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Open Access in Berlin: Heiße Luft oder Hot Topic?

Ein Gastbeitrag von Anne Baillot

Nach der Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities 2003 schien sich bis zum 10jährigen Jubiläum derselben in der Hauptstadt in Sachen Open Access noch nicht sehr viel bewegt zu haben. Die Tatsache, dass die Implementierung der im Jahr 2003 unterzeichneten Ziele einige Institutionen nach wie vor vor große Herausforderungen stellte, regte den Einstein-Zirkel Digital Humanities 2015 dazu an, in Form von Interviews mit VertreterInnen einschlägiger Forschungseinrichtungen aus Berlin und Brandenburg den Status quo in der geisteswissenschaftlichen Forschung zu erheben, Best Practices zu erfassen und Zukunftsperspektiven darzustellen. Doch noch ehe die Interviewergebnisse ausgewertet und veröffentlicht werden konnten, hat die Thematik eine neue Dimension gewonnen. Open Access gehört inzwischen zur Digitalen Agenda der Hauptstadt; die Max-Planck-Gesellschaft hat eine Gold-OA-Offensive unter dem Banner „OA2020“ hervorgetrommelt und in einem offiziellen Amtsakt wird eine neue Bekräftigung der Berliner Erklärung von einigen Schlüsselakteuren veröffentlicht und beworben. Zentral scheint nicht nur die Frage zu sein, welche Formen von Wissenschaft Open Access ermöglichen, sondern auch, wenn nicht vorrangig, welche Art von Wissenschaftspolitik.

Das Open-Access-Kapitel des vom Einstein-Zirkel vorbereiteten Sammelbandes, der im Juni 2016 unter dem Titel Berliner Beiträge zu den Digital Humanities erscheinen wird, widmet sich dem Thema Open Access in den Geisteswissenschaften. Es enthält neben Aufsätzen (bereits als Preprint: „Open Humanities?“ von Michael Kleineberg) die Ergebnisse und das Wortlaut von 2015 an einschlägigen Einrichtungen durchgeführten Interviews zum Thema Open Access. Ausgangspunkt der Reflexion war die einmalige Situation der deutschen Hauptstadt, in der Open Access geisteswissenschaftlich Forschende an den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ebenso betrifft wie GLAM-Einrichtungen (Galerien, Bibliotheken, Archive, Museen). Es ist diese einmalige Berlin-Brandenburgische Landschaft, die in den Mittelpunkt der Open Access-Interviews gerückt wurde.

Die Interviews gehen auf die breit gefächerten, auf die Bedürfnisse der jeweiligen Einrichtung zugeschnittenen, in den Jahren seit der Berlin Declaration jeweils entwickelten Portfolios ein. Der pragmatische Teil der Auseinandersetzung mit dem Open-Access-Prinzip im Bereich der geisteswissenschaftlichen Forschung wird damit deutlich: Wer Lust hat, Open Access zu publizieren, findet in Berlin und Umgebung in seiner Einrichtung einen erprobten Weg, dies zu tun. Doch die Hauptfrage bleibt: Wer hat Lust, Open Access zu publizieren, und wer kann es sich leisten? An dieser Stelle gilt es zu unterstreichen, dass trotz der ebenfalls vielfältigen Beratungsangebote der jeweiligen Einrichtungen die Kluft zwischen Reputation und Leserschaft bei den WissenschaftlerInnen nach wie vor nicht überbrückt zu sein scheint: Papier ist für die Reputation, Open Access um gelesen zu werden, wobei Ersteres die akademischen Karrieren dominiert.

Aber es geht bei Weitem nicht nur um akademische Karrieren. Ein Blick nach Frankreich, wo die Verankerung von Text und Data Mining im neu entstehenden „Digitalen Gesetz“ von WissenschaftlerInnen und PolitikerInnen im Gespräch mit einander ausgearbeitet und debattiert wird (vgl. die Wiedergabe der Vorschläge und Gegenvorschläge zum neuen Gesetz unter dem Hashtag #PJLNumerique und auf der Webseite des Französischen Senats zu diesem Gesetz), zeigt, dass die politische, wirtschaftliche, aber auch beispielsweise gesundheitsökonomische Brisanz von Open Access, gekoppelt mit juristischen Fragen wie dem Schutz der Privatsphäre, unsere Zukunft entscheidend prägen wird. Und deswegen sollte es nicht nur darum gehen, sich zu fragen, ob NachwuchswissenschaftlerInnen ihre Preprints online stellen sollten (die Antwort darauf ist eindeutig: Ja!), und auch nicht darum, ob Bücher abgeschafft werden sollen (die Antwort darauf ist eindeutig: Nein!), sondern, welche Zivilgesellschaft dadurch entsteht, dass sie zu dieser Art von Wissen Zugang hat: Wie bringen wir unseren Kindern bei, das Internet sinnvoll zu nutzen? Welche juristischen Weichen können wir heute stellen? Wie können wir dafür sorgen, dass das, was wir heute Open Access veröffentlichen, morgen noch zugänglich sein wird? Diese Fragen sind die der Digital Humanities.

Fu-PusH Dossier: Rechtsgrundlage

In den Fu-PusH-Dossiers werden die im Projekt erhobenen Forschungsdaten ausgewertet und zusammengefasst. Die Datengrundlage des vorliegenden Dossiers umfasst die 192 Statements, die mit Rechtsgrundlage gefiltert wurden.

 

Kernaussagen

  • Die zentralen Rechtsgebiete für das wissenschaftliche Publizieren sind das Urheberrecht (Publikationen) sowie das Datenschutzrecht (Forschungsdaten).
  • Die geltenden urheberrechtlichen Regelungen werden als unzureichend für die Anforderungen einer digitalen Wissenschaft empfunden.
  • Es besteht der Wunsch nach einer Stärkung der Nutzungsrechte an Publikationen bzw. Forschungsdaten durch Forschende, wobei die Notwendigkeit eines Interessensausgleiches zwischen allen Beteiligten betont wird.
  • Eine offene Wissenschaft im Sinne des Open-Access-Gedankens erfordert die Einbettung in einen verlässlichen Rechtsrahmen.
  • Eine allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke des Urheberrechts wird zwar begrüßt, aber zugleich wird auf die damit einhergehende Privilegierung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hingewiesen.
  • Forschende könnten bereits viel gewinnen, wenn sie kompetenter und konsequenter ihre Rechte wahrnehmen und wissenschaftsfreundlichere Autorenverträge aushandeln.
  • Infrastruktureinrichtungen wie beispielsweise Bibliotheken sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beim Aushandeln von Autorenverträgen aktiv unterstützen und insbesondere darauf hinweisen, dass die Übertragung ausschließlicher Nutzungsrechte an die Verlage den Interessen der Wissenschaft grundsätzlich entgegen steht.
  • Lizenzmodelle wie Creative Commons werden als geeignetes Mittel zur Spezifizierung von Verwertungs- bzw. Nutzungsrechten für Forschende angesehen.
  • Die empfohlene Creative-Commons-Lizenz ist für alle Publikationselemente, die dem wissenschaftlichen Anspruch an Nachvollziehbarkeit entsprechen sollen, die CC-BY-Lizenz; dagegen wird die CC-0-Lizenz  für Norm- und Metadaten empfohlen.
  • Die Veröffentlichung und Nachnutzung von Forschungsdaten ist ein zentrales Thema mit erheblichen rechtlichen Unsicherheiten sowohl hinsichtlich des Urheberrechts als auch des Datenschutzrechts.
  • Ein großes Problem stellt die Verfügbarkeit von in Gedächtnisinstitutionen vorgehaltenen Forschungsmaterialien dar, für die Zugang, Digitalisierungsmöglichkeiten und vor allem die Nachnutzungsoptionen oft erheblich durch hausrechtliche Regelungen und institutionelle Urheberechtsansprüche eingeschränkt werden.
  • Die Handlungsfelder zeigen sich für Bibliotheken und Infrastrukturdienstleister vor allem in der Kompetenzvermittlung bei Rechtsfragen sowie beim Aufbau von wissenschaftsfreundlichen und zugleich rechtssicheren Publikationsinfrastrukturen.

 

 

Rechtliche Aspekte beim wissenschaftlichen Publizieren

Aktuelle Rechtsthemen

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Fu-PusH Dossier: Förderinstitutionen und Empfehlungen

In den Fu-PusH-Dossiers werden die im Projekt erhobenen Forschungsdaten ausgewertet und zusammengefasst. Die Datengrundlage des vorliegenden Dossiers umfasst die 41 Statements, die mit sowohl mit Förderinstitutionen als auch mit Empfehlungen gefiltert wurden.

 

Auswertung

Prinzipiell wird anerkannt, dass den Förderinstitutionen im Bereich des geisteswissenschaftlichen Publizierens eine hohe wissenschaftspolitische Bedeutung zukommt (2594). Dies gilt insbesondere bei Standardisierungsprozessen (2734), bei der Etablierung bzw. Weiterentwicklung von projekt- bzw. institutionsübergreifenden Infrastrukturen (2799) sowie bei der Ausrichtung hin zu einer offenen Wissenschaft.

Die Förderung von Open Access wird sowohl im nationalen (z.B. DFG) als auch im europäischen Kontext (z.B. Horizon2020) als Leitlinie begrüßt (507, 558, 559, 911, 1581, 1984). Zum Teil wird sich auch dafür ausgesprochen, Open Access noch stärker und langfristiger zu fördern (2973, 2974, 3375) oder sogar als Bedingung vorzugeben (2972, 3064). Als wichtige förderpolitische Maßnahmen gelten vor allem die Etablierung von Publikationsfonds sowie die Deckelung von Publikationspauschalen im Zusammenhang mit Article Processing Charges (3255).

Vor allem die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird als eine Institution wahrgenommen, die sich aktiv um die Förderung einer offenen Wissenschaft bemüht und zugleich darauf bedacht ist, ihre Vorgaben nicht abgekoppelt von den Interessen der jeweiligen Fach-Communities zu treffen (309, 507, 1209). Der von der DFG besonders betonte Aspekt der Nachhaltigkeit beim wissenschaftlichen Publizieren, etwa bei der Langzeitarchivierung und -verfügbarkeit oder bei der Nachnutzung von Forschungsdaten und -infrastrukturen wird von den Befragten als wichtig und richtig angesehen (353, 2798). Auch die Vorgabe, dass es für jedes geförderte Projekt eine digitale Komponente geben muss, wird für sinnvoll erachtet (2324). Als Desiderat wird dagegen die Unterstützung der zentralen Diskussionen innerhalb einzelner Wissenschaftsbereiche formuliert (310, 311, 312, 2733).

Als eine Herausforderung wird die Zunahme des Publikationsaufkommens empfunden, die zum Teil auch durch bestehende Anreizsysteme mit verursacht wird, weshalb durchaus erwogen wird, diesem Phänomen förderpolitisch entgegen zu wirken (478).

Kritisch wird die Fokussierung der Forschungsevaluation auf quantitative Indikatoren eingeschätzt, da diese als ungeeignet gelten sowohl für die Grundlagenforschung als auch für viele genuin geisteswissenschaftliche Forschungsansätze (479, 2862).

Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen spielen förderpolitisch eine große Rolle etwa bei der Etablierung offener Publikationsformen (3065) oder der Nutzung des Zweitveröffentlichungsrechtes (890). Allerdings sollte durch förderpolitische Maßnahmen weder die Verlagsvielfalt (511) noch die Publikationsfreiheit eingeschränkt werden (3211, 3282).

Bei der finanziellen Projektförderung wird die Möglichkeit einer flexibleren Umwidmung der Mittel als sinnvoll erachtet (509). Prinzipiell wird sich dafür ausgesprochen, dass die Publikationskosten als Teil der Programmpauschale aufgefasst werden sollten (566, 1576).

Beim wissenschaftlichen Publizieren wird auch die Förderung von innovativen und experimentellen Ansätzen wie beispielsweise im Bereich des Enhanced Publishing als wichtig angesehen (1464, 1465). In diesem Zusammenhang wird gefordert, dass alternative Kommunikations- und Publikationsformen (z.B. Blogs) sowohl bei der Kreditierung (2736) als auch bei den Publikationskosten stärker berücksichtigt werden (826).

Darüber hinaus sollten Förderinstitutionen auch Richtlinien vorgeben für den Umgang mit Forschungsdaten und entsprechende Ressourcen bei der Projektbewilligung bereitstellen (823). Im Hinblick auf die Langzeitarchivierung und -verfügbarkeit wird betont, dass auch die Dokumentation der Software bzw. digitalen Werkzeuge als Richtlinie verankert werden sollte. Zudem erscheint es gerade für die Geisteswissenschaften unerlässlich, über den üblichen Zeitraum von 10 Jahren für die Bewahrung digitaler Publikationen hinaus zu denken (2329).

 

(Berlin, 11.02.2016)

Fu-PusH Dossier: Wissenschaftspolitik und Empfehlungen

In den Fu-PusH-Dossiers werden die im Projekt erhobenen Forschungsdaten ausgewertet und zusammengefasst. Die Datengrundlage des vorliegenden Dossiers umfasst die 18 Statements, die mit sowohl mit Wissenschaftspolitik als auch mit Empfehlungen gefiltert wurden.

 

Auswertung

Die wissenschaftspolitische Ausrichtung hin zu einer offenen Wissenschaft findet prinzipiell breite Akzeptanz auch wenn für die Ausgestaltung ein weiterer Diskussionsbedarf erkennbar ist (1581, 2514). Vor allem das Steuerzahlerargument, welches besagt, dass mit öffentlichen Geldern finanzierte Forschungsergebnisse auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollten, wird als überzeugend empfunden (93).

Es wird betont, dass juristische Lösungen wie beispielsweise die Einführung einer signifikanten Bildungs- und Wissenschaftsschranke des Urherberechtes oder eine Liberalisierung des Zweitveröffentlichungsrechtes vergleichsweise lange Zeiträume beanspruchen, weshalb der gesellschaftspolitische Druck sowie das Engagement der Autorinnen und Autoren als gestaltende Kräfte eingeschätzt werden (107).

Inwieweit eine Pflicht zur Zweitveröffentlichung durchgesetzt werden sollte, wird unterschiedlich bewertet. Auf der einen Seite wird gefordert, diese Pflicht direkt in die Leistungsvereinbarungen bei öffentlichen wissenschaftlichen Beschäftigungsverhältnissen zu integrieren (797). Auf der anderen Seite sollte die Publikationsfreiheit gewahrt bleiben (231).

Die Wahrung der Publikationsfreiheit wird allerdings nicht im Widerspruch gesehen mit der wissenschaftspolitischen Förderung von Open-Access-Publikationsstrategien, da lediglich positive Anreize gesetzt werden sollen und von Sanktionen abgesehen werden soll (231).

Die derzeitige Ausrichtung der DFG hinsichtlich Open-Access-Förderungen wird von vielen Befragten begrüßt und oft sogar als sehr fortschrittlich empfunden (309, 353). Zum Teil wird auch gefordert, dass sich Förderinstitutionen noch stärker um verbindliche Richtlinien bemühen sollten beispielsweise bezüglich der Themen Open Access oder rechtlicher Rahmenbedingungen (558, 559, 2734, 2972). Allerdings wird auch davor gewarnt, die Freiheit der Forschung einzuschränken und bestimmte Wissenschaftsformen erzwingen zu wollen (3282).

Es wird zu bedenken gegeben, dass wissenschaftspolitische Förderungen von Publikationsstrategien nicht nur von der Produktionsseite, sondern auch von der Einbettung in die Fach-Communities betrachtet werden sollten, insbesondere die zunehmende Publikationsflut wird hier als Herausforderung benannt (478).

Ein Kritikpunkt betrifft das kompetitive Wissenschaftssystem als solches, dass sich sehr stark an quantifizierbaren Indikatoren wie Publikationslisten oder Impact-Faktoren orientiert, aber insbesondere für die Grundlagenforschung ungeeignet erscheint (479).

Während die Bedeutung einer starken Open-Access-Politik von Seiten der Forschungseinrichtungen hervorgehoben wird (1050), wird auch ein Bedarf an institutsübergreifenden Infrastrukturen wie beispielsweise ein Netzwerk von Fachrepositorien artikuliert, für das sich die Wissenschaftspolitik einsetzen sollte (1862).

Für die Zukunft wird als wünschenswert angesehen, dass die Rollen und Zuständigkeiten der unterschiedlichen Akteure im Publikationsprozess, insbesondere von Verlagen, Infrastruktureinrichtungen sowie der öffentlichen Hand politisch ausgehandelt werden ohne dass dabei Konkurrenzverhältnisse entstehen (1987).

 

(Berlin, 10.02.2016)

10. Februar 2016 | Veröffentlicht von Michael Kleineberg | Kein Kommentar »
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Fu-PusH Dossier: Verlage und Empfehlungen

In den Fu-PusH-Dossiers werden die im Projekt erhobenen Forschungsdaten ausgewertet und zusammengefasst. Die Datengrundlage des vorliegenden Dossiers umfasst die 36 Statements, die mit sowohl mit Verlage als auch mit Empfehlungen gefiltert wurden.

 

Auswertung

Empfehlungen für kommerzielle Verlage werden von vielen Befragten gar nicht erst ausgesprochen, da zumeist davon ausgegangen wird, dass deren wirtschaftliche Interessen deutlich schwerer wiegen als die Anforderungen, die von Seiten des Wissenschaftsbetriebes formuliert werden (475). Während im Printbereich schlicht empfohlen wird “gute Bücher” zu machen (2730), werden im Bereich des elektronischen Publizierens die Mehrwerte von kommerziellen Verlagen sogar generell in Frage gestellt (497).

Mit Nachdruck wird betont, dass Wissenschaftsverlage neue Geschäftsmodelle entwickeln sollten und Mehrwerte schaffen, die über das hinaus gehen, was die Autorinnen und Autoren bereits selbst leisten können bzw. müssen (2797).

Insbesondere wird empfohlen, dass sich Verlage auf den Service-Bereich konzentrieren und ihre traditionellen Kompetenzen wie Lektorat, Layout, Redaktionsworkflows oder Organisation des Peer Reviews als Dienstleistungen anbieten (1056).

Tragfähige Geschäftsmodelle werden in Zukunft vor allem im Open-Access-Bereich erwartet (639). Allgemein wird gefordert, dass Verlage innovative und experimentelle Publikationsszenarien erproben (787, 1198).

Es wird für denkbar gehalten, dass an der Entwicklung von alternativen Publikationsplattformen auch kommerzielle Verlage beteiligt sein könnten (2964). Generell sollten auch geisteswissenschaftliche Verlage bezüglich der Informations- und Kommunikationstechnologie auf dem neuesten Stand sein (1357).

Im Sinne einer Offenen Wissenschaft wird gefordert, dass Verlage den Begutachtungsprozess und die jeweiligen Bewertungskriterien transparent darstellen sollten (228). Ebenso wird erwartet, dass Verlage die jeweilige Auflagenhöhe bekannt geben (492).

Verlage sollten den Autorinnen und Autoren entgegenkommen, wenn diese Teile ihrer Publikationen vorabveröffentlichen möchten, etwa um ein Feedback aus der Community zu erhalten (234, 1353). Darüber hinaus wird als wünschenswert empfunden, dass Verlage prinzipiell Zweitveröffentlichungen gestatten (2958).

Es sollte eine stärkere Kooperation zwischen Verlagen, Infrastruktureinrichtungen und den Forschenden geben (308, 787). Insbesondere sollten kommerzielle Verlage sich stärker an den Bedürfnissen von Forschungseinrichtungen orientieren und ein besseres Verständnis über Hochschulstrukturen gewinnen (1356). In jedem Falle sollten sich Infrastruktureinrichtungen und Verlage nicht als Kokurrenz ansehen (1978).

Gleichwohl wird durchaus befürwortet, dass Infrastruktureinrichtungen selbst publizierend und verlegerisch tätig werden (2717). In diesem Zusammenhang wird vor allem die Rolle der Reputation betont, die Publikationsangebote aus dem bibliothekarischen bzw. infrastrukturellen Bereich erst aufbauen müssen (188).

Die Gründung von Universitätsverlagen wird allerdings eher skeptisch bewertet (511, 612). In jedem Falle sollten verlegerische Tätigkeiten im akademischen Bereich einem Bottom-up-Ansatz folgen, also aus fachwissenschaftlichen Initiativen entstehen (772, 803). Bestehende Universitätsverlage sollten sich fachlich profilieren und unter einander stärker kooperieren (805). In diesem Zusammenhang wird nachdrücklich betont, dass die Übernahme von verlegerischen Tätigkeiten mit einer Verstärkung personeller Ressourcen einhergehen muss (1314). Es wird dafür geworben, dass Verlage nicht primär gewinnorientiert, sondern kostentragend arbeiten sollten (1861). Insgesamt wird die Vielfalt der Verlagslandschaft als erhaltenswertes Gut angesehen (511).

Historisch gesehen kam die Aufgabe der Bewahrung und Archivierung von Publikationen nicht den Verlagen selbst zu, sondern wurde vor allem von Bibliotheken übernommen. Daher besteht weitgehendes Einverständnis darüber, dass diese Herausforderung der digitalen Langzeitarchivierung und -verfügbarkeit ebenfalls nicht von kommerziellen Publikationsdienstleistern, sondern von öffentlich finanzierten Infrastruktureinrichtungen übernommen werden sollte (1057).

 

(Berlin, 08.02.2016)

Fu-PusH Dossier: Geschäftsmodelle

In den Fu-PusH-Dossiers werden die im Projekt erhobenen Forschungsdaten ausgewertet und zusammengefasst. Die Datengrundlage des vorliegenden Dossiers umfasst die 180 Statements, die mit dem Tag Geschäftsmodelle gefiltert wurden.

 

Kernaussagen

  • Traditionelle Geschäftsmodelle (z.B. Subskriptionsmodell, Druckkostenzuschuss) des wissenschaftlichen Publizierens in den Geisteswissenschaften gelten als dysfunktional.
  • Es bestehen große Unklarheiten bezüglich geeigneter Geschäftsmodelle, allerdings werden die größten Potenziale im Open-Access-Publizieren gesehen.
  • Geisteswissenschaftliches Publizieren unterscheidet sich von anderen Wissenschaftsbereichen durch signifikant geringere Endpreise und Gewinnmargen.
  • Die Publikationskosten sollten nicht Bestandteil der Forschungskosten sein, sondern als Infrastrukturkosten angesehen werden.
  • Eine Modularisierung von Publikationsdienstleistungen sollte angeboten bzw. nachgefragt werden.
  • Aus Autorensicht sind Reputationsgewinne von größerer Bedeutung als ökonomische Gewinne.
  • Die Autorenrechte sollten gestärkt werden und die Übertragung ausschließlicher Nutzungsrechte nicht den Normalfall darstellen.
  • Mit Hilfe des Steuerzahlerargumentes wird für eine Open-Access-Kultur geworben.
  • Die teilweise Umlegung des Erwerbungsetats von Bibliotheken auf die Förderung von Open-Access-Publikationen wird als sinnvoll bewertet.
  • Die flächendeckende Etablierung von Open-Access-Publikationsfonds wird empfohlen.

 

Auswertung

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3. Februar 2016 | Veröffentlicht von Michael Kleineberg | Kein Kommentar »
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Fu-PusH Dossier: Begriff „Bibliothek“

In den Fu-PusH-Dossiers werden die im Projekt erhobenen Forschungsdaten ausgewertet und zusammengefasst. Die Datengrundlage des vorliegenden Dossiers umfasst die 14 Statements, die mit Begriff „Bibliothek“ gefiltert wurden.

 

Auswertung

Es besteht weitgehend Übereinstimmung, dass die Rolle der Bibliothek im Zuge der digitalen Transformation einen grundlegenden Wandel erfährt (113). Bibliotheken gelten nicht mehr vorrangig als Aufbewahrungsorte für Dokumentbestände, sondern werden als Plattformen für soziale Interaktionen angesehen, die vor allem den Serviceaspekt betonen (173, 174, 2121).

Zwar orientiert sich der Sprachgebrauch von Geisteswissenschaftlern zum Wortfeld “Bibliothek” noch sehr stark an Druckwerken und Vor-Ort-Einrichtungen, also das, was man „Bibliothek als Ort“ nennen kann. Zugleich nutzen diese aber digitale Informations- und Seviceangebote von Bibliotheken weitreichend (151). Bibliotheken werden zudem als neutrale Orte der Koordination der wissenschaftlichen Kommunikationen wahrgenommen, die jede Fachwissenschaft braucht (2460).

Bibliotheken werden beispielsweise mit dem Bild einer “Werkstatt des Wissens” beschrieben, wobei die Bedarfsorientierung an den jeweiligen Nutzgruppen hervorgehoben wird (172). So werden Bibliotheken durchaus als Forschungsinfrastrukturen bezeichnet (2397). Hierbei geht es um das Management sowohl von explizitem Wissen in Dokumenten als auch um das implizite Wissen von interagierenden Akteuren (2124). Dieses Selbstverständnis wird dabei auf die historische Rolle von Bibliotheken in der Gesellschaft zurück geführt, die im Bewahren und Erschließen gesehen wird (2131, 2181). Eine Erweiterung des Aufgabenspektrums von Bibliotheken wird zudem auch in der Übernahme verlegerischer Tätigkeiten gesehen (175).

Ein signifikanter Wandel im Grundverständnis von Bibliotheken geht mit der veränderten Auffassung des Sammlungbegriffs einher. Im Digitalen wird eine Sammlung nicht mehr als ein systematisch aufgebauter Korpus angesehen, sondern als eine komplex vernetzte Datenstruktur, in der nicht nur ein individueller Text bearbeitet werden kann, sondern die Sammlung in ihrer Gesamtheit (79, 1382). Allerdings wird betont, dass solche digitalen Netze durch Relevanzfilter und Erschließungsstandards kontrolliert werden müssen, um sinnvoll und verlässlich mit ihnen arbeiten zu können. Diese Aufgabe wird für die Zukunft von Bibliotheken als zentral angesehen (79). Für das Berufsbild ergibt sich die Anforderung eines Verstehens und Gestaltenkönnens dieser digitalen, zunehmend auch semantisch angereicherten Strukturen (79).

(Berlin, 27.01.2016)

27. Januar 2016 | Veröffentlicht von Michael Kleineberg | 2 Kommentare »
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Fu-PusH Dossier: Infrastruktureinrichtungen und Empfehlungen

In den Fu-PusH-Dossiers werden die im Projekt erhobenen Forschungsdaten ausgewertet und zusammengefasst. Für die Auswertung werden jeweils aus Sicht des Projektes relevante thematische Relationen, ermittelt anhand von Kookkurrenzen von Tags, betrachtet. Die Datengrundlage des vorliegenden Dossiers umfasst die 48 Statements, die sowohl mit Infrastruktureinrichtungen als auch mit Empfehlungen gefiltert wurden.

 

Kernaussagen

  • Bedarfsanalysen zur nutzerorientierten Infrastrukturentwicklung sind erforderlich.
  • Niedrigschwellige Infrastrukturangebote sind notwendig.
  • Kompetenznetzwerke auch zwischen Bibliotheken und Fachwissenschaft sollten auf- bzw. ausgebaut werden.
  • Unterschiede der Publikationskulturen sind anzuerkennen.
  • Es ist notwendig, Anreize zum Open-Access-Publizieren zu bieten.
  • Verlegerische Tätigkeiten sollten nur auf Initiativen von und in Kollaboration mit den Fachwissenschaften übernommen werden.
  • Bereits vorhandene lokale Stärken bei Publikationsdienstleistungen sind idealerweise zu verknüpfen. Spezialisierung und Kollaboration sind sinnvoller als jeweilige Komplettangebote.
  • Die Digitalisierung des kulturellen Erbes mit einer zeitgemäßen Erschließungstiefe ist nach wie vor eine zentrale Aufgabe.
  • Eine weitere zentrale Rolle der Infrastrukturanbieter wird im Bereich der Qualitätssicherung gesehen.
  • Die Integration von Infrastrukturanbietern mit dem Forschungsprozess ist zu fördern.
  • Die Autorenbetreuung für das Publizieren in Repositorien sollte mit stärkerer Dienstleistungsorientierung ausgebaut werden.
  • Es ist wichtig, Kommunikations- und Kollaborationsstrukturen für Infrastrukturanbieter und Fachwissenschaften zu etablieren.

 

Auswertung

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Jetzt online: Der Fu-PusH Statement Finder

Ein Ergebnis des Fu-PusH-Projektes ist, dass die Idee der Openness von Wissenschaft mittlerweile weithin Akzeptanz findet. Gerade der möglichst offene Zugang zu Publikationen (Open Access) und Forschungsdaten (Open Research Data) ist etwas, was auch in den Geisteswissenschaften zunehmend thematisiert und gewünscht wird. Dem wollen wir als Projekt selbstverständlich Rechnung tragen. Aus diesem Grund stellen wir die im Zuge der durchgeführten Experteninterviews zum digitalen Publizieren in den Geisteswissenschaften erhobenen, aufbereiteten und anonymisierten Daten zur Einsicht sowie zur Nachnutzung als offene Forschungsdatenpublikation im Fu-PusH Statement Finder zur Verfügung.

 

Überblicksansicht des Fu-PusH Statement Finder
Überblicksansicht des Fu-PusH Statement Finder

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Posterpräsentation auf dem DH-Summit 2015 in Berlin

Vom 3. bis 4. März 2015 findet der DH-Summit (Tagungsprogramm) statt, der von TextGrid und DARIAH-DE veranstaltet wird. Das Fu-PusH-Team stellt wie bereits auf der DHd-Tagung in Graz erste Zwischenergebnisse der durchgeführten Experteninterviews anhand einer Posterpräsentation vor:

 

Future Publications in den Humanities. Ergebnisse von Experteninterviews

DFG-Projekt Fu-PusH

PDF-Download

2. März 2015 | Veröffentlicht von Michael Kleineberg | Kein Kommentar »
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