CMS-Broschüre 01/26

CARDS – Erfolge, Erkenntnisse und Ausblick

Mit dem Projekt „Collaboratively Advancing Research Data Support“ (CARDS) möchte die Berlin University Alliance (BUA) an den vier Partnerinstitutionen die Etablierung und Unterstützung verschiedener Dienstleistungen im Forschungsdatenmanagement (FDM) stärken, darunter auch elektronische Laborbücher (ELNs).

ELNs sind z. B. ein wichtiger Baustein für die gute Wissenschaftliche Praxis, denn als digitale Tools ermöglichen sie eine strukturierte, leicht durchsuchbare und wiederverwendbare digitale Dokumentation von Forschungsdaten und Metadaten, und erfüllen damit auch die FAIR-Prinzipien. Die Einführung eines geeigneten ELNs für die BUA ist somit essentiell, um die hohe Forschungsdatenqualität im Berliner Exzellenzverbund zu sichern. Aus diesem Anlass wird am CMS bis Ende 2026 ein Betriebskonzept für die Einführung eines ELNs erstellt, dem die Erfahrungen an der HU als Blueprint zugrunde liegen werden.

Im Frühjahr 2025 wurde auf der HU-eigenen Limesurvey-Plattform eine Umfrage zu den Bedarfen von Forschenden hinsichtlich eines ELNs durchgeführt, deren Ergebnisse Anfang 2026 veröffentlicht wurden. In einem nächsten Schritt wurden verfügbare ELNs evaluiert und die Ergebnisse in einer Entscheidungsmatrix zusammengefasst. Diese dient auch als Grundlage für die finale Auswahl eines ELNs durch die BUA.

Für die Pilotphase liegt der Fokus auf zwei Open-Source ELNs: eLabFTW, das bereits im Vorfeld als besonders geeignet identifiziert wurde und auf dem fachspezifischen ELN Chemotion aus der NFDI4Chem-Community. Ziel ist es, zu bewerten, inwiefern sich fachspezifische Lösungen von generischen ELNs unterscheiden und ob eine Weiterentwicklung von ersteren hin zu einer breiteren Anwendbarkeit möglich und sinnvoll ist. Die Pilotierung erfolgt dabei nach dem Prinzip „ein Labor/ein ELN“, wobei sich ein Pilotlabor bereit erklärte, beide Tools zu testen. Das an der Partnerinstitution Charité genutzte ELN LabFolder wurde zwar in die Evaluierung einbezogen, um Integrationspotenziale und mögliche Alternativen zu berücksichtigen, wird aber nicht pilotiert.

Da innerhalb der BUA bislang keine zentral administrierten ELNs existierten, mussten für die Pilotierung zunächst entsprechende Instanzen eingerichtet werden. Dazu wurden an der FU in Zusammenarbeit mit dem Zuse-Institut Berlin die ELNs Chemotion und eLabFTW implementiert, um eine standortinterne Datenablage innerhalb des FU-Netz-werks zu gewährleisten. An der HU wurde eLabFTW ebenfalls als Testinstanz in der HU-Cloud eingerichtet, um auch den Zugriff eines kooperierenden TU-Labors zu ermöglichen. Die Chemotion nutzenden Labore an der HU und TU arbeiten weiterhin mit ihren bestehenden Instanzen, was die Umsetzung erheblich vereinfachte, da keine zusätzlichen institutsübergreifenden Zugänge erforderlich waren.

Die Installation verlief an der HU reibungslos und auch die Bereitstellung der technischen Infrastruktur (Implementierung von eLabFTW mittels Automatisierungstools, Anbindung an den föderativen Authentifizierungsdienst Shibboleth, Backup, etc.) konnte zügig und ohne technische Hürden realisiert werden. Da der übliche reguläre Support aktuell noch nicht bereitgestellt werden kann, läuft die Testinstanz unter definierten Sonderbedingungen, die den Pilotlaboren bekannt sind. Zwei dieser Labore haben dank enger Zusammenarbeit mit dem Hersteller Deltablot auch erfolgreich eine Datenmigration auf die Testinstanz vorgenommen.

Begleitend zur Pilotierung wird eine Community innerhalb der BUA aufgebaut, die sich deutschlandweit vernetzt, um sich an der Weiterentwicklung der ELNs zu beteiligen sowie den Forschenden und ELN-Administrator:innen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Nach der Pilotierung (Ende 1. Quartals 2026) werden mittels einer Umfrage die Nutzungserfahrungen der Pilotlabore erfasst und ausgewertet. Die im Projekt gewonnenen Erfahrungen bilden die Grundlage für einen Blueprint eines zukünftigen Dauerbetriebs. Dieser wird fortlaufend durch die Ergebnisse der Feedbackerhebung unter den Pilotlaboren sowie durch die Anforderungen der Partnerinstitutionen geschärft. Ziel ist es, auf dieser Basis eine tragfähige und institutionell verankerte Lösung für den Betrieb elektronischer Laborbücher zu etablieren. Um eine dauerhafte Nutzung der Testinstanz an der HU zu ermöglichen, wird derzeit das erforderliche Mitbestimmungsverfahren vorbereitet; die entsprechenden Dokumente befinden sich bereits in der Abstimmung.

17. März 2026 | Veröffentlicht von cmsredakteur | Kein Kommentar »
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