Hybride Lehre verändert die Medientechnik

Auch wenn einige Hochschulen betonen, dass sie Präsenz-Hochschulen sind, ist nicht davon auszugehen, dass die hybride Lehre vollständig verschwinden wird. Sie ist mit der Pandemie gekommen und wird bleiben.
Die hybride Lehre erlaubt eine Flexibilisierung für die Hochschulen und bietet ihnen so Vorteile, die sie entsprechend ihrer jeweiligen Strategie nutzen können. Eine Flexibilisierung der Lehre kann per se ein strategisches Ziel der Hochschule sein, sie ermöglicht aber auch andere Ziele, wie zum Beispiel verbesserte Teilhabe bei Care-Verpflichtungen, studentischer Erwerbstätigkeit, Migrationshintergrund, Internationalisierung oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Im HFD-Monitor zur Digitalisierung an deutschen Hochschulen 1 gaben 88,1 % der Hochschulen als strategisches Ziel die Flexibilisierung der Lehre an, 85,1 % die Verbesserung der Teilhabe durch eine diverse Studierendenschaft. Internationalisierung und Chancengerechtigkeit sind Wettbewerbsvorteile für Hochschulen, die konsequent erschlossen werden müssen (siehe DINI-Thesen 2024 2, aber ebenso das HFD-Diskussionspapier Nr. 31 3 oder die KMK-Empfehlungen 4).
Hybride Lehre bedeutet zunächst einmal mehr Aufwand, sowohl in didaktischer als auch in technischer Hinsicht und vor allen Dingen auch einen höheren Kommunikationsaufwand zwischen Lehrenden und Studierenden. Hierfür werden entsprechende Kompetenzen und/oder Unterstützung für die Lehrenden benötigt.
Der technische Aufwand in den Lehrveranstaltungsräumen ist mit einer angemessenen Medientechnik-Strategie in der Hochschule umsetzbar. Eine umfassende Medientechnik-Strategie beinhaltet mindestens eine Entwicklungsstrategie (Wie sollen die Lehrräume jetzt und in Zukunft aussehen?), Strategien zur Erneuerung der Medientechnik (Wie werden die Lehrräume auf dem aktuellen Stand gehalten?) sowie eine Support-Strategie (Wie werden die Lehrenden unterstützt?).
Um Fehler, wie zum Beispiel ungünstige Projektionsverhältnisse oder schlechte Akustik zu vermeiden, ist es wichtig, die Medientechnik beim Neubau oder Renovierungen von Anfang an zu berücksichtigen. Dies darf jedoch nicht bedeuten, dass über die gesamte Planungs- und Bauzeit hinweg starr an den Plänen festgehalten wird. Technische Änderungen müssen berücksichtigt werden können. Für größere Räume ist eine feste Installation der Technik für hybride Lehre sicherlich notwendig und sinnvoll. Für kleinere Seminarräume können standardisierte, mobile Medienwagen o. Ä. ausreichend sein, wenn sie eine hinreichende Flexibilität bieten. Wichtig ist ebenfalls das vorgesehene Bedienkonzept, das die Handhabung der Technik so einfach und einheitlich wie möglich über den gesamten Campus hält. Ein Ziel muss sein, Selbstbedienung auch bei komplexen Szenarien durch die Lehrenden zu ermöglichen. Dies bedeutet, dass Presets für typische Anwendungsszenarien in die Mediensteuerung integriert werden und andere Funktionen, wie beispielsweise eine Kamerasteuerung, automatisiert sind.
Und man darf nicht vergessen, dass keine Technik ewig hält. Für Medientechnik sind Erneuerungszyklen zwischen fünf und zehn Jahren realistisch. Hierfür sind die entsprechenden Mittel einzuplanen.
Um einen adäquaten Support leisten zu können, ist ein Ansprechpartner vor Ort für den 1st-Level-Support notwendig. Der 1st-Level-Support sollte einfache Probleme beheben können und kompliziertere an einen zentralen 2nd- und 3rd-Level-Support weiterleiten. Für die höheren Supportstufen kann es sinnvoll sein, Dienstleister:innen mit einzubeziehen. Seit einiger Zeit konvergiert die Medientechnik immer mehr mit der IT. Besonders sichtbar wird das etwa bei der Übertragung von Audio- und Videodaten über IP-Netze. Dies spiegelt sich allerdings häufig nicht in den Stellenplänen der Hochschulen wider, was wiederum oftmals die Stellenbesetzung im Bereich der Medientechnik erschwert.
Medientechniker:innen müssen kontinuierlich aus- und weitergebildet werden, insbesondere, wenn sie selbst auch Schulungen für Lehrende anbieten sollen. Bei einer Expert:innenbefragung unter Studiendekan:innen der Humboldt-Universität kam heraus, dass eine transparente und verlässliche Gestaltung des Supports und Betriebs für die Lehrenden sehr wichtig ist, also dem Supportkonzept eine große Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte.

  1. Hense, J., Goertz, L. (2023). Monitor Digitalisierung 360° Arbeitspapier Nr. 68. Berlin: Hochschulforum Digitalisierung ↩︎
  2. DINI e.V. (2024). Thesen 2024 Wissenschaftliche Informationsinfrastrukturen der Zukunft ↩︎
  3. Basner, T., Persike, M. (2024). „Können Sie das nicht auch live streamen?“ Didaktische Herausforderungen und strategische Potentiale hybrider synchroner Lehre Diskussionspapier Nr. 31. Berlin: Hochschulforum Digitalisierung ↩︎
  4. Kultusministerkonferenz (2021). Lehren und Lernen in der digitalen Welt. Die ergänzenden Empfehlungen zur Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ ↩︎
17. März 2026 | Veröffentlicht von cmsredakteur
Veröffentlicht unter CMS-Broschüre 01/26

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