• Philosophische Fakultät III
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Mediaresearch@IAAW

Projektposter aus dem Abschlusscolloquium des Bereichs Gender and Media Studies for the South Asian Region (SoSe 2017)

Im Rahmen des Abschlusscolloquiums für Bachelor- und Masterstudierende bei Prof. Schneider sind im Sommersemester 2017 folgende Projektposter entstanden:

 

Imagination der indischen Filmindustrie in Deutschland
(De-)Konstruktion assoziativer Bilder am Beispiel der IndoGerman Filmweek und dem Indischen Filmfestival in Stuttgart

-Michèle Figur (B.A. Regionalstudien Asien/Afrika)

 

Hindustan Unilever Limited (HUL) Skin-lightening Brand „Fair&Lovely“
(New) tie-up of gender, social entrepeneurship and global marketing in advertisment

-Bellinda Widmann Kambili (B.A. Regionalstudien Asien/Afrika)

 

„Ich bin dann mal weg!?
Eine Mikrostudie über Identität, interkulturelle Verflechtungen sowie intra- und interpersonale Konflikte im Zuge der Migration aus Indien nach Deutschland

Jasmin Bürkl (M.A. Moderne Süd- und Südostasienstudien)

 

India’s 100 Smart Cities Mission
What type of citizen(ry) is envisioned through top-down and/or bottom up processes?

-Michelle Ruiz (M.A. Moderne Süd- und Südostasienstudien)

 

Migrating Families by State Design: A Matter of Public Safety?
State intervention in movements of migrant workers and family members through policy and perceptions of violence

-Liza Veldhuis (M.A. Gender Studies)

 

Tourism as Nation Building: India & Mexico
Examining the interconnection between Nation Branding Agents & Brand Ambassadors

-Elena Ashly Dudel (M.A. Moderne Süd- und Südostasienstudien)

 

8. September 2017 | Veröffentlicht von Joshua Pepe Woller | Kein Kommentar »
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Film des Monats: HINDI MEDIUM (2017, R: Saket Chaudhury)

Englisch ist in diesem Land nicht nur eine Sprache, Raj, es ist eine eigene Klasse. Und in diese Klasse kommst du nur rein, wenn du eine gute Schule besuchst“.

Die zentrale Bedeutung des Englischen als „aspirational langugage“ für die aufstrebende indische Mittelschicht ist bereits in einigen Romanen und Filmen behandelt worden, etwa durch den „Blockbuster-Autor“ Chetan Bhagat („Half Girlfriend“). In dem erfolgreichen Spielfilm HINDI MEDIUM geht es nun um eine finanziell gut gestellte „nuclear family“ aus Old Delhi, bestehend aus dem Ehemann und Vater Raj Batra (gespielt von Irrfan Khan), seiner Frau Mita (gespielt von der pakistanischen Schauspielerin Saba Qamar Zaman) und ihrer fünfjährigen Tochter Pia (Dishita Sehgal). Raj und Mita haben beide eine staatliche Schule besucht, was gegenwärtig kaum noch eine Option für Eltern ist, die für ihre Kinder eine bessere Zukunft anvisieren als sie ihnen selbst ermöglicht wurde. Weniger ist es der Wert einer guten schulischen Bildung an sich, sondern vor allem der Zugang zum Englischen und damit verbundenen Habitus einer kulturell globalisierten Mittelschicht, den Mita sich für die gemeinsame Tochter sehnsüchtig wünscht. So sehnsüchtig, dass sie Raj sogar überreden kann, aus Chandni Chowk, wo er stark verwurzelt ist, in die Gegend der Bestsituierten im Süden Delhis umzuziehen (Vasant Vihar). Die stärksten Dialoge und Szenen weist der Film in dem Teil auf, der Raj und Mita in ihrem verzweifelten Bemühen zeigt, genau so auftreten und sprechen zu können wie die anglophone Mittel- und Oberschicht Delhis. Als es ihnen ungeachtet der massiven Investition in ihre Statuserhöhung dennoch nicht gelingt, für Pia einen Platz an einer der fünf „besten“ Schulen Delhis zu ergattern, verfolgen sie die umgekehrte Strategie: Sie ziehen nach Bharat Nagar und geben sich dort als verarmte Familie aus, in der Hoffnung, so über die Quote für Kinder aus armen Familien doch noch Zugang zu einer „guten“ Privatschule zu bekommen.

Ob es für den Film spricht, dass die zunehmende sozialräumliche Segregation und wachsende soziale Ungleichheit in Delhi überhaupt in einem Hindi-Film thematisiert wird, oder ob die klischeehafte Darstellung der Armut zu kritisieren ist (auch wenn es sich um positive Stereotype der „guten Armen“ handelt), sei dahingestellt. In jedem Fall ist das Gedankenspiel einer freiwilligen Statusherabsetzung der Familie, nur um die begehrte Schulbildung für die Tochter zu sichern, ebenso interessant wie die Frage des ethisch-moralischen Dilemmas, in dem sich Raj und Mita befinden, nachdem ihre Tochter den Platz über die Quote tatsächlich erhält, der Sohn eines anderen Vaters in Bharat Nagar, Shyamprakash, jedoch nicht. Auch Shyamprakash (großartig gespielt von Deepak Dobriyal) und seine Frau hoffen auf eine bessere Zukunft durch Bildung und Zugang zur englischen Sprache für ihren Sohn Mohan, doch mit der Gewissheit, dass ihm nur der Besuch einer staatlichen Schule bleiben wird, werden diese Aspirationen mit einem Schlag zunichte gemacht.

Die Schwächen des Drehbuchs offenbaren sich vor allem im letzten Drittel des Films und das Ende verärgert weniger durch den vorhersehbaren Kitsch als durch die performative Wiederherstellung der Klassengrenzen, indem Raj und Mita mit ihrem philantropischen Engagement für die staatliche Schule als „gute“ indische Mittelschicht inszeniert werden. Arme Familien wie die von Shyamprakash bleiben somit dauerhaft in der Position der Abhängigen, nicht so sehr von einem entweder abwesenden oder bedrohlichen Staat, sondern vielmehr von der benevolenten Förderung durch die Habenden.

Dennoch ist der Film äußerst sehenswert, da er wichtige Fragen formuliert und interessante Diskussionsanstöße bietet. Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass sozialkritische Filme wie HINDI MEDIUM nicht mehr länger als „überraschende Ausnahme“, sondern mittlerweile durchaus als repräsentativ für das Bemühen der Hindi-Filmindustrie betrachtet werden können, einem anspruchsvoller werdenden heimischen Publikum gerecht zu werden und weiterhin neben der wachsenden Konkurrenz nicht nur aus Hollywood, sondern gerade auch aus anderen regionalsprachigen Filmindustrien Indiens zu bestehen, die sich gegenwärtig sehr dynamisch entwickeln.

 

Nadja-Christina Schneider

 

 

1. September 2017 | Veröffentlicht von Nadja-Christina Schneider | Kein Kommentar »
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Critical Reflections on a Notion of Global Art History

A Personal Report on a Panel Discussion in the Framework of the Exhibition Common Ground #3 – Where the Circles Intersect at Kleine Humboldt Galerie, Berlin

by Jamila Adeli

Jamila Adeli and Prof. Dr. Eva Ehninger (both Humboldt University Berlin)(copyright Verena Leuten)

Rebecca John, curator of the exhibition “Common Ground #3 – Where the Circles Intersect”, invited me to participate in a discussion on the contemporary notion of a so-called „Global Art History “, which took place on July 4th 2017 at Kleine Humboldt Galerie, Humboldt University Berlin.

To speak about the relation of globality, globalization and visual art in Berlin was a true pleasure as it was located at my own home ground: at Humboldt University, where I am currently writing my PhD on the translocal transformation of the contemporary art world in India; and in Berlin, the place where I have organized and realized various exhibitions that touched upon re-thinking the translation and transformation of the cultural context of artworks.

The aim of the discussion was to give answers to questions like “How can the transcultural perspective question the canon and enrich the discipline of art history?”, “Can art be described from a global perspective, without re-establishing borders?”, or “What happens if art travels the world and gets presented in new localities?”. Those were the questions that arose during the process of curating and presenting “Common Ground#3 – Where the Circles Intersect”, a traveling exhibition of six artists from India who are interested in depicting notions of “home”.

The other participants on the podium were Prof. Dr. Eva Ehninger (Humboldt University, Berlin) and Prof. Dr. Monica Juneja (Cluster of Excellence Asia and Europe in a Global Context, University of Heidelberg), and to get the discussion going, we started by presenting our individual entry points to critically rethinking and reflecting on Global Art History. After that, an audience of students, artists and art professionals took our thoughts further by raising relevant, highly political and very reflective questions and comments on how artifacts, artists and ideas move (and don’t move!) or get disseminated and staged in the world of art.

Prof. Dr. Eva Ehninger (Humboldt University Berlin) and Prof. Dr. Monica Juneja (University of Heidelberg)(copyright Verena Leuten)

My viewpoint on how to approach visual arts in relation to globalization has evolved predominately from my experience in exhibition making and curating. Artworks are made by human beings who express, react and reflect upon their cultural, social or political surrounding – often with the attempt to enter in a dialogue with the viewer. Hence, the realities that surround an artist are communicated through and with the work he or she produces and often ask for space or even translation when being positioned in a differing context.

I realized that as a curator, you can decide how to react to the context of an artwork in either presenting or neglecting it. Speaking for myself, I belong to the context-sensitive curators and always tried to mediate the context of an artwork and to provide various access points toward an understanding of an artwork: via the aesthetics, via the content or via the context. After almost 10 years of practice, I must admit that it hasn’t become easier but in fact more complicated.

The mobility of artworks is a major challenge to curating. The eminent thinker and curator Gerardo Mosquera describes it as follows:

The challenge is being able to keep up with the proliferation of new subjects, new scenes, and artistic energies, as well as with information that explodes from all sides and forces us to open our eyes, ears and minds. Curating, in large part, is done today from a position of ignorance. (From Here. Context and Internationalization, 2012)

With this single sentence Mosquera pinpoints what I consider as highly necessary when critically engaging with the notion of a Global Art History: the need to transform ignorance into accessible knowledge. A Global Art History should not only focus on the relations that occur in a global art world, but also on the local, the transcultural and what both terms denote at specific events in the art world.

We can certainly detect an increasing density or an interconnectedness of social interactions within a global art world. And we need to investigate such relations. But we should refrain from overemphasizing new integration, participation, a commonly shared consciousness about being connected. Because we cannot speak of a global art world yet. Asia and Africa are blatantly excluded from the centers of the so called global art world that is clearly dominated by Western Europe and North America.

Attendants of the discussion at Kleine Humboldt Galerie (copyright Verena Leuten)

To diminish the ignorance that Gerardo Mosquera mentions, Global Art Historians should also engage with those who have been excluded so far. Here, a new research perspective seems necessary, a perspective that resembles the research objective and methods of Global Anthropology and Area studies. Both disciplines provide local and regional expertise on global events and phenomena and with such perspective, another dimension of globalization becomes obvious: that of the production, notion and negotiation of translocality. Since the so called “local” and “global” are entangled dimensions, the dynamics of local or regional processes bear – if not even produce – a global dimension. So what better way is there to understand contemporary art worlds from this perspective?

One such access point could be the investigation of art biennials or art fairs in the global South – a perspective that I am currently researching in my Ph.D. project “Art, Market and the Media: Contemporary Art (Worlds) in India Since Economic Liberalization”. Both art events are interfaces that construct (new) meaning at locations where the so called global flows of the art world intersect.

By investigating the Kochi-Muziris Biennial, for example, India’s first Biennial, from a decidedly local and actor centric perspective, I can shed light on the practices and perceptions that happen on the ground in the city of Kochi, triggering a variety of questions that a Global Art History perspective shouldn’t neglect any longer:

How do artists, gallerists, critics or collectors make sense of their new cultural contexts? How do they interact with their new global reality?

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Jamila Adeli is an art historian and freelance curator based in Berlin, with a focus on India, and the Near and Middle East. She studied Art History, Film Studies and English Philology, specializing in the cultural contact zones of European and Non-European art. Her M.A. thesis engaged in the notion of the spatial turn and its applicability within the discipline of Film Studies.
Her curatorial practice includes
the 2011 retrospective The Last Harvest. 98 Paintings of Rabindranath Tagore at the Museum of Asian Art, State Museums of Berlin in collaboration with the Indian Ministry of Culture, National Museum of Modern Art, New Delhi, Kala Bhavana Museum Shantiniketan and the Rebecca Horn retrospective Passage Through Light at National Gallery of Modern Art, New Delhi in 2012 in collaboration with ifa, Institute for Cultural Relations, Germany.

Jamila Adeli is currently writing her doctoral thesis on Art, Market and the Media: Contemporary Indian Art (Worlds) Since Economic Liberalization at Humboldt University Berlin.

30. Juli 2017 | Veröffentlicht von Joshua Pepe Woller | Kein Kommentar »
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Demonetarisierung und soziale Hierarchien in Indien: Ein Erfahrungsbericht über ein Dokumentarfilmprojekt in Westbengalen

von Oskar Zoche

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Der 8. November 2016 hat sich in unser kollektives Gedächtnis eingeschrieben als der Tag, an dem ein offensichtlich misogyner und xenophober Immobilienmilliardär zum Präsidenten der größten Volkswirtschaft der Erde gewählt wurde. Am selben Tag auf der anderen Seite des Globus traf die indische Regierung unter Premierminister Narendra Modi eine Entscheidung, die quasi alle 1,3 Milliarden Bewohner ihres Landes betraf und über 200 Menschenleben fordern sollte, jedoch in unseren Medien viel weniger Widerhall erfuhr als der politische Paukenschlag von der anderen Seite des Atlantiks: die Demonetarisierung, also Geldentwertung von 87% des sich in Indien im Umlauf befindlichen Bargelds.

 

Ich befand mich zu dieser Zeit gemeinsam mit der Kamerafrau und Regisseurin Laura Kansy in Kalkutta und wir waren auf der Suche nach einem Thema für einen Dokumentarfilm, den zu drehen wir uns vorgenommen hatten. Uns schwebte etwas Abstraktes über soziale Hierarchien vor, nachdem sich mein ursprünglicher Vorsatz, mit Taschendieben zu arbeiten, als schwer durchführbar erwiesen hatte. Zu dieser Zeit lernte ich einen bengalischen Blogger kennen, der für seine Seite eine Reise von Kalkutta bis nach Bangalore unternehmen wollte, um die Folgen der Geldentwertung für die Landbevölkerung zu dokumentieren. Wir verstanden uns sehr gut und entschlossen uns kurzerhand, die Reise gemeinsam zu begehen.

 

Die öffentliche Meinung zum Sinn und den Folgen dieses massiven Eingriffs in das Leben aller war zu diesem Zeitpunkt stark gespalten. Das Thema dominierte die öffentliche Diskussion und nicht selten kam es zu Handgreiflichkeiten vor Banken, wo die Menschen stundenlang anstanden, um ihr Tageslimit von 2000 Rupien abheben zu können und dementsprechend lange Zeit hatten, sich Argumente um die Ohren zu hauen. Wir hatten uns zum Vorsatz gesetzt, herauszufinden, wie die Stimmung auf dem Land sei, aber insgeheim wussten wir bereits, was wir finden wollten: Eine entrüstete Bevölkerung, die unter den Folgen dieses Unsinns litt, aber keine Stimme hatte, um sich zu artikulieren und nur auf uns drei wartete, die wir bereit waren, ihr diese Stimme zu geben.

 

Wir fanden dann auch sehr viele Menschen, die erzählen konnten, in welchen Schwierigkeiten sie steckten, aber nur wenige waren entrüstet und – was mich noch mehr verblüffte – je weniger Stimme eine Person zu haben schien, desto weniger schien sie darauf zu warten, sie durch uns zu bekommen. Es waren fast immer die Führenden, die Reichen und Mächtigen eines Dorfes oder einer Gemeinschaft, denen das Wort erteilt wurde oder die es sich nahmen. Auf eine gewisse Art erlebte ich Spivaks Antwort auf die emblematisch gewordene Frage „Can the Subaltern Speak?“. Sprachen wir zum Beispiel vom Feld kommende Tagelöhner*innen an, waren diese nicht bereit, ihre Erfahrungen mit uns zu teilen und verwiesen uns an ihren Contractor/Aufseher, der für sie sprechen sollte. In einem Naxalitendorf in Bengalen waren die Bewohner zwar willig zu reden, aber nicht bereit, dabei aufgenommen zu werden, aus Angst vor Repressionen durch die Regierung. Ein anderes Mal sprachen wir eine Frau im Norden Odishas am Straßenrand an, die als Tagelöhnerin beschäftigt Reis trocknete. Sie war zunächst auch nicht bereit, mit uns über ihre Probleme zu reden, sondern verwies uns an ihren Arbeitgeber, den wir kurz darauf im nahegelegenen Dorf trafen. Dieser erzählte uns, dass es keine Probleme gebe und es allen Menschen in seinem Dorf gut ginge. Als wir daraufhin nochmal mit der Frau redeten, war sie nach einiger Zeit doch zu einem Interview bereit, und schilderte, wie ihr einige Tagelöhne verwehrt worden wären mit Hinweis auf die Bargeldknappheit und ihre Tochter schon mehrmals die 12km zur nächsten Bank gelaufen sei, aber es bisher noch nicht geschafft habe, das Ersparte umzutauschen, da jeweils Dokumente fehlten. Wie viele andere Menschen mit ähnlichem ökonomischen Hintergrund, mit denen wir sprachen, brachte sie die Geldentwertung nicht mit einer Entscheidung von gewählten politischen Vertretern in Zusammenhang, sondern sprach über das Ereignis, wie über eine Naturkatastrophe – ein Ereignis, das außerhalb der Sphäre des beeinflussbaren geschieht und an dessen Folgen man sich notgedrungen anpassen muss.

 

Wenn wir mit Menschen sprachen, die über den Luxus verfügten, sich nicht jeden Morgen Gedanken darüber machen zu müssen, von was sie sich diesen Tag ernähren würden, war eine kritische politische Stellungnahme einfacher zu bekommen – zumindest so lange die Kamera aus war. Die Anwesenheit der Kamera beeinflusste maßgeblich das Gesagte. So sprachen wir mit einer Psychologin aus einer Kleinstadt in Bengalen, die uns schilderte, wie viele Menschen aus allen Bevölkerungsschichten in diesen Tagen zu ihr kämen, da sie unter Panikattacken und Stresssymptomen litten. Nur sehr verhalten merkte sie an, dass Modi „diese gute Entscheidung, etwas besser hätte planen können“. Erst als die Kamera aus – aber der Soundrecorder noch an -war, fand ihr Unmut über Modis Politik und eingeschränkte Meinungsfreiheit Artikulation. Theoretisch und auch praktisch könne jede*r seine*ihre Meinung öffentlich äußern, aber es gebe viele Dinge, die die Menschen davon abhalten würden. Nicht weil irgendwer Angst davor hätte, ins Gefängnis zu wandern, sondern weil die Menschen von der Gesellschaft ausgegrenzt würden, wenn sie sich gegen die regierende hindunationalistische Partei wendeten. Auch hatte sie den Eindruck, dass diese Tendenz in den letzten Jahren stark zunehme. Dies ist wohl einer der Gründe, wieso nur wenige Menschen mit uns über Politik sprechen wollten.

 

Unsere Rolle als weiße privilegierte Fremde (wenn auch immer mit einem Inder unterwegs) spielte für die Art der Reaktionen, die wir bekamen gewiss eine weitere große Rolle. In viele ländliche Gebiete Indiens verirren sich nur sehr selten Ausländer und so wurde uns vielerorts mit einer Mischung aus Neugierigkeit, Gastfreundlichkeit und Skepsis begegnet. Was wir mit unserer Kamera taten, war unseren Gegenübern manchmal nur schwer begreifbar zu machen. Einmal kamen wir in Odisha an einer Bank vorbei, vor der hunderte Menschen warteten. Wir stiegen aus dem Auto aus und wollten mit den Leuten reden, die uns aber zunächst dazu drängten, an der gesamten Schlange vorbei zu laufen, damit wir Geld abheben könnten. Die Bargeldknappheit war zu der Zeit noch gewaltig, meist wurden Geldautomaten nur in sehr unregelmäßigen Abständen mit fünf Lakh Rupien (=500 000 INR) versorgt. Das heißt wenn jede*r sein Tageslimit von 2000 Rupien abheben würde, konnten 250 Menschen an Geld kommen. Viele nutzten mehrere Karten, standen auch für ihre Verwandten und Freunde an und war der Geldautomat erstmal leer, so konnten Tage vergehen, bis im Umkreis von vielen Kilometern wieder einer gefüllt wurde. Es gibt Berichte über Dutzende von Menschen, die zu der Zeit starben, weil sie in der Schlange vor dem Geldautomaten stehend nach Stunden oder gar Tagen einfach umkippten, und wir als Fremde genossen nicht nur in dieser Situation Privilegien, die mir nicht ganz geheuer waren. Ein anderes Mal interviewten wir eine Gruppe Loader aus Bihar und nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass sie dachten, wir wären von der Regierung. Nachdem wir das richtiggestellt und versucht hatten zu vermitteln, was unser Anliegen mit diesem Filmprojekt war, bekamen wir eine komplett andere Perspektive zu hören als zuvor. Ich kann nur vermuten, dass es zahlreiche andere Situationen gab, in denen sich solch ein Missverständnis nicht aufklärte.

 

Ich glaube aber nicht, dass dies der einzige Grund war, wieso wir insgesamt gesehen sehr viele Unterstützer der Geldentwertungspolitik trafen. Nicht selten waren es Menschen, die selbst unter den Folgen zu leiden hatten, die zum Beispiel kleine Läden besaßen, deren Umsatz über ein bis zwei Monate um 50% zurückging. Diese Menschen waren aber Engpässe im Leben gewohnt – sei es durch Dürren, Überschwemmungen oder überstandene kostspielige Krankheiten – mit dem Unterschied, dass es dieses Mal eine Erklärung für ihr Leiden gab. So schwach die Modi-Regierung sich darin zeigte, Bargeld bereit zu stellen, so stark erwies sie sich dabei, Narrative über das Wieso und Warum der Demonetarisierung über alle Kanäle verbreiten zu lassen. Die prominenteste Erzählung war, dass die Geldentwertung sich gegen Schwarzgeld richtete, und dass reiche Menschen ihr über die Jahre schwarz erschummeltes Vermögen, das sie in Kopfkissen und im almirah (Schrank) versteckt hielten, über Nacht verloren hatten. Allerdings stapeln die meisten reichen Menschen ihre Rupien nicht wie Dagobert Duck zu Hause, sondern investieren ihr Geld in Immobilien, Gold oder ausländische Währungen. Sehr viele Leute, mit denen wir sprachen, folgten der Logik, dass wenn bereits sie, die so wenig Geld hätten, von dieser Entscheidung so massiv betroffen seien, die paisawala (Vermögenden) ja noch viel mehr betroffen sein müssten.

 

Die reichen Menschen, die wir trafen, zeigten sich jedoch ziemlich unbeeindruckt. Für die meisten war es eine ungewöhnliche oder gar interessante Erfahrung, für einen gewissen Zeitraum nicht oder kaum über Bargeld zu verfügen, aber bargeldloser Transfer war weiterhin möglich und so wichen sie für ihre täglichen Besorgungen auf die Art von Geschäften aus, die es ihnen gestatteten, per Kreditkarte zu bezahlen. Ein sehr reicher Geschäftsmann, der Besitzer einer großen Juwelierkette in Indien ist, beklagte sich über seine rückläufigen Gewinne, da Schmuck in Zeiten der Krise natürlich das erste zu entbehrende Gut sei und gab freimütig zu, viel mit Schwarzgeld hantiert zu haben. Jedoch gab es kurzzeitig einen riesigen, schnell entstandenen Schwarzmarkt, auf dem die alten Banknoten gegen eine Gebühr von 20-50% in die neuen Banknoten umgetauscht werden konnten. Und selbstverständlich meint Schwarzgeld unversteuertes Einkommen, das nur in den seltensten Fällen – ­geschätzte 2-5% des Gesamtvolumens des Schwarzgeldes in Indien – bar irgendwo aufbewahrt wird. So bedeutete die Demonetarisierung für diesen reichen Geschäftsmann nicht das Ende des Schwarzgeldtransfers (beispielsweise für Baugenehmigungen), sondern nur, dass ein zu vernachlässigender Teil seiner Reserven für solche Fälle „verbrannt“ wurde.

 

Wir sahen es nicht als unsere Aufgabe, Menschen von unserer Meinung zu überzeugen, erlebten es aber als große Ernüchterung, die Version der Regierung so häufig aus Neue erzählt zu bekommen. Dabei handelte es sich zum Teil um wortlautgetreue Wiedergaben von Modis Ansprachen im Fernsehen. Sehr beliebt war zum Beispiel der Ausdruck „surgical strike against black money“, gebraucht von Menschen, die sonst kaum ein Wort Englisch sprachen. „Surgical strike“ war eine Wendung, welche die Modi-Regierung schon im den Sommer über währenden, wieder aufkeimenden Kaschmir-Konflikt gebraucht hatte. Während liberale Medien davon sprachen, dass die absurde und die proklamierten Ziele völlig verfehlende Politik Modis ihn selbst seinen politischen Kopf kosten werde, erlebten wir ein gänzlich anderes Stimmungsbild.

 

Bei Gesprächen mit Dutzenden von Menschen aus vielen verschiedenen sozialen Milieus und knapp 80 Interviews mit der Kamera haben wir zwar ein Bild davon bekommen, wer in der Gesellschaft wie über die Demonetariserung und verwandte Themen nachdachte, filmisch weiter brachte uns das aber nicht wirklich, da wir wenig in den Interviews finden konnten, was sich nicht präziser und verdichteter in Textform ausdrücken ließe. Viele, sich zum Teil wiederholende Meinungen über ein und das selbe Thema ergeben keinen besonders interessanten Film, auch wenn dieser zum Schluss eine Stimmung wiedergibt. An diesem Punkt entschieden wir uns dazu, ein paar wenige Protagonist*innen zu suchen, die gewissermaßen beispielhaft für einen Teil der Gesellschaft stehen sollten, so wie wir sie erlebt hatten. An Hand der Demonetarisierung und ihrer divergierenden Auswirkungen auf die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, wollten wir außerdem etwas über soziale Hierarchien erzählen, denen wir auf unserer Recherchereise so viel begegnet waren.

 

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits in einem Dorf in Westbengalen gedreht, in dem ein Bauer Suizid begangen hatte, da ihm über Wochen der Zugang zu seinem Ersparten auf der Bank verwehrt geblieben war und er nicht mehr wusste, wie er seine Familie ernähren und seine Schulden tilgen sollte. Sein muslimischer Nachbar stellte sich als wortgewandter und interessanter Gesprächspartner heraus, der über das Thema Demonaterisierung hinaus viel mitzuteilen hatte. Ein obdachloser Drogendealer aus Kalkutta wurde ein weiterer Protagonist, der am untersten Ende der Gesellschaft stehend, im Gegensatz zum muslimischen Bauern kaum etwas von der Demonetarisierung gespürt hatte, da er schlicht sehr wenig mit Geld in Berührung kommt. Ein dritter Protagonist wurde ein tagsüber Sharbat verkaufender Modi-Anhänger, der abends und die Nacht über als Housekeeper tätig ist. Er litt finanziell sehr unter der Demonetarisierung, war aber im Namen der gloriosen Zukunft Indiens mehr als bereit, Abstriche zu machen. Unsere vierte Protagonistin wurde eine junge Literaturstudentin, die persönlich kaum die Folgen der Geldentwertung spürte. Unsere Herangehensweise bei den vier Hauptprotagonisten*innen ähnelte sich dahingehend, dass wir versuchten, möglichst viel Zeit gemeinsam mit ihnen zu verbringen, bevor wir die Kamera mitbrachten. Wenn wir sie dann dabeihatten, lief sie nicht die ganze Zeit, sondern wir verbrachten einen ganzen oder halben Tag zusammen und holten sie nur gelegentlich raus. Manchmal hatten wir konkrete Vorstellungen davon, was wir drehen wollten, manchmal warteten wir nur ab was passieren würde.

 

Da ich aus der Ethnologie komme, musste ich mich ausführlich theoretisch aber auch schon in der Praxis mit dem Thema Feldforschung beziehungsweise teilnehmender Beobachtung auseinandersetzen. Das Ideal dieser Herangehensweise an ein Forschungsfeld bedeutet dieses nicht nur zu beobachten, sondern an ihm teilzuhaben, das heißt die „fremde Kultur“ schlussendlich in die eigene Intuition übergehen zu lassen, um aus ihrer Warte heraus und nicht nur über sie reden zu können. Das erfordert vor allem viel Zeit und auch ein Stück weit Selbstaufgabe. Die Recherche zu einem Dokumentarfilm kann sehr ähnlich aussehen, den eigentlichen Prozess des Filmdrehens habe ich jedoch als grundverschieden erlebt. Sobald wir die Kamera rausholten, stand die Linse immer zwischen uns und der beobachteten Welt, wohingegen das Festhalten bei der Feldforschung immer rückblickend mit zeitlich und räumlicher Distanz – am Ende des Tages alleine mit meinem Notizbuch – stattfindet.

 

Auch jede*r Feldforscher*in ist klar, dass sie*er mit seiner*ihrer bloßen Anwesenheit in die Situation eingreift, es lässt sich aber wohl nicht bestreiten, dass kaum etwas den performativen Charakter von Sozialität so hervorkehrt wie eine Kamera – das heißt Menschen werden sich ihrer Rolle im Spiel des Sozialen sehr bewusst, sobald sie dazu aufgefordert werden, sich selber darzustellen. Dabei habe ich das jedoch nicht als Nachteil empfunden, sondern vielmehr als ein Phänomen, das wir uns mit etwas Übung zu Nutze machen konnten. Das Sound Device und die Kamera auf „record“ zu schalten war gewissermaßen ein Hebel, der Situationen verdichtete und ihnen Bedeutung verlieh. Bei einer Forschung wäre ich in der Lage gewesen, Monate später nach reiflicher Überlegung zu entscheiden, was von meinen Erfahrungen relevant genug ist, um im Endergebnis Artikulation zu finden. Nach acht Monaten Dreharbeiten haben wir über 100 Stunden Material gesammelt, aber trotzdem könnte ich nur einen winzigen Bruchteil meiner Erfahrungen filmisch erzählen, da wir in jeder einzelnen Situation dazu gezwungen waren zu entscheiden, worauf wir unser Augenmerk legen wollten.

 

Dennoch offenbarten sich mir zahlreiche Möglichkeiten des Mediums Film, die mir in der Forschung verwehrt bleiben: Ein Film darf oder vielmehr sollte provozieren, verwirren, Emotionen auslösen, er muss keine Fragen beantworten und kann solche stellen, die zum Beispiel die Feldforschung nicht beantworten kann. Ich habe mir zum Beispiel die Frage gestellt, was passiert, wenn wir so viele Zeichen sozialer Zugehörigkeit wie nur möglich von unseren Protagonisten abstreifen und sie dann in einem neutralen Ort miteinander konfrontieren. In einem im Filmstudio aufgebauten, schwarz abgehängten Raum begegneten sich die Protagonisten von ihrem sozialen Kontext gelöst in neutrale Gewänder gekleidet zum ersten Mal in ihrem Leben. Sie in diesem artifiziellen filmischen Raum zu bringen, hat mir Dinge über sie und Hierarchien der Gesellschaft in der sie leben verraten, die eine Feldforschung nicht zu Tage hätte bringen können. Gegen Ende des Jahres wird die Postproduktion des Films abgeschlossen sein.

 

Zum Autor:

Oskar Zoche studiert seit 2015 am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften im Masterstudiengang „Moderne Süd- und Südostasienstudien“. Zuvor hat er an der LMU in München ein Studium der Ethnologie absolviert. 2013/14 war er zum ersten Mal in Indien und hat ein Semester lang am St. Xavier’s College in Bombay studiert.

 

2. Juli 2017 | Veröffentlicht von Nadja-Christina Schneider | Kein Kommentar »
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Projektposter im Seminar „Mediale Diskurse zu Flucht und Migration im Vergleich“ (WS 2016-17)

Die folgenden drei Poster sind im Rahmen des Seminars „Mediale Diskurse zu Flucht und Migration im Vergleich“ im Wintersemester 2016/17 entstanden und hängen ab Juli in der 2. Etage des IAAW (Invalidenstraße 118) aus. Das Seminar wurde von Frau Dr. Kristina Roepstorff geleitet, die im vergangenen Wintersemester den Querschnittsbereich Medialität und Intermedialität in den Gesellschaften Asiens und Afrikas als Gastprofessorin vertreten hat.

 

Was sind Agenda-Setting, Framing und Priming?
– Sarah Gubitz, Helen Maria Haukamp, Christian Kempendorff und Paula Adjuoa Nyarko

Flucht und Migration: Medienevents und Berichterstattung
– C. Stockmann und C. J. Villwock

Flucht, Migration und Medien: Visuelle Repräsentation
– Hawraa Hamade, Reheen Ishtiaq und Maren Miehe

27. Juni 2017 | Veröffentlicht von Joshua Pepe Woller | Kein Kommentar »
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Podcast – Visual Cultures of South Asia

Recorded at the culmination of the eight-week long seminar course ‘Visual Cultures of South Asia,’, taught by Salma Siddique, this podcast features three postgraduate students with their end-of-term presentations.
The seminar course concentrates on images and their contexts of production, circulation and consumption in twentieth century South Asia. Building on the broad themes of gender and performance, colonialism and nationalism, modes of address and ways of seeing, the sacred and the secular, meaning making and narratives of identity, the podcast participants examine three media ecologies.
The first is Theresa Suski who looks at the visual dimension of the Ramjanmabhoomi political mobilisation, the second is Lisa Neubert-Tamrakar who examines the logic of Hollywood remakes in Bollywood and finally, Priska Komaromi excavates the popularity of Hindi films in the Eastern Bloc. 

Click here to download the pod

cast (approx. 12 min.): Download Podcast

1. Juni 2017 | Veröffentlicht von Joshua Pepe Woller | Kein Kommentar »
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Projektposter im B.A. Seminar „Pop Diskurse: Hashtag Proteste, Popular Culture und (nicht-)akademische Wissensaushandlungen in aktuellen Medien“ (WS 2016-17)

Dozentin: Alexa Altmann

Die Poster hängen aktuell in der 2. Etage des IAAW aus.

Female Graffiti und Streetart
Zwischen Kunst und Feminismus
– Melanie Möller & Anh Thu Nguyen

Homophobie & Sexismus:
Phänomene im DancehallReggae
Judith Torka

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

“MarcosNoHero“ vs. “BuryHim“
Beerdingung auf dem Heldenfriedhof
– Catherine Dierang

twitter & Ich
Was macht Twitter mit mir?

– Meike Esselborn & Leefke Hinderlich


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Unterrepräsentation von Musiker*innen
mit asiatischem Hintergrund in der
Populärmusikkultur Europas und Nordamerikas
– Emmeli Kim-Thu Wittnebel

Workshopbericht „Media, Technology and Family: Changing Concepts and Practices of Relatedness in India“, 14.-15. Januar 2016, IAAW

Unter dem Titel Media, Technology and Family: Changing Concepts and Practices of Relatedness in India fand vom 14.-15. Januar 2016 am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften, Querschnittsbereich Medialität und Intermedialität, ein internationaler Workshop zu den Auswirkungen technologischer Veränderungen auf die Konzeption, Struktur und Praxis familiärer Beziehungen statt. Neue Reproduktionstechnologien standen hierbei ebenso im Fokus wie moderne Kommunikationsmedien, die bisherige Auffassungen von Nähe, Distanz und Verbundenheit hinterfragen und verändern.

Zum vollständigen Workshopbericht von Erik Becker geht es hier:

Workshopbericht von Erik Becker, in: ASIEN (140), Juli 2016, 7-9

31. März 2017 | Veröffentlicht von Joshua Pepe Woller | Kein Kommentar »
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„Forming in the pupil of an eye“ – Eindrücke von der 3. Kochi-Muziris Biennale

Bilder und Text von Anna Oechslen (IAAW)

Alles ist im Fluss bei der diesjährigen Kochi-Muziris Biennale: Kurator Sudarshan Shetty hat sich von mythologischen Darstellungen Indiens als das Land der sieben Flüsse inspirieren lassen und möchte, dass auch die Kunstwerke und Konzepte in Bewegung sind, zusammenfließen und über den Zeitraum der Biennale hinausschwappen.

 

Raúl Zurita – The Sea of Pain

 

Noch bis 29. März präsentieren in Kochi im südindischen Bundesstaat Kerala 97 Künstler_innen aus 35 Ländern unter anderem Installationen, Fotografien, Videos und Performances. Es ist die dritte Auflage der größten Biennale Südasiens für zeitgenössische Kunst und sie trägt den Titel „Forming in the pupil of an eye“. Die Ausstellung verteilt sich auf zwölf Austragungsorte in der Stadt, dazu kommen noch zahlreiche kleinere Ausstellungen, die auch ohne Ticket zugänglich sind. Die Kunstwerke entfalten ihre Wirkung in bewusster Auseinandersetzung mit den Ausstellungsorten – einige der Künstler_innen nehmen die Geschichte der Räumlichkeiten auf oder lassen sich von den Materialien vor Ort inspirieren. Praneet Soi etwa hat für seinen Beitrag zur Biennale mit Kokosfaser experimentiert und daraus unter anderem Skulpturen im Innenhof des Pepper House geschaffen.

Das Meer spielt ebenfalls in einigen Arbeiten eine zentrale Rolle – dank der Lage an der Küste war manchmal nur ein geschickt platziertes Fenster nötig, um es zu integrieren. Auch die Besucher_innen werden immer wieder eingeladen, über die Rolle als bloße Betrachter_innen hinauszugehen, mit den Kunstwerken zu interagieren und manchmal sogar ganz wörtlich in sie einzutauchen: Raúl Zurita lässt das Publikum knietief durch Meerwasser zu seinem Gedicht The sea of pain waten und fügt den Worten über das Leid von Menschen auf der Flucht so eine weitere, körperliche Dimension hinzu. Die Kochi-Muziris Biennale versteht sich als people’s biennale – dementsprechend soll auch die lokale Bevölkerung mit einbezogen werden und ein Austausch stattfinden. Neben dem Haupt-Event veranstaltet die Kochi-Biennale Foundation das ganze Jahr über Vorträge, Workshops und Förderprogramme für Kunststudierende.

 

 

Innenhof des Pepper House

 

17. März 2017 | Veröffentlicht von Joshua Pepe Woller | Kein Kommentar »
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Studierendenprojekt: Kurzfilm „PussyArt“ im Seminar „Pop Diskurse: Hashtag Proteste, Popular Culture und (nicht-)akademische Wissensaushandlungen in aktuellen Medien“

Seminar „Pop Diskurse: Hashtag Proteste, Popular Culture und (nicht-)akademische Wissensaushandlungen in aktuellen Medien“ Wintersemester 2016/17
Dozentin: Alexa Altmann

Ein Kurzfilm von Anh Thu Nguyen und Melanie Möller im Rahmen ihres Forschungsprojekts: „Female Graffiti und Streetart- Zwischen Kunst und Feminismus“

PussyArt

Studierendenprojekt: Kurzfilm „PussyArt“ im Seminar „Pop Diskurse: Hashtag Proteste, Popular Culture und (nicht-)akademische Wissensaushandlungen in aktuellen Medien“Ein Kurfilm von Anh Thu Nguyen und Melanie Möller im Rahmen ihres Forschungsprojekts: „Female Graffiti und Streetart- Zwischen Kunst und Feminismus“* Die Macherinnen des Films möchten darauf hinweisen, dass die hier gezeigten Stencils natürlich alle mit abwaschbaren Medien erstellt wurden!

Posted by Cross-sectional Department Media and Society – Humboldt University Berlin on Donnerstag, 16. Februar 2017

* Die Macherinnen des Films möchten darauf hinweisen, dass die hier gezeigten Stencils natürlich alle mit abwaschbaren Medien erstellt wurden!

16. Februar 2017 | Veröffentlicht von Alexa Altmann | Kein Kommentar »
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