Archiv für November 2014

Wort, Material und Distant Reading

Eine Notiz von Ben Kaden (@bkaden)

In der Tech-Rubrik der Zeitschrift The Atlantic erschien in der vergangenen Woche ein Aufsatz von Michael Erard über die Bedeutung von … Wörtern. Er beleuchtet die Rolle dieser Kerneinheit der Sprache aus diversen Perspektiven und landet nicht ganz unerwartet auch im Bereich der Digital Humanities. Anlass sind ihm Verfahren des Distant Reading, das er folgendermaßen beschreibt:

„Taking advantage of the computer’s slant toward word-based analysis, these techniques reimagine literary works as stacks of words. For computer-aided distant readers, literary expertise now amounts to interpreting the patterns in those stacks—for example, the frequency of indefinite articles (“a”) versus definite articles (“the”) in the titles of 19th century novels. According to its proponents, such analysis yields new insights. (For example: Counter-French Revolutionary novel titles use the definite article predominantly, indicating a commitment to the established past rather than an anticipation of the unknown future.)” (Erard, 2014)

Wie belastbar solche Einsichten aus wissenschaftlicher Sicht sind, muss an anderer Stelle diskutiert werden. (vgl. zum Beispiel Kaden, 2012) Dass diese Verfahren in einer Publikumszeitschrift wie The Atlantic behandelt werden, lässt vermuten, dass sie sich langsam etablieren, auch wenn sie nach wie vor eher eine Randerscheinung bleiben. Dies kann auch an der Skepsis gegenüber dieser quantitativen Annäherung an die traditionell aus der Nahperspektive beforschten Gegenstände der Literatur liegen. Eine der ersten Erwähnungen in einer Publikation mit nennenswerter Reichweite über die Literaturwissenschaft hinaus fand es vor sieben Jahren in der THE Chronicle Review. Lindsey Waters schrieb buchstäblich giftig:

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Von Tastaturen, Pfaden, Pferden und Innovationskulturen

Eine Notiz von Ben Kaden (@bkaden)

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Dank des Impact-Blogs der London School of Economics erscheint ein Text erneut auf der Bild(schirm)fläche, den Benedikt Fecher vom Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) im August im dortigen Institutsblog publizierte. In diesem erläutert er am Beispiel der Schreibmaschinentastatur, die bis heute auch in ihren Derivaten bis hin zu den Screen-Tastaturen der Smartphones scheinbar unverrückbar der QWERTY- bzw. QWERTZ-Anordnung treu bleibt, was Pfadabhängigkeit („path dependence“) nicht nur für die Technik selbst sondern auch für ihre Folgen bedeutet.

Eine solche Abhängigkeit ist, so Benedikt Fecher, immer dann gegeben, wenn eine in der Vergangenheit unter bestimmten Bedingungen (sich verhakende Typenhebel) getroffene Entscheidung auch dann noch maßgeblich wirkt, wenn diese Bedingungen gar nicht mehr vorliegen und entsprechend zu weniger optimalen Verfahren führt, die dennoch dominieren. Die Fachbezeichnung dafür lautet Lock-in phase.

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Ist das Buch ein Statusmedium? Und was bedeutet das für E-Publikationen?

Vor einigen Tagen erschien in der International New York Times ein kurzer Bericht darüber, dass sich E-Books auf dem europäischen Buchmarkt vor allem im Vergleich zu den Buchmärkten der USA und in Großbritannien nur in geringem Maße durchgesetzt haben. (Heyman, 2014) In Deutschland liegt der Marktanteil elektronischer Bücher ebenso wie in Italien derzeit laut Artikel bei unter vier Prozent. Interessant ist dabei, dass auch dort, wo eine nur zögerliche Etablierung des Mediums zu beobachten ist, doch von Land zu Land unterschiedliche Gründe vorliegen. Der im Artikel zitierte Rüdiger Wischenbart erläutert, dass beispielsweise in Schweden eine sehr gute Versorgung mit E-Books seitens der öffentlichen Bibliotheken dazu führt, dass E-Books ausgeliehen und nicht gekauft werden. Für andere europäische Länder betont er als Ursache neben der Frage der Preisgestaltung die soziokulturelle Konnotation von Print:

“When you read a book, you define yourself as being part of a cultural elite, and that elite is very conservative,” he said. “They don’t want their high status to be undermined by some new gadget.” (Heyman, 2014)

Eine Anschlussthese, dass dieser Status fast zwangsläufig besonders intensiv unter Absolventen geisteswissenschaftlicher Studiengänge und damit unter den GeisteswissenschaftlerInnen verbreitet ist, dürfte sehr nahe liegen. Unterstützt wird dies von der oft außerordentlich hohen Qualität von Printausgaben zum Beispiel bei Kunstkatalogen, die, wie auch der Kunstwissenschaftler Horst Bredekamp vergangenen Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion betonte, gerade durch digitale Gestaltungs- und Entwurfsverfahren möglich wird. Print entfaltet sich erstaunlicherweise direkt wegen der digitalen Technologien so vielgestaltig wie vielleicht niemals zuvor in der Druckgeschichte.

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23. November 2014 | Veröffentlicht von Ben Kaden | Kein Kommentar »
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Warum der allgemeine E-Book-Markt für Fu-PusH relevant ist

„Apropos gemeinsames Nachdenken: Wir glauben, dass verhärtete Fronten generell keine gute Idee sind und dass die gegensätzlichen Pole von technikfeindlichen Ebook-Verächtern auf der einen und den sämtliche Verlagsmauern niederreißenden Digitaljüngern auf der anderen Seite zugespitzt und konstruiert sind. Verlage und Papierbücher (vor allem die sorgsam gestalteten und hergestellten) wird es glücklicherweise noch sehr, sehr lange geben, genau wie spannende Digitalveröffentlichungen.“

meinen die beiden CulturBooks-Verleger Zoë Beck und Jan Karsten in einer Positionierung im buchreport.blog (Die (un-)sichtbaren Ebooks, 17.11.2014).

Wenngleich sich die Aussage genauso wie das Programm des Verlags auf Literatur und den so genannten Publikumsmarkt bezieht, ist eine Beobachtung entsprechend Trends für uns schon deshalb interessant, weil die sehr auf Monographien gerichteten Geisteswissenschaften häufig direkt an der Schnittstelle zu diesem Markt publizieren. Es gibt eine ganze Reihe von WissenschaftlerInnen besonders im kunst- und kulturwissenschaftlichen Spektrum die in Publikumsverlagen publizieren und direkt mit einem dezidiert öffentlichen Lesepublikum in Verbindung stehen.

Wenn wir also über zukünftige Publikationsmodelle in den Geisteswissenschaften nachdenken, dann gilt es unbedingt die Dimension zu berücksichtigen, die man einmal als Suhrkamp-Kultur bezeichnete. Elektronische Publikationen in diesem Bereich dürften vorerst und auch perspektivisch weniger von aus der Wissenschaftsinfrastruktur und der Open-Access- bzw. Open-Science-Bewegung angeregten enhanced oder offenen Dokumentenstrukturen geprägt sein.

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18. November 2014 | Veröffentlicht von Ben Kaden | Kein Kommentar »
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Digital Humanities und buchhistorische Forschung. Zu einem Tagungsbericht

Ende September 2014 gab es in an der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel eine Veranstaltung zu der Beziehung zwischen der Buchwissenschaft und den Digital Humanities. In H/SOZ/KULT erschien nun eine Zusammenfassung von Nikolaus Weichselbaumer mit Ergebnissen der Veranstaltung.

Aus Sicht von Fu-PusH ist besonders relevant, wie datenbasiert sich diese Art von Forschung darstellt. Inwieweit die klassische und auf der Forschung mit den Daten entstehende Publikation in Beziehung zu den Methoden der digitalen Geisteswissenschaften diskutiert wurde, geht aus dem Bericht nicht hervor, so dass die Vermutung naheliegt, dass die Frage des eigentlichen Publizierens in der derzeitigen Diskussion zumindest keine vordringliche Rolle spielt.

Man kann freilich genauso vermuten, dass der Publikationsschritt in einer derartig datenorientierten Wissenschaftspraxis in einer neuen und dauerhaften Visualisierungsform aufgeht. Ein Beispiel wäre der Atlas of Early Printing (http://atlas.lib.uiowa.edu/) der University of Iowa Libraries, den Gregory J. Prickman in Wolfenbüttel präsentierte. An ihm wird einerseits erahnbar, wie sich Forschungsnarrative in einer dynamischeren Variante abbilden lassen und andererseits deutlich, wie sehr sich die Infrastruktur- bzw. Forschungsdatenanbieter, also beispielsweise Bibliotheken, im Kontext der Digital Humanities zu direkten Forschungspartnern entwickeln (können).

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Die Zukunft der wissenschaftlichen Kommunikation wie sie David De Roure sieht. Eine Lektüre

von Ben Kaden (@bkaden)

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Ist der wissenschaftliche Aufsatz noch das passende Format für Daten getriebene Forschung, für die neue, oftmals interdisziplinäre Methodologien (man denke an Digital Humanities) und zunehmende Automatisierung prägend sind? Das fragt sich David De Roure, Professor für e-Science in Oxford, und steuert zur breiten Diskussion über die Zukunft des wissenschaftlichen Kommunizierens einen weiteren Beitrag bei. (De Roure, 2014a) Bemerkenswert und relevant für die Perspektive von Fu-PusH ist er, da in ihm einige Aspekte der denkbaren Erweiterung wissenschaftlicher Publikationsformen Erläuterung finden. Allgemein bemerkenswert ist der Artikel, weil er exemplarisch den Stand der Diskussion um die Zukunft der wissenschaftlichen Kommunikation auch mit ihren Schwächen abbildet.

In seiner Auseinandersetzung mit der Frage nach der Wissenschaftskommunikation in der Zukunft geht De Roure sogar über die Idee des Enhancement hinaus und prognostiziert generell das Ende des wissenschaftlichen Artikels. Der Grund dafür liegt, mittlerweile kaum mehr überraschend, in der ubiquitären Digitalität, die massiv auch in die Wissenschaft hineinwirkt. De Roure spricht von einem „hybrid physical-digital sociotechnical system of enormous and growing scale”, also einem Beziehungsrahmen von Mensch und Maschine, in dem soziale Netzwerke in einer Form und unter dem Einfluss von Big Data repräsentiert werden, so dass man auch von „Sozialen Maschinen“ (social machines) sprechen kann.

Es gibt demnach einen allgemeinen Trend in der Wissenschaft zur datengetriebenen und datenintensiven Forschung, wobei De Roure als Referenz ausgerechnet ein Sammelband der Microsoft Research dient, der kontextgemäß einen, zurückhaltend formuliert, sehr spezifischen Blick auf die Entwicklung spiegelt.

Inwieweit das dort abgebildete Szenario eines vierten Paradigma (die Zahl vier spiegelt sich ja auch in der vierten Revolution, die Luciano Floridi der ubiquitären Rolle von Information zuschreibt, vgl. Floridi, 2014) repräsentativ und die Entwicklung derart geradlinig und zielstrebig ist, wie auch das Schaubild (De Roure, 2014b) suggeriert, muss an anderer Stelle reflektiert werden.

Hier kann immerhin vermerkt werden: Die Tendenzen zu einer sehr intensiv von Rechentechnologien und entsprechenden Datenverarbeitungswerzeugen geprägten Wissenschaft sind an sich gegeben und unstrittig. Offen bleiben die Intensität und Qualität. Spekulativ bleibt, was in zehn Jahren sein wird. Es dürfte allerdings ebenfalls unstrittig sein, dass die Ausweitung des Digitalen in der Wissenschaft zwangsläufig methodologische Folgen hat, wie De Roure betont. Und epistemologische, wie De Roure leider nicht erwähnt, dürften damit auch anstehen.

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Ergänzung für das Fu-PusH-Team

Das Fu-PusH-Projekt sucht eine Studentische Hilfskraft. Nachstehend der Ausschreibungstext:

UB Projekt „Future Publications in den Humanities“

Kennziffer
t92_29_14
Fakultät/Einrichtung
Bibliotheken
Beginn des Beschäftigungsverhältnisses
15.12.2014
Beschäftigungsdauer
15.12.2014- 31.03.2016
Arbeitszeit
41 h/Monat
Vergütung
10.98 €/h
Anzahl der Stellen
1
Aufgabengebiet
  • Transkription und Unterstützung bei der Erschließung und Auswertung von Interviews
  • Unterstützung des Projekts im Bereich Öffentlichkeitsarbeit insbes. im Bereich Social Media
  • Recherchieren und Bibliografieren von Fachliteratur
  • Unterstützung bei der Ausrichtung/ Vorbereitung von Workshops und Tagungen
Anforderungen
  • Studium einer für das Aufgabengebiet einschlägigen Fachrichtung
  • Umfangreiche Kenntnisse im Bereich elektronisches Publizieren und digital vermittelte Wissenschaft (e-science, Science 2.0)
  • Kenntnisse im Bereich der Wissenschaftskommunikation in den Geisteswissenschaften
  • Erfahrungen und Kenntnisse im Bereich Social Media
  • Sehr gute IT- Kenntnisse
  • Recherchekompetenzen
  • Gute Kenntnisse der deutschen und englischen Sprache
  • Teamfähigkeit
  • Bereitschaft zu flexiblem Arbeitseinsatz

 

Ende der Bewerbungsfrist

18.11.2014

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6. November 2014 | Veröffentlicht von Ben Kaden | Kein Kommentar »
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DTA / CLARIN-D-Konferenz

Berlin , 17. bis 18. November 2014
Die zweite gemeinsame Konferenz vom Deutschen Textarchiv (DTA) und Common Language Resources and Technology Infrastructure Deutschland (CLARIN-D) findet zum Thema „Textkorpora in Infrastrukturen für die Geistes- und Sozialwissenschaften“ statt.

Veranstaltungsort:

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Jägerstr. 22/23, Berlin | Einsteinsaal

Zum Konferenz-Programm.

6. November 2014 | Veröffentlicht von Michael Kleineberg | Kein Kommentar »
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