Dr. Tamás Molnár
Computer- und Medienservice, Servicezentrum Campuscard – Verbund Berliner Hochschulen
Einleitung
Seit 2015 kooperieren die Berliner Hochschulen im Bereich Studierendenausweis und haben damit das größte Ausweissystem seiner Art in Europa geschaffen. Dabei haben Innovationen und Synergieeffekte im Zuge der Kooperation nicht nur Kosteneinsparungen ermöglicht, sondern auch neue Technologieansätze hervorgebracht.
Die größte Innovation bisher stellt die Entwicklung der Campuscard-Smartphone-App dar. Dahinter stand der Grundgedanke, eine kosteneffektivere Lösung zu schaffen, die jedoch alle Funktionen der bisher eingesetzten physischen Mifare-Desfire-EV2-Chipkarten abbilden kann. Die App sollte auf beiden üblichen Betriebssystemen, iOS und Android, laufen und möglichst mit allen im Umlauf befindlichen Geräten der Studierenden eine gute Kompatibilität aufweisen.
Das Projekt wurde 2019 gestartet und wird seit 2022 durch den Berliner Senat gefördert. Nach dem Projektstart wurde schnell klar, dass an den großen Universtäten in den USA zwar ähnliche Systeme existieren, jedoch in einer komplett anderen und in Europa nicht anwendbaren Konstellation mit einem Full-Service-Provider. So mussten die Komponenten wie schon für das kartenbasierte Vorgängersystem inhouse entwickelt werden. Das System wurde entsprechend durch das am CMS ansässige Servicezentrum Campuscard aufgebaut.
Die Campuscard-App steht den Studierenden auf beiden Plattformen seit Frühjahr 2025 zur Verfügung.
Aufbau der Campuscard-App
Die App wurde auf Basis eines Frameworks1 für iOS und Android entwickelt und als Frontend in die bestehende Infrastruktur des Kartenmanagementsystems (KMS3) eingebunden. Das KMS3 erhielt in diesem Rahmen ein spezielles für die App konzipiertes Backend. So konnte die angestrebte Datensparsamkeit erreicht werden, da die App auf dem Gerät nur minimale Daten vorhält.
Die größte Innovation der App ist jedoch die Emulation der kontaktlosen Kommunikation (NFC2). Diese wurde nach Kenntnis des CMS in dieser Form bisher weder von anderen Hochschulen noch von Unternehmen umgesetzt.
Auf der Android-Plattform wurde eine handelsübliche Host Card Emulation (HCE) gewählt. Ohne Nutzung des Secure Elements (SE) könnte die App jedoch geklont werden. Da die Chips für das SE bei Android keinem Standard entsprechen, wäre die direkte Nutzung des SE mit einem nicht zu leistenden Testaufwand verbunden gewesen.
Die Lösung für dieses Problem war das Cloud-Secure-Element, welches wir 2023 entwickelt haben. Damit wird die Authentifizierung auf den Server verlagert, welcher unabhängig vom Android-Gerät ist und somit den Testaufwand erheblich reduziert. Dies hat den geringen Nachteil der Online-Pflicht des Gerätes, was allerdings durch eduroam in den Hochschulgebäuden kein allzu großes Problem darstellt.
Auf der iOS-Plattform schien es bis Mai 2024 schier unmöglich, eine Lösung für die NFC-Emulation zu entwickeln. Die Verpflichtungszusage von Apple gegenüber der EU-Kommission hat dies ermöglicht.3 Dritt-anbietern wird nun Zugang zur NFC-Technik auf iOS-Geräten gewährt. Damit können Apple APIs4 eine Mifare-Karte emulieren.
Ausblick
Im nächsten Schritt soll die App für eine EU-weite Kompatibilität mit der EUDI-Wallet5-Technologie verbunden werden. Im ersten Halbjahr 2025 präsentiert das Team hierzu eine Tech-Demoversion.
- Hierbei handelt es sich um Ionic ↩︎
- Abkürzung von: Near-Field Communication ↩︎
- https://germany.representation.ec.europa.eu/news/kartellrecht-eu-kommission-akzeptiert-verpflichtungszusagen-von-apple-zur-offnung-der-tap-and-go-
2024-07-11_de ↩︎ - Bei den APIs handelt es sich um Passkit und Corenfc ↩︎
- Abkürzung von: European Digital Identity Wallet ↩︎
