Dr.in Daria Dydzinskaya
Stabsstelle Labor für innovatives Lehren und Lernen/
Hochschuldidaktik der Humboldt-Universität (bologna.lab)
Welche Motivationsfaktoren bewegen Lehrende dazu, hybrid zu unterrichten? Laut einer Befragung an der Humboldt-Universität zu hybrider Lehre (2024) sind die wichtigsten Faktoren die „Ermöglichung der Teilnahme von Studierenden in verschiedenen Lebenssituationen“ sowie die „Teilnahme für Studierende an anderen Wohn- oder Aufenthaltsorten“. Große Vorteile hybrider Lehre – Flexibilisierung, Internationalisierung und Inklusion – spiegeln gleichzeitig zentrale Trends der Hochschulentwicklung 1 wider. Doch wie können Hochschulen und Lehrende – auf technischer, didaktischer und organisatorischer Ebene – unterstützt werden, um qualitativ hochwertige hybride Lehrformate für Studierende anzubieten?
Mit dieser Frage befasste sich das Berliner Netzwerk Hybride Lehre (BNHL) – ein Verbundprojekt von sechs Berliner Hochschulen (FU, BHT, Charité, TU, UdK, HU) und dem Berliner Zentrum für Hochschullehre (BZHL), gefördert durch die Qualitäts- und Innovationsoffensive (QIO) des Berliner Senats. Zwischen Juli 2022 und Dezember 2025 entwickelten die Hochschulen Konzepte, Ressourcen und Infrastrukturen, um hybride Lehr- und Lernformate zu professionalisieren und institutionell zu verankern. Die Humboldt-Universität (bologna.lab und CMS) übernahm die Koordination.
Im Projekt entstanden didaktische Tools und Selbstlernmaterialien, die Lehrende bei Planung und Umsetzung hybrider Lehrveranstaltungen unterstützen. Ein webbasiertes Entscheidungshilfe-Tool assistiert bei der Auswahl geeigneter Formate (Präsenz/online/hybrid), bietet Orientierung zu didaktischen wie auch technischen Fragen und ermöglicht eine kontextsensitive Planung. Die Guidelines for Hybrid Teaching (Englisch) und das Hybride-Lehre-Wiki der FU-Berlin beschreiben Best Practices und Umsetzungsempfehlungen, die in Hybridkursen pilotiert und evaluiert wurden. Die Charité erstellte eine Wissensbasis zum Thema Humanizing Online Learning und entwickelte Infografiken, die zeigen, wie Lehrende Motivation und Wohlbefinden der online Lernenden fördern können.
Neben der Didaktik war die technische Umsetzung zentral. An den Hochschulen entstanden sowohl fest ausgestattete hybride Lehrräume als auch mobile Lösungen. An der HU stehen hybride Seminarräume, Boxen für Gruppen- und Einzelarbeit sowie Hörsäle zur Verfügung, teils mit Kameratracking-Systemen und kalendergesteuerter Vorlesungsaufzeichnung via Opencast (aktuell in 19 Räumen verfügbar). Die Charité entwickelte Raumkonzepte für verschiedene Gruppengrößen, von flexiblen Kleingruppenräumen bis zu großen Hörsälen. Als flexible Alternativen zur festen Infrastruktur wurden zusätzlich mobile Lösungen untersucht: Die UdK entwickelte ein mobiles Streaming-Kit, die TU einen hybriden Koffer, die BHT eine leicht bedienbare Technikbox mit Kameras und Mikrofon. So können Lehrende hybride Kurse in jedem Raum durchführen.
Austausch und Wissenstransfer förderte das Netzwerk durch Journal Clubs, Lunchtalks und öffentliche Veranstaltungen. Befragungen von Lehrenden und Studierenden halfen, die realen Bedarfe und Potenziale zu identifizieren. So entstanden praxisnahe Materialien – ergänzt durch fundierte Interviews mit Lehrenden –, deren hybride Konzepte als Best-Practice-Beispiele dienen. Um internationale Perspektiven auf hybride Lehre einzubeziehen, initiierte das HU-Team ein weiteres Projekt (HybridCU) im Rahmen der Circle U.-Allianz. Das Projekt vertieft gemeinsam mit fünf europäischen Partneruniversitäten die Expertise im Bereich hybrider Lehrformate und entwickelt zusätzliche englischsprachige Ressourcen.
Das Besondere am Netzwerk ist seine Offenheit: Alle entwickelten Ressourcen und Erkenntnisse sind auf der Website des BZHL veröffentlicht und bundesweit frei nutzbar. Die Ergebnisse wurden über Weiterbildungen, Workshops und Beiträge bei Veranstaltungen wie dem University:Future Festival und dem Hochschulforum Digitalisierung verbreitet.
Mit Projektabschluss stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit: Die beteiligten Organisationen haben wertvolle Impulse und tragfähige Strukturen geschaffen. Entscheidend wird sein, ob Hochschulen die entwickelten Ansätze pflegen, aktualisieren und in neue Kontexte überführen. Die HU wird ihren Schwerpunkt darauf legen, praxisorientierte Beratung an den Fakultäten anzubieten, Lehrende bei der Entwicklung hybrider Lehrformate zu begleiten und die erforderliche Technik bereitzustellen.
Projektbeteiligte an der HU: Wolfgang Deicke, Daria Dydzinskaya, Andreas Goroncy, Philipp Kapser, Uwe Pirr, Natalia Spitha.
