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Archiv für Schlagwort (Im-)Mobilitäten

Mobility, Memory and Loss: Boat Tours on the Dal-Lake in Kashmir

Max Arne Kramer,
AK Crossasia Vortragsreihe WS 2015/16, Asien-Orient-Institut Abteilung für Ethnologie, Universität Tübingen, Schloss Hohentübingen, 26. November 2015.

 

Der Vortrag „Mobility, Memory and Loss in Kashmir: Boat Tours on the Dal-Lake“ fand im Rahmen der Crossasia Vortragsreihe statt, die sich vorwiegend aus einer anthropologischen Perspektive mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen in Zentral- und Südasien beschäftigt.
In vielen rezenten, unabhängigen Filmpraktiken über das zwischen Indien und Pakistan umkämpfte Territorium des Kaschmirtals geht es um die Vermittlung von Alltagserfahrung einer militärisch besetzten Region. Trotz veränderter Vorzeichen seit dem Ausbruch der ‚Kaschmirischen Intifada‘ (2008 bis heute) – eines weitestgehend gewaltlosen, populären Aufstands von Jugendlichen im Kaschmirtal – kam es vor allem durch digitale Medien zu neuen Sichtbarkeiten der Konfliktregion. Gleichzeitig wurden von verschiedenen Akteuren aber auch Versuche unternommen, diese neue Qualität des Konflikts wieder in bekannte Wahrnehmungsschemata einzuhegen. Insbesondere die Verbindungen zwischen staatlichen Verantwortlichen, der Hindi-Filmindustrie und touristischen Agenturen im Tal förderte die Renaissance bereits etablierter Repräsentationen einer touristischen Normalität. Die parallel stattfindenden, weitestgehend gewaltlosen Massenproteste seit 2008 wurden dabei von Seiten des Staats mit einer Politik der starken Hand erwidert, die gerade keine Normalität des Alltags zuließ. Die Bootstour auf dem berühmten Dal-See habe ich als eine visuelle Trope, die in fast allen Filmen über das Kaschmirtal auftaucht, in das Zentrum der Sequenzanalysen gesetzt. Dabei versuchte ich aufzuzeigen, wie über die Integration der Bootstour in die Erfahrungen des Konfliktalltags unabhängig produzierte Dokumentarfilme das offiziell geförderte, touristische Bild der Normalität problematisieren und es vor dem Hintergrund einer militärisch ausgerichteten status-quo Politik kontextualisieren. Anhand der Praxis zweier Filmemacherinnen, Uzma Falak und Iffat Fatima, wurden einige Filmsequenzen zu den umkämpften Sichtbarkeiten des Konflikts an der Schnittstelle touristischer, militärischer und gegenderter (Im-)Mobilitäten analysiert. Es wurde im Abschluss der Veranstaltung gemeinsam mit den Student_innen in Tübingen über einige Filmausschnitte diskutiert. Dabei fiel mir auf, wie wenig der Kaschmirkonflikt selbst im regionalwissenschaftlichen Umfeld bekannt ist.

11. Dezember 2015 | Veröffentlicht von Alexa Altmann | Kein Kommentar »
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