und indologische Forschung geehrt worden.
Die von dem berühmten indischen Bildhauer Gautam Pal geschaffene Büste des bengalischen Universalgelehrten Tagore wurde der Zweigbibliothek 2006 als Geschenk der indischen Regierung an die Humboldt-Universität zu Berlin übergeben. Fast zwanzig Jahre nach ihrer Enthüllung stand Tagore nun erneut im Mittelpunkt einer zeremoniellen Bekräftigung der deutsch-indischen Beziehungen. Diese blicken auf eine lange Tradition des wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Austauschs zurück, für die die Humboldt-Universität eine herausragende Rolle gespielt hat.

„Li[f]e is given to us, we earn it by giving it.” (Rabindranath Tagore)
[Foto: Medienteam der Botschaft Indiens]
Der indische Verteidigungsminister, Seine Exzellenz Rajnath Singh, ehrt den bengalischen Literaturnobelpreisträger.
Text: Anton Terhechte
Die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität ist auch in diesem Jahr wieder an der Veranstaltungsreihe für Promovierende „Lost in Dissertation“ beteiligt.
Expert:innen von FU, HU, TU, Charité, der Deutschen Digitalen Bibliothek und der Staatsbibliothek freuen sich darauf, ihr Know-how zu den Themen Literaturverwaltung, Schreibprozess, Lesetechniken, Projektmanagement, Publikationsmöglichkeiten, Open Access und Forschungsdaten an Sie weiterzugeben.
Das vollständige Programm, weitere Informationen und die Zugangslinks finden Sie auf den Seiten der Staatsbibliothek.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die umfangreichen Zugänge von unrechtmäßig erworbenem Bibliotheksgut in die Zentrale Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin während des Zweiten Weltkriegs. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die Dona/Tausch-Akzessionen für das Haushaltsjahr 1940 mit 1620 Einträgen beinahe dreimal so viel sind wie die Erwerbungen der vorangegangenen Jahre. Der immense Zuwachs ist hier vor allem auf einen Lieferanten zurückzuführen: die Deutsche Heeresbücherei. Die Einträge beginnen am 25. September 1940 und enden zwei Tage vor dem Abschluss des Haushaltsjahrs am 29. März 1941 bei der Akzessionsnummer D 1940.1620. Dabei scheint es, als seien ganze Seiten im Akzessionsjournal für die Verzeichnung dieses Zugangs reserviert worden. Insgesamt sind es 867 Titel, die die Herkunftsangabe „Deutsche Heeresbücherei“ aufweisen. Bemerkenswert ist, dass die Eintragungen bei der Akzessionsnummer 1620 mit dem Ende der Seite aufhören und im Haushaltsjahr 1941 nicht fortgeführt wurden, gerade so, als sei von dem zu bearbeitenden Buchbestand noch etwas übrig gewesen, die Akzession dann aber abgebrochen worden.


Die verzeichneten Titel betreffen Werke zu Geschichte, Kultur-, Kunst- und Literaturgeschichte mit dem Schwerpunkt Polen und in polnischer Sprache sowie polnische Belletristik, aber auch einige wenige Romane in französischer Sprache. Bei vielen Eintragungen sind die Akzessionsnummern und die Angaben zur Anzahl der zugehörigen Bände ausgestrichen. Bei manchen Titeln erscheint in der letzten Spalte die Notiz „zurückgegeben an poln. Militärmission“, bei einigen mit der Zeitangabe „Nov. 47“ oder mit einem exakten Datum „16.“ bzw. „18. X. 47“.
Diese Streichungen stellten die Provenienzforscherin an der Universitätsbibliothek und ihre Mitarbeiterinnen vor die Frage, ob sie nach den mutmaßlich ausgeschiedenen Büchern im Magazin bzw. zunächst im Bandkatalog überhaupt suchen sollten. Sie entschieden sich, anhand der Seite, auf der die Eintragungen mit der Akzessionsnummer D 1940.401 beginnen, eine Stichprobe zu machen. Dabei stellte sich heraus, dass der letzte Titel auf dieser Seite trotz ausgestrichener Akzessionsnummer und der Bemerkung „zurückgeg. an poln. Militärmiss.“ – es handelt sich um den Roman „Savarette“ von Jules Breton, Paris 1898, Akz.Nr. D 1940.420 – im historischen Bandkatalog verzeichnet und im Magazin vorhanden ist. Der vorangehende Titel mit der Akzessionsnummer D 1940.419, Henry Gréville: Céphise, Paris 1896, war ebenfalls vorhanden, im Akzessionsjournal aber auch nicht ausgestrichen. Nach diesem uneindeutigen Befund wurden sämtliche Titel überprüft. Von den 867 eingetragenen Titeln wurden 23 im Bestand – insgesamt 34 Bände – der Bibliothek aufgefunden.

Bei allem 34 Exemplaren lässt sich aufgrund von Stempeln und Exlibris auf ihre Herkunft schließen. Anhand dieser Merkmale können zwei verschiedene Provenienzen unterschieden werden. Die Mehrzahl der Bücher stammt aus einer oder vielleicht auch mehreren militärischen Ausbildungsanstalten in Polen. Gemeinsam ist ihnen das graphisch gestaltete Exlibris auf der Innenseite des vorderen Buchdeckels mit dem Schriftzug „Bibljoteka Wojskowa – Szkoły Podchorążych Piechoty“ und der kleine Stempel mit den Buchstaben „p.S.p“. In den Büchern mit diesem Exlibris finden sich mitunter noch weitere Stempel, die sich auf Ausbildungsstätten für Unteroffiziere, für Fähnriche oder auf die den Offizieren vorbehaltene Bibliothek beziehen. Der Zusammenhang zwischen den militärischen Strukturen und die eventuelle zeitliche chronologische Abfolge, die sich in diesen Stempeln manifestieren, konnte nicht aufgeklärt werden. Ebenso wenig ergibt sich daraus eine lokale Zuordnung. Dass die Bücher zu einer Militärbibliothek der Ausbildungsstätten für die Fähnriche der Infanterie gehörten, ist jedoch durch das oben erwähnte Exlibris verbürgt.


Eine andere Provenienz haben die Bände der zwischen 1930 und 1933 erschienenen, mit zahlreichen Abbildungen ausgestatteten allgemeinen Literaturgeschichte. Sie sind vielfach mit einem runden Stempel „14. P. P. BIBLIOTEKA WOJSKOWA“ (14. Pułk Piechoty) und einige Male mit einem Zeilenstempel „Koło T-wa Wiedzy Wojskowej we WŁOCŁAWKU“ [Towarzystwo Wiedzy Wojskowej] versehen. Offensichtlich gehörten sie zu der Regimentsbibliothek des in Włocławek nordwestlich von Warschau stationierten 14. Infanterieregiments. Das 14. Infanterieregiment kämpfte im September 1939 gegen die vorrückenden deutschen Truppen und wurde nach seiner militärischen Niederlage aufgelöst. Vermutlich sind die Bände Überbleibsel seiner geplünderten Bibliothek.


Soweit zu den Erkenntnissen durch die Autopsie. Ein Schriftwechsel zwischen der Universitätsbibliothek und der Deutschen Heeresbücherei bezüglich dieser Überstellung existiert nach jetzigem Kenntnisstand nicht. Doch erwähnt Johannes Asen, der als Stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek zugleich für die Erwerbungen zuständig war, in einem handschriftlichen Entwurf zum Verwaltungsbericht für das Haushaltsjahr 1940, dass die Bücher von der Heeresbücherei überstellt wurden. Er schreibt: „Die Heeresbücherei überwies eine große Menge erbeuteter Literatur, die aber z. T. wegen ihrer schlechten Erhaltung makuliert wurde. Es handelte sich hauptsächlich um die Bücher eines polnischen militärischen Instituts, darunter auch viele polnische schöne Literatur. Das ganze ist z. Z. in Bearbeitung.“ Mit dem polnischen militärischen Institut ist/sind wohl die Schule oder die Schulen der Fähnriche der Infanterie gemeint.


Weitere Kenntnisse über die polnischen Bücher lassen sich aus den historischen Akten der Staatsbibliothek zu Berlin gewinnen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs leitete der vormalige Direktor der Universitätsbibliothek Rudolf Hoecker, der 1933 wegen seiner Mitgliedschaft in der SPD seines Amts enthoben worden war, alle drei großen wissenschaftlichen Bibliotheken Berlins: die Preußische Staatsbibliothek (1946 in Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek umbenannt), die Universitätsbibliothek und die Bibliothek der Technischen Hochschule (seit 1946 Technische Universität). Daher war Hoecker auch mit den Rückgabeforderungen Polens hinsichtlich des geraubten Bibliotheksguts befasst. Diese Rückgabeforderungen wurden von der in den Akzessionsjournalen erwähnten Polnischen Militärmission gestellt, namentlich von deren Vertreter, dem Kunsthistoriker Jan Morawiński, und von der Sowjetischen Militäradministration genehmigt.
Erklärend schreibt Hoecker am 18. Juni 1946 an die SMAD zu den Hintergründen: „Gegen Ende des Jahres 1939 wurde durch die deutsche Polizei unverpackt in Lastkraftwagen eine grössere Anzahl Bücher, hauptsächlich aus polnischen Militärbibliotheken stammend, nach Berlin in die Staatsbibliothek gebracht. Die Generalverwaltung lehnte jedoch die Übernahme dieser Bücher in ihre Bestände ab. Infolgedessen wurden sie in die Kellerräume gebracht, um dort bis zur Beendigung des Krieges aufbewahrt zu werden. Zu gleicher Zeit wurden in den Keller der Universitätsbibliothek ca. 10 Kisten mit rund 2–3.000 polnischen Büchern derselben Herkunft eingelagert.“
Die eigentliche Rückgabe verzögerte sich jedoch noch um anderthalb Jahre. Erst am Ende des Jahrs 1947 wurden Materialien für die Anfertigung von 120 Kisten von der Öffentlichen Wissenschaftlichen Bibliothek (Staatsbibliothek) angefordert. Aufgrund der Eintragung „Nov. 1947“ im Akzessionsjournal der Universitätsbibliothek kann man davon ausgehen, dass die Bücher von da an für die gemeinsame Restitution von ÖWB und Universitätsbibliothek, die 1939 bzw. 1940 zweifellos den kleineren Teil der in Polen geraubten Bücher erhalten hatte, bereitgestellt waren. Auch wenn die Vorgänge soweit bekannt sind, bleiben viele Fragen hinsichtlich der beraubten militärischen Einrichtungen, der Umstände des Raubs, bis hin zur nachträglichen Nennung der deutschen Polizei durch Hoecker und der Nennung der Deutschen Heeresbücherei 1940 durch Asen offen.
Festzuhalten bleibt, dass Preußische Staatsbibliothek und Universitätsbibliothek mit Bibliotheksgut, welches in den von Deutschland besetzten Gebieten geraubt worden war, unterschiedlich umgingen. Gemäß der von ihrem Generaldirektor Hugo Andres Krüß vertretenen Richtlinie, solches Gut nicht in den Bestand aufzunehmen und die Entscheidung, was damit zu geschehen habe, eventuellen Friedensverhandlungen zu überlassen, wurde Kriegsbeute, gleich ob sie aus West- oder aus Osteuropa angeliefert wurde, nicht akzessioniert, sondern lediglich eingelagert. Die Universitätsbibliothek hingegen akzessionierte zahlreiche Bücher aus polnischen Militärbibliotheken, nachdem die schlecht erhaltenen ausgesondert worden waren, setzte aber die Akzessionierung im Haushaltsjahr 1941 nicht fort und katalogisierte letztendlich nur wenige. Warum die Universitätsbibliothek in dieser Weise – im Grunde inkonsequent – verfuhr, ist nicht bekannt.
Im Haushaltsjahr 1943 wurden dann weitere, möglicherweise früher eingelagerte Bücher der Provenienz „Deutsche Heeresbücherei“ akzessioniert, doch handelte es sich hierbei nur um ein halbes Dutzend. Bei einem von ihnen – D 1943.489 – wurde – wahrscheinlich irrtümlich – das Auswärtige Amt als Lieferant eingetragen.
Zu ergänzen ist, dass sich die Provenienzrecherchen während des Projekts 2022–2025 nicht auf die Erwerbungen von Periodika erstreckten. Deshalb sind diese bei den detaillierten Forschungen zu den Zugängen aus der Deutschen Heeresbücherei zwischen 1933 bis 1945 nicht berücksichtigt worden. Inzwischen wurden die eigens geführten Akzessionsjournale für Zeitschriften jedoch kursorisch durchgesehen. Dabei zeigte sich, dass auch hier ein Zugang aus der Deutschen Heeresbücherei, und zwar von 285 Titeln, verzeichnet wurde. Die Bemerkungen in den entsprechenden Zeilen lassen ebenso wie bei den Monographien auf Rückforderung und Rückgabe nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schließen. Wie bei den Monographien ist anhand der Bemerkungen im Akzessionsjournal nicht einwandfrei zu beurteilen, ob einzelne dieser Periodika im Altbestand noch vorhanden sind.
#Bücherwege – Die Universitätsbibliothek hat in einem Projekt zwischen 2023 und 2025 ihre zwischen 1933 und 1945 zugegangenen Bücher auf Erwerbungskontexte untersucht, die auf beschlagnahmte, geraubte und erpresste Bestände in der NS-Zeit hinweisen. Die Verdachtsmomente wurden flächendeckend erfasst, indem die erhaltenen Originalbestände und Erwerbungsakten systematisch durchgesehen wurden. Die unrechtmäßigen Erwerbungen wurden im Katalog und in der Datenbank LostArt dokumentiert. In den folgenden Schritten werden Anspruchsberechtigte und ihre Nachkommen kontaktiert, um Bücher zurückzugeben. Das Projekt wurde vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste gefördert.

Quellen:
- Akzessionsjournale der Universitätsbibliothek Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Donum, Tausch, Pflicht, 1940 ff. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:kobv:11-714803
- Akzessionsjournale der Universitätsbibliothek Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Zeitschriften 1940. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:kobv:11-749641
- Rudolf Hoecker an die Abteilung Volksbildung der Sowjetischen Militäradministration, 18.6.1946. SBB PK, Historische Akten, G I/A/10.
- [Johannes Asen: handschriftlicher Entwurf zum Verwaltungsbericht der Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin für das Haushaltsjahr 1940]. HU UA, Universitätsbibliothek.01, Nr. 0023.
- 14 Pułk Piechoty Ziemi Kujawskiej. Stand 5.11.2025.
- Cornelia Briel: Beschlagnahmt, erpresst, erbeutet. NS-Raubgut, Reichstauschstelle und Preußische Staatsbibliothek zwischen 1933 und 1945, Berlin: Akademie-Verlag 2013.
- Cornelia Briel: Raubgut aus Osteuropa in der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. Herkunft, Erwerbungszusammenhänge, unvollständige Rückgabe in den Nachkriegsjahren. In: Daniela Mathuber, Tilmann Tegeler (Hg.): Aktuelle Forschungen zum nationalsozialistischen Kulturgutraub im östlichen Europa, Berlin 2024, S. 125 – 144.
Verfasst von: Dr. Cornelia Briel
Gute Nachrichten für alle, die Räume für Gruppenarbeit suchen und verbindlich reservieren wollen. Unser Raumbuchungssystem BibRoomz wird erweitert! Nach erfolgreicher Pilotphase im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum und der Zweigbibliothek Campus Nord kommen nun die Zweigbibliothek Naturwissenschaften, die Zweigbibliothek Germanistik/Skandinavistik, die Zweigbibliothek Fremdsprachliche Philologien und die Zweigbibliothek Rechtswissenschaft hinzu.
Ab dem 24.03.2026 startet die Buchung über BibRoomz und ab dem 07.04.2026 erfolgt die Vergabe ausschließlich über BibRoomz. Die Buchung ist nur für HU-Angehörige, Studierende der Charité und registrierte Bibliotheksnutzer:innen mit Nachweis einer Behinderung möglich. Buchungen können bequem über https://bibroomz.ub.hu-berlin.de/ vorgenommen werden. Dort können Sie auch Ihre Belegung und Ihre Buchungskontingente einsehen. Haben Sie Fragen? Schauen Sie gerne in unsere FAQ oder kontaktieren Sie uns unter ub.bibroomz@ub.hu-berlin.de.
Verfasst von: Anja Müller
Es ist wieder soweit: Am Donnerstag, den 05.03.2026 findet die nächste „Lange Nacht der Hausarbeiten“ an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Von 17:00 – 22:00 Uhr wollen wir Sie mit Impulsvorträgen, Workshops, einer bewegten Pause sowie Raum zum Schreiben und Austauschen dabei unterstützen, Ihre Schreibprojekte zu realisieren.
In verschiedenen Kurzvorträgen erfahren Sie unter anderem, wie Sie ihr Thema eingrenzen und eine klare Forschungsfrage formulieren. Auch können Sie sich Tipps von unseren Recherche-Profis für eine effiziente Literatursuche in Fachdatenbanken oder zur Arbeit mit Literaturverwaltungsprogrammen wie Zotero und Co. holen. Darüber hinaus geben wir einen Einblick in KI-basierte Forschungsassistenten für die Literaturrecherche und die HU-eigenen KI-Tools. Ergänzt wird unser Programm durch einen Workshop vom KompetenzWERK des studierendenWERK BERLIN, in dem es um das wissenschaftliche Schreibjournal und dessen Möglichkeiten geht.
In diesem Jahr bieten wir auch wieder die Möglichkeit, im Rahmen einer SchreibZeit unter Verwendung der Pomodoro-Technik einige Stunden konzentriert am eigenen Schreibprojekt zu arbeiten und sich in den Pausen mit anderen Teilnehmenden auszutauschen.
Mit einer Tasse Kaffee und kleinen Snacks sorgen wir für das nötige Durchhaltevermögen und beantworten gerne Ihre Fragen.
Alle Veranstaltungen finden auf der Ostseite des Grimm-Zentrums im 1. Obergeschoss statt.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Weitere Informationen sowie das detaillierte Programm finden Sie auf unserer Webseite unter: https://link.ub.hu-berlin.de/lange-nacht
Wir freuen uns auf Sie!

Die Porträtsammlung der UB erhält mit der Darstellung des Theologieprofessors Dillmann einen Neuzugang als Geschenk. Die Schenkungsgeberin, die der Universitätsbibliothek ihr Fundstück dankenswerter Weise am 5. November diesen Jahresüberlassen hat, beschreibt die Zeichnung und ihre Geschichte.
Das Porträt, welchem folgende Überlegungen gewidmet werden, ist eine sorgfältige Bleistiftzeichnung auf weißem Papier und misst 14,5 x 20 cm. Es stellt einen jungen Mann in Halbfigur dar, Oberkörper bis zur Taille, gekleidet in Frack mit Weste und Halstuch über dem Hemd. Die dunklen, halblangen gewellten Haare sind auf seiner rechten Seite gescheitelt. Signiert, gleichfalls mit Bleistift, ist das Blatt links unten von J. Kull. Darunter steht eine handschriftliche Widmung, ebenfalls in Bleistift, aber verblasst und mit einem anderen Stift und anderem Schriftduktus als die Signatur des Künstlers:
Lapp seinem Dillman(n) zu tr. Erinnerung Tüb. 1845
„In des alten Bundes Schriften merke in der ersten Stell’
„Mose Josua und Richter Ruth und zwei von Samuel.“
(altdeutsche Poesie)
CfRv! (in Ligatur)
Der gereimte Zweizeiler ist offensichtlich eine ‚Eselsbrücke‘ – Pons Asini – für Studenten der Theologie, um sich die Reihenfolge der Bücher des Alten Testaments einzuprägen. Kleidung und Haartracht des Dargestellten passen zum Datum 1845. Über dem ‚n‘ im Namen von ‚Dillman(n)‘ ein Doppelungsstrich. Das Monogramm – aufzulösen als Circulus fratrum Regis vivat! – gehört zu der heute noch aktiven studentischen Verbindung „Königsgesellschaft Roigel“ in Tübingen. Die Jahreszahl – 1843, 1845 oder1848 – ist sehr verblasst und schwer lesbar, weitere Zahlen zum Vergleich sind nicht vorhanden.
Bei dem signierenden Künstler handelt es sich um Jakob (auch Jacob) Kull (1818 – 1880). Er war etwa ab 1841 als Zeichner und Lithograph in Tübingen tätig, wo er in der Hauptsache Porträts von Universitätsgelehrten und Studenten anfertigte, Brustbilder oder Halbfiguren, mit sorgfältig ausgearbeitetem Gesicht[i]. Kull befasste sich auch mit der Daguerreotypie, der um 1840 erfundenen Bildtechnik[ii]. Die mit dieser Technik geschaffenen Porträts waren naturgetreu, mehr als gezeichnete Miniaturen, und zudem Unikate. Die studentischen Verbindungen in Tübingen griffen diese neue Technik auf und legten Porträtgalerien an, zur Erinnerung, womit sie „…ortsansässige Zeichner und Lithographen wie Jacob Kull …“ beauftragten (Hesse 1989, S. 7). Ein beliebtes Schema waren eine sitzende Halbfigur oder Brustbilder, die sich auf das Gesicht konzentrierten. So wird für die Studentenverbindung Roigel ein Porträtalbum erwähnt, welches Johann Jacob Katz angelegt hatte (Hesse 1989, S. 23). In diesem Umfeld ist das vorliegende Porträt entstanden und zu betrachten.
Der Widmung zufolge ist hier Christian Friedrich August Dillmann dargestellt (* 25. April 1823 in Dillingen, Württemberg, † 4. Juli 1894 in Berlin), Theologe und Begründer der Äthiopistik[iii]. Dillmann studierte ab 1840 in Tübingen Theologie, Philosophie und Orientalistik. Er wurde am 22. Mai 1846 mit der Schrift „Der Märtyrerkampf des heiligen Georg, aus dem Äthiopischen übersetzt und erklärt“ und mit der Erlaubnis des Kanzlers Karl Georg Wächter zum Dr. phil. promoviert; seine Promotionsurkunde ist auf den 24. Mai 1846 datiert.[iv] Dillmann gehörte während seiner Studentenzeit in Tübingen der studentischen Verbindung „Königsgesellschaft Roigel“ an, deren Monogramm unter der Widmung steht. Der Stifter des Porträts, ‚Lapp‘, ist in dem Auswahlverzeichnis der Mitglieder[v] nicht zu identifizieren. Wahrscheinlich handelt es sich bei ‚Lapp‘ um einen Spitznamen, welcher in dieser Form nicht in den Verzeichnissen auftaucht. So berichtet M. Fischer[vi] in der Geschichte der Burschenschaft Roigel: „Nach einer anderen Richtung hin waren typische Repräsentanten des Roigels […] der schwäbisch gemütliche Köhler, vulgo Lapp (Pfarrer in Neuhausen, † 1886) […]“. Fischer setzte mehrfach den Spitznamen des jeweils Erwähnten mit dem Hinweis „vulgo“ hinter die Nennung des korrekten Namens. Der Familienname Köhler sowie der Ortsname Neuhausen sind sehr häufig. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um Ferdinand Köhler (* 17.11.1823, † 4.4.1886), welcher als Pfarrer in Neuhausen am Rheinfall (Schweiz) tätig war. Der Theologe Alfred Hegler[vii] aus Stuttgart, der auf Köhlers Beerdigung eine Rede hielt, war in seiner Studienzeit ebenfalls Mitglied der Königsgesellschaft[viii].
Während seines Studiums und seiner Mitgliedschaft in der Burschenschaft Roigel schloss sich Dillmann freundschaftlich an Carl Heinrich Weizsäcker[ix] (1822 – 1899) an, der gleichfalls Theologie studierte und Mitglied der Königsgesellschaft und später Universitätskanzler in Tübingen war. Nach seiner Promotion habilitierte sich Dillmann 1851 und nahm 1854 den Ruf an die Universität Kiel an. 1864 erfolgte der Ruf nach Gießen und 1869 der Ruf an die theologische Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin (heute Humboldt-Universität), wo er bis zu seinem Tod 1894 verblieb. Er hatte dort die Professur für Altes Testament und Orientalische Sprachen inne. Seine Stellung als Neubegründer der äthiopischen Philologie trug weiter zu seiner Bedeutung bei. Sein Grab auf dem Alten St. Matthäus-Friedhof in Tempelhof-Schöneberg ist nicht mehr nachweisbar.
Dillmann heiratete 1856 Mathilde Leo. Das Paar hatte drei Töchter, von denen die älteste, Eugenie Dillmann (*1865 in Kiel, †1940 in Berlin), sich einen Namen als Malerin erwarb[x]; sie blieb unverheiratet. Über ihre Schwestern, Julie und Elisabeth, ist nichts weiter bekannt. Es ist anzunehmen, dass sie heirateten und damit ihre Familiennamen und vielleicht auch den Wohnort änderten. Das kleine gezeichnete Porträt des Vaters verblieb wahrscheinlich bei Eugenie und mit ihr in Berlin und wurde bei ihrem Tod einem nahestehenden Menschen übergeben. Der weitere Weg ist nicht mehr nachvollziehbar, doch ist anzunehmen, dass der letzte Besitzer nicht lange vor 2009 verstarb. Die Wohnung wurde aufgelöst, das Porträt mit seinen schwer leserlichen Kritzeleien als wenig marktfähige Antiquität angesehen. Es wurde 2009 auf dem Flohmarkt erworben, wo es auf dem OBI-Parkplatz in der Goertzallee in einer Bananenkiste angeboten wurde.

Bildnachweis: Yong-Mi Rauch
Verfasserin: Antje Krug
Die Porträtsammlung Berliner Hochschullehrender wurde als eine der ersten Sammlungen der Universität überhaupt angelegt. Der Bildbestand reicht vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart und ist für Publikationen gefragt. Zudem wird er für wissenschaftshistorische Recherchen und in Seminaren eingesetzt. Ein Großteil besteht in Fotografien. Der Bildbestand wächst kontinuierlich an, sowohl durch Anfragen an Mitglieder der Universität als auch durch Übernahmen historischer Bildbestände. Aufgearbeitet wird beispielsweise derzeit der historische Porträtbestand aus dem Institut für Geographie. Der digitalisierte Bestand ist im Sammlungsportal der UB zugänglich. Der Gesamtbestand kann im Discovery System Primus recherchiert werden.
[i] Nach Wikipedia s.v. Jacob Kull, Stand Januar 2019.
[ii] W. Hesse, Ansichten aus Schwaben. Kunst, Land und Leute in Aufnahmen der ersten Tübinger Lichtbildner u. des Fotografen Paul Sinner (1838-1925) (Tübingen 1989).
[iii] Neue Deutsche Biographie 3 (Berlin 1973) s.v. Christian Friedrich August Dillmann, S. 721-722 (E. Littmann). – Wikipedia s.v. Dillmann. – Homepage der Studentenverbindung Roigel.
[iv] Archivar Stefan Fink M.A. vom Universitätsarchiv Tübingen ist sehr zu danken für seine Recherche und Auskünfte, Promotionsvorgang UAT 55/22b,3, Doktordiplom UAT 132/6-1846,9.
[v] Willy Nolte (Hrsg.), Burschenschafter-Stammrolle, Verzeichnis d. Mitglieder Sommersemester 1934 (Berlin 1934) 1098-1099.
[vi] Geschichte des Roigels 1838/1938 (Urach 1938) 37-38.
[vii] Neue Deutsche Biographie 8 (Berlin 1969) s.v. Alfred Wilhelm Hegler, S. 233-234 (E. Beyreuther).
[viii] Swisscollections s.v. Köhler, Zur Erinnerung an Ferdinand Köhler, Pfarrer in Neuhausen.
[ix] M. Wein, Die Weizsäckers (Stuttgart 1988) 26-74. Erst dessen Sohn Karl Hugo Weizsäcker erhielt 1896 den persönlichen Adel und die Familie 1916 den erblichen Freiherrenstand, Wikipedia s.v. Carl Friedrich von Weizsäcker.
[x] Thieme – Becker, Allgemeines Künstlerlexikon Bd. 9 (Leipzig 1913) 299 s.v. Eugenie Dillmann. – H. Vollmer, Allgemeines Lexikon d. bildenden Künstler Bd. 1 (Leipzig 1953) 567 s.v. Eugenie Dillmann.
Wir wünschen Ihnen eine fröhliche Weihnachtszeit und alles Gute für das neue Jahr.
Zum Jahrausklang möchten wir an der Universitätsbibliothek gerne nochmal zurückblicken:
Zu den Highlights 2025 zählt vor allem unser lang ersehntes neues Raumbuchungstool BibRoomz, mit dem unsere Räumlichkeiten jetzt endlich bequem digital buchbar sind. Vorerst gibt es den Service nur an den Standorten Grimm-Zentrum und Campus Nord, er soll aber sukzessive auf die anderen UB-Standorte ausgeweitet werden.
Neu sind zudem verschiedene Entspannungsorte an der UB: Im Grimm-Zentrum lädt die Biblounge zum Chillen, Spielen und Abschalten ein. Wer mag, kann dort natürlich auch in Gruppen arbeiten. Am Campus Nord gibt es nun eine ausgewiesene Nap-Zone für einen Power-Nap zwischendurch sowie eine überdachte Gartenlounge zum Arbeiten oder Pausieren im Grünen. In der Zweigbibliothek Naturwissenschaften lädt die Leselounge mit bequemen Sesseln und einem gemütlichen Sitzsack zum Entspannen ein. Während der Sommermonate kann man jetzt in der Zweigbibliothek Musikwissenschaft Kraft und frische Luft auf der Dachterrasse tanken.
Um Ihnen den Arbeitsalltag bei uns an der UB zu erleichtern, bieten wir jetzt neben schon länger etablierten Gerätschaften wie iPads und Konferenzkameras zusätzlich Laptopständer, Tastaturen, Mäuse, HDMI-Kabel und USB-C-Kabel für die Tagesausleihe an. Auch dieses Angebot wird sukzessive ausgebaut und kann von Standort zu Standort variieren. In Kürze wird diese Sammlung technischer Arbeitsutensilien als „Primus der Dinge“ über unser Suchportal Primus recherchierbar sein.
Über alle neuen Services und vieles mehr informieren wir laufend auf unseren Social-Media-Kanälen. Seit 2025 sind wir nun auch bei Instagram und LinkedIn aktiv. Wir freuen uns bei Instagram über mittlerweile fast 950 Follower:innen.
Neben diesen positiven Entwicklungen möchten wir aber nicht verhehlen, dass die vom Senat vorgegebenen Sparmaßnahmen uns zur Einschränkung, teils sogar zur Abschaffung bewährter Services zwingen: So muss die Kompetenzwerkstatt Digital Humanities (KDH) ihre Arbeit leider auf unbestimmte Zeit aussetzen. Unsere gerade erst aufgenommenen Angebote zur Schreibberatung (Workshops und Offener Schreibtreff), die auf sehr positive Resonanz stießen, müssen wir ebenfalls wieder auf Eis legen. Sehr bedauerlich ist zudem, dass wir im Grimm-Zentrum die Angebote zur Informationskompetenzvermittlung für Schülerinnen und Schüler vorerst nicht mehr anbieten können.
All diese Einschnitte sind nicht zuletzt auch für uns sehr schmerzhaft. Wir hoffen auf und arbeiten für positivere Entwicklungen im neuen Jahr, denn wir wissen: Auch in schwierigen Zeiten gibt es Raum für Innovation und Fortschritt.
Daher freuen wir uns besonders über die positive Resonanz auf unsere neuen Angebote – und bleiben motiviert, auch in herausfordernden Situationen stets kreative Lösungen zu finden.
Bitte beachten Sie unsere geänderten Öffnungszeiten zum Jahreswechsel sowie unsere Informationen zu unseren Bereitstellungen während der Feiertage.
Frohe Feiertage wünscht Ihre
Universitätsbibliothek

Abb.: Bernhard Ludewig, Gestaltung der Karte: Zeynep Sayman
Unter dem Titel UB2035 hat die Universitätsbibliothek (UB) eine Strategie für die nächsten zehn Jahre veröffentlicht. Darin steht, wie die Bibliothek in naher Zukunft aussehen soll und welche Schritte notwendig sind, um dieses Zielbild zu erreichen.
Lesen Sie gerne einmal rein. Zum Text der Strategie geht es hier.
Die Strategie macht noch einmal deutlich: Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die Bedarfe der Forschenden, Lehrenden und Studierenden der HU. Bereits während des Projekts zur Erarbeitung der Strategie hat die UB Forschende involviert, um herauszufinden, wie sie die Wissenschaftler:innen noch besser in ihrer Arbeit unterstützen kann. Auch viele Mitarbeitende der UB haben die Strategie mitentwickelt und in verschiedenen Workshops neue Formen der Zusammenarbeit ausprobiert.
Die Welt verändert sich rasant, und auch die Anforderungen an eine moderne UB wachsen stetig. Mit dem Strategieprojekt UB2035 hat sich die UB auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet und Schwerpunkte ihrer Arbeit für die kommenden Jahre festgelegt. „Unsere Strategie ist unser Kompass, der uns Orientierung dabei geben wird, wie wir unsere Aufgaben gewichten und Ressourcen angemessen verteilen“, so Martin Lee, der Direktor der UB.
In den nächsten Jahren geht es nun an die Bearbeitung der zehn strategischen Handlungsfelder.
Wer mehr über die Entstehung der Strategie erfahren möchte, findet Infos auf unserer Webseite.
