Um die als Folge der Sparvorgaben des Berliner Senats notwendigen Kürzungen des Software-Etats umzusetzen, kann die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) zukünftig nur noch eine der beiden Campuslizenzen für die Literaturverwaltungsprogramme Citavi oder EndNote fortführen.
Zur Entscheidung über die zu kündigende Campuslizenz hat der Computer- und Medienservice der HU die Universitätsbibliothek (UB) um fachliche Einschätzung gebeten. Da weder Kosten, Nutzungszahlen noch Vor- und Nachteile der Funktionalitäten den Ausschlag für eines der beiden Programme geben konnten, führte die UB im Frühjahr 2026 unter allen HU-Angehörigen eine Umfrage zur Nutzung der Programme durch. Hierbei fiel das Votum deutlich zugunsten von Citavi aus. Die UB möchte sich an dieser Stelle nochmal ausdrücklich bei allen Teilnehmenden der Umfrage bedanken. Ihre Rückmeldungen und Kommentare werden wir nutzen, um Sie bestmöglich beim Umstieg unterstützen zu können.
Die aktuelle Campuslizenz für EndNote läuft noch bis zum 31. März 2028. Das Programm ist bis zum Lizenzende vollumfänglich nutzbar.
Zotero als leistungsstarkes Open-Source-Programm läuft auf sämtlichen gängigen Betriebssystemen (Windows, Mac, Linux) und ist somit eine sehr gute Alternative zu kommerziellen Programmen. Die browserbasierte Nutzung beinhaltet einen kostenlosen Speicherplatz von 300 MB.
Die Campuslizenz für Citavi sowie Citavi Web steht allen HU-Angehörigen weiterhin zur Verfügung. Insbesondere die browserbasierte Variante ermöglicht auch Mac- und Linux-Nutzenden die Arbeit mit diesem Programm.
Unterstützung beim Umstieg
Bei der Migration der Daten von EndNote in ein anderes Literaturverwaltungsprogramm ist mit Datenverlusten und Einbußen beim Funktionsumfang zu rechnen. Die UB wird deshalb ein umfangreiches Support-Angebot für die Migration von EndNote zu Citavi bzw. zur Open-Source-Software Zotero anbieten, um alle HU-Angehörigen bestmöglich zu unterstützen. Erste Termine für Umstiegsschulungen finden Sie auf der Webseite der UB.
Für Projektgruppen und Fachbereiche der HU bieten wir zudem individuelle Sprechstunden an. Kontaktieren Sie uns bei Bedarf gerne: ub.literaturverwaltung@ub.hu-berlin.de
Bitte wenden Sie sich bei Fragen zur Lizenzierung an den Software-Service des CMS: softwareservice@cms.hu-berlin.de
Zusammenfassung der Umfrageergebnisse: https://blogs.hu-berlin.de/wir_bewegen_buecher/wp-content/uploads/sites/42/2026/10/Umfrage-Nutzung-Literaturverwaltungsprogramme_2026.pdf
Wir heißen alle neuen Studierenden an der Humboldt-Universität sehr herzlich willkommen zum Wintersemester 2026/27!
Der spannende Semesterauftakt ist immer eine Zeit der Orientierung, des Kennenlernens, des Erkundens – kommen Sie gerne in die Universitätsbibliothek und entdecken Sie spannende Lern- und Begegnungsorte und umfangreiche Medienangebote rund um Ihr Studienfach und darüber hinaus.
Um sich mit der Bibliotheksnutzung vertraut zu machen, empfehlen wir unser einstündiges Webinar „Rund um die Bib zum Studienstart“. Nutzen Sie gerne auch weitere spannende Angebote – Führungen, Webinare, Workshops – rund um Studium und wissenschaftliches Arbeiten.
Aber am besten besuchen Sie einfach einen unserer neun Bibliotheksstandorte und erkunden die Arbeitsmöglichkeiten vor Ort. Bestimmt haben Sie bald Ihren Lieblingsplatz bei uns gefunden!
Kontaktieren Sie uns bei Fragen gerne persönlich an unseren Servicetheken vor Ort, telefonisch unter 2093-99370 oder auch per Mail an info@ub.hu-berlin.de.
Die wichtigsten Informationen für HU-Erstsemester finden Sie gebündelt auf unserer Website.
Am „Dies academicus“ am 12.10.2026 sind wir übrigens ab 14:00 Uhr vor und nach der Immatrikulationsfeier auf dem „Infomarkt“ am Campus Adlershof im Erwin-Schrödinger-Zentrum zu finden. Kommen Sie gerne mit uns ins Gespräch!
Wir wünschen einen erfolgreichen Semesterstart und freuen uns darauf, Sie kennenzulernen!
Ihre Universitätsbibliothek
Am 22. September 2026 herrschte eine ganz besondere Atmosphäre im Forschungslesesaal des Grimm-Zentrums. In der sonst leeren und stillen Bibliothek, die wegen eines technischen Wartungstags eigentlich geschlossen war, saßen rund 25 Kursteilnehmende aus Prag, Frankreich und Berlin konzentriert über besondere Objekte gebeugt: Handschriften aus dem 12. Jahrhundert, in Inkunabeln eingebundene handschriftliche Fragmente oder historische Pergamenturkunden.

Zuvor hatten schon eine Reihe von Online-Sessions zur Handschriftenkunde und DH-Methoden stattgefunden. Während der Praxiseinheit vor Ort wurden die Studierenden dann von einem mehrköpfigen Team Dozierender, koordiniert von Prof. Dominique Stutzmann (CNRS Paris / HU Berlin), bei der Bestimmung und Transkription betreut.
Im Mittelpunkt der Summer School „Medieval Manuscripts from Material to Digital“ stand die Lehrsammlung mittelalterlicher Urkunden, die früher am Institut für Geschichte für paleographische und diplomatische Studien eingesetzt wurde und sich seit 2009 an der UB befindet, aber auch der kleine Bestand mittelalterlicher Handschriften und eine vielfältige Auswahl an Fragmenten.
Einige der Objekte aus der Universitätsbibliothek sind zuvor nie beschrieben worden – eine besondere Gelegenheit und Herausforderung für die Studierenden. Als Ergebnis der Summer School stehen diese in den Fachportalen Monasterium, Handschriftenportal wie auch im Repositorium der UB digi-hub.de zur Verfügung.

Die Studierenden konnten ihre Beobachtungen anschließend in einer Online-Ausstellung beschreiben. Ziel der Online-Ausstellung (das Tool stellt das Digitale Netzwerk Sammlungen der Berlin University Alliance zur Verfügung) ist nicht eine ausgefeilte Präsentation, sondern die Übung, von Studienergebnissen in eine allgemeine Vermittlung zu gehen: Die jetzige Präsentation ist innerhalb eines Tages entstanden.

Für mich waren besondere Höhepunkte
- der Moment, als Vivien Baumert (HU, Lehrstuhl für Digital History) bei ihrer Präsentation der heraldischen Handschrift „Hastiludia Seu Torneamenta Nobilitatis Germanicae“ feststellte, dass sie nicht nur digitale Bilder zeigen konnte, sondern die Originalhandschrift ebenfalls bei der Hand war – und viel kleiner ist, als sie es vom Digitalisat her angenommen hatte.
- Die leuchtenden Gesichter zweier Studis, als sie eingeladen wurden, zum Großformate-Tisch zu wechseln, um eine besonders schöne Papst-Urkunde von 1551 zu untersuchen
- Der Donnerstag, als sich von Stunde zu Stunde die Online-Ausstellung ständig veränderte und immer weiter füllte.
Anstrengend war es natürlich auch. Die langen Studientage, für die über 60 Objekte vorbereitet und bewegt wurden, nur von der Mittagspause unterbrochen, wurden der Ankündigung „blended intensive program“ vollends gerecht.
Links:
Verfasst von: Dr. Yong-Mi Rauch (Leitung Abteilung Historische Sammlungen der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin)
Am 25. September 2026 von 9:00 bis 13:00 Uhr lädt das First Gen Docs Connect Netzwerk gemeinsam mit der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin zu einem Writing Day im Auditorium des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums ein.
Der Writing Day richtet sich an Promovierende, die als Erste in ihrer Familie promovieren, und ist offen für Promovierende aller vier Einrichtungen der Berlin University Alliance – Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin und Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Nach einem kurzen Writing Prompt zu Beginn folgen konzentrierte Schreibphasen in unterstützender Arbeitsatmosphäre. In den Pausen gibt es Gelegenheit, andere First Gen Docs kennenzulernen und sich auszutauschen. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, gemeinsam Mittag zu essen und das HU Docs Café zu besuchen.
Der Writing Day ist Teil von First Gen Docs Connect im Graduate Studies Support Program der Berlin University Alliance und bildet den Auftakt zu einer neuen Reihe monatlicher Writing Days.
Wann: 25. September 2026, 9:00–13:00 Uhr
Wo: Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, Auditorium, Geschwister-Scholl-Straße 1/3, 10117 Berlin
https://umfrage.hu-berlin.de/

Verfasst von: Saskia Köbschall
Am 23. September 2026 findet von 9:00 bis 15:00 Uhr der Infotag Akademisches Schreiben an der Freien Universität Berlin statt.
Wissenschaftliche Kommunikation und Leistungsmessung erfolgen im akademischen Kontext traditionell schriftlich. Durch die breite Verfügbarkeit textgenerierender KI-Tools wird diese Tradition grundlegend infrage gestellt. Wieso noch wissenschaftliches Schreiben lernen, wenn die Texte „der KI“ doch auf den ersten Blick so geschliffen klingen?
Studierende und Promovierende sehen sich inzwischen in einem Spannungsfeld zwischen vermeintlichem Effizienz- und Qualitätsgewinn durch KI-Nutzung und dem Wunsch, ihren eigenen Text zu verfassen und sich die Inhalte schreibend zu erschließen. Zudem begegnen sie im Schreibprozess Herausforderungen, die sich eher schlecht als recht durch KI lösen lassen. Diese Herausforderungen sind oft sehr individuell und können durch externe und persönliche Faktoren bestimmt sein, zum Beispiel wenn Studierende oder Promovierende als erste ihrer Familie eine akademische Laufbahn einschlagen, sie nicht in ihrer Herkunftssprache schreiben oder familiäre Pflichten haben.
Professionelle Schreibberatung führt Studierende und Promovierende zum Ziel:
- Sie unterstützt dabei, sowohl Unsicherheiten im Verfassen von Texten (mit oder ohne KI) als auch andere individuelle Herausforderungen anzugehen.
- Sie bietet bedarfsgerechtes Schreibwissen und Training von Schreibpraktiken.
- Sie ergänzt und entlastet die fachliche Betreuung.
Mit dem Infotag soll ein Einblick in die Praxis fachunabhängiger Schreibberatung gegeben werden. Dabei stehen vor allem die Angebote in der Hochschulregion Berlin-Brandenburg im Mittelpunkt.
In Form von Impulsvorträgen, Workshops und einem „Infomarkt“ wird vorgestellt, welche vielfältigen Formen der Schreibberatung bereits praktiziert werden und welche unterschiedlichen Akteur*innen daran beteiligt sind.
Als Lehrende, Hochschulmitarbeitende, Promovierende und Studierende erhalten Sie die Gelegenheit, sich über bestehende Angebote zu informieren und sich zu vernetzen, aber auch darüber auszutauschen, wie weitere Angebote zur Unterstützung im wissenschaftlichen Schreibprozess in Berlin und Brandenburg aussehen können.
Melden Sie sich hier an und kommen Sie vorbei!
Das vorläufige Programm finden Sie hier.
Zeit & Ort
23.09.2026 | 09:00 – 15:00
Foyer KL-Gang, Hörsaal 2 Rostlaube (Habelschwerdter Allee 45)
Weitere Informationen
Veranstalter: Organisiert wird die Veranstaltung durch die Abteilung Lehr- und Lernservices der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, der Regionalgruppe Berlin-Brandenburg innerhalb der Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung e.V. (gefsus) und unter Beteiligung der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin und weiterer Einrichtungen.
Kontakt: schreibberatung@ub.fu-berlin.de
Umstände der Erwerbungen durch die Universitätsbibliothek, die Rolle des Bodemuseums, die Abordnung des Bibliothekars Fritz Streichhan, Umfang der Zugänge, „eigener Altbestand“
Im Haushaltsjahr 1942 beginnen die Geschenkerwerbungen der Zentralen Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin mit der Überstellung von etwa 100 Dubletten aus der Deutschen Bücherei in Leipzig. Nachweislich ist eines dieser Bücher seinem Eigentümer unrechtmäßig entzogen worden. Bei etlichen anderen ist der Verdacht auf unrechtmäßigen Erwerb nicht auszuschließen. Diese Bücher waren zu einem großen Teil bereits im Akzessionsjournal verzeichnet, als sich vom 20. April 1942 an ein weiterer, hinsichtlich der Weitergabe von Raubgut verdächtiger Lieferant unter die Eintragungen mischte: das Auswärtige Amt.

Der erste Eintrag dieses Zugangs, die Akzessionsnummer D 1942.99, bezieht sich auf ein französischsprachiges Werk mit dem Titel „R. Johannet: Le principe des Nationalités, Paris 1923“. In der Lieferantenspalte ist mit schwarzer Tinte das Auswärtige Amt als Einlieferer angegeben. Auf der nächsten Zeile – E. Driault: La paix de la France, Paris 1937 mit der Akzessionsnummer D 1942.100 – wird als Lieferant jedoch nicht das deutsche Auswärtige Amt genannt, sondern der beraubte polnische Eigentümer: das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Republik Polen – Ministerstwo Spraw Zagranicznych – exakt abgeschrieben in der Abkürzung auf dem in den Büchern dieser Provenienz häufig vorkommenden kleinen ovalen Stempel „Min. Spraw Zagr. BIBLIOTEKA“.


Der Fehler der Verwechslung des beraubten Eigentümers mit dem Einlieferer wiederholt sich auf der folgenden Seite des Akzessionsjournals noch einige Male. Es scheint, als sei der oder die Verzeichnende anfangs nicht hinreichend instruiert worden, wer als Lieferant einzutragen ist.

Wie die Autopsie ergab, kommen dieselben oder ähnliche Stempel von Gesandtschaften und Konsulaten der Republik Polen und den Teilbibliotheken des polnischen Außenministeriums in etlichen Büchern des Bestands vor, die auf den folgenden Seiten des Akzessionsjournals Dona, Tausch, Pflicht 1942 und in den darauffolgenden Jahren akzessioniert wurden. Nicht in den Erwerbungsakten der Universitätsbibliothek, sondern an einem scheinbar abseitigen Ort in ihrer Aktenüberlieferung, nämlich in einer Akte zur Reichstauschstelle und zum Beschaffungsamt der deutschen Bibliotheken, findet sich ein Schreiben, das über den Zugang „Auswärtiges Amt“ im Frühjahr 1942 genauer Auskunft gibt. Es datiert vom 28. Januar 1942 und betrifft die Überstellung von ca. 200 Büchern. Absender ist die Archivkommission, eine Dienststelle des Auswärtigen Amts.

Aus dem Schreiben geht hervor, dass der Bibliotheksrat Dr. Fritz Streichhan, wissenschaftlicher Bibliothekar an der Universitätsbibliothek, an der Zusammenstellung dieser Lieferung mitgewirkt hatte. Die Lieferung war bereits im Oktober 1941 angekündigt worden; nun, Ende Januar 1942, standen die Bücher zur Abholung im Kaiser-Friedrich-Museum bereit.
Das Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum) ist, auch unter der Adresse Harwikstraße 3, sowohl in den Akten der Publikationsstelle Berlin-Dahlem im Bundesarchiv und als auch des Geographischen Diensts im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts verschiedentlich als Verteilstelle für in den besetzten Gebieten geraubte Bücher erwähnt. Seit Ende des Jahrs 1940 hatten mehrere Dienststellen des Auswärtigen Amts in dem evakuierten Museum Räume angemietet, um sie als Büros und Lager zu nutzen. Relevant für die Provenienzforschung sind die seit dem Frühjahr 1941 zum Referat Geographischer Dienst erhobene Kartenstelle und die Archivkommission. Da sich in den von den Dienststellen genutzten Räumen immer noch – offenbar großformatige und deshalb nicht transportable – Gemälde befanden, betrieb die Leitung der Gemäldegalerie aus konservatorischen Gründen und unter dem Verweis auf den Luftschutz seit dem Sommer 1942 den Auszug der Dienststellen aus dem Gebäude. Dabei wurden die zu starke Beheizung und die Brandgefahr geltend gemacht. Eine Brandgefahr ging von den großen Mengen brennbaren Materials aus, welches die Dienststellen des Auswärtigen Amts in den von ihnen genutzten Räumen eingelagert hatten. Dabei waren mit ‚brennbarem Material‘ wohl nicht zuletzt Beuteakten und Beute-Bücher gemeint.
Fritz Streichhan war auf Geheiß des vorgesetzten Ministeriums, des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, vom 6. Mai 1940 bis zum 16. August 1944 für Arbeiten in der Archivkommission an das Auswärtige Amt „ausgeliehen“. Seine Aufgabe bestand darin, Übersetzungen von erbeuteten Akten aus dem Norwegischen, dem Niederländischen und dem Französischen anzufertigen. Außerdem beriet er, wie es in der Bescheinigung über seine Tätigkeit heißt, die Archivkommission „bei der Wahrung ihrer bibliothekarischen Belange“. Der Schriftverkehr zwischen Universitätsbibliothek, Universität und Ministerium füllt in seiner Personalakte mehrere Aktenmappen. Ohngeachtet der Schwierigkeiten, die sich während des Krieges aus dem anhaltenden Personalmangel für die Universitätsbibliothek ergaben, verlängerte das Ministerium Streichhans Abordnung etliche Male jeweils im Abstand von einigen Monaten, so dass er letztlich über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren stets mehrere Tage in der Woche für das Auswärtige Amt arbeitete.



Unterbrochen von anderen Lieferanteneinträgen, wie Universitäts- und Schulschriftenabteilung, Reichstauschstelle, Deutsche Bücherei, oder Rektor der Friedrich-Wilhelms-Universität, endet im Akzessionsjournal Dona die Verzeichnung des Zugangs vom Auswärtigen Amt zunächst am 29. August 1942 mit der Akzessionsnummer D 1942.463. Bis zu diesem Datum waren 197 Titel verzeichnet. Es ist anzunehmen, dass damit – jedenfalls in der Akzession der Monographien und Fortsetzungswerke – die in dem Schreiben der Archivkommission vom Januar 1942 in Aussicht gestellten ca. 200 Bücher bearbeitet waren.
Am 23. Oktober 1942 wurde die Akzession von Dona aus dem Auswärtigen Amt wieder aufgenommen; sie setzte sich bis zum 3. Februar 1943 fort und umfasst weitere 38 Titel. Vermutlich gehörten sie zu einer neuen Lieferung, die keine Spuren in den einschlägigen Akten hinterlassen hat.
Im Haushaltsjahr 1943 folgen noch einmal 56 Titel. 1945 wurden zwei Titel portugiesischer Rechtsliteratur verzeichnet, die ebenfalls dem Lieferanten Auswärtiges Amt zuzuordnen sind, nun – nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – mit der Lieferantenangabe „Herkunft unbekannt“ (vgl. # 5 Bücherwege).
Die Zahl von 200 wird allerdings überschritten, schaut man nicht nur in die Akzessionsjournale der Monographien und Fortsetzungswerke, sondern auch in die Akzessionsjournale der Zeitschriften: Auch sie enthalten, und zwar mit dem 18. April 1942 beginnend und endend mit dem 27. März 1943, Dutzende von Titeln, die entweder mit der Lieferantenangabe Auswärtiges Amt versehen oder – ohne Angabe der Lieferanten – unter kritischem Vergleich von Wissensgebieten, Verlagsorten, Sprachen usw. der Herkunft „Auswärtiges Amt“ zugerechnet werden können. Insgesamt sind es 75. Ein weiterer Zugang folgt im Haushaltsjahr 1943 sowie vier mit dem Eintrag „Herkunft unbekannt“ im Akzessionsjournal der Zeitschriften für 1945, deren Zuordnung jedoch unsicher ist. Ohne diese vier ergibt sich für die Monographien und Fortsetzungswerke und die Zeitschriften bis einschließlich des Haushaltsjahrs 1945 eine Zahl von 369 Titeln.
Doch auch mit den beiden bereits im Kalenderjahr 1946 verzeichneten Titeln sind keineswegs alle vom Auswärtigen Amt an die Zentrale Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität abgegebenen Geschenke erfasst. Der Zufallsfund eines Buches mit den Provenienzmerkmalen des Tschechoslowakischen Konsulats in Lissabon sowie der dazugehörige Eintrag im Akzessionsjournal – Akzessionsnummer A 1961.517 – lassen darauf schließen, dass auch knapp zwei Jahrzehnte später noch Bücher und Broschüren in den Bibliotheksbestand eingingen, welche der Universitätsbibliothek Jahre zuvor vom Auswärtigen Amt des Deutschen Reichs überlassen worden waren. In dem Akzessionsjournal der 1960er Jahren erscheinen die verdächtigen Titel mit der Herkunftsangabe „Eigener Altbestand“.

#Bücherwege – Die Universitätsbibliothek hat in einem Projekt zwischen 2023 und 2025 ihre zwischen 1933 und 1945 zugegangenen Bücher auf Erwerbungskontexte untersucht, die auf beschlagnahmte, geraubte und erpresste Bestände in der NS-Zeit hinweisen. Die Verdachtsmomente wurden flächendeckend erfasst, indem die erhaltenen Originalbestände und Erwerbungsakten systematisch durchgesehen wurden. Die unrechtmäßigen Erwerbungen wurden im Katalog und in der Datenbank LostArt dokumentiert. In den folgenden Schritten werden Anspruchsberechtigte und ihre Nachkommen kontaktiert, um Bücher zurückzugeben. Das Projekt wurde vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste gefördert.

Quellen:
- Akzessionsjournale der Zentralen Universitätsbibliothek, Dona, Tausch, Pflicht.
- Akzessionsjournale der Zentralen Universitätsbibliothek, Zeitschriften.
- Universitätsarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin
- Personalakten
- Akten der Universitätsbibliothek UB01
- Bundesarchiv, Akten der Publikationsstelle Berlin-Dahlem
- Politisches Archiv des Auswärtigen Amts
- Akten Geographischer Dienst
- Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin, Akten der Gemäldegalerie
- Cornelia Briel: Raubgut aus Osteuropa in der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. Herkunft, Erwerbungszusammenhänge, unvollständige Rückgabe in den Nachkriegsjahren. In: Daniela Mathuber, Tilmann Tegeler (Hg.): Aktuelle Forschungen zum nationalsozialistischen Kulturgutraub im östlichen Europa, Berlin 2024, S. 125 – 144.
Verfasst von: Dr. Cornelia Briel
Zum Ende des Sommersemesters und zum Auftakt der Hausarbeitenphase findet im Grimm-Zentrum am Donnerstag, den 09.07.2026 von 17-21 Uhr wieder ein Schreibabend statt.
Holen Sie sich Tipps zur Themeneingrenzung, zur Literaturrecherche mit professionellen Recherche-Tools und zum Auffinden Ihrer benötigten Quellen. Zudem stellen wir Ihnen Literaturverwaltungsprogramme und KI-Tools für die Literaturrecherche vor. Darüber hinaus erhalten Sie Hinweise zur Organisation des Schreibprozesses und zur Überwindung von Schreibblockaden. Parallel zum laufenden Programm können Sie im Rahmen der betreuten „Schreibzeit“ in Ruhe an Ihren Texten arbeiten.
Unter Anleitung einer Kollegin, die eine Zusatzausbildung als Yogalehrerin hat, bieten wir mit „Schreibtisch-Yoga für Schulter und Nacken“ eine kleine, aktive Pause an.
Natürlich gibt es bei einem Tässchen Kaffee und kleinen Snacks auch wieder die Möglichkeit zum Austausch.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Weitere Informationen sowie das detaillierte Programm finden Sie auch auf unserer Webseite unter: https://link.ub.hu-berlin.de/schreibabend-gz
Alle Veranstaltungen finden im PC-Saal auf der Ostseite des Grimm-Zentrums im 1. OG statt.
Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!
Die Bibliothek des Institutum Judaicum Berolinense gehört zu den Vorgängereinrichtungen der Zweigbibliothek Theologie an der Humboldt-Universität. Den folgenden Beitrag erarbeiteten die Studentinnen Lilly von Berg und Siya Aleksandrova Stoyanova im Rahmen eines Seminars am Institut für Kulturwissenschaft. Das Seminar fand im Wintersemester 2025/26 unter Leitung von Prof. Liliana Feierstein in Kooperation mit mehreren Einrichtungen statt, unter anderem mit dem Bereich Provenienzforschung der Universitätsbibliothek.
Geschichte des Institutum Judaicum
Die Geschichte des Institutum Judaicum beginnt in den 1880er Jahren. In dem Zeitraum entstanden im deutschsprachigen Raum an zahlreichen Universitäten sogenannte Instituta Judaica, deren Ziel es war, umfassende Kenntnisse über das Judentum zu erwerben, zu systematisieren und weiterzuvermitteln. Das Institutum Judaicum in Berlin wurde 1883 von Hermann Leberecht Strack gegründet und bestand, neben dem in Leipzig, als einziges über das Jahr 1900 hinaus fort. Während das Leipziger Institut 1935 aufgelöst wurde, existierte das Berliner Institut bis zum Jahr 1956.
In dem Leipziger Institut lag der Fokus auf der Ausbildung von Berufsmissionaren, während in dem Berliner Pendant die Ausrichtung auf der Vermittlung von Wissen über das Judentum lag, zugleich aber Verständnis für die Judenmission bestand. Die judenmissionarischen Ziele stießen außerhalb der involvierten Missionskreise auf keine Resonanz und wurden kritisch bewertet. Nach Stracks Tod wurde im Jahr 1923 die Judenmission im Institutum Judaicum aufgegeben.1
Hermann Leberecht Strack wurde am 6. Mai 1848 geboren, studierte in Berlin und Leipzig und promovierte 1872 zum Dr. phil. Daraufhin war er ein Jahr als Lehrer in Berlin tätig und unternahm 1876 eine Reise nach Russland, um hebräische Handschriften zu erforschen. Strack publizierte viel, und seine herausgegebenen Textausgaben wurden auch noch lange nach seinem Tod für das Studium der rabbinischen Literatur herangezogen.2

Stracks Tod am 5. November 1922 setzte nicht nur den Schlussstrich unter die judenmissionarische Ausrichtung, sondern markierte auch ein Ende einer beständigen Institutsleitung, die sich bis dato immerhin über die Hälfte des Bestehens des Instituts erstreckte. Die Leitung des Instituts wurde in den weiteren drei Jahrzehnten mehrfach neu besetzt und wird im Folgenden kurz umrissen:
Hugo Greßmann übernahm von 1923–1927 die kommissarische Leitung des Instituts; er setzte sich für eine geschichtlich-wissenschaftliche Betrachtungsweise des Judentums ein.3 Sein Spezialgebiet war der hellenistisch-römische Zeitraum des Judentums.4 Er starb im April 1927.
Ernst Sellin war 1927/28 der stellvertretende Direktor.
Joachim Jeremias war 1928/29 für ein Semester Direktor, bevor er nach Greifswald wechselte.
Alfred Bertholet erhielt in seiner Zeit als Direktor von 1929–1937 große Unterstützung durch den Privatdozenten Leonhard Rost.5
Johannes Hempel, im Amt von 1937–1945, war als Direktor an die nationalsozialistische Weltanschauung gebunden, mit entsprechenden Konsequenzen nach 1945.6 Es fanden während seiner Leitung keine Lehrveranstaltungen statt, und ab 1940 war Hempel als Kriegspfarrer im Einsatz.7 Sein Versuch, nach dem Krieg wieder in die Theologische Fakultät einzutreten, scheiterte an seiner “nach 1933 zunehmend engagierten Haltung im Sinne des Nationalsozialismus, die nicht verborgen bleiben konnte.”8
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges leitete Leonhard Rost von 1946–1956 das Institut.
Im Wintersemester 1936/37 wurde der Lehrbetrieb im Institut vorläufig beendet und nach dem Krieg mit der Neueröffnung 1946 wieder aufgenommen.
Zehn Jahre später wurde die Lehr- und Forschungseinrichtung Institutum Judaicum in Berlin allerdings nach 73 Jahren endgültig geschlossen und nach Rosts Weggang kein neuer Leiter mehr berufen.
Zu der Geschichte des Instituts wird nun schlussendlich ein Überblick über die Teilnehmerzahlen gegeben, wobei allerdings nur Aufzeichnungen für die Anfangsjahre und für den Zeitraum von 1928 bis 1936 existieren. In den ersten Jahren belief sich die Zahl der Teilnehmer auf um die 10 Personen, 1889/90 stieg die Zahl dann auf das Doppelte.10 Neben den Vorlesungen wurden Spezialseminare und Übungen angeboten, die zwischen 1929/30 und 1933 von bis zu 16 Personen besucht wurden, ansonsten nahmen durchschnittlich unter 10 Personen teil.11
Die Bibliothek
Die wissenschaftliche und kulturgeschichtliche Bedeutung der Bibliothek des Institutum Judaicum ist ebenso beachtlich. Die Bibliothek hat ihren eigenen Werdegang und ist heutzutage ein Teil der Zweigbibliothek Theologie der Humboldt-Universität zu Berlin.
Die Geschichte der Bibliothek des Berliner Institutum Judaicum beginnt mit der Gründung des Instituts im Jahr 1883 und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer bedeutenden Sammlung für nachbiblisches Judentum, rabbinische Texte sowie jüdische Literatur- und Kulturgeschichte sowie Missionsforschung. Besonders unter dem Begründer und erster Leiter des Instituts Hermann L. Strack wurde der Bestand kontinuierlich erweitert.12 Durch Schenkungen verschiedener Stiftungen sowie durch Stracks eigene Zuwendungen wuchs die Bibliothek so schnell, dass der ursprünglich vorgesehene Bücherschrank bald nicht mehr ausreichte.13 1918 übergab Strack schließlich seine komplette private Büchersammlung an die Theologische Fakultät, die dann den bedeutendsten Teil der Institutsbibliothek bildete.
Unter der Leitung von Hugo E. W. Greßmann ab 1923 erhielt die Bibliothek des Institutum Judaicum erneut einen Zuwachs.15 Greßmann erweiterte den Bestand auf rund 3.000 Bände. Zudem wurde nach seinem Tod auch seine Privatbibliothek für das Institut käuflich erworben.16 Im Jahr 1930 zog die Einrichtung in das Gebäude des Theologischen Seminars in die damalige Dorotheenstraße 3 (Abb. 2), die Bestände wurden neu aufgestellt und in einem Realkatalog neu erfasst.17

Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg hinterließen auch in der Bibliothek des Institutum Judaicum deutliche Spuren. Zum einen nahm der damalige Leiter Hempel einen Teil des Bestands „unter Verschluss”, da die Bücher nach seiner Einschätzung nicht mit der nationalsozialistischen Ideologie vereinbar waren.18 Zum anderen war die Stadt und somit die Bibliothek durch Bombenangriffe akut gefährdet. Die Bibliothek zog in dieser Zeit mehrmals um, teilweise wurde sie an ungeeigneten Orten untergebracht, was zu Schäden und Verlusten führte. Konkrete Angaben dazu fehlen jedoch. Nach dem Zweiten Weltkrieg lässt sich unter neuer Leitung erneut ein kontinuierliches Anwachsen des Bibliotheksbestands feststellen.19
Nach der Schließung des Instituts im Jahre 1956 war niemand mehr unmittelbar für die Bibliothek zuständig, sie wurde aber trotzdem aufgrund ihrer inhaltlichen Bedeutung weiter gepflegt.20 Mit der Hochschulreform in der DDR nach 1967 folgte eine Zentralisierung und Vereinheitlichung der Instituts- und Seminarbibliotheken und damit auch des Bestandes des Institutum Judaicum. Damals entstand die Zweigbibliothek Theologie, die organisatorisch zur Zentralen Universitätsbibliothek gehört.21
Heute befindet sich der Bestand als Sondersammlung in der Abteilung Judaica in der Zweigbibliothek Theologie der Humboldt-Universität in der Anna-Louisa-Karsch-Straße 1. (Abb. 3) Er umfasst rund 4.000 Bände mit Literatur zur Auslegung des Alten Testaments, zu Mischna und Talmud sowie zur jüdischen Geschichte, Kultur und Religion – und bewahrt damit ein wichtiges Erbe der wechselvollen Geschichte des Institutum Judaicum Berolinense.

Verfasst von Lilly von Berg & Siya Aleksandrova Stoyanova
Entstanden im Seminar „Bücher als Raubgut“ von Prof. Dr. Liliana Feierstein (Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin), 10.11.2025.
Literaturverzeichnis
1. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 17.
2. Ebd., S. 19–20.
3. Ebd., S. 97.
4. Ebd., S. 101.
5. Ebd., S. 109.
6. Ebd.
7. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 117.
8. Ebd.
9. Humboldt-Universität zu Berlin: An-Institute, Online: 15.04.2025. https://www.hu-berlin.de/de/forschung/exzellente-forschung/kooperationen/an-institute/an-institute. Letzter Zugriff: 10.11.2025.
10. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 76.
11. Golling, Ralf: Das ehemalige Institutum Judaicum in Berlin und seine Bibliothek. Schriftenreihe der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. Berlin, 1993, Nr. 57, S. 14.
12. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 123.
13. Ebd., S. 124.
14. Humboldt-Universität zu Berlin: Geschichte der Universitätsbibliothek. Online: 15.01.2023. https://www.ub.hu-berlin.de/de/ueber-uns/geschichte. Letzter Zugriff: 07.11.2025.
15. Freuling, Georg: Greßmann, Hugo. Online: 2009. http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/20120/Greßman. Letzter Zugriff: 08.11.2025.
16. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 125.
17. Ebd.
18. Hempel: Mitteilung an den Universitätskurator vom 4.11.1937 über die Sperrung von Büchern. In: Universitätsarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin. UK-Nr. 795/1, B1.44., zit. n. Golling, Ralf: Das ehemalige Institutum Judaicum in Berlin und seine Bibliothek. In: Schriftenreihe der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. Berlin, 1993, Nr. 57, S. 20.
19. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 128.
20. Institut Kirche und Judentum: Unsere Bibliothek. https://www.ikj-berlin.de/ueber-uns/unsere-bibliothek. Letzter Zugriff: 09.11.2025.
21. Golling, Ralf, et al.: Hermann L. Strack und das Institutum Judaicum in Berlin: Mit einem Anhang über das Institut Kirche und Judentum. Berlin, 1996, S. 129.
Indien steht dieser Tage stark im Fokus. In Krisenzeiten und in Anbetracht globaler Zerwürfnisse, in denen alte Partnerschaften nicht mehr verlässlich erscheinen, blicken Deutschland und die EU zunehmend nach Südasien und bemühen sich offensiv um eine engere Zusammenarbeit mit der sogenannten größten Demokratie der Welt.
Umso gewichtiger wirkte daher der hohe Staatsbesuch, den die Zweigbibliothek Asien-/Afrikawissenschaften und Islamische Theologie am 21. April empfing. Noch vor dem Treffen mit seinem deutschen Amtskollegen besuchte der indische Verteidigungsminister, Seine Exzellenz Rajnath Singh, in Begleitung seiner Delegation und des indischen Botschafters, Seiner Exzellenz Ajit Gupte, die Bibliothek, um in einer zeremoniellen Geste Blumen an der dort stehenden Büste Rabindranath Tagores niederzulegen.
Tagore – Philosoph, Dichter, Maler, Komponist, Musiker und erster asiatischer Nobelpreisträger (Literatur) überhaupt – war eine zentrale Figur des intellektuellen Austauschs zwischen Südasien und Europa. Schon 1921 war er an die damalige Friedrich-Wilhelms-Universität gekommen, um eine eindrückliche Rede zu halten. Deren zum Teil erhaltene Tonaufnahme liegt heute im Universitätsarchiv; sie wurde während des Staatsbesuchs abgespielt und dem Gast überreicht.
Die europäische Indologie nahm hier in Berlin ihren Anfang und besteht auch heute noch als Fachgebiet Südasien am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften fort. Die dort wirkende Professorin Dr. Anette Schmiedchen, Expertin für die Geschichte des vormodernen Indiens und Sanskrit-Epigraphik, war bereits 2015 von der indischen Regierung für ihre Verdienste um die Sanskrit- und indologische Forschung geehrt worden.
Die von dem berühmten indischen Bildhauer Gautam Pal geschaffene Büste des bengalischen Universalgelehrten Tagore wurde der Zweigbibliothek 2006 als Geschenk der indischen Regierung an die Humboldt-Universität zu Berlin übergeben. Fast zwanzig Jahre nach ihrer Enthüllung stand Tagore nun erneut im Mittelpunkt einer zeremoniellen Bekräftigung der deutsch-indischen Beziehungen. Diese blicken auf eine lange Tradition des wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Austauschs zurück, für die die Humboldt-Universität eine herausragende Rolle gespielt hat.

„Li[f]e is given to us, we earn it by giving it.” (Rabindranath Tagore)
[Foto: Medienteam der Botschaft Indiens]
Der indische Verteidigungsminister, Seine Exzellenz Rajnath Singh, ehrt den bengalischen Literaturnobelpreisträger.
Text: Anton Terhechte
Die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität ist auch in diesem Jahr wieder an der Veranstaltungsreihe für Promovierende „Lost in Dissertation“ beteiligt.
Expert:innen von FU, HU, TU, Charité, der Deutschen Digitalen Bibliothek und der Staatsbibliothek freuen sich darauf, ihr Know-how zu den Themen Literaturverwaltung, Schreibprozess, Lesetechniken, Projektmanagement, Publikationsmöglichkeiten, Open Access und Forschungsdaten an Sie weiterzugeben.
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