Archiv für Dezember 2015

Fu-PusH auf der Jahreskonferenz DHd 2016

Im kommenden März lädt der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd) e. V. unter dem Motto „Modellierung – Vernetzung – Visualisierung. Die Digital Humanities als fächerübergreifendes Forschungsparadigma“ zu seiner Jahrestagung nach Leipzig. Das Fu-PusH-Team möchte seine Erkenntnisse, die es als für die Digital-Humanities-Community in Deutschland als sehr einschlägig erachtet, selbstverständlich auch in diesem Rahmen präsentieren.

Wir sandten daher ein Abstract ein. Für einen Vortrag hat es laut Gutachten leider nicht gereicht. Das Programmkommitee teilte uns heute entsprechend mit:

„Auf Grund der hohen Anzahl an Einreichungen müssen wir Sie allerdings bitten, statt eines Vortrages ein Poster zu präsentieren.“

Das gibt uns Planungssicherheit, denn der Termin für Posterslam und -ausstellung steht bereits fest. Am 09.03.2015 werden wir also eine Minute slammen und danach für Gespräche zur Verfügung stehen. Wir laden bereits jetzt herzlich dazu ein!

Da wir uns dem Prinzip der Open Scholarship verpflichtet fühlen, nutzen wir gern die Gelegenheit, die Gutachten zum Abstract an dieser Stelle beizufügen. Sie stehen unter dem Abstract.

Eingereichtes Abstract:

DHd-Jahrestagung 2016 „Modellierung – Vernetzung – Visualisierung“ (Leipzig)

– Abstract für Vortrag –

Digitales Publizieren in den Geisteswissenschaften

Abschlussbericht und Handlungsempfehlungen des DFG-Projektes Fu-PusH

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21. Dezember 2015 | Veröffentlicht von Ben Kaden | Kein Kommentar »
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Analog Humanities als quellenkritische Hilfswissenschaft? Zu einem Text Gregory Cranes.

Eine Notiz von Ben Kaden @bkaden

Als wir gestern auf das sehr interessante H-Soz-Kult-Diskussionsforum Historische Grundwissenschaften und die digitale Herausforderung stießen, fiel uns nicht allein Torsten Hiltmanns Beitrag zur digitalen Aktualisierung historischer Hilfswissenschaften ins Auge (vgl. hier), sondern auch der noch frischere Text von Gregory Crane zur Quellenkritik im digitalen Zeitalter. Natürlich steckt in diesem Beitrag wie auch in der gesamten Diskussion mehr drin, als der eine Aspekt, auf den ich hier hinweisen möchte. Aber mehr denn je gilt, was im Fu-PusH Statement Finder an verschiedenen Stellen und unter anderem in der Aussage 1809 betont wird:

„Wird zu viel veröffentlicht, dann wird es schnell zu einem Problem nicht unbedingt der technischen Speicher, wohl aber der individuellen Verarbeitungskapazität.“

Das Aufkommen an potentiell relevanten Inhalten zu Themen des Fu-PusH-Interessenspektrums, die ihre Qualität erschwerenderweise oft mittels einer gründlichen argumentativ-interpretativen Analyse entfalten, ist leider enorm und der wissenschaftliche Anspruch an die vollständige Kenntnis der zu einem Thema erschienenen wissenschaftlichen Literatur selbst, von dem man in jeder Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten liest, dann kaum einlösbar, wenn man den Betrachtungsrahmen äußerst eng fasst. Jedenfalls wenn das Thema die digitale Transformation der geisteswissenschaften Kommunikationspraxis ist.

Eine Strategie, damit umzugehen, ist die Entwicklung neuer Formen der Relevanzfilterung (Aussagen zum Thema im Statement Finder), die freilich erst noch (a) brauchbar automatisiert und (b) in Übereinstimmung mit den Erkenntnisbildungsverfahren der Geisteswissenschaften gebracht werden müssen. Was Discovery Systeme angeht haben wir zumindest nur noch selten ein quantitatives Problem. Bei der Relevanz (bzw. dem, was man im Information Retrieval auch Recall und Precision nennt) mag es anders aussehen.

Völlig hilflos scheint man aber, wenn es um Fragen des technologieunterstützten Schlussfolgerns und Verstehens geht. Verfahren des Distant Reading berühren bislang allenfalls die Dimension der Semantik. Die zum Verstehen einer Sprachhandlung und also eines Textes notwendige pragmatische Ebene bleibt nach wie vor weitestgehend wie auch das sinnvolle interpretative Schließen schädelgebundene Kognitionsarbeit. Für das analytische und argumentative Schreiben, also die Diskurs(aus)führung gilt das selbstverständlich gleichfalls. Und so bleibt offen, wie sehr die Entwicklungen, die man unter dem Label der Digital Humanities fasst, tatsächlich epistemologische Wirksamkeit in den Geisteswissenschaften entfalten können. Was zurück zur Debatte um den Stand der Quellenkritik im Digitalen führt.

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Fu-PusH-Workshop zu Finanzierung und Rechtsgrundlagen des digitalen Publizierens. Am 08.01.2016 in Berlin.

Das Fu-PusH-Projekt wird das Jahr 2016 standesgemäß mit einem Workshop einleiten. Am 08. Januar laden wir entsprechend zu einem hoffentlich so intensiven wie produktiven Austausch mit den Akzenten Finanzierung und Rechtsgrundlagen des digitalen Publizierens in den Geisteswissenschaften ein. Dafür haben wir eine Reihe von Expertinnen und Experten gewinnen können. Das ausführliche Programm gibt es über diese Website oder nachstehend als Flyer. (Das Bild führt zum PDF-Download.)

Die interessierte Fachöffentlichkeit ist ebenfalls herzlich eingeladen. Wir würden uns vorab aus Planungsgründen über eine kurze Nachricht per E-Mail (Kontaktadressen) freuen.

Flyer Fu-PusH Workshop 2016
Flyer Fu-PusH Workshop 2016 – PDF-Download

Wir planen weiterhin, den Workshop live in einem Etherpad zu dokumentieren. Dort können auch gern bereits vorab Fragen und Anregungen zur Veranstaltung notiert werden. Weiterhin freuen wir uns wie immer und auch den Workshop begleitend über Interaktionen mit unserem Twitter-Stream: @fupush | #fupush

Toolbox aktuell: Das remind-to-read-Widget des New Yorker.

Weil es uns schon häufiger positiv auffiel und weil wir generell auch auf kleine Alltagserleichterungen für die digitale Arbeit, zu die für uns auch das Lesen von so genannten Long-Read-Texten zählt, hinweisen wollen, möchten wir an dieser Stelle nur einmal kurz vermerken, dass wir die Idee ausgezeichnet finden, am Fließtext einen Erinnerungsservice per Widget einzubinden, der den Leser bzw. die Leserin nach eine selbst bestimmbaren Zeit (Auswahlmenü) per E-Mail zum Text zurückholt.

Umgesetzt hat diese Funktion die Zeitschrift The New Yorker in diesem Herbst für seine Desktop-Ansicht. Scrollt man auf einem der Texte (z.B. diesem) nach unten, erscheint die Option in einer denkbar dezenten Fassung. Wir sind gespannt, ob dies auch generell demnächst ein Standard für digitale Magazintexte wird.

Reading-Reminder-Tool der Zeitschrift The New Yorker
Reading-Reminder-Tool der Zeitschrift The New Yorker

Weitere Informationen zum Widget gibt es in diesem Artikel beim Nieman Lab: Can’t finish a New Yorker story online? The magazine will now send you an email reminder to come back (Joseph Lichterman, 30.10.2015)

14. Dezember 2015 | Veröffentlicht von Ben Kaden | Kein Kommentar »
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Jetzt online: Der Fu-PusH Statement Finder

Ein Ergebnis des Fu-PusH-Projektes ist, dass die Idee der Openness von Wissenschaft mittlerweile weithin Akzeptanz findet. Gerade der möglichst offene Zugang zu Publikationen (Open Access) und Forschungsdaten (Open Research Data) ist etwas, was auch in den Geisteswissenschaften zunehmend thematisiert und gewünscht wird. Dem wollen wir als Projekt selbstverständlich Rechnung tragen. Aus diesem Grund stellen wir die im Zuge der durchgeführten Experteninterviews zum digitalen Publizieren in den Geisteswissenschaften erhobenen, aufbereiteten und anonymisierten Daten zur Einsicht sowie zur Nachnutzung als offene Forschungsdatenpublikation im Fu-PusH Statement Finder zur Verfügung.

 

Überblicksansicht des Fu-PusH Statement Finder
Überblicksansicht des Fu-PusH Statement Finder

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Herausforderungen des Publizierens von Forschungsdaten. Zu einem aktuellen Beitrag in Science.

Eine Notiz von Ben Kaden (@bkaden)

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Science findet sich ein Artikel von Jorge L. Contreras und Jerome H. Reichman zu Strukturen und Kosten des Teilens von Forschungsdaten. Damit schließen sie an eines der Trendthemen unter anderem auch in der Bibliothekswissenschaft und Informationsinfrastrukturforschung an. Je mehr man sich mit den Themen Forschungsdaten und Forschungsdatenpublikation befasst, desto deutlicher treten freilich die Desiderata hervor. Allem voran geht die Frage nach der Möglichkeit entsprechender allgemeinverbindlicher Minimalstandards. Klar ist, dass der Trend zur Openness, der sich in Formeln wie „Open Science“ und „Open Scholarship“ kristallisiert, die gegenwärtige Wissenschaftspraxis maßgeblich prägt. Forschungsdaten sollen neben den Forschungspublikationen – also den als Paper, Aufsatz, Blogpost, Monografie o.ä. veröffentlichten Forschungsnarrativen – möglichst ohne Einschränkung zur Einsicht und Nachnutzung verfügbar gemacht werden.

Die Motivation findet sich einerseits im Erhöhung der Forschungstransparenz ergo Nachvollziehbarkeit der in den Forschungspublikationen dargelegten Analysen und Deutungen. Andererseits greift das durchaus ökonomisch motivierte Argument, dass man den einmal erhobenen Datensatz auch für andere Analysen heranziehen und beforschen kann. Das nennt man Nachnutzung.

Ein nächste Stufe der Forschungsdatenintegration wird schließlich erreicht, wenn man die einzelnen Datensätze vor der Veröffentlichung so aufbereitet, dass sie maschinenlesbar und automatisiert mit anderen Datensätzen verknüpfbar werden können. Derartige Netzwerke strukturierter Daten sind eine Herzensangelegenheit der Digital Humanites und ein bibliotheks- und netzwissenschaftes Perspektivthema, dem massives Potenzial zugeschrieben wird. Big Data und Semantic Web sind die rahmenden Termini.

An sich klingt es einfach und lässt sich prima an die Commons-Überlegungen der Netzkultur anschließen, wenn Jorge Contreras und Jerome Reichmann schreiben:

„Perhaps the most straightforward path to legal interoperability is simply to contribute data to the public domain and waive all future rights to control it. This approach has been advocated by more than 250 organizations that have endorsed the 2010 Panton Principles for open data in science.“

Die wissenschaftliche Realität setzt diesem Wunsch nach Gemeinfreiheit freilich ein ganze Bandbreite von Hürden entgegen, die nun zum Teil auf den persönlichen Verwertungs- und Kontrollanspruch der jeweiligen Datenerheber zugeführt werden können. Gerade persönlichkeitsrechtliche Aspekte und das hohe Gut des Datenschutzes bremsen die Möglichkeiten der Forschungsdatenpublikation vor allem dort, wo es sich um empirische Sozialforschung handelt. Auch wir konnten im Rahmen des Fu-PusH-Projektes entsprechend qualifizierte Erfahrungen sammeln.

Eine weitere Herausforderung bei der offenen Datenpublikation liegt schließlich in der wissenschaftstheoretischen Fragestellung, wie sehr der konkrete Forschungskontext – also die Forschungsfrage – das zulässige Analyse- und Deutungsspektrum für einen Datensatz definiert. Und schließlich unterläuft die künstlerisch orientierte Remixkultur des Netzes, auf die auch einige der Creative-Commons-Lizenzen vorrangig abzielen, den wissenschaftlichen Anspruch an Datenintegrität. Das kreative „Verändern“ von Forschungsdatenkontexten ist mit der guten wissenschaftlichen Praxis kaum vereinbar. Jorge Contreras und Jerome Reichmann benennen Creative Commons dennoch als Option:

„Alternatively, researchers who wish to receive attribution credit for their contributions, but are otherwise willing to relinquish control over them, have released data under standardized Creative Commons licenses that have been widely used for other online content, including open-source code software, music, and photographs. „

Sie merken zugleich an, dass diese Ansätze unzureichend und problematisch sein können. Dies bestätigt auch unser während des Projektes gewonnener Eindruck. Das Thema liegt sehr im Trend, wird aber derzeit an vielen Stellen jedenfalls in den Geisteswissenschaften eher allgemein als auf konkret realisierbare Lösungen hin diskutiert. Das könnte seine Ursache auch darin haben, dass aktuell Akteure fehlen, die Aktivitäten im Bereich der digitalen Forschungsdatenpublikationen für diese Disziplinen übergreifend und vor allem fachkulturell weithin anerkannt koordinieren.

Quelle:

Contreras, Jorge L.; Reichmann, Jerome H.: Sharing by design: Data and decentralized commons. In:  Science 11 December 2015: Vol. 350 no. 6266 pp. 1312-1314 DOI: 10.1126/science.aaa7485

14. Dezember 2015 | Veröffentlicht von Ben Kaden | 1 Kommentar »
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